Zahnwechsel beim Kind: Reihenfolge, Dauer und Wackelzähne
Mit etwa sechs Jahren beginnt der Zahnwechsel, mit elf bis dreizehn Jahren fallen die letzten Milchzähne aus. Er verläuft in zwei Phasen: Zuerst wechseln die Schneidezähne, und hinter den Milchzähnen kommen die ersten großen Backenzähne hinzu. Ab etwa neun Jahren folgen Eckzähne und Milchbackenzähne. Ein paar Monate früher oder später als in der Tabelle ist bei gesunden Kindern üblich.
Wann die bleibenden Zähne durchbrechen, zeigt die Seite Wann kommt welcher Zahn?; weitere Elternfragen beantwortet das Kapitel Kinderzahnheilkunde.
Auf einen Blick
| Beginn | Mit etwa 6 Jahren; der erste bleibende Zahn ist meist der erste große Backenzahn |
|---|---|
| Erster Wackelzahn | Meist ein unterer mittlerer Schneidezahn, mit 6 bis 7 Jahren |
| Ende | Die letzten Milchzähne fallen mit 11 bis 13 Jahren aus |
| Wackeln bis Ausfall | Von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen |
| Normal | Neuer Zahn in zweiter Reihe hinter dem Milchzahn, Lücke zwischen den oberen Schneidezähnen |
| Abklären lassen | Verlust eines Milchschneidezahns vor dem 5. Geburtstag ohne Unfall oder Karies, Milchzahn bleibt fest, Kreuzbiss, stark vorstehende Schneidezähne |
| Kasse | Individualprophylaxe ab 6 Jahren; Kieferorthopädie ab KIG-Grad 3, Beginn ab dem späten Wechselgebiss, früher nur in Ausnahmen |
Der Zahnwechsel verläuft in zwei Phasen; die letzten Milchzähne fallen mit etwa elf bis dreizehn Jahren aus.
Wann fällt welcher Milchzahn aus?
Die Milchzähne fallen in einer typischen Reihenfolge aus, rechts und links etwa gleichzeitig. Mädchen sind oft etwas früher dran als Jungen. Die Spannen sind Richtwerte; viele gesunde Kinder weichen um einige Monate davon ab.
| Milchzahn | Oberkiefer | Unterkiefer |
|---|---|---|
| Mittlerer Schneidezahn | 7 bis 8 Jahre | 6 bis 7 Jahre |
| Seitlicher Schneidezahn | 8 bis 9 Jahre | 7 bis 8 Jahre |
| Eckzahn | 11 bis 12 Jahre | 9 bis 11 Jahre |
| Erster Milchbackenzahn | 9 bis 11 Jahre | 10 bis 12 Jahre |
| Zweiter Milchbackenzahn | 9 bis 12 Jahre | 11 bis 13 Jahre |
Die ersten großen Backenzähne ersetzen keinen Milchzahn: Sie brechen mit etwa 5½ bis 7 Jahren hinter dem letzten Milchbackenzahn durch. Ihre tiefen Furchen lassen sich mit einer Fissurenversiegelung schützen.
Warum ein Milchzahn wackelt
Unter jedem Milchzahn wächst sein bleibender Nachfolger heran. Während er sich auf den Durchbruch vorbereitet, baut der Körper die Wurzel des Milchzahns nach und nach ab (Wurzelresorption). Ist kaum noch Wurzel übrig, hält der Milchzahn nicht mehr fest, er wackelt und fällt schließlich aus.
Wie lange ein Zahn wackelt, ist sehr unterschiedlich: manchmal nur wenige Tage, manchmal mehrere Wochen. Die meisten Wackelzähne fallen von selbst aus, ziehen muss sie niemand. Wann der Zahnarzt doch nachhilft, steht unter Milchzahn ziehen.
Was im Wechselgebiss normal aussieht
Neuer Zahn in zweiter Reihe: Nicht selten bricht ein bleibender unterer Schneidezahn hinter dem noch festen Milchzahn durch. Das sieht ungewohnt aus, häufig fällt der Milchzahn danach aber ohne Behandlung aus. Bleibt er über längere Zeit fest, entfernt ihn der Zahnarzt.
Lücke zwischen den oberen Schneidezähnen: Die neuen oberen Schneidezähne stehen anfangs oft mit einer Lücke in der Mitte. Das gehört im Wechselgebiss zur normalen Entwicklung. Ob die Lücke behandelt werden muss, lässt sich meist erst beurteilen, wenn die bleibenden Eckzähne durchgebrochen sind, bei einer sehr großen Lücke auch früher. Welche Rolle ein tief ansetzendes Lippenbändchen dabei spielt, erklärt der Lexikon-Eintrag Frenektomie.
