Zahnen beim Baby: Anzeichen, Beschwerden und was hilft
Wenn ein Zahn durchbricht, merken das die meisten Babys: Sie sabbern mehr, kauen auf allem herum und sind quengeliger als sonst. Das dauert pro Zahn meist nur wenige Tage. Fieber, Durchfall oder Erbrechen gehören nicht dazu; sie haben eine andere Ursache.
Wann welcher Zahn kommt, zeigt die Seite Wann kommt welcher Zahn?; weitere Elternfragen beantwortet das Kapitel Kinderzahnheilkunde.
Auf einen Blick
| Erster Zahn | Meist um den 6. Lebensmonat, oft ein unterer mittlerer Schneidezahn |
|---|---|
| Typische Zeichen | Gereiztes Zahnfleisch, mehr Speichel, Kauen und Beißen, Quengeln |
| Dauer | Meist nur wenige Tage rund um den Durchbruch |
| Kein Zahnen | Fieber, Durchfall, Erbrechen, Husten, Schnupfen |
| Kann helfen | Gekühlter, fester Beißring; Zahnfleisch mit sauberem Finger massieren |
| Lieber nicht | Zahnungsketten, betäubende Gele bei Kindern unter 2 Jahren, Salicylat-Gele, homöopathische Zahnungsmittel |
| Ab dem ersten Zahn | Putzen mit reiskorngroßer Menge Zahnpasta (1.000 ppm Fluorid), erste Untersuchung beim Zahnarzt |
Wann geht es los?
Der erste Zahn bricht meist um den 6. Lebensmonat durch, bei manchen Kindern erst gegen Ende des ersten Lebensjahres. Bis zum Alter von zwei bis drei Jahren folgen alle 20 Milchzähne.
Gehäuft sind Beschwerden nur in den wenigen Tagen rund um den Durchbruch. Dass ein Baby schon mit drei oder vier Monaten wochenlang wegen kommender Zähne unruhig ist, ist nicht belegt.
Woran Eltern das Zahnen erkennen
Etwa sieben bis acht von zehn Kindern haben beim Zahnen Beschwerden, manche aber auch gar keine. Typisch sind:
- gerötetes, gereiztes oder leicht geschwollenes Zahnfleisch an der Stelle, an der der Zahn kommt,
- mehr Speichel, dadurch manchmal ein wunder, geröteter Ausschlag am Kinn,
- Kauen und Beißen auf Fingern und Spielzeug, Reiben am Zahnfleisch oder an den Ohren,
- Quengeln, mehr Wachsein und weniger Lust auf feste Nahrung,
- eine leicht erhöhte Temperatur, aber kein Fieber.
Am häufigsten sind gereiztes Zahnfleisch, Beißen, Quengeln und vermehrter Speichel. Wie stark ein Kind reagiert, ist sehr unterschiedlich; kein einzelnes Zeichen tritt bei allen Kindern auf.
Was nicht vom Zahnen kommt
Fieber, Durchfall, Erbrechen, Husten, Schnupfen oder Ausschlag am Körper sind keine Zeichen des Zahnens. Treten sie zusammen mit einem durchbrechenden Zahn auf, haben sie trotzdem eine andere Ursache und sollten nicht mit dem Zahnen erklärt werden; im Zweifel klärt das die Kinderarztpraxis.
Was beim Zahnen hilft
- Beißring: ein fester Beißring aus Gummi oder Silikon, der im Kühlschrank gekühlt, aber nicht eingefroren wurde. Ringe mit Flüssigkeitsfüllung sind ungeeignet.
- Zahnfleisch massieren: mit einem sauberen Finger sanft über die gereizte Stelle reiben.
- Schmerzmittel: Bei deutlichen Beschwerden kann gelegentlich ein Schmerzmittel helfen. Welches und in welcher Dosis, legt die Kinderarztpraxis fest.
Kühle Lebensmittel zum Kauen sind nur unter Aufsicht und in einer Form sinnvoll, die das Kind nicht abbeißen und verschlucken kann. Gut untersucht ist keine dieser Maßnahmen; Beißring und Massage sind aber einfach und risikoarm.
Wovon besser die Finger bleiben
- Zahnungsketten aus Bernstein oder Holz: Ein Nutzen ist nicht belegt, ein Kind kann sich damit aber strangulieren oder Perlen verschlucken.
- Betäubende Gele mit Lidocain oder Benzocain: Bei Kindern unter zwei Jahren sind sie nicht geeignet. Sie bringen kaum Nutzen und können selten schwere Nebenwirkungen auslösen: Benzocain eine Störung des Blutfarbstoffs, Lidocain Krampfanfälle.
- Gele mit Salicylaten (Cholinsalicylat) eignen sich für Babys nicht: Salicylate werden bei Kindern mit dem seltenen Reye-Syndrom in Verbindung gebracht.
- Homöopathische Zahnungsmittel haben keinen belegten Nutzen; in manchen Produkten schwankte der Gehalt an Tollkirsche (Belladonna) stark.
Ab dem ersten Zahn: putzen und zum Zahnarzt
Sobald der erste Zahn da ist, wird er geputzt: zweimal täglich mit einer reiskorngroßen Menge Kinderzahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid. Im ersten Lebensjahr ist alternativ eine Fluoridtablette möglich, ab dem ersten Geburtstag putzen alle Kinder mit fluoridhaltiger Zahnpasta. Mehr dazu im Lexikon unter Fluoride; warum schon die ersten Zähne Pflege brauchen, steht unter Milchzahnkaries. Die ersten Zähne sind auch ein guter Anlass für die erste zahnärztliche Untersuchung.
