Risikoprofil und Prognose der Parodontitis

Wer nach einer Parodontitisbehandlung regelmäßig zur Nachsorge geht, verliert meist nur wenige Zähne. Die meisten Patienten in langjähriger Nachsorge verlieren keinen einzigen, im Durchschnitt geht etwa ein Zahn in zehn Jahren verloren. Wie gut die Aussichten im Einzelfall sind, wird auf zwei Ebenen eingeschätzt: für Sie als Patient, das ist das Risikoprofil, und für jeden einzelnen Zahn.

Ausgangspunkt ist die Diagnose, wie sie beim Erkennen einer Parodontitis gestellt wird, mit Stadium und Grad nach der Einteilung der Parodontalerkrankungen. Welche Faktoren eine Parodontitis auslösen und begünstigen, steht bei den Ursachen der Parodontitis. Für die Prognose zählt, wie diese Befunde zusammenwirken und welche davon sich beeinflussen lassen.

Die Prognose auf einen Blick

Ob ein Zahn langfristig hält, hängt von Eigenschaften des Patienten und des Zahns ab. Bei behandelten Parodontitispatienten gehen die folgenden Befunde meist mit häufigerem Zahnverlust einher.

Ebene Befund Wirkung auf die Prognose
Patient Nachsorge
unregelmäßig
deutlich mehr
Zahnverlust
Patient Rauchen Risiko etwa
verdoppelt
Patient Diabetes Risiko erhöht
Patient höheres Alter Risiko leicht
erhöht
Zahn Knochenabbau,
tiefe Taschen
Risiko deutlich
erhöht
Zahn Lockerung Risiko deutlich
erhöht
Zahn Backenzahn mit
Furkationsbefall
Risiko etwa
verdoppelt, meist
trotzdem erhaltbar

Ein Teil dieser Befunde lässt sich beeinflussen: die Teilnahme an der Nachsorge, das Rauchen und tiefe Taschen, die sich behandeln lassen. Was die Millimeter einer Tasche bedeuten und ab wann sie als tief gilt, erklärt die Seite zu den Zahnfleischtaschen und Taschentiefen.

Das Risikoprofil: was die Berner Spinne zeigt

Für die Nachsorge nach einer Parodontitisbehandlung fasst die Berner Spinne sechs Befunde zu einem Risikoprofil zusammen. Entwickelt wurde sie an der Universität Bern als Werkzeug für die unterstützende Parodontitistherapie. Jede Achse des Sechsecks steht für einen Befund: den Anteil blutender Messstellen, die Zahl verbliebener tiefer Taschen, die Zahl verlorener Zähne, den Knochenabbau im Verhältnis zum Lebensalter, Allgemeinerkrankungen sowie Verhaltensfaktoren wie das Rauchen.

Je weiter ein Wert vom Zentrum entfernt liegt, desto ungünstiger ist er. Verbindet man die sechs Punkte, entsