Schätzungsweise 60 bis 90 Prozent aller Menschen mit Down-Syndrom entwickeln bereits vor ihrem 35. Lebensjahr eine schwere Parodontitis. Ein Forschungsteam der New York University hat jetzt einen möglichen biologischen Grund gefunden: In einem Tiermodell für das Down-Syndrom produzierten die Speicheldrüsen rund 24 Prozent weniger Speichel, zudem war der pH-Wert niedriger und die Kalzium-Signalübertragung in den Drüsenzellen gestört. Speichel spült normalerweise Bakterien und Speisereste weg, neutralisiert Säuren und remineralisiert die Zähne – fehlt er, steigt das Entzündungsrisiko für das Zahnfleisch deutlich. Die Studie fand zudem Hinweise auf ein verändertes Mikrobiom in Mund und Darm sowie auf Antikörper, wie sie beim Sjögren-Syndrom auftreten.
Ein Medikament gegen Mundtrockenheit steigerte die Speichelmenge im Tierversuch um über 45 Prozent, konnte den zugrunde liegenden Kalzium-Defekt aber nicht beheben. Ob sich daraus eine Therapie für Menschen mit Down-Syndrom ableiten lässt, muss weitere Forschung zeigen.
Für Eltern und Betreuer bedeutet das schon jetzt: besonders engmaschige zahnärztliche Vorsorge und gezielte Beobachtung von Mundtrockenheit als Warnsignal. Ob eine bereits bestehende Parodontitis dauerhaft eingedämmt werden kann, erklärt der Beitrag Ist Parodontose heilbar?
Quelle: Son et al., „Dysregulated calcium signaling underlies hyposalivation and microbial dysbiosis in Down syndrome“, Cell Reports 2026, online 01.07.2026.

