Antibiotikum vor dem Implantat: eine einzige Gabe

Vor dem Setzen eines Zahnimplantats bekommen viele Patienten ein Antibiotikum – meist eine einzige Gabe von 2 g – zwei Tabletten zu je 1000 mg – etwa eine Stunde vor dem Eingriff. Eine im September 2026 veröffentlichte Auswertung aller vorliegenden Studien zu Implantationen ohne Knochenaufbau zeigt, dass sich das lohnt – und dass für eine längere Einnahme bisher kein Vorteil nachgewiesen ist.

Was die Auswertung zeigt

Ausgewertet wurden 15 Studien mit insgesamt 2.874 Patienten, bei denen ein Implantat gesetzt wurde. In den meisten wurde einmalig 2 g Amoxicillin kurz vor der Operation gegeben.

Das Ergebnis in Zahlen, die man sich vorstellen kann: Ohne Antibiotikum verloren etwa 80 von 1.000 Behandelten ihr Implantat früh, mit Antibiotikum 27. Anders gesagt – bei etwa jedem 19. Patienten verhindert diese eine Gabe den Verlust eines Implantats. Auch Wundinfektionen nach dem Eingriff und Probleme mit dem später aufgesetzten Zahnersatz traten seltener auf.

Eine Gabe statt einer Packung

Interessant ist, was die Auswertung nicht zeigt: Wer das Antibiotikum über mehrere Tage einnahm, hatte in den vorliegenden Studien keinen messbaren Vorteil gegenüber der einmaligen Gabe – endgültig entschieden ist diese Frage allerdings noch nicht. Für den Nutzen zählt offenbar, dass der Wirkstoff zum Zeitpunkt des Eingriffs im Körper ist – nicht, wie lange er danach weiter eingenommen wird.

Das ist eine gute Nachricht in zwei Richtungen: weniger Nebenwirkungen und weniger Beitrag zur Entstehung widerstandsfähiger Bakterien. Wenn Ihnen eine mehrtägige Einnahme „zur Sicherheit“ verordnet wird, dürfen Sie ruhig nachfragen.

Was Sie vor dem Eingriff sagen sollten

Schwere Nebenwirkungen traten in den Studien selten auf; wie gut die Einmalgabe verträglich ist, lässt sich allerdings nicht belastbar sagen, weil Nebenwirkungen uneinheitlich erfasst wurden. Wichtig ist vor allem eines: Wenn Sie wissen oder vermuten, dass Sie auf Penicillin oder Amoxicillin allergisch reagieren, muss Ihre Praxis das vor dem Eingriff erfahren. Dann kommt ein anderer Wirkstoff zum Einsatz. Eine Allergie ist keine Frage der Menge – sie lässt sich nur durch die richtige Wahl des Medikaments umgehen.

Bei aufwendigeren Eingriffen mit Knochenaufbau wird die Gabe ebenfalls empfohlen, dort meist in etwas höherer Dosis von 2 bis 3 g.

Nicht zu verwechseln

Die Tablette vor der Implantation hat nichts mit der Antibiotikagabe zu tun, die manche Patienten zum Schutz von Herz oder künstlichen Gelenken erhalten. Bei der Implantation geht es um die Wundheilung im Kiefer selbst. Wer ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk trägt, braucht vor Zahnbehandlungen heute keine Antibiotikaprophylaxe mehr – auch wenn das jahrzehntelang anders gehandhabt wurde.

Mehr dazu auf unserer Seite Antibiotikaprophylaxe bei Implantaten.

Die ausführliche Auswertung mit allen Zahlen steht im Fachbeitrag zum Cochrane-Update 2026.

Quelle

Cochrane Database of Systematic Reviews, 1. September 2026: Antibiotikaprophylaxe bei der Implantation ohne Knochenaufbau (CD004152). doi:10.1002/14651858.CD004152.pub5


Letzte Aktualisierung am Montag, 14. September 2026