Wurzelbehandlung: der Ablauf Schritt für Schritt
Eine Wurzelbehandlung, fachlich Wurzelkanalbehandlung, folgt einer festen Abfolge. Der Zahn wird betäubt, eröffnet, die Wurzelkanäle werden gefunden, vermessen, gereinigt, gespült und schließlich dicht gefüllt. Jeder dieser Schritte dient demselben Ziel: Bakterien aus dem Kanalsystem zu entfernen und zu verhindern, dass neue hineingelangen. Nur dann kann eine Entzündung an der Wurzelspitze ausheilen.
Wie viele Termine das braucht, hängt vom Befund ab. Manchmal genügt eine Sitzung, manchmal liegt zwischen zwei Terminen eine medikamentöse Einlage. Mehr dazu unter Dauer, Sitzungen und Krankschreibung.
Der Ablauf einer Wurzelbehandlung in sieben Schritten. Ob zwischen zwei Sitzungen eine Einlage nötig ist, entscheidet der Befund.
Vorbereitung: Röntgenbild, Betäubung, Kofferdam
Am Anfang steht ein aktuelles Röntgenbild. Es zeigt, wie lang und wie gekrümmt die Wurzeln sind und ob sich an der Wurzelspitze bereits eine Entzündung gebildet hat. Danach wird der Zahn örtlich betäubt.
Damit während der Behandlung kein Speichel und keine Bakterien in den offenen Zahn gelangen, kann er mit einem Kofferdam abgeschirmt werden. Das dünne Spanngummi lässt nur den behandelten Zahn frei, hält das Arbeitsfeld trocken und verhindert, dass Spülflüssigkeit oder kleine Instrumente in den Mund gelangen.
Den Zahn öffnen und die Kanäle finden
Durch die Zahnkrone wird ein Zugang zum Zahnmark geschaffen, die Trepanation. Dabei wird das Dach der Pulpakammer vollständig entfernt. So werden die Eingänge aller Kanäle sichtbar, und die feinen Instrumente finden möglichst gerade hinein.
Wie viele Kanäle ein Zahn hat, ist von Zahn zu Zahn verschieden. Frontzähne haben meist einen, kleine Backenzähne einen oder zwei, große Backenzähne meist drei bis vier. Gerade bei Backenzähnen liegen Kanäle manchmal versteckt oder verzweigen sich. Gutes Licht und Vergrößerung, etwa durch eine Lupenbrille oder ein Operationsmikroskop, erleichtern es, alle Kanäle zu finden.
Lebendes oder abgestorbenes Zahnmark
Ist das Zahnmark noch lebendig, aber entzündet, etwa bei einer Pulpitis, wird es vollständig aus Kammer und Kanälen entfernt. Fachleute sprechen von Vitalexstirpation.
Bei einem abgestorbenen Zahn ist das Gewebe bereits zerfallen und das Kanalsystem von Bakterien besiedelt. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Desinfektion: gründlich aufbereiten, ausgiebig spülen und, wenn nötig, zwischen zwei Sitzungen ein Medikament einlegen.
Die Arbeitslänge bestimmen
Bevor die Kanäle bearbeitet werden, wird ihre Länge gemessen. Gearbeitet wird möglichst nah an die engste Stelle kurz vor der Wurzelspitze heran, die apikale Konstriktion. Sie liegt meist 0,5 bis 2 Millimeter vor dem Wurzelende, das im Röntgenbild zu sehen ist.
Gemessen werden kann elektronisch und mit dem Röntgenbild. Das elektronische Messgerät zeigt über ein Instrument im Kanal an, wann die Spitze diese Stelle erreicht.
Gearbeitet wird bis möglichst nah an die engste Stelle des Kanals. Sie liegt meist 0,5 bis 2 Millimeter vor dem Wurzelende im Röntgenbild.
Die Arbeitslänge legt fest, wie weit gereinigt und später gefüllt wird. Für die gesetzliche Krankenkasse ist sie zugleich eine Bedingung: Lässt sich ein Kanal nicht bis an oder nahe an die Wurzelspitze aufbereiten und füllen, übernimmt die Kasse die Behandlung nach der Kassenrichtlinie (G-BA) nicht. Fachlich ist das eine andere Frage: Ob sich ein solcher Zahn erhalten lässt, wird im Einzelfall entschieden. Was dann gilt, steht auf der Seite Wurzelbehandlung: Kosten.
Aufbereitung: die Kanäle reinigen und formen
Mit feinen Feilen werden die Kanäle von Gewebe und infiziertem Zahnbein befreit und gleichmäßig kegelförmig erweitert. Die Erweiterung schafft Platz für die Spüllösung und für die spätere Füllung.
Gearbeitet wird von Hand oder mit maschinell angetriebenen Feilen aus Nickel-Titan. Die Legierung ist sehr biegsam und folgt auch gekrümmten Kanälen. Bei einer Entzündung an der Wurzelspitze sind maschinell angetriebene Nickel-Titan-Feilen meist die bessere Wahl. Welches der heutigen Systeme verwendet wird, spielt nach heutigem Wissen keine erkennbare Rolle.
Spülen und desinfizieren
Feilen allein erreichen nicht jeden Winkel des Kanalsystems. Deshalb wird während der gesamten Aufbereitung immer wieder gespült. Die Spülung soll Bakterien abtöten, Späne herausspülen, Gewebereste auflösen und die Instrumente gleitfähig halten.
Als Spüllösung dient vor allem Natriumhypochlorit, eine desinfizierende Lösung, die organisches Gewebe auflöst. Sie wird allein verwendet oder gefolgt von EDTA, einer Lösung, die Kalkbestandteile an der Kanalwand löst.
Einlage zwischen den Sitzungen
Wird die Behandlung nicht in einem Termin abgeschlossen, kommt ein Medikament in die Kanäle, zum Beispiel Calciumhydroxid. Daneben kommen weitere Präparate infrage, etwa kortisonhaltige Pasten oder Chlorphenol-Kampfer-Menthol (CHKM). Welches Mittel eingesetzt wird, entscheidet die Zahnärztin oder der Zahnarzt. Der Zahn wird bis zum nächsten Termin provisorisch dicht verschlossen.
Nötig ist eine Einlage nicht in jedem Fall. Verursacht eine Entzündung an der Wurzelspitze keine Beschwerden und gelingen Aufbereitung und Spülung vollständig, ist es zu empfehlen, die Wurzelbehandlung in einer Sitzung ohne Einlage abzuschließen. Wie im einzelnen Fall vorgegangen wird, entscheidet die Zahnärztin oder der Zahnarzt nach dem Befund.
Die Wurzelfüllung
Sind die Kanäle vollständig aufbereitet und trocken, werden sie gefüllt. Die Füllung soll das gesamte Kanalsystem ausfüllen, damit weder Bakterien noch Flüssigkeit an der Wurzel entlang wandern können. Sie besteht aus einem formbaren Kernmaterial, meist Guttapercha, und einem Versiegler, dem Sealer. Der Sealer schließt die feinen Spalten zwischen Kernmaterial und Kanalwand.
Für das Einbringen gibt es mehrere Techniken. Kalte Guttaperchastifte werden seitlich verdichtet (laterale Kondensation), erwärmte Guttapercha wird senkrecht verdichtet (warme vertikale Kondensation), oder die Guttapercha wird erwärmt auf einem Trägerstift eingebracht. Alle diese Techniken mit Guttapercha und Sealer kommen infrage; welche passt, entscheidet die Zahnärztin oder der Zahnarzt am einzelnen Zahn. Wie gut die Materialien vertragen werden, steht unter Biokompatibilität von Wurzelfüllmaterialien.
Ein Röntgenbild nach der Füllung zeigt, ob sie bis an die Arbeitslänge reicht und den Kanal dicht ausfüllt.
Verschluss und Kontrolle
Mit der Wurzelfüllung ist der Zahn noch nicht fertig. Er braucht einen dichten, endgültigen Verschluss: eine Füllung oder, bei stärker zerstörten Zähnen, eine Krone. Was dabei zu beachten ist, steht unter Nachsorge, Überkronung und Wurzelstift.
In den ersten Tagen kann der Zahn empfindlich sein. Was normal ist und wann er noch einmal in die Praxis gehört, beschreibt die Seite Beschwerden nach der Wurzelbehandlung. Eine erste Röntgenkontrolle nach etwa einem Jahr zeigt, ob eine Entzündung an der Wurzelspitze ausheilt.
Häufige Fragen
Wird bei einer Wurzelbehandlung immer der Nerv gezogen?
Ja. Bei einer Wurzelbehandlung wird das gesamte Zahnmark aus Kammer und Kanälen entfernt, ob es noch lebendig oder bereits abgestorben ist. Ist das Zahnmark nur oberflächlich geschädigt, lässt es sich manchmal teilweise erhalten. Dann ist es keine Wurzelbehandlung im eigentlichen Sinn.
Wie viele Termine braucht man für eine Wurzelbehandlung?
Einen oder mehrere. Besteht eine Entzündung an der Wurzelspitze ohne Beschwerden und gelingt die Reinigung vollständig, ist es zu empfehlen, die Behandlung in einer Sitzung abzuschließen. In anderen Fällen entscheidet der Befund, ob die Behandlung in einer Sitzung abgeschlossen wird oder nach einer Einlage ein zweiter Termin folgt. Mehr unter Dauer und Sitzungen.
Wie schmerzhaft ist eine Wurzelbehandlung?
Während der Behandlung ist der Zahn örtlich betäubt. In den Tagen danach kann er empfindlich sein, diese Beschwerden klingen meist rasch ab. Was dagegen hilft, steht unter Beschwerden danach.
Was darf man nach einer Wurzelbehandlung nicht machen?
Worauf bis zum endgültigen Verschluss und danach zu achten ist, bespricht die Praxis am Ende der Behandlung. Mehr dazu unter Nachsorge, Überkronung und Wurzelstift.
Bei drohendem Zahnverlust: hier geht es zur Versorgung mit Zahnimplantaten. Wann ein Zahn nicht mehr zu halten ist, steht unter Wann muss ein Zahn raus?. Erfahrungen anderer Patienten zur Frage Wurzelbehandlung oder Implantat gibt es im Forum.
implantate.com-Fazit
Eine Wurzelbehandlung läuft nach einem festen Prinzip ab: öffnen, Kanäle finden und vermessen, reinigen und spülen, dicht füllen, verschließen. Ob dazwischen eine Einlage nötig ist, entscheidet der Befund. Danach braucht der Zahn einen dichten, endgültigen Verschluss.
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Gemeinsamer Bundesausschuss. Richtlinie für eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche vertragszahnärztliche Versorgung (Behandlungsrichtlinie), Teil B III Nr. 9. g-ba.de
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