Was die Krankenkasse zahlt
Vom 6. bis zum vollendeten 33. Lebensmonat haben gesetzlich versicherte Kinder Anspruch auf drei zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen: Z1 im 6. bis 9., Z2 im 10. bis 20. und Z3 im 21. bis 33. Lebensmonat. Dazu gehören die Untersuchung, eine Beratung zu Ernährung und Mundhygiene und, soweit nötig, eine praktische Anleitung zum Zähneputzen. Zusätzlich kann zweimal je Kalenderhalbjahr ein Fluoridlack aufgetragen werden.
implantate.com-Fazit
Zahnen ist lästig, aber kurz: Ein paar Tage Sabbern, Kauen und Quengeln pro Zahn, mehr nicht. Ein gekühlter Beißring und etwas Massage sind einfach und risikoarm. Fieber oder Durchfall gehören nicht zum Zahnen und sollten nicht damit erklärt werden. Mit dem ersten Zahn beginnt das Zähneputzen, und die erste Untersuchung beim Zahnarzt ist eine gute Gelegenheit, Fragen dazu zu klären.
Wie lange dauert das Zahnen?
Pro Zahn meist nur wenige Tage rund um den Durchbruch. Bis alle 20 Milchzähne da sind, vergehen zwei bis drei Jahre.
Bekommt ein Baby beim Zahnen Fieber?
Nein. Die Temperatur kann leicht steigen, Fieber hat aber eine andere Ursache.
Macht Zahnen Durchfall?
Nein. Durchfall gehört nicht zum Zahnen und hat eine andere Ursache.
Schläft ein Baby beim Zahnen schlechter?
Viele Kinder sind in diesen Tagen wacher und unruhiger. Dass Zahnen echte Schlafstörungen auslöst, ist nicht belegt.
Hilft eine Bernsteinkette?
Für einen Nutzen gibt es keinen Beleg. Dagegen besteht die Gefahr, dass sich das Kind stranguliert oder Perlen verschluckt.
Darf man ein Zahnungsgel verwenden?
Betäubende Gele mit Lidocain oder Benzocain sind für Kinder unter zwei Jahren nicht geeignet, Gele mit Salicylaten für Babys ebenfalls nicht. Stattdessen kommen ein gekühlter Beißring und eine sanfte Massage infrage; beides ist einfach und risikoarm.
Ab wann müssen die Zähne geputzt werden?
Ab dem ersten Zahn, zweimal täglich mit einer reiskorngroßen Menge Kinderzahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid. Wer im ersten Lebensjahr Fluoridtabletten gibt, putzt ohne fluoridhaltige Zahnpasta.
Massignan C, Cardoso M, Porporatti AL, et al. Signs and symptoms of primary tooth eruption: a meta-analysis. Pediatrics. 2016;137(3):e20153501. doi: 10.1542/peds.2015-3501
Garima J, Mathur VP, Tewari N, et al. Global prevalence of teething problems in infants and children: a systematic review and meta-analysis. Int J Paediatr Dent. 2025;35(3):608-624. doi: 10.1111/ipd.13272
Canto FMT, Costa Neto OC, Loureiro JM, et al. Efficacy of treatments used to relieve signs and symptoms associated with teething: a systematic review. Braz Oral Res. 2022;36:e066. doi: 10.1590/1807-3107bor-2022.vol36.0066
Macknin ML, Piedmonte M, Jacobs J, Skibinski C. Symptoms associated with infant teething: a prospective study. Pediatrics. 2000;105(4 Pt 1):747-752. doi: 10.1542/peds.105.4.747
Wake M, Hesketh K, Lucas J. Teething and tooth eruption in infants: a cohort study. Pediatrics. 2000;106(6):1374-1379. doi: 10.1542/peds.106.6.1374
Teoh L, Moses GM. Are teething gels safe or even necessary for our children? A review of the safety, efficacy and use of topical lidocaine teething gels. J Paediatr Child Health. 2020;56(4):502-505. doi: 10.1111/jpc.14769
American Academy of Pediatric Dentistry. Perinatal and infant oral health care. The Reference Manual of Pediatric Dentistry. Chicago, IL: AAPD; 2025:337-341. aapd.org
American Academy of Pediatrics, Section on Oral Health. Teething Pain Relief. HealthyChildren.org, Stand 09.07.2025. healthychildren.org
U.S. Food and Drug Administration. Safely Soothing Teething Pain in Infants and Children. Consumer Update, Stand 26.06.2024. fda.gov
U.S. Food and Drug Administration. FDA recommends not using lidocaine to treat teething pain and requires new Boxed Warning. Drug Safety Communication, 26.06.2014.
U.S. Food and Drug Administration. Risk of serious and potentially fatal blood disorder prompts FDA action on oral over-the-counter benzocaine products used for teething and mouth pain. 23.05.2018.
U.S. Food and Drug Administration. FDA confirms elevated levels of belladonna in certain homeopathic teething products. News Release, 27.01.2017.
U.S. Food and Drug Administration. FDA warns against the use of teething necklaces, bracelets, and other jewelry marketed for relieving teething pain or providing sensory stimulation. Safety Communication, 20.12.2018.
Medicines and Healthcare products Regulatory Agency. Oral salicylate gels: not for use in those younger than age 16 years. Drug Safety Update. 2009;2(11):4. gov.uk
Berg B, Cremer M, Flothkötter M, et al. Kariesprävention im Säuglings- und frühen Kindesalter. Handlungsempfehlungen des bundesweiten Netzwerks Gesund ins Leben. Monatsschr Kinderheilkd. 2021;169:550-558. doi: 10.1007/s00112-021-01167-z
Gemeinsamer Bundesausschuss. Richtlinie über die Früherkennungsuntersuchungen auf Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten (FU-RL). In Kraft seit 01.01.2026. g-ba.de
Verantwortlicher Autor

