Fissurenversiegelung bei Kindern: sinnvoll, Nachteile, Kosten
Eine Fissurenversiegelung, oft auch Zahnversiegelung genannt, verschließt die tiefen Rillen auf den Kauflächen der bleibenden Backenzähne mit einem dünnen Kunststofffilm. Sie verhindert dort einen großen Teil der Karies und kann beginnende Karies im Zahnschmelz zum Stillstand bringen. Den größten Nutzen hat sie an großen Backenzähnen mit tiefen, kariesanfälligen Rillen und bei erhöhtem Kariesrisiko, bald nachdem die Zähne durchgebrochen sind. Weggebohrt wird dabei nichts.
Material und Technik im Detail beschreibt der Lexikon-Eintrag Fissurenversiegelung; weitere Elternfragen beantwortet das Kapitel Kinderzahnheilkunde.
Auf einen Blick
| Was | Dünner Kunststofffilm in den Rillen und Grübchen der Kauflächen |
|---|---|
| Welche Zähne | Vor allem die großen bleibenden Backenzähne, die mit etwa 6 und 12 Jahren durchbrechen |
| Wann | Bald nachdem der Zahn vollständig durchgebrochen ist |
| Nutzen | Deutlich weniger Karies auf den versiegelten Kauflächen; beginnende Karies im Schmelz schreitet darunter meist nicht weiter fort |
| Ablauf | Ohne Bohren, wenige Minuten pro Zahn |
| Haltbarkeit | Nach 2 bis 4 Jahren sind etwa zwei Drittel bis drei Viertel noch vollständig; fehlt etwas, wird nachversiegelt |
| Bisphenol A | Geringe Mengen kurz nach dem Legen im Speichel; Ausspülen danach verringert sie |
| Milchzähne | Bei erhöhtem Kariesrisiko möglich |
| Kasse | Kariesfreie Fissuren der Zähne 6 und 7 vom 6. bis 18. Geburtstag; sonst privat |
Warum gerade die Kauflächen?
In den schmalen Rillen und Grübchen der Backenzähne bleiben Beläge leicht liegen, und die Borsten der Zahnbürste erreichen sie kaum. Die Versiegelung macht die Kaufläche glatt und schützt genau diese Stellen. Die übrigen Zahnflächen schützen gründliches Putzen und Fluorid.
Was die Versiegelung bringt
Bei Kindern von fünf bis zehn Jahren bekommen versiegelte Kauflächen der ersten bleibenden Backenzähne deutlich seltener Karies. Bekommen ohne Versiegelung in zwei Jahren etwa 4 von 10 Kauflächen Karies, sind es mit Versiegelung nur etwa 6 von 100. Auch nach vier Jahren ist der Schutz noch deutlich.
Auch beginnende Karies, die nur den Zahnschmelz betrifft, sollte versiegelt werden; unter der Versiegelung schreitet sie viel seltener fort. Solange die Versiegelung dicht ist, wächst Karies darunter nicht unbemerkt weiter: Die Bakterien darunter nehmen ab. Reicht die Karies bis ins Zahnbein, wird gefüllt statt versiegelt.
Welche Zähne, und wann?
Am meisten profitieren die ersten und zweiten großen Backenzähne, bald nachdem sie vollständig durchgebrochen sind. Wann das meist so weit ist, zeigt die Seite Wann kommt welcher Zahn?. Ist ein Zahn erst teilweise durchgebrochen, wird er bis zum vollständigen Durchbruch durch gründliches Putzen und Fluoridlack geschützt; bei erhöhtem Kariesrisiko kommt eine vorübergehende Versiegelung mit Glasionomerzement infrage. Auch bei Kreidezähnen oder schwieriger Mundhygiene kommt eine Versiegelung infrage.
Bei erhöhtem Kariesrisiko lassen sich auch kleine Backenzähne und Milchbackenzähne versiegeln; Milchzähne, die bald ausfallen, brauchen keine Versiegelung. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern dass sich der Zahn trocken halten lässt, in der Regel sobald er vollständig durchgebrochen ist, und dass das Kind ein paar Minuten mitmachen kann. Für viele Kinder ist die Versiegelung ein guter Einstieg in die Zahnbehandlung, weil nicht gebohrt wird.
So läuft die Versiegelung ab
Zuerst wird der Zahn gereinigt und die Kaufläche untersucht. Ein Säuregel raut den Zahnschmelz fein an, damit der Versiegler hält. Nach dem Abspülen halten meist Watterollen und ein Sauger den Zahn trocken, dann wird der Versiegler dünn in die Rillen und Grübchen aufgetragen und mit Licht gehärtet. Zum Schluss prüft die Zahnärztin oder der Zahnarzt den Biss; danach wird meist Fluorid aufgetragen. Pro Zahn dauert das wenige Minuten.
Kunststoffversiegler halten deutlich länger als Glasionomerzement; vor Karies schützen beide ähnlich gut.
Wie lange hält eine Versiegelung?
