Milchzahnkaries: Karies am Milchzahn erkennen und behandeln
Karies am Milchzahn bedeutet nicht automatisch Bohren. Solange sich noch kein Loch gebildet hat, lässt sie sich meist ohne Bohren stoppen: mit gründlichem Nachputzen, Fluorid und weniger Zucker. Ist ein Loch entstanden, kommen je nach Zahn eine Füllung, eine Kinderkrone oder Verfahren infrage, die die Karies ohne Bohren zum Stillstand bringen. Hat die Karies den Nerv erreicht, wird der Zahn mit einer Nervbehandlung erhalten oder gezogen.
Behandelt werden sollte Karies an Milchzähnen trotzdem, auch wenn die Zähne später ausfallen. Die Milchbackenzähne fallen erst zwischen etwa neun und 13 Jahren aus (Zahnwechsel beim Kind), und eine fortschreitende Karies kann Schmerzen und Entzündungen verursachen. Weitere Elternfragen beantwortet das Kapitel Kinderzahnheilkunde.
Auf einen Blick
| Wie häufig? | In Deutschland etwa jedes siebte Kind mit drei Jahren, fast jedes zweite mit sechs bis sieben Jahren |
|---|---|
| Erste Zeichen | Kreidig-weiße Stellen; bei Kleinkindern zuerst an den oberen Schneidezähnen |
| Noch kein Loch | Meist ohne Bohren zu stoppen: Nachputzen mit Fluoridzahnpasta, Fluoridlack, weniger Zucker |
| Loch im Zahn | Füllung, Kinderkrone oder Karies ohne Bohren stoppen, je nach Zahn |
| Nerv erreicht | Nervbehandlung oder Ziehen |
| Unbehandelt | Schmerzen, Entzündung, früher Zahnverlust mit Platzverlust |
| Krankenkasse | Früherkennung, Fluoridlack, Füllung mit Kassenmaterial, Kinderkrone aus Metall, Ziehen |
Je früher Karies am Milchzahn entdeckt wird, desto eher lässt sie sich ohne Bohren stoppen. Erst wenn ein Loch entstanden ist oder der Nerv betroffen ist, wird gefüllt, überkront, der Nerv behandelt oder der Zahn gezogen.
Woran man Milchzahnkaries erkennt
Karies beginnt mit matten, kreidig-weißen Stellen auf dem Zahnschmelz. Die Oberfläche ist in diesem Stadium noch geschlossen. Später kann sich die Stelle bräunlich verfärben und einbrechen, bis ein Loch im Zahnbein entsteht.
Bei Kleinkindern zeigt sich die frühkindliche Karies meist zuerst an den oberen Schneidezähnen. Zwischen den Milchbackenzähnen bleibt Karies dagegen oft lange unsichtbar, weil sie dort an den Kontaktflächen beginnt. Eine Bissflügelaufnahme kann helfen, sie früh zu finden.
Zahnschmerzen, eine Schwellung oder ein Eiterbläschen am Zahnfleisch zeigen, dass die Karies weit fortgeschritten ist und der Nerv betroffen sein kann. Dann sollte das Kind bald in die Zahnarztpraxis. Welche Untersuchungsverfahren es gibt, beschreibt der Lexikon-Eintrag Kariesdiagnostik.
Warum Milchzähne schneller Karies bekommen
Der Zahnschmelz der Milchzähne ist nur etwa halb so dick wie bei bleibenden Zähnen und enthält weniger Mineral. Säuren lösen ihn deshalb schneller an (Demineralisation), und eine Karies kann rascher bis ins Zahnbein vordringen.
Die Säuren entstehen, wenn Bakterien im Zahnbelag Zucker abbauen. Je häufiger Saft, gesüßter Tee, Kakao oder Süßigkeiten an die Zähne kommen, desto öfter greifen sie den Schmelz an. Eine Flasche mit süßen Getränken zum Einschlafen oder in der Nacht erhöht das Risiko wahrscheinlich zusätzlich (Flaschenkaries). Auch Schmelzbildungsstörungen an den Milchbackenzähnen können das Kariesrisiko erhöhen.
Karies trotz Zähneputzen: woran es liegt
Kleine Kinder putzen ihre Zähne noch nicht gründlich genug allein. Eltern sollten deshalb bis zum Alter von etwa sieben bis acht Jahren nachputzen, auch wenn das Kind schon selbst putzen möchte.
Ebenso wichtig ist das Fluorid in der Zahnpasta. Zahnpasta mit Fluorid schützt deutlich besser als Zahnpasta ohne Fluorid. Ab dem ersten Zahn bis zum zweiten Geburtstag gehört eine reiskorngroße Menge Kinderzahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid auf die Bürste, vom zweiten bis zum sechsten Geburtstag eine erbsengroße Menge; danach wird Zahnpasta mit 1.450 ppm verwendet. Einzelheiten stehen unter Zahnpflege bei Baby und Kleinkind und Fluorid bei Kindern.
Gutes Putzen gleicht häufige Zuckerzufuhr nicht vollständig aus. Süße Getränke und Snacks schaden am wenigsten, wenn sie selten und möglichst zu den Mahlzeiten gegessen werden; zum Durstlöschen eignet sich Wasser.