Enge bei den unteren Schneidezähnen: Stehen die neuen unteren Schneidezähne anfangs etwas gedrängt, ist das im frühen Wechselgebiss häufig. Beurteilt wird es bei den Kontrollen im weiteren Verlauf des Zahnwechsels.
Wann der Zahnwechsel abgeklärt werden sollte
Zu früh: Fällt ein Milchschneidezahn vor dem fünften Geburtstag aus, ohne dass Karies oder ein Zahnunfall dahinterstecken, sollte das zahnärztlich abgeklärt werden. Zwischen dem dritten und fünften Geburtstag kann das noch eine Spielart der normalen Entwicklung sein, vorher ist das unwahrscheinlich. Selten ist ein so früher Verlust das erste Zeichen einer Allgemeinerkrankung, die dann ärztlich weiter untersucht wird. Ein erster Wackelzahn mit fünf Jahren ist dagegen nichts Ungewöhnliches.
Zu spät oder gar nicht: Ein Milchzahn, der fest bleibt, obwohl der gleiche Zahn auf der Gegenseite schon seit etwa sechs Monaten gewechselt hat, sollte zahnärztlich angesehen werden. Ein Röntgenbild klärt, ob ein Nachfolger angelegt ist. Dahinter kann ein fehlender oder überzähliger Zahn stecken (Zahnanomalien beim Kind). Ab wann eine Verzögerung bei den bleibenden Zähnen auffällig ist, zeigt die Seite Wann kommt welcher Zahn?
Milchbackenzahn sinkt ab: Manchmal verwächst ein Milchbackenzahn mit dem Knochen (Ankylose). Er wackelt dann nicht, wächst nicht mit und liegt mit der Zeit tiefer als seine Nachbarn. Das kommt in etwa 7 bis 14 von 100 Milchgebissen vor. Ist ein Nachfolger angelegt, wird der Milchzahn meist zunächst beobachtet und entfernt, wenn er dessen Durchbruch behindert oder die Nachbarzähne zu kippen beginnen. Fehlt der Nachfolger, wird früher entschieden, bevor ein großer Höhenunterschied entsteht.
Zahnspange schon im Wechselgebiss?
Bei jeder Kontrolle schaut der Zahnarzt auch auf die Entwicklung des Gebisses. Für die meisten Kinder ist das späte Wechselgebiss, also etwa ab neun bis zehn Jahren, der richtige Zeitpunkt für eine kieferorthopädische Behandlung. Früher zu behandeln bringt nur bei einigen Befunden etwas:
- Kreuzbiss mit Zwangsführung: Beißen obere Seitenzähne innen statt außen auf die unteren und weicht der Unterkiefer dabei zur Seite aus, ist das ein Grund, früh zu behandeln. Eine Dehnung des Oberkiefers korrigiert den Kreuzbiss im Alter von etwa sieben bis elf Jahren gut.
- Stark vorstehende obere Schneidezähne: Je weiter sie vorstehen, desto häufiger werden sie bei einem Sturz verletzt; ab etwa 8 Millimetern haben schon mehr als vier von zehn Kindern einen Frontzahnunfall hinter sich. Eine frühe Behandlung senkt das Risiko weiterer Unfälle. Andere Vorteile gegenüber einer späteren Behandlung hat sie nicht.
- Vorbiss: Stehen die unteren Schneidezähne vor den oberen, lässt sich das früh verbessern; bis ins Jugendalter kann sich der Effekt aber wieder verlieren.
Was die Krankenkasse zahlt
Vom 6. bis zum 18. Geburtstag haben gesetzlich versicherte Kinder Anspruch auf Individualprophylaxe: Mundhygiene-Befund, Aufklärung und Fluoridierung jedes Kalenderhalbjahr, bei hohem Kariesrisiko die Fluoridierung zweimal je Halbjahr. Die Versiegelung der großen Backenzähne zahlt die Kasse ebenfalls, beim ersten großen Backenzahn auch dann, wenn er schon vor dem sechsten Geburtstag durchbricht.
