Lexikon

Zahnfleischrückgang (Gingivalrezession, Gingival Recession)

Zahnfleischrückgang (Gingivalrezession, engl. Gingival Recession) bezeichnet den Rückgang des marginalen Zahnfleisches in Richtung Wurzelspitze, wodurch die normalerweise von Gingiva bedeckte Zahnwurzeloberfläche freigelegt wird. Betroffen sind je nach Studie 50–98 % der Erwachsenen mindestens an einem Zahn. Die Folgen reichen von Zahnhalsempfindlichkeit und ästhetischer Beeinträchtigung bis hin zu einem erhöhten Risiko für Wurzelkaries und fortschreitenden Attachmentverlust.

Cairo-Klassifikation des Zahnfleischrückgangs: RT1 ohne interproximalen Verlust, RT2 mit Verlust gleich Rezession, RT3 mit Verlust größer als Rezession
Cairo-Klassifikation RT1/RT2/RT3: Schweregrad und Therapieprognose auf einen Blick
Rezessionen durch Parodontitis
Zahnfleischrückgang nach abgeheilter Parodontitis

Steckbrief

MerkmalDetails
FachbegriffGingivalrezession (Gingival Recession)
ICD-10K06.0 – Gingivarezession
KlassifikationCairo RT1 (kein Knochenverlust interproximal), RT2 (interproximaler Verlust ≤ bukkaler Rezession), RT3 (interproximaler Verlust > bukkaler Rezession)
Prävalenz50–98 % der Erwachsenen an mindestens einem Zahn
HauptursachenParodontitis, traumatisches Zähneputzen, dünner gingivaler Biotyp, kieferorthopädische Bewegungen
TherapieKoronaler Verschiebelappen, Bindegewebstransplantat, Tunneltechnik, Kollagenmatrix

Klassifikation und Ätiologie

Die aktuelle Klassifikation nach Cairo (2011) unterscheidet drei Rezessionstypen anhand des interproximalen Attachmentverlustes: RT1 ohne interproximalen Knochenverlust bietet die beste Prognose für eine vollständige Wurzeldeckung, RT2 mit interproximalem Verlust bis maximal zur Höhe der bukkalen Rezession ermöglicht eine partielle Deckung, während RT3 mit ausgeprägtem interproximalem Verlust nur eingeschränkt therapierbar ist. Ätiologisch stehen entzündlich-parodontale Ursachen (Plaqueakkumulation, Parodontitis) neben mechanischen Faktoren wie traumatischem Zähneputzen oder kieferorthopädischen Kräften. Ein dünner gingivaler Biotyp erhöht die Anfälligkeit für Rezessionen unabhängig von der primären Ursache.

Therapieoptionen bei Zahnfleischrückgang: Stufenmodell von Ursachenbehandlung über konservative Maßnahmen bis zur chirurgischen Deckung mit Bindegewebstransplantat
Therapiestufenplan: Von Mundhygiene-Optimierung bis zur chirurgischen Rezessionsdeckung (CAF, BGT)

Chirurgische Deckungsverfahren

Goldstandard der Rezessionsdeckung ist der koronale Verschiebelappen in Kombination mit einem subepithelialen Bindegewebstransplantat vom Gaumen, der bei RT1-Defekten Deckungsraten von über 90 % erreicht. Als Alternative stehen xenogene Kollagenmatrices zur Verfügung, die eine zweite Entnahmestelle vermeiden, jedoch leicht geringere Langzeitergebnisse zeigen. Die Tunneltechnik nach Zuhr bietet den Vorteil einer narbenfreien Heilung durch den Verzicht auf vertikale Entlastungsinzisionen. Entscheidend für den Therapieerfolg ist neben der Operationstechnik die vorherige Beseitigung ätiologischer Faktoren – insbesondere die Umstellung auf eine atraumatische Putztechnik.

Literatur

Quellenverzeichnis anzeigen

Marschner F, Lechte C, Kanzow P, Hraský V. Systematic review and meta-analysis on prevalence and risk factors for gingival recession. J Dent. 2025;155:105645. DOI: 10.1016/j.jdent.2025.105645

Chapple ILC, Mealey BL, Van Dyke TE, et al. Periodontal health and gingival diseases and conditions on an intact and a reduced periodontium: Consensus report of workgroup 1 of the 2017 World Workshop. J Periodontol. 2018;89(Suppl 1):S203–S218. DOI: 10.1002/JPER.17-0719

Chambrone L, Salinas Ortega MA, Sukekava F, et al. Root coverage procedures for treating localised and multiple recession-type defects. Cochrane Database Syst Rev. 2018;10:CD007161. DOI: 10.1002/14651858.CD007161.pub3

DGZMK/DG PARO. S3-Leitlinie Die Behandlung von Parodontitis Stadium I bis III. AWMF-Register-Nr. 083-043. 2021.

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