Wurzelspitzenresektion: Ablauf, Chancen, Risiken und Kosten
Bei einer Wurzelspitzenresektion wird die Spitze einer Zahnwurzel durch einen kleinen Schnitt im Zahnfleisch und eine Öffnung im Knochen entfernt, das entzündete Gewebe darum ausgeräumt und der Wurzelkanal von der Spitze her dicht verschlossen. Ziel ist, einen wurzelbehandelten Zahn zu erhalten, an dessen Wurzelspitze eine Entzündung nicht ausheilt oder wiederkommt.
Die Wurzelspitzenresektion ist eine von mehreren Möglichkeiten, wenn eine Wurzelbehandlung nicht zum Erfolg geführt hat; welche infrage kommt, steht unter Wie lange hält ein wurzelbehandelter Zahn?. Begriff und Abkürzung WSR erklärt das Lexikon unter Wurzelspitzenresektion (WSR).
| Frage | Kurz beantwortet |
|---|---|
| Wann? | wenn die Entzündung an der Wurzelspitze trotz Wurzelbehandlung bleibt und eine erneute Wurzelbehandlung nicht machbar ist |
| Wie? | in örtlicher Betäubung: Zugang durch das Zahnfleisch, Wurzelspitze kürzen, Kanal von der Spitze her verschließen |
| Danach? | Schmerzen und Schwellung für einige Tage, Fäden nach etwa einer Woche |
| Erfolg? | mit moderner Technik heilt die Entzündung meist aus |
| Kasse? | Kassenleistung, bei Backenzähnen nur unter Bedingungen |
Ablauf einer Wurzelspitzenresektion in fünf Schritten: Zugang, Knochenfenster, Kürzen der Wurzelspitze, Verschluss von der Spitze her (retrograde Füllung) und Naht.
Wann eine Wurzelspitzenresektion infrage kommt
Heilt eine Entzündung an der Wurzelspitze nach einer Wurzelbehandlung nicht aus oder kehrt sie zurück, sind meist Bakterien im Wurzelkanalsystem verblieben oder wieder eingedrungen. Fachlich ist dann die erneute Wurzelbehandlung von oben, die Revision, bei guter Durchführbarkeit der erste Weg. Die Wurzelspitzenresektion kommt infrage, wenn die Revision nicht machbar ist, etwa weil ein Wurzelstift, eine Krone oder eine Brücke den Weg in den Kanal versperrt und erhalten bleiben soll. Mit beiden Verfahren heilt die Entzündung ähnlich häufig aus.
Auch ein Bruch der Wurzel im unteren Drittel kann eine Wurzelspitzenresektion nötig machen.
Nicht sinnvoll ist sie, wenn die Wurzel längs gebrochen ist, zu wenig Knochen um den Zahn steht oder der Zahn ohnehin nicht zu halten ist. Dann ist die Entfernung des Zahns die bessere Lösung; wann das der Fall ist, steht unter Wann Zähne ziehen?. Wie andere den Nutzen im Einzelfall abgewogen haben, zeigt der Forumsbeitrag Macht Wurzelspitzenresektion hier einen Sinn?.
Ablauf der Wurzelspitzenresektion
Vor dem Eingriff zeigt ein Röntgenbild Lage und Größe der Entzündung. Eine dreidimensionale Aufnahme (DVT) kann bei schwieriger Anatomie die Planung des Eingriffs verbessern.
Der Eingriff selbst erfolgt in örtlicher Betäubung:
- Zugang: Das Zahnfleisch wird über der Wurzelspitze aufgeklappt.
- Knochenfenster: Über der Wurzelspitze wird ein kleines Fenster in den Knochen gefräst.
- Kürzen der Wurzelspitze: Die Wurzelspitze wird um wenige Millimeter gekürzt, das entzündete Gewebe ausgeräumt.
- Verschluss von der Spitze her: Das Ende des Wurzelkanals wird mit feinen Ultraschallansätzen ausgeschabt und dicht gefüllt, meist mit einem Zement auf Kalziumsilikatbasis wie MTA. Eine solche retrograde Füllung trägt meist zur Ausheilung bei.
- Naht: Das Zahnfleisch wird vernäht, die Fäden werden nach etwa einer Woche entfernt.
Mit starker Vergrößerung durch Operationsmikroskop oder Endoskop heilt die Entzündung häufiger aus als mit Lupenbrille oder ganz ohne Vergrößerung; nachweisbar war der Unterschied vor allem bei Backenzähnen.

Röntgenbild nach Wurzelspitzenresektion: Die gekürzten Wurzelspitzen sind von der Spitze her gefüllt (retrograde Wurzelfüllung).
Nach dem Eingriff: Schmerzen, Schwellung, Arbeitsfähigkeit
Die Schmerzen sind meist am Tag des Eingriffs am stärksten, die Schwellung am Tag danach; danach klingen beide ab. Auch ein Bluterguss in der Wange kann auftreten. In der ersten Woche hat man nach einer Wurzelspitzenresektion meist mehr Schmerzen als nach einer Revision und braucht häufiger Schmerzmittel. Wer schon vor dem Eingriff Schmerzen hatte, kann danach mehr Beschwerden haben.
Wie lange man nicht arbeiten kann, hängt vor allem von der Schwellung ab. Nehmen Schmerzen oder Schwellung nach einigen Tagen wieder zu, gehört der Zahn in die Praxis. Erfahrungen dazu gibt es im Forum unter Schwellung nach Wurzelspitzenresektion.
Erfolgsaussichten
Mit moderner, mikrochirurgischer Technik, also mit Vergrößerung, Ultraschallansätzen und einer dichten retrograden Füllung, heilt die Entzündung meist bei rund neun von zehn Zähnen aus. Mit der älteren Technik ohne Vergrößerung war das deutlich seltener der Fall. Über die Jahre nimmt der Anteil der ausgeheilten Zähne etwas ab.
Günstig sind:
- eine dichte Wurzelfüllung,
- eine kleine Entzündung an der Wurzelspitze,
- keine starken Schmerzen vor dem Eingriff,
- genügend Knochen am Zahn,
- eine dichte retrograde Füllung.
Rauchen und Risse in der Wurzel verschlechtern die Aussichten. Ob die Entzündung ausheilt, zeigt eine Röntgenkontrolle, die über einen längeren Zeitraum wiederholt wird.
implantate.com-Empfehlung: Eine Wurzelspitzenresektion mikrochirurgisch, unter Vergrößerung und mit retrograder Füllung durchführen lassen. Vorher klären, ob nicht eine Revision möglich ist.
Risiken
Welche Risiken im Vordergrund stehen, hängt von der Lage des Zahns ab:
- Unterkiefer-Seitenzähne: In der Nähe verläuft der Unterkiefernerv. Wird er gereizt oder verletzt, kann ein Taubheitsgefühl an Lippe und Kinn entstehen. Über dieses Risiko muss vorher aufgeklärt werden, wie ein Urteil zum Nervschaden nach Wurzelspitzenresektion zeigt.
- Oberkiefer-Seitenzähne: Die Wurzelspitzen reichen oft bis an die Kieferhöhle, die beim Eingriff eröffnet werden kann.
- Alle Zähne: Wurzeln von Nachbarzähnen können verletzt werden; Nachblutung, Schwellung und Entzündung der Wunde sind möglich.
Wenn die Wurzelspitzenresektion nicht hilft
Heilt die Entzündung auch nach der Wurzelspitzenresektion nicht aus, ist ein zweiter Eingriff möglich. Die Aussichten sind meist schlechter als beim ersten Mal; mit mikrochirurgischer Technik kann eine zweite Wurzelspitzenresektion aber noch erfolgreich sein, vor allem wenn beim ersten Eingriff keine dichte retrograde Füllung gelegt wurde. Ob sie lohnt, hängt davon ab, warum der erste Eingriff nicht geholfen hat. Erfahrungen dazu gibt es im Forum unter Zweite Wurzelspitzenresektion?.
Lässt sich der Zahn nicht erhalten, wird er entfernt und die Lücke versorgt, etwa mit einem Implantat. Wie lange Implantate halten, steht unter Wie lange halten Implantate?.