Nach zwei bis vier Jahren sind etwa zwei Drittel bis drei Viertel der Kunststoffversiegelungen noch vollständig. Bei den Kontrollen prüft die Zahnarztpraxis, ob die Versiegelung noch intakt ist; fehlt ein Teil, wird nachversiegelt. Ist eine Versiegelung verloren gegangen, ist die Kaufläche wieder so gefährdet wie vorher. Deshalb gehören die Kontrollen dazu.
Nachteile und Bedenken
Bisphenol A: Kunststoffversiegler geben direkt nach dem Legen geringe Mengen Bisphenol A in den Speichel ab, am meisten in der ersten Stunde. Im Blut ist es nicht nachweisbar, im Urin nur kurzzeitig erhöht. Gründliches Abwischen und Ausspülen direkt nach dem Legen verringert die Menge weiter. Wer ganz darauf verzichten möchte, kann nach einem Versiegler mit wenig Bisphenol A oder nach Glasionomerzement fragen.
Allergien auf Versiegler sind extrem selten.
Verlust: Eine Versiegelung kann sich mit der Zeit lösen. Das fällt bei den Kontrollen auf und lässt sich durch Nachversiegeln beheben.
Aufwand und Nutzen: Gezielt nach Kariesrisiko eingesetzt, ist die Versiegelung auch wirtschaftlich sinnvoll.
Was die Krankenkasse zahlt und was es privat kostet
Gesetzlich versicherte Kinder und Jugendliche haben vom 6. bis zum 18. Geburtstag Anspruch auf die Versiegelung der kariesfreien Fissuren und Grübchen der bleibenden großen Backenzähne 6 und 7. Die Kasse zahlt die Versiegelung mit Kunststoff, und die Kassenrichtlinie sieht die Versiegelung gefährdeter Fissuren so früh wie möglich vor; beim ersten großen Backenzahn zahlt die Kasse auch dann, wenn er schon vor dem sechsten Geburtstag durchbricht.
Keine Kassenleistung sind die Versiegelung kleiner Backenzähne und Milchzähne, Fissuren mit beginnender Karies und die Versiegelung nach dem 18. Geburtstag. Eine Versiegelung kariesfreier Fissuren wird dann privat nach der Gebührenordnung für Zahnärzte berechnet:
| GOZ 2000, je Zahn | Einfacher Satz 5,06 €, 2,3-facher Satz 11,64 €, 3,5-facher Satz 17,72 € |
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implantate.com-Fazit
Die Fissurenversiegelung ist ein einfacher und gut belegter Schutz für die Kauflächen der großen Backenzähne, ohne Bohren und in wenigen Minuten. Am meisten bringt sie bald nach dem Durchbruch der Zähne 6 und 7, und für diese Zähne zahlt die Kasse. Dazu gehören die Kontrollen, damit eine gelöste Versiegelung ersetzt wird. Bedenken wegen Bisphenol A lassen sich mit Ausspülen nach dem Legen verringern oder mit einem anderen Material umgehen.
Ist eine Fissurenversiegelung sinnvoll?
Ja, wenn die Rillen tief und kariesanfällig sind, schon Karies im Schmelz beginnt oder das Kariesrisiko erhöht ist. Versiegelte Kauflächen bekommen dann deutlich seltener Karies. Auch bei Kreidezähnen kommt sie infrage. Bei glatten, gut zu putzenden Kauflächen und niedrigem Kariesrisiko kann die Zahnärztin oder der Zahnarzt auch darauf verzichten.
Welche Nachteile hat eine Fissurenversiegelung?
Sie kann sich lösen und muss deshalb kontrolliert und bei Bedarf erneuert werden. Kunststoffversiegler geben kurz nach dem Legen geringe Mengen Bisphenol A ab; Ausspülen danach verringert sie.
Tut eine Versiegelung weh?
Es wird nichts weggebohrt. Der Zahn wird gereinigt, angeraut, getrocknet und der Versiegler aufgetragen; das dauert pro Zahn wenige Minuten.
Wie lange hält eine Fissurenversiegelung?
Nach zwei bis vier Jahren sind etwa zwei Drittel bis drei Viertel noch vollständig. Fehlt ein Teil, wird nachversiegelt.
Werden auch Milchzähne versiegelt?
Nur bei erhöhtem Kariesrisiko. Milchzähne, die bald ausfallen, brauchen keine Versiegelung.
Was kostet eine Fissurenversiegelung bei Kindern?
Für kariesfreie Fissuren der Zähne 6 und 7 vom 6. bis 18. Geburtstag nichts, das zahlt die Kasse. Privat kostet sie je Zahn beim 2,3-fachen Satz 11,64 €.
Ab welchem Alter wird versiegelt?
Sobald die großen Backenzähne vollständig durchgebrochen sind, meist mit etwa 6 und 12 Jahren. Entscheidend ist, dass der Zahn vollständig durchgebrochen ist und das Kind ein paar Minuten mitmachen kann.
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