Lexikon

PSI (Parodontaler Screening-Index)

Der Parodontale Screening-Index (PSI) ist eine kurze Suchuntersuchung am Zahnhalteapparat. Die Zahnärztin oder der Zahnarzt tastet dabei mit einer genormten Sonde die Zähne ab, teilt das Gebiss in sechs Abschnitte und vergibt für jeden Abschnitt einen Code von 0 bis 4. Das Ergebnis zeigt, ob eine Erkrankung des Zahnhalteapparats wahrscheinlich ist und ob weiter untersucht werden muss. Eine Diagnose ist der PSI nicht: Ob eine Parodontitis vorliegt und wie weit sie fortgeschritten ist, klärt erst der vollständige Parodontalstatus mit Röntgenbildern.

Ablauf der Untersuchung

Gemessen wird mit einer Parodontalsonde nach WHO-Vorgabe. Ihre Spitze ist zu einer kleinen Kugel abgerundet, damit sie das Zahnfleisch schont und kleine Rauigkeiten ertastet. Ein schwarzes Band markiert den Bereich zwischen 3,5 und 5,5 mm. Abgelesen wird, wie viel von diesem Band sichtbar bleibt, wenn die Sonde in der Zahnfleischtasche steckt.

Das Gebiss wird in sechs Sextanten eingeteilt, je drei pro Kiefer. Für jeden Sextanten zählt der höchste gemessene Wert. Wird an einer Stelle Code 4 gemessen, endet die Messung für diesen Sextanten. Ein Sextant ohne Zahn oder mit nur einem Zahn erhält ein „X“. In der vertragszahnärztlichen Versorgung ist festgelegt, dass bei Erwachsenen alle vorhandenen Zähne außer den Weisheitszähnen gemessen werden, bei Kindern und Jugendlichen bis zum 18. Geburtstag dagegen nur die sechs Indexzähne 11, 16, 26, 31, 36 und 46.

Die Codes und ihre Bedeutung

CodeBefund an der SondeWeitere BefundeBedeutung
0Band bleibt ganz sichtbar (Sondierungstiefe unter 3,5 mm)keine Blutung, kein Zahnstein, keine defekten Füllungs- oder Kronenränderparodontal gesund
1Band bleibt ganz sichtbar (unter 3,5 mm)Blutung beim Sondieren, kein Zahnstein, keine defekten RänderZahnfleischentzündung
2Band bleibt ganz sichtbar (unter 3,5 mm)Zahnstein und/oder defekte Füllungs- oder KronenränderZahnfleischentzündung mit Reizfaktoren
3Band bleibt teilweise sichtbar (3,5 bis 5,5 mm)–Verdacht auf Parodontitis
4Band verschwindet ganz (über 5,5 mm)–Verdacht auf Parodontitis
Schema der PSI-Codes 0 bis 4: Je nach Taschentiefe bleibt das schwarze Band der WHO-Sonde ganz sichtbar, teilweise verdeckt oder ganz verdeckt
Bei den Codes 0 bis 2 bleibt das schwarze Band der Sonde sichtbar, bei Code 3 verschwindet es teilweise und bei Code 4 ganz in der Zahnfleischtasche.

Bei den Codes 0 bis 2 ist die Tasche flach; unterschieden wird nach Blutung auf Sondieren und nach Reizfaktoren wie Zahnstein oder überstehenden Füllungsrändern. Code 1 und 2 sprechen für eine Gingivitis. Ab Code 3 ist die Tasche so tief, dass der Verdacht auf Parodontitis besteht.

Ein Stern (*) hinter dem Code markiert weitere klinische Auffälligkeiten, etwa Zahnfleischrückgang von 3,5 mm und mehr, einen Befall der Wurzelgabelung (Furkation), Probleme am Übergang von Zahnfleisch zu beweglicher Schleimhaut oder gelockerte Zähne. Die Kassenrichtlinie (G-BA) ordnet einen solchen Sextanten eine Stufe höher ein als gemessen.

Was auf das Ergebnis folgt

  • Code 0: Es besteht kein Behandlungsbedarf; die regelmäßige Kontrolle genügt.
  • Code 1: Im Vordergrund steht eine bessere Mundhygiene.
  • Code 2: Dazu kommen das Entfernen von Zahnstein und das Glätten überstehender Füllungs- und Kronenränder.
  • Code 3 und 4: Es folgt eine vollständige parodontale Befunderhebung mit Röntgenbildern. Auf ihr beruhen Diagnose und Behandlungsplan.

Nach der Untersuchung erhalten gesetzlich Versicherte das Ergebnis schriftlich auf einem Vordruck, der den Befund und den möglichen Behandlungsbedarf verständlich erklärt. Wie die Diagnostik bei Verdacht auf Parodontitis weitergeht, beschreibt die Ratgeberseite Parodontitis erkennen.

Grenzen des Screenings

Der PSI beruht auf der Sondierungstiefe und hält je Sextant nur den höchsten Wert fest. Eingeteilt wird eine Parodontitis heute dagegen nach Stadium und Grad. Das Stadium (I bis IV) richtet sich vor allem nach dem Abbau von Zahnhalteapparat und Knochen, gemessen an der Wurzellänge, nach parodontitisbedingtem Zahnverlust und nach der Komplexität der Behandlung, etwa bei tiefen Taschen, Knochentaschen oder Furkationsbefall. Der Grad (A bis C) schätzt ab, wie schnell die Erkrankung fortschreitet; Risikofaktoren können die Einstufung verändern. Diese Angaben liefern erst die vollständige Messung von Attachmentverlust und Taschentiefen an allen Zähnen und das Röntgenbild.

Mit dieser Einteilung ist die frühere Unterscheidung in „chronische“ und „aggressive“ Parodontitis entfallen; beide Formen gehören heute zu einer Kategorie. Der PSI bleibt der Einstieg, die Klassifikation folgt im zweiten Schritt.

Herkunft

Der PSI geht auf einen Index der Weltgesundheitsorganisation zurück, den Community Periodontal Index of Treatment Needs (CPITN), der Anfang der 1980er-Jahre entwickelt wurde, um den parodontalen Behandlungsbedarf ganzer Bevölkerungsgruppen zu erfassen. In Deutschland ist der PSI seit dem 1. Januar 2004 Teil der vertragszahnärztlichen Versorgung; in Großbritannien und den USA haben Fachgesellschaften eigene Abwandlungen des CPITN entwickelt.

Kosten und Kassenleistung

Gesetzlich Versicherte haben einmal innerhalb von zwei Jahren Anspruch auf den PSI; abgerechnet wird er als BEMA-Nr. 04. Während einer systematischen Parodontitisbehandlung nach der PAR-Richtlinie des G-BA ist er keine Kassenleistung. Wieder abrechenbar ist er nach der letzten Maßnahme der unterstützenden Parodontitistherapie (UPT). Wird ein Index vor Ablauf der zwei Jahre erneut erhoben, kann er als Privatleistung nach GOZ-Nr. 4005 vereinbart werden.

Für Privatversicherte und Selbstzahler gilt die GOZ-Nr. 4005, „Erhebung mindestens eines Gingivalindex und/oder eines Parodontalindex“. Sie ist innerhalb eines Jahres höchstens zweimal berechnungsfähig.

GOZ-Nr. 4005 (80 Punkte)2,3-fach3,5-fach5,0-fach
Erhebung mindestens eines Gingival- und/oder Parodontalindex, z. B. PSI10,35 €15,75 €22,50 €
Punktwert 5,62421 Cent. Der Gebührenrahmen endet beim 3,5-fachen Satz (§ 5 Abs. 1 GOZ); jede darüber hinausgehende Vergütung – auch der hier ausgewiesene 5,0-fache Satz – bedarf einer schriftlichen Vereinbarung nach § 2 GOZ.

IMPLANTAT-SPEZIALISTEN IN IHRER NÄHE

Implantologen mit Preisgarantie
Erweiterte Suche

Literatur

Literatur und Quellenangaben
  • Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Richtlinie für eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche vertragszahnärztliche Versorgung (Behandlungsrichtlinie), Abschnitt B. I. Befunderhebung und Diagnose einschließlich Dokumentation; Parodontaler Screening-Index (PSI). Fassung vom 24.09.2003, zuletzt geändert am 16.12.2021 (BAnz AT 08.03.2022 B4). g-ba.de
  • Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns (KZVB): Abrechnungsmappe – Behandlungsrichtlinie (G-BA), B. I. Befunderhebung und Diagnose einschließlich Dokumentation; Parodontaler Screening-Index (PSI). abrechnungsmappe.kzvb.de
  • Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns (KZVB): Abrechnungsmappe – BEMA-Nr. 04, Erhebung Parodontaler Screening-Index. abrechnungsmappe.kzvb.de
  • Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV): Der Parodontale Screening Index (PSI). Patienteninformation, Stand Juni 2025. kzbv.de
  • Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ), Anlage 1 (Gebührenverzeichnis), Nr. 4005. gesetze-im-internet.de
  • Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO): Dokumentation & PSI. dgparo.de
  • Ainamo J, Barmes D, Beagrie G, Cutress T, Martin J, Sardo-Infirri J. Development of the World Health Organization (WHO) community periodontal index of treatment needs (CPITN). Int Dent J. 1982;32(3):281–291. PubMed 6958657
  • Papapanou PN, Sanz M, Buduneli N, Dietrich T, Feres M, Fine DH, Flemmig TF, Garcia R, Giannobile WV, Graziani F, Greenwell H, Herrera D, Kao RT, Kebschull M, Kinane DF, Kirkwood KL, Kocher T, Kornman KS, Kumar PS, Loos BG, Machtei E, Meng H, Mombelli A, Needleman I, Offenbacher S, Seymour GJ, Teles R, Tonetti MS. Periodontitis: Consensus report of workgroup 2 of the 2017 World Workshop on the Classification of Periodontal and Peri-Implant Diseases and Conditions. J Clin Periodontol. 2018;45(Suppl 20):S162–S170. doi:10.1111/jcpe.12946
  • Tonetti MS, Greenwell H, Kornman KS. Staging and grading of periodontitis: Framework and proposal of a new classification and case definition. J Clin Periodontol. 2018;45(Suppl 20):S149–S161. doi:10.1111/jcpe.12945
  • Dietrich T, Ower P, Tank M, West NX, Walter C, Needleman I, Hughes FJ, Wadia R, Milward MR, Hodge PJ, Chapple ILC; British Society of Periodontology. Periodontal diagnosis in the context of the 2017 classification system of periodontal diseases and conditions – implementation in clinical practice. Br Dent J. 2019;226(1):16–22. doi:10.1038/sj.bdj.2019.3
  • Beltrán-Aguilar ED, Eke PI, Thornton-Evans G, Petersen PE. Recording and surveillance systems for periodontal diseases. Periodontol 2000. 2012;60(1):40–53. doi:10.1111/j.1600-0757.2012.00446.x

Aktualisiert am:

Verantwortlicher Autor