Wurzelentzündung: Symptome, Ursachen und Behandlung
Eine Wurzelentzündung macht sich meist durch einen Zahn bemerkbar, der beim Draufbeißen oder Beklopfen schmerzt oder unter dem das Zahnfleisch anschwillt. Oft bleibt sie aber stumm und fällt erst auf dem Röntgenbild auf. Behandelt wird sie mit einer Wurzelbehandlung – nicht mit einem Antibiotikum und, solange der Zahn zu erhalten ist, nicht mit der Zange.
Gemeint ist mit dem Wort im Alltag meist die Entzündung an der Wurzelspitze, fachlich apikale Parodontitis. Manchmal wird auch die Entzündung des Zahnnervs so genannt, die Pulpitis. Beides hängt zusammen: Die Pulpitis ist häufig die Vorstufe. Stirbt das Zahnmark ab, besiedeln Bakterien den Wurzelkanal, und die Entzündung greift über die Wurzelspitze auf den Kieferknochen über.
Die Entzündung an der Wurzelspitze ist sehr verbreitet: Weltweit hat etwa jeder zweite Erwachsene an mindestens einem Zahn eine, wobei die Angaben je nach untersuchter Gruppe stark schwanken.
| Form | Typische Beschwerden | Wie dringend |
|---|---|---|
| Entzündung des Zahnnervs (Pulpitis) | Schmerz auf Kälte oder Wärme, der lange nachhält; spontane, auch nächtliche Schmerzen | zeitnah zum Zahnarzt |
| Akute Entzündung an der Wurzelspitze | Schmerz beim Draufbeißen und Beklopfen des Zahns | zeitnah zum Zahnarzt |
| Chronische Entzündung an der Wurzelspitze | oft keine Beschwerden, Zufallsbefund im Röntgenbild; manchmal eine Fistel am Zahnfleisch | geplant behandeln |
| Abszess | Schwellung, pochender Schmerz | am selben Tag |
| Abszess mit Ausbreitung | eingeschränkte Mundöffnung, Schwellung Richtung Auge oder Hals, Schluckbeschwerden, Fieber | sofort – Notdienst oder Klinik |
So entsteht eine Entzündung an der Wurzelspitze: Bakterien erreichen über Karies das Zahnmark, das Zahnmark stirbt ab, die Entzündung greift auf den Knochen an der Wurzelspitze über.
Symptome: Woran man eine Wurzelentzündung merkt
Die akute Entzündung an der Wurzelspitze meldet sich deutlich: Der Zahn tut beim Zubeißen weh, reagiert empfindlich, wenn man darauf klopft, und manchmal schwillt das Zahnfleisch über der Wurzel an. Sammelt sich Eiter, entsteht ein Abszess mit Schwellung und pochendem Schmerz.
Die chronische Form verläuft dagegen oft ohne Beschwerden. Ein Hinweis kann eine kleine Beule am Zahnfleisch sein, aus der sich zeitweise Eiter entleert – eine Fistel. Sie tut meist nicht weh, heilt aber nicht, solange die Ursache im Zahn bleibt. Auch das Zahnmark selbst kann sich entzünden und absterben, ohne dass es jemals schmerzt.
„Wurzelentzündung ohne Schmerzen“ ist deshalb kein Widerspruch, sondern der häufige Fall. Eine Entzündung, die nicht wehtut, ist nicht harmloser – sie ist nur schwerer zu bemerken.
Ursachen: Wie die Entzündung an die Wurzelspitze kommt
Am Anfang steht fast immer ein Schaden am Zahnmark: tiefe Karies, ein Unfall oder ein Riss im Zahn. Bakterien dringen ins Zahnmark ein, es entzündet sich und stirbt ab. Im abgestorbenen Gewebe vermehren sich die Bakterien im Wurzelkanal, und der Körper antwortet an der Wurzelspitze mit einer Entzündung. Sie ist zunächst eine Abwehrreaktion, die die Bakterien im Kanal in Schach hält – beseitigen kann sie sie nicht. Wie ein Zahn abstirbt und was daraus folgt: Der tote Zahn.
Auch ein bereits wurzelbehandelter Zahn kann betroffen sein. Bleiben Bakterien im Kanalsystem zurück oder dringen sie über eine undichte Füllung oder Krone neu ein, entsteht die Entzündung erneut. Bei wurzelgefüllten Zähnen ist eine Entzündung an der Wurzelspitze deutlich häufiger als bei unbehandelten.