Was passiert, wenn Milchzahnkaries nicht behandelt wird?
Unbehandelt dringt die Karies weiter in den Zahn vor. Erreicht sie den Nerv, entzündet er sich (Pulpitis); es können Zahnschmerzen, ein Zahnabszess oder eine Fistel am Zahnfleisch entstehen. Die Lebensqualität von Kindern mit ausgeprägter Karies ist häufig eingeschränkt, vor allem durch Schmerzen.
Eine Entzündung an der Wurzel eines Milchzahns kann den darunterliegenden Zahnkeim des bleibenden Zahns schädigen. Geht ein Milchbackenzahn zu früh verloren, rücken die Nachbarzähne in die Lücke nach, vor allem im Unterkiefer; dem nachfolgenden Zahn fehlt dann Platz. Ein Lückenhalter kann die Lücke offenhalten.
Wer im Milchgebiss Karies hatte, bekommt auch an den bleibenden Zähnen häufiger Karies. Milchzahnkaries ist deshalb ein Anlass, Zahnpflege und Ernährung zu überprüfen, bevor die ersten bleibenden Backenzähne durchbrechen.
Wie schnell muss Karies am Milchzahn behandelt werden?
Eine feste Frist gibt es nicht. Beginnende Karies ohne Loch kann lange im Zahnschmelz bleiben; sie wird mit Fluorid und besserer Zahnpflege behandelt und bei den Kontrollen beobachtet. Bei Kindern mit hoher Kariesaktivität kann Karies am Milchzahn dagegen rasch bis ins Zahnbein und zum Nerv vordringen.
Ist ein Loch sichtbar, legt die Zahnarztpraxis fest, ob es gefüllt, überkront oder ohne Bohren stillgelegt wird. Schmerzen, eine Schwellung oder eine Fistel sind ein Grund, rasch einen Termin zu vereinbaren.
Wie Karies am Milchzahn behandelt wird
Welche Behandlung passt, entscheidet die Zahnärztin oder der Zahnarzt am einzelnen Zahn: nach Größe und Tiefe der Karies, nach der Mitarbeit des Kindes und danach, wie lange der Zahn noch gebraucht wird.
Noch kein Loch: stoppen statt bohren. Beginnende Karies wird mit Fluoridlack, gründlichem Nachputzen mit Fluoridzahnpasta und weniger Zucker behandelt und kommt so meist zum Stillstand. Regelmäßig in der Praxis aufgetragener Fluoridlack verringert neue Karies an Milchzähnen um etwa ein Drittel. Liegt beginnende Karies zwischen zwei Backenzähnen, kann sie zusätzlich mit einem dünnfließenden Kunststoff versiegelt oder infiltriert werden; bei Milch- und bleibenden Zähnen stoppt das die Karies wirksamer als Fluoridlack allein.
Loch im Zahnbein: Füllung. Die Karies wird entfernt und das Loch gefüllt. Bei tiefer Karies wird nahe am Nerv etwas erweichtes Zahnbein belassen und dicht verschlossen, damit der Nerv nicht eröffnet wird (selektive Kariesentfernung). Kompomer, Komposit und kunststoffverstärkter Glasionomerzement halten im Milchgebiss ähnlich gut; herkömmlicher Glasionomerzement eignet sich vor allem für kleine, einflächige Füllungen.
Größere Löcher an Milchbackenzähnen: Kinderkrone. Ist ein Milchbackenzahn stark zerstört oder an mehreren Flächen kariös, senkt eine vorgefertigte Kinderkrone aus Metall wahrscheinlich das Risiko von Schmerzen und größeren Misserfolgen im Vergleich zu einer Füllung. Bei der Hall-Technik wird die Krone ohne Bohren und ohne Spritze aufgesetzt; die Karies darunter ist von der Mundhöhle abgeschlossen und kommt meist zum Stillstand. Mehr dazu unter Milchzahnkrone.
Ohne Bohren stillgelegt. Silberdiaminfluorid kann Karies an Milchzähnen ohne Bohren stoppen. Die Flüssigkeit wird ein- bis zweimal im Jahr aufgetragen und färbt die kariöse Stelle dauerhaft schwarz. Eine weitere Möglichkeit ist, ein offenes Loch so zu erweitern, dass es sich putzen lässt; mit Fluoridzahnpasta gepflegt, kann die Karies dann stehen bleiben.
Nerv erreicht: Nervbehandlung oder Ziehen. Hat die Karies den Nerv erreicht, lässt sich der Milchzahn häufig mit einer Pulpotomie erhalten, bei der der entzündete Teil des Nervs in der Zahnkrone entfernt wird; diese Behandlung gelingt meist (Milchzahn-Nervbehandlung). Ist der Zahn nicht zu erhalten, wird er gezogen, und je nach Zahn hält ein Lückenhalter den Platz frei.
Viele kariöse Zähne oder wenig Mitarbeit. Muss viel behandelt werden und kann ein Kind die Behandlung wach nicht bewältigen, kommt eine Behandlung mit Lachgas, Sedierung oder in Narkose infrage. Wie sich Kinder auf den Zahnarztbesuch vorbereiten lassen, steht unter Zahnarztangst beim Kind.
Was die Krankenkasse bei Milchzahnkaries zahlt
Gesetzlich versicherte Kinder haben vom 6. bis zum 72. Lebensmonat Anspruch auf sechs zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen. Bis zum sechsten Geburtstag übernimmt die Krankenkasse dazu das Auftragen von Fluoridlack zweimal je Kalenderhalbjahr, ab dem sechsten Geburtstag die Fluoridierung im Rahmen der Individualprophylaxe.
Füllungen sind Kassenleistung. Im Seitenzahnbereich zahlt die Kasse Füllungen aus selbsthaftenden Materialien, etwa kunststoffverstärktem Glasionomerzement, im Frontzahnbereich auch adhäsiv befestigte Kunststofffüllungen. Wer im Seitenzahnbereich eine Füllung aus Komposit oder Kompomer wählt, vereinbart das vorher schriftlich mit der Praxis und trägt die Mehrkosten; die Kasse zahlt dann den Betrag der Kassenfüllung.
Als Kassenleistung übernimmt die Krankenkasse außerdem die vorgefertigte Kinderkrone aus Metall einschließlich Material, die Pulpotomie am Milchzahn, wenn der Zahn in derselben Sitzung gefüllt oder überkront wird, das Ziehen und einen herausnehmbaren Lückenhalter. Zahnfarbene Kinderkronen aus Zirkonoxid an Milchbackenzähnen zahlt die Kasse in der Regel nicht; sie werden privat vereinbart. Silberdiaminfluorid, die Kariesinfiltration und die Versiegelung von Milchzähnen sind keine Kassenleistungen und werden privat nach der Gebührenordnung für Zahnärzte berechnet. Eine Narkose zahlt die Kasse bei Kindern unter zwölf Jahren, wenn sie medizinisch notwendig ist.
implantate.com-Fazit
Karies am Milchzahn ist häufig und gut behandelbar. Früh erkannt, lässt sie sich meist ohne Bohren stoppen; deshalb lohnen sich die Früherkennung ab dem sechsten Lebensmonat, das Nachputzen mit Fluoridzahnpasta und seltener Zucker. Ist ein Loch entstanden, stehen Füllung, Kinderkrone und Verfahren ohne Bohren zur Wahl. Ziel ist, dass der Milchzahn bis zum Zahnwechsel schmerzfrei bleibt und seinem Nachfolger den Platz hält.
Muss Karies an Milchzähnen behandelt werden, wenn sie doch ausfallen?
Ja. Milchbackenzähne fallen erst zwischen etwa neun und 13 Jahren aus, und unbehandelte Karies kann Schmerzen, Entzündungen und einen frühen Zahnverlust verursachen. Behandeln heißt aber nicht immer bohren: Wie behandelt wird, hängt auch davon ab, wie lange der Zahn noch gebraucht wird.
Kann sich Karies am Milchzahn zurückbilden?
Beginnende Karies ohne Loch kann sich wieder härten und zum Stillstand kommen, wenn regelmäßig mit Fluoridzahnpasta geputzt, Fluoridlack aufgetragen und weniger Zucker gegessen wird. Ein Loch schließt sich nicht von selbst; die Karies darin lässt sich aber ebenfalls stoppen.
Gibt es eine Möglichkeit, Karies bei Kindern ohne Bohren zu behandeln?
Ja. Beginnende Karies wird mit Fluorid und besserer Pflege gestoppt. Bei einem Loch kommen Silberdiaminfluorid, eine Kinderkrone nach der Hall-Technik oder ein putzbar gemachtes, offen gepflegtes Loch infrage. Welches Verfahren passt, entscheidet die Zahnarztpraxis am einzelnen Zahn.
Ist es normal, dass ein dreijähriges Kind Karies hat?
Karies ist bei Kleinkindern nicht selten: Etwa jedes siebte dreijährige Kind in Deutschland ist betroffen, und betroffene Kinder haben im Durchschnitt mehrere kariöse Zähne. Ein früher Kariesbefund ist ein guter Anlass, Ernährung, Trinkflasche und Nachputzen anzusehen und mit der Zahnarztpraxis einen Plan zu machen.
Wie schnell muss Karies bei Kindern behandelt werden?
Eine feste Frist gibt es nicht. Beginnende Karies wird beobachtet und mit Fluorid behandelt; ein Loch sollte die Zahnarztpraxis zeitnah beurteilen. Bei Schmerzen, Schwellung oder einer Fistel am Zahnfleisch sollte das Kind rasch untersucht werden.
Muss mein Kind für die Kariesbehandlung in Narkose?
Eine Narkose kommt infrage, wenn viel zu behandeln ist und ein Kind die Behandlung wach nicht bewältigen kann. Verfahren ohne Bohren wie Fluoridlack, Silberdiaminfluorid oder die Hall-Technik können eine Narkose hinauszögern. Die Möglichkeiten beschreibt die Seite Lachgas, Sedierung und Narkose.
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