Was die Krankenkasse zahlt
Die Wurzelspitzenresektion ist eine Kassenleistung, die retrograde Füllung wird dabei gesondert abgerechnet. Die Kassenrichtlinie (G-BA) sieht sie insbesondere vor, wenn das Wurzelkanalsystem auf anderem Weg nicht ausreichend zu behandeln ist, wenn eine Entzündung an der Wurzelspitze einer Behandlung von oben nicht zugänglich ist und bei Brüchen im unteren Wurzeldrittel oder aktiver Wurzelresorption.
Bei Backenzähnen (Molaren) sieht die Kassenrichtlinie die Wurzelspitzenresektion in der Regel vor, wenn damit eine geschlossene Zahnreihe erhalten, eine einseitige Lücke am Ende der Zahnreihe (Freiendsituation) vermieden oder funktionstüchtiger Zahnersatz erhalten werden kann.
Bei Zähnen mit Wurzelfüllung und Entzündung an der Wurzelspitze sieht die Kassenrichtlinie primär chirurgische Maßnahmen vor; die Revision ist deshalb in der Regel keine Kassenleistung. Das ist eine Regel zur Kostenübernahme, keine fachliche Empfehlung. Was eine private Wurzelspitzenresektion kostet, steht im Lexikon unter Wurzelspitzenresektion (WSR), die Kosten der Wurzelbehandlung insgesamt unter Kosten der Wurzelbehandlung.
Häufige Fragen
Wie schmerzhaft ist eine Wurzelspitzenresektion?
Der Eingriff selbst erfolgt in örtlicher Betäubung. Danach sind Schmerzen meist am ersten Tag am stärksten und klingen in den folgenden Tagen ab.
Was ist besser, Zahn ziehen oder Wurzelspitzenresektion?
Ein Zahn, der sich erhalten lässt, wird in der Regel erhalten. Ist die Wurzel längs gebrochen oder steht zu wenig Knochen um den Zahn, ist das Ziehen die bessere Lösung.
Wie lange ist man nach einer Wurzelspitzenresektion krank?
Das hängt vor allem von der Schwellung ab, die meist am Tag nach dem Eingriff am stärksten ist und dann abklingt.
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Entzündung nach einer Wurzelspitzenresektion weg ist?
Mit moderner, mikrochirurgischer Technik heilt die Entzündung meist bei rund neun von zehn Zähnen aus.
Wie lange hält ein Zahn mit Wurzelspitzenresektion?
Heilt die Entzündung aus, bleibt der Zahn meist viele Jahre erhalten. Wovon das abhängt, steht unter Wie lange hält ein wurzelbehandelter Zahn?.
Warum schmerzt mein Zahn trotz Wurzelspitzenresektion?
In den ersten Tagen ist das normal. Bleiben die Schmerzen oder kommen sie nach Wochen wieder, kann die Entzündung fortbestehen oder die Wurzel gerissen sein; dann gehört der Zahn in die Praxis. Mögliche Ursachen erklärt die Seite Beschwerden nach der Wurzelbehandlung.
Wird eine Wurzelspitzenresektion von der Krankenkasse bezahlt?
Ja, als Kassenleistung; bei Backenzähnen nur unter bestimmten Bedingungen.
implantate.com-Fazit
Die Wurzelspitzenresektion erhält einen wurzelbehandelten Zahn, an dessen Wurzelspitze die Entzündung nicht ausheilt, wenn eine Revision nicht machbar ist. Mikrochirurgisch durchgeführt, heilt die Entzündung meist aus. Schmerzen und Schwellung danach klingen in der Regel nach einigen Tagen ab.
Gelingt der Erhalt nicht, helfen die Seiten Wann Zähne ziehen? und Haltbarkeit von Implantaten weiter.
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Gemeinsamer Bundesausschuss. Richtlinie für eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche vertragszahnärztliche Versorgung (Behandlungsrichtlinie), Teil B III Nr. 9.4 und Teil B IV Nr. 4. Zuletzt geändert 16.12.2021, BAnz AT 08.03.2022 B4. g-ba.de
Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung. Einheitlicher Bewertungsmaßstab für zahnärztliche Leistungen (BEMA), Nr. 54a–c sowie Abrechnungsbestimmungen. Stand 01.01.2026. kzbv.de
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