Kinderzahnheilkunde: gesunde Zähne von Anfang an
Kinderzahnheilkunde, auch Kinderzahnmedizin genannt, ist die zahnärztliche Vorsorge und Behandlung von Kindern, von den ersten Milchzähnen bis ins Jugendalter. Die erste zahnärztliche Vorsorge ist etwa dann fällig, wenn die ersten Milchzähne durchbrechen. Die Krankenkasse bezahlt zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem sechsten Geburtstag sechs zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen.
Karies ist bei Kindern in Deutschland seltener geworden, verschwunden ist sie nicht. Bei der letzten großen Erhebung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege, mit Daten aus zehn Bundesländern, hatte schon etwa jedes siebte dreijährige Kind Karies, und rund drei Viertel der kariösen Milchzähne waren nicht versorgt. Die Vorsorge soll frühkindliche Karies erkennen, bevor ein Milchzahn schmerzt.
Auf einen Blick
| Was ist das? | Zahnärztliche Vorsorge und Behandlung von Kindern und Jugendlichen |
| Erster Zahnarztbesuch | Mit den ersten Milchzähnen; die erste Kassen-Vorsorge (Z1) ist zwischen dem 6. und 9. Lebensmonat vorgesehen |
| Wie oft? | Den Rhythmus legt der Zahnarzt fest; die Kasse zahlt bis sechs Jahre sechs Früherkennungstermine, danach halbjährlich die Individualprophylaxe |
| Was zahlt die Kasse? | Bis 6 Jahre sechs Früherkennungsuntersuchungen (Z1 bis Z6) und Fluoridlack, von 6 bis 18 Jahren Individualprophylaxe und Versiegelung der bleibenden Backenzähne |
| Zahnpasta | Ab dem ersten Zahn Kinderzahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid, anfangs reiskorngroß, ab 2 Jahren erbsengroß, ab 6 Jahren 1.450 ppm; im ersten Lebensjahr alternativ Fluoridtablette |
| Häufige Probleme | Karies im Milchgebiss, Kreidezähne (MIH) |
Ab wann muss mein Kind zum Zahnarzt?
Die gemeinsamen Empfehlungen von Kinder- und Zahnärzten sehen die erste zahnärztliche Beratung in der zahnärztlichen Früherkennung im 6. bis 9. oder 10. bis 12. Lebensmonat vor – also etwa dann, wenn die ersten Milchzähne durchbrechen. Wie oft danach kontrolliert wird, bespricht der Zahnarzt mit den Eltern; die Krankenkasse gibt mit ihren Vorsorgeterminen den Rahmen vor. Auch der Kinderarzt erinnert daran: Ab der U5 im sechsten bis siebten Lebensmonat steht bei jeder U-Untersuchung im Gelben Kinderuntersuchungsheft ein Verweis zum Zahnarzt. Seit Januar 2026 werden die zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen als Z1 bis Z6 im selben Heft eingetragen.
Die Vorsorge ist keine Behandlung. Der Zahnarzt schaut sich Zähne und Mundhöhle an, fragt nach Ernährung, Nuckelflasche, Zahnpflege und Fluorid und berät die Eltern, bei Bedarf mit einer praktischen Anleitung zum Zähneputzen. Ab der Z4, also mit knapp drei Jahren, schätzt er zusätzlich das Kariesrisiko ein. So lernt das Kind die Praxis kennen, ohne dass etwas wehtut.
| Alter | Untersuchung | Was dazugehört |
|---|---|---|
| 6. bis 9. Lebensmonat | Z1 | Untersuchung, Beratung zu Ernährung, Zahnpflege und Fluorid, bei Bedarf Putzanleitung |
| 10. bis 20. Lebensmonat | Z2 | wie Z1 |
| 21. bis 33. Lebensmonat | Z3 | wie Z1 |
| 34. bis 48. Lebensmonat | Z4 | Untersuchung, Einschätzung des Kariesrisikos, Beratung zu Ernährung, Mundhygiene und Fluorid |
| 49. bis 60. Lebensmonat | Z5 | wie Z4 |
| 61. bis 72. Lebensmonat | Z6 | wie Z4 |
| 6 bis unter 18 Jahre | Individualprophylaxe | halbjährlich Mundhygienestatus, Aufklärung und Fluoridierung; Versiegelung der bleibenden Backenzähne |
Dazu kommt vom 6. bis zum 72. Lebensmonat ein Fluoridlack auf die Zähne, zweimal je Kalenderhalbjahr. Zwischen zwei Früherkennungsuntersuchungen liegen bis zum 33. Lebensmonat mindestens vier Monate, danach mindestens zwölf.