Diagnose
Die Diagnose stützt sich auf das Röntgenbild des einzelnen Zahns und in der Regel auf den Kältetest, der zeigt, ob das Zahnmark noch reagiert. Bleibt die Diagnose unklar, kann eine dreidimensionale Aufnahme (DVT) hinzukommen. Wie eine Wurzelentzündung auf dem Röntgenbild aussieht und was man darauf erkennt, zeigt die Seite Wurzelentzündung im Röntgenbild.
Behandlung: den Zahn erhalten
Lässt sich der Zahn erhalten, empfiehlt die europäische Fachgesellschaft für Endodontie bei einer Entzündung an der Wurzelspitze die Wurzelkanalbehandlung mit anschließender dichter Versorgung des Zahns – und nicht das Ziehen. Bei einem abgestorbenen Zahn sollte die Behandlung beginnen, sobald die Diagnose feststeht.
Bei akuten Beschwerden steht am Anfang die Entlastung: Der Zahn wird eröffnet und der Kanal gereinigt, ein Abszess wird bei Bedarf eröffnet, damit der Eiter abfließen kann. Die Ursache ist damit aber erst beseitigt, wenn der Wurzelkanal vollständig gereinigt und verschlossen ist. Bei einer beschwerdefreien Entzündung an der Wurzelspitze empfiehlt die Fachgesellschaft, die Behandlung in einer Sitzung abzuschließen, sofern alle Behandlungsschritte sachgerecht durchgeführt werden konnten. Wie die Behandlung abläuft: Wurzelbehandlung.
Ist der Zahn schon wurzelbehandelt, gibt es zwei Wege: die Wiederholung der Wurzelbehandlung (Revision) und die Wurzelspitzenresektion. Ist der Kanal von oben gut erreichbar, ist die Revision fachlich der erste Weg; die Wurzelspitzenresektion kommt vor allem in Betracht, wenn das nicht gelingt. Was die Kasse davon trägt, ist eine eigene Frage: Die Kassenrichtlinie (G-BA) sieht bei Zähnen mit Wurzelfüllung und Entzündung an der Wurzelspitze primär den chirurgischen Weg vor; die Revision ist in der Regel keine Kassenleistung (Wurzelbehandlung – Kosten).
Gezogen wird der Zahn erst, wenn er sich nicht erhalten lässt – etwa bei einem Längsbruch der Wurzel oder zu wenig verbliebener Zahnsubstanz (Wann muss ein Zahn raus?).
implantate.com-Empfehlung: Nicht abwarten, bis der Zahn wieder wehtut. Eine Entzündung an der Wurzelspitze heilt nicht dadurch, dass die Schmerzen nachlassen – je früher der Kanal behandelt wird, desto besser sind die Aussichten für den Zahn.
Antibiotika: nur in bestimmten Fällen
Ein Antibiotikum ersetzt die Behandlung des Zahns nicht. Die Bakterien sitzen im abgestorbenen Gewebe des Wurzelkanals, wohin das Medikament über das Blut kaum gelangt. Bei einer örtlich begrenzten Entzündung, aus der sich Eiter entleert, soll nach der deutschen Leitlinie zu odontogenen Infektionen auf ein Antibiotikum verzichtet werden, sofern keine allgemeinmedizinischen Risikofaktoren bestehen. Auch zusätzlich zur Wurzelbehandlung gegeben, verbessert es Schmerz und Schwellung kaum.
Angezeigt ist ein Antibiotikum als Ergänzung zur zahnärztlichen Behandlung, wenn die Entzündung sich ausbreitet oder den ganzen Körper erfasst – mit Fieber über 38 °C, Krankheitsgefühl, geschwollenen Lymphknoten oder eingeschränkter Mundöffnung –, wenn sie sich innerhalb eines Tages rasch verschlimmert oder wenn die Abwehr durch eine Allgemeinerkrankung geschwächt ist. Auswahl, Dosierung und Behandlungsdauer legt die behandelnde Zahnärztin oder der behandelnde Zahnarzt fest. Mehr dazu: Antibiotika bei Zahn- und Kiefererkrankungen.
Wann eine Wurzelentzündung gefährlich wird
Meist bleibt die Entzündung auf den Zahn und seine Umgebung begrenzt. Breitet sie sich aus, kann sie lebensgefährlich werden. Die deutsche Leitlinie zu odontogenen Infektionen nennt als Zeichen dafür:
- eingeschränkte Mundöffnung (Kieferklemme)
- Druckschmerz am Kieferwinkel oder am inneren Augenwinkel
- Schwellung außen an Wange oder Hals, bei der der Unterkieferrand nicht mehr zu tasten ist
- Schluckbeschwerden, Atemnot, angehobener Mundboden
- kloßige Sprache
- Fieber und Austrocknung
Mit einem dieser Zeichen gehört man umgehend in zahnärztliche oder kieferchirurgische Behandlung, bei Atemnot über den Notruf 112 in die Klinik. Was bei einem Zahnabszess zu tun ist, steht im Lexikon.