Kieferorthopädie ist eine Kassenleistung, wenn der Befund mindestens den Behandlungsbedarfsgrad 3 der Kieferorthopädischen Indikationsgruppen (KIG) erreicht und bei Behandlungsbeginn das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet ist. Als Kassenleistung soll sie nicht vor Beginn der zweiten Phase des Zahnwechsels, dem späten Wechselgebiss, beginnen. Früher zahlt die Kasse nur in festgelegten Fällen:
- als Frühbehandlung bei bestimmten ausgeprägten Befunden, etwa einem seitlichen Kreuz- oder Zwangsbiss oder einer sehr großen Frontzahnstufe; sie soll nicht vor dem vierten Lebensjahr beginnen und innerhalb von sechs Kalenderquartalen abgeschlossen sein,
- zum Offenhalten einer Lücke nach vorzeitigem Milchzahnverlust mit einem herausnehmbaren Lückenhalter, ohne Eigenanteil; ein festsitzender Lückenhalter ist keine Kassenleistung,
- zum Abgewöhnen schädlicher Gewohnheiten bei bestimmten ausgeprägten Befunden,
- bei Spalten, schweren Kieferfehlbildungen und unfallbedingten Kieferfehlstellungen.
Für die übrige kieferorthopädische Behandlung zahlen die Eltern zunächst einen Eigenanteil von 20 Prozent. Sind mindestens zwei versicherte Kinder aus einem Haushalt in kieferorthopädischer Behandlung, die bei Behandlungsbeginn das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hatten, sind es für das zweite und jedes weitere Kind 10 Prozent. Wird die Behandlung planmäßig abgeschlossen, zahlt die Krankenkasse den Eigenanteil zurück. Befunde unterhalb von Grad 3 sind keine Kassenleistung. Was eine Zahnzusatzversicherung für Kinder zusätzlich abdeckt, steht auf der eigenen Seite.
implantate.com-Fazit
Der Zahnwechsel dauert etwa sechs Jahre, und ein paar Monate Abweichung sind normal. Wackelzähne fallen in aller Regel von selbst aus; ein neuer Zahn in zweiter Reihe und eine Lücke zwischen den oberen Schneidezähnen gehören zur normalen Entwicklung. Anschauen lassen sollten Eltern den Verlust eines Milchschneidezahns vor dem fünften Geburtstag ohne erkennbaren Grund, einen Milchzahn, der nicht weichen will, einen Kreuzbiss und stark vorstehende Schneidezähne. Für eine Zahnspange ist bei den meisten Kindern das späte Wechselgebiss der richtige Zeitpunkt.
Wann fällt der erste Milchzahn aus?
Meist mit sechs bis sieben Jahren, und zwar ein unterer mittlerer Schneidezahn. Manche Kinder haben ihren ersten Wackelzahn schon mit fünf.
Ist ein Wackelzahn mit vier oder fünf Jahren zu früh?
Mit fünf Jahren beginnt der Wechsel bei manchen Kindern schon. Fällt ein Milchschneidezahn vor dem fünften Geburtstag aus, ohne dass Karies oder ein Unfall dahinterstecken, sollte das zahnärztlich abgeklärt werden.
Mein Kind ist sieben und hat noch keinen Wackelzahn. Ist das normal?
Viele gesunde Kinder sind ein paar Monate später dran. Die nächste zahnärztliche Kontrolle ist der richtige Ort, um es anzusprechen; bei Bedarf zeigt ein Röntgenbild, ob die Nachfolger angelegt sind.
Wie lange dauert es, bis ein Wackelzahn ausfällt?
Das ist sehr unterschiedlich, von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen.
Muss ein Wackelzahn gezogen werden?
Nein. Ein Wackelzahn fällt in aller Regel von selbst aus. Ansehen lassen sollte man einen Milchzahn, der über längere Zeit fest bleibt, obwohl der Nachfolger dahinter schon durchgebrochen ist oder der gleiche Zahn auf der Gegenseite schon seit etwa sechs Monaten gewechselt hat.
Der neue Zahn kommt hinter dem Milchzahn. Was tun?
Zunächst nichts. Häufig fällt der Milchzahn danach von selbst aus. Bleibt er über längere Zeit fest, entfernt ihn der Zahnarzt.
Warum haben die neuen oberen Schneidezähne eine Lücke?
Eine Lücke in der Mitte gehört im Wechselgebiss zur normalen Entwicklung. Ob sie behandelt werden muss, lässt sich meist erst beurteilen, wenn die bleibenden Eckzähne da sind.
Wie lange dauert der Zahnwechsel insgesamt?
Er beginnt mit etwa sechs Jahren, mit elf bis dreizehn Jahren fallen die letzten Milchzähne aus. Mit zwölf bis vierzehn Jahren kommen noch die zweiten großen Backenzähne hinzu.
Ab wann ist eine Zahnspange sinnvoll?
Bei den meisten Kindern im späten Wechselgebiss, also etwa ab neun bis zehn Jahren. Früher nur bei bestimmten Befunden wie einem Kreuzbiss mit Zwangsführung, stark vorstehenden oberen Schneidezähnen oder einem Vorbiss. Die Kasse zahlt ab Behandlungsbedarfsgrad 3.
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