Warum Milchzähne behandeln, wenn sie ohnehin ausfallen?
Die Frage stellen sich viele Eltern. Die Antwort: Milchzähne sind keine Zähne auf Zeit, die man vernachlässigen kann. Die hinteren Milchbackenzähne bleiben bis ins Schulalter im Mund. Kinder brauchen sie zum Kauen und Sprechen, und sie halten den Platz für die bleibenden Zähne frei, die darunter heranwachsen.
Eine Milchzahnkaries verläuft nicht harmlos, nur weil der Zahn später ausfällt. Der kariöse Milchzahn kann schmerzen, der Zahnnerv kann sich entzünden, und eine Entzündung an der Wurzelspitze liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Anlage des bleibenden Zahns.
Geht ein Milchbackenzahn zu früh verloren, können die Nachbarzähne in die Lücke kippen, und dem nachfolgenden Zahn fehlt Platz. Für den ersten Milchbackenzahn fällt dieser Effekt allerdings klein aus: In den ersten Monaten bis etwa zwei Jahre nach dem Verlust bleiben Breite und Länge des Zahnbogens meist unverändert, an der Lücke selbst kann trotzdem Platz verloren gehen. Ob ein Lückenhalter nötig ist, entscheidet der Zahnarzt deshalb im Einzelfall.

Röntgenbild: Karies zwischen zwei Milchbackenzähnen (Approximalkaries am Milchzahn)
Wie häufig ist Karies bei Kindern?
An den bleibenden Zähnen ist Karies im Kindesalter selten geworden. Gut drei Viertel der Zwölfjährigen in Deutschland sind kariesfrei, im Durchschnitt ist nur noch rund ein halber Zahn erkrankt, gefüllt oder verloren. Bei den Acht- und Neunjährigen, die noch viele Milchzähne haben, sind dagegen nur rund 60 Prozent kariesfrei.
Verteilt ist die Karies sehr ungleich: Sie konzentriert sich auf Kinder und Jugendliche aus Familien mit niedrigem Bildungsstand. Bei Kleinkindern beginnt sie früh. Deshalb fragt der Zahnarzt schon bei der ersten Vorsorge gezielt nach der Nuckelflasche – dauerndes Nuckeln an gesüßten Getränken ist der typische Weg zur Flaschenkaries.
Ein zweites Problem entsteht nicht durch Zucker, sondern schon während der Zahnbildung: Rund 15 Prozent der Zwölfjährigen haben Kreidezähne, in der Fachsprache Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH). Der Zahnschmelz der ersten bleibenden Backenzähne und oft auch der Schneidezähne ist dabei schon beim Durchbruch zu wenig mineralisiert und kann weich und empfindlich sein.
Zähneputzen und Fluorid: was in welchem Alter gilt
Für Säuglinge und Kleinkinder gibt es gemeinsame Empfehlungen von Kinder- und Zahnärzten, koordiniert vom Netzwerk „Gesund ins Leben“; ab dem Schulalter gelten die Empfehlungen der Zahnärzteschaft. Der Kern: Fluorid kommt entweder über die Tablette oder über die Zahnpasta – nie über beides zugleich.
| Alter | Fluorid | Zahnpasta |
|---|---|---|
| Geburt bis erster Zahn | Tablette mit 0,25 mg Fluorid und Vitamin D | – |
| Erster Zahn bis 12 Monate | entweder Tablette mit Fluorid und Vitamin D oder Tablette nur mit Vitamin D plus fluoridhaltige Zahnpasta | mit Fluoridtablette ohne Zahnpasta oder mit wenig fluoridfreier Zahnpasta; sonst bis 2 × täglich reiskorngroß, 1.000 ppm |
| 12 bis 24 Monate | über die Zahnpasta | 2 × täglich reiskorngroß (bis 0,125 g), 1.000 ppm |
| 2 bis 6 Jahre | über die Zahnpasta | 2 × täglich erbsengroß (bis 0,25 g), 1.000 ppm |
| ab 6 Jahren | über die Zahnpasta | 2 × täglich Junior- oder Erwachsenenzahnpasta, 1.450 ppm |
Eine Ausnahme gilt, wenn das Wasser für die Säuglingsnahrung 0,3 mg Fluorid pro Liter oder mehr enthält: Dann gibt es die Tablette nur mit Vitamin D.
Wie Fluorid den Zahnschmelz schützt und was über Nebenwirkungen bekannt ist, erklärt der Lexikoneintrag Fluoride. Wie das Putzen im Alltag gelingt, steht unter Die richtige Zahnpflege.