Ob eine chronische Entzündung an der Wurzelspitze auch fern vom Zahn wirkt, ist die Frage der Herdtheorie. Mit einer solchen Entzündung gehen im Mittel leicht erhöhte Entzündungswerte im Blut einher, und mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht ein schwacher statistischer Zusammenhang. Dass die Entzündung Erkrankungen anderer Organe verursacht, ist nicht belegt (Herdsanierung).
Wann es eilt: Beschwerden für den zeitnahen Zahnarztbesuch und Warnzeichen einer Ausbreitung, die sofort behandelt werden müssen.
Heilt eine Wurzelentzündung von selbst?
Darauf sollte man nicht setzen. Solange die Bakterien im Wurzelkanal sitzen, bleibt die Ursache bestehen. Ohne Behandlung sind eine anhaltende Infektion, mögliche Folgen für den Körper und am Ende der Verlust des Zahns wahrscheinlich. Weder Hausmittel noch Schmerzmittel erreichen die Bakterien im Kanal.
Nach der Behandlung braucht der Knochen Zeit. Kontrolliert wird in regelmäßigen Abständen; ob die Entzündung ausheilt, lässt sich im Röntgenbild frühestens nach etwa einem Jahr beurteilen. Ist die Aufhellung dann gleich groß geblieben oder nur kleiner geworden, gilt das Ergebnis als offen, und der Zahn wird weiter beobachtet – bis zu vier Jahre. Besteht die Aufhellung danach fort, gilt die Entzündung in der Regel als nicht ausgeheilt.
Erfahrungen anderer Patienten: Forum „Zahnwurzelentzündung“.
Häufige Fragen
Wie merkt man, ob man eine Wurzelentzündung hat?
Typisch ist ein Zahn, der beim Draufbeißen oder Beklopfen schmerzt, manchmal mit Schwellung am Zahnfleisch. Die chronische Form tut oft nicht weh; Gewissheit bringt das Röntgenbild.
Wie bekommt man eine Wurzelentzündung weg?
Mit einer Wurzelkanalbehandlung, die die Bakterien aus dem Kanal entfernt und ihn dicht verschließt. Antibiotika allein reichen nicht.
Wie schnell muss eine Wurzelentzündung behandelt werden?
Bei einem abgestorbenen Zahn sollte die Behandlung beginnen, sobald die Diagnose feststeht. Bei Schwellung und starken Schmerzen am selben Tag, bei Zeichen der Ausbreitung sofort.
Wann wird eine Zahnwurzelentzündung gefährlich?
Wenn sie sich ausbreitet: bei Kieferklemme, Schluckbeschwerden, Atemnot, Schwellung Richtung Auge oder Hals und Fieber.
Wie lange dauert es, bis eine Zahnwurzelentzündung weg ist?
Die Beschwerden klingen meist bald nach der Behandlung ab, der Knochen heilt langsamer. Beurteilt wird das Ergebnis frühestens nach etwa einem Jahr; bei unklarem Befund wird bis zu vier Jahre weiter beobachtet.
Kann eine Wurzelentzündung von alleine heilen?
Darauf sollte man nicht setzen. Solange Bakterien im Wurzelkanal sitzen, bleibt die Ursache bestehen.
Kann eine Zahnentzündung Fieber auslösen?
Ja, wenn sie sich ausbreitet. Fieber zusammen mit einer Schwellung ist ein Warnzeichen und gehört umgehend behandelt.
Hilft ein Antibiotikum gegen eine Wurzelentzündung?
Nur, wenn die Entzündung sich ausbreitet oder Allgemeinsymptome auftreten – und dann zusätzlich zur Behandlung des Zahns, nicht statt ihrer.
implantate.com-Fazit
Eine Wurzelentzündung ist in den meisten Fällen eine Entzündung an der Wurzelspitze eines abgestorbenen Zahns. Sie tut oft nicht weh; ohne Behandlung bleibt die Infektion aber meist bestehen. Die Behandlung der Wahl ist die Wurzelkanalbehandlung; ein Antibiotikum braucht es nur, wenn die Entzündung sich ausbreitet. Wer Kieferklemme, Schluckbeschwerden oder Fieber mit Schwellung bemerkt, wartet nicht auf den nächsten Termin.
Ist der Zahn nicht zu halten: So schließt ein Einzelzahnimplantat die Lücke.
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