Die Themen der Kinderzahnheilkunde
Kinderzahnheilkunde reicht vom ersten Zahn bis ins Jugendalter. Die wichtigsten Themen im Überblick:
Zahnentwicklung und Zahnwechsel. Wann welcher Zahn kommt, was beim Zahnen hilft und warum sich der Zahnwechsel über Jahre hinzieht. Das Milchgebiss hat 20 Zähne, das bleibende Gebiss bis zu 32.
Vorsorge und Prophylaxe. Zähneputzen nach Alter, Fluorid, die Individualprophylaxe ab sechs Jahren und die Fissurenversiegelung der bleibenden Backenzähne.
Karies und Behandlung im Milchgebiss. Wie die Kariesdiagnostik bei Kindern abläuft, wann gefüllt, überkront oder ein Milchzahn gezogen wird, was bei Kreidezähnen hilft und wann ein Lückenhalter den Platz sichert.
Angst, Lachgas und Narkose. Was hilft, wenn ein Kind aus Zahnarztangst den Mund nicht aufmacht, und wann eine Behandlung mit Lachgas, Beruhigungsmittel oder in Vollnarkose infrage kommt.
Zahnunfall. Was nach einem Sturz sofort zu tun ist, warum es einen Unterschied macht, ob ein Milchzahn oder ein bleibender Zahn betroffen ist, und wer die Kosten trägt.
Kosten und besondere Situationen. Was die Krankenkasse übernimmt, was eine Zahnzusatzversicherung für Kinder abdeckt, und seltenere Themen wie fehlende Zahnanlagen oder Zähneknirschen.
Was zahlt die Krankenkasse beim Zahnarzt für Kinder?
Die Vorsorge ist für Kinder und Jugendliche Kassenleistung. Bis zum sechsten Geburtstag sind das die sechs Früherkennungsuntersuchungen Z1 bis Z6 samt Beratung und Fluoridlack. Vom sechsten bis zum 18. Geburtstag folgt die Individualprophylaxe: Einmal je Kalenderhalbjahr beurteilt die Praxis Mundhygiene und Zahnfleisch, klärt über Zahnpflege auf und fluoridiert die Zähne, bei hohem Kariesrisiko zweimal je Halbjahr. Die bleibenden großen Backenzähne, also Sechser und Siebener, werden auf Kassenkosten versiegelt, solange ihre Fissuren kariesfrei sind.
Die halbjährlichen Termine zahlen sich später aus. Für den Bonus beim Festzuschuss für Zahnersatz zählen bei Jugendlichen unter 18 Jahren genau diese Untersuchungen in jedem Kalenderhalbjahr; ab zwölf Jahren werden sie im Bonusheft eingetragen.
Kinderzahnarzt oder Hauszahnarzt?
Die Früherkennungsuntersuchungen und die Behandlung von Kindern gehören zum Leistungsumfang jeder Zahnarztpraxis mit Kassenzulassung. Zahnärztinnen und Zahnärzte, die sich auf Kinder spezialisieren, können eine Zusatzqualifikation erwerben, etwa das Curriculum Kinder- und Jugendzahnmedizin mit 150 Fortbildungsstunden, das mit einem Zertifikat abschließt, oder einen Masterstudiengang Kinderzahnmedizin. Seit 2002 haben mehr als 1.000 Zahnärztinnen und Zahnärzte das Curriculum abgeschlossen.
implantate.com-Empfehlung: Für die Vorsorge genügt die vertraute Familienpraxis, wenn sie Kinder gern behandelt. Eine auf Kinder spezialisierte Praxis lohnt sich vor allem, wenn ein Kind große Angst hat, mehrere Zähne behandelt werden müssen oder eine Behandlung in Narkose im Raum steht.
implantate.com-Fazit
Kinderzähne brauchen Aufmerksamkeit vom ersten Milchzahn an: dann die erste Vorsorge beim Zahnarzt, ab dem ersten Zahn putzen, Fluorid über Tablette oder Zahnpasta – aber nie doppelt. Die Vorsorge ist Kassenleistung, vom sechsten Lebensmonat bis zum 18. Geburtstag. Und Milchzähne sind keine Zähne auf Probe: Sie halten den Platz für das bleibende Gebiss.
Wie oft muss mein Kind zum Zahnarzt?
Der erste Termin ist mit dem Durchbruch der ersten Milchzähne fällig. Wie oft danach, legt der Zahnarzt fest. Die Krankenkasse übernimmt bis zum sechsten Geburtstag sechs Früherkennungsuntersuchungen und danach bis zum 18. Geburtstag die halbjährliche Individualprophylaxe.
Ab wann putzt man Babys die Zähne mit Zahnpasta?
Ab dem ersten Zahn ist Kinderzahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid in Reiskorngröße bis zweimal täglich möglich. Im ersten Lebensjahr können Eltern stattdessen bei der Fluoridtablette bleiben und ohne Zahnpasta oder mit wenig fluoridfreier Zahnpasta putzen. Ab dem ersten Geburtstag wird mit fluoridhaltiger Zahnpasta geputzt.
Dürfen Fluoridtabletten und fluoridhaltige Zahnpasta zusammen verwendet werden?
Nein. Nach den Empfehlungen des Netzwerks „Gesund ins Leben“ sollen Zahnpasta und Fluoridtabletten nicht kombiniert werden. Wer mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzt, gibt eine Tablette nur mit Vitamin D.
Was passiert bei der ersten Vorsorgeuntersuchung?
Der Zahnarzt sieht sich Zähne und Mundhöhle an, fragt nach Ernährung, Nuckelflasche, Zahnpflege und Fluorid und berät die Eltern, bei Bedarf mit einer praktischen Putzanleitung. Zusätzlich kann ein Fluoridlack aufgetragen werden. Gebohrt wird bei der Vorsorge nicht.
Ab welchem Alter ist eine professionelle Zahnreinigung bei Kindern sinnvoll?
Eine professionelle Zahnreinigung wie bei Erwachsenen gehört nicht zu den Kassenleistungen für Kinder. Ab sechs Jahren übernimmt die Kasse stattdessen die Individualprophylaxe mit Mundhygienestatus, Aufklärung und Fluoridierung je Kalenderhalbjahr. Ob darüber hinaus eine Reinigung nötig ist, hängt von Belägen und Kariesrisiko ab und wird beim Termin besprochen.
Müssen Eltern die Zahnvorsorge für ihr Kind selbst bezahlen?
Nein. Die Früherkennungsuntersuchungen Z1 bis Z6, der Fluoridlack bis zum sechsten Geburtstag und die Individualprophylaxe von 6 bis 18 Jahren sind Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung.
Berg B, Cremer M, Flothkötter M, et al. Kariesprävention im Säuglings- und frühen Kindesalter. Monatsschrift Kinderheilkunde. 2021;169(6):550-558. doi: 10.1007/s00112-021-01167-z
Jordan AR, Meyer-Lueckel H, Kuhr K, Sasunna D, Bekes K, Schiffner U. Caries experience and care in Germany: results of the 6th German Oral Health Study (DMS • 6). Quintessence International. 2025;56(11):S30-S39. doi: 10.3290/j.qi.b5986212
Bekes K, Meyer-Lueckel H, Jordan AR, Kuhr K, Schiffner U. Molar incisor hypomineralization: results of the 6th German Oral Health Study (DMS • 6). Quintessence International. 2025;56(11):S70-S74. doi: 10.3290/j.qi.b5986273
Zhao J, Jin H, Li X, Qin X. Dental arch spatial changes after premature loss of first primary molars: a systematic review and meta-analysis of split-mouth studies. BMC Oral Health. 2023;23(1):430. doi: 10.1186/s12903-023-03111-x
Team DAJ (Basner R, Santamaría RM, Schmoeckel J, Schüler E, Splieth CH). Epidemiologische Begleituntersuchungen zur Gruppenprophylaxe 2016. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege, Bonn 2017. bzaek.de
Gemeinsamer Bundesausschuss. Richtlinie über die Früherkennungsuntersuchungen auf Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten (FU-RL), in Kraft seit 01.01.2026. g-ba.de
Gemeinsamer Bundesausschuss. Kinder-Richtlinie, in Kraft seit 01.01.2026. g-ba.de
Gemeinsamer Bundesausschuss. Richtlinien über Maßnahmen zur Verhütung von Zahnerkrankungen (Individualprophylaxe). g-ba.de
Sozialgesetzbuch V, § 55 Leistungsanspruch (Festzuschüsse, Bonus). gesetze-im-internet.de
Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung. Fluoride für Kinder. Stand Mai 2025. kzbv.de
Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung. Mundgesund vom ersten Milchzahn an. Pressemitteilung vom 22.09.2022. kzbv.de
Netzwerk Gesund ins Leben. Handlungsempfehlungen Kariesprävention. gesund-ins-leben.de
Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnmedizin (DGKiZ). Curriculum Kinder- und Jugendzahnmedizin. dgkiz.de
Verantwortlicher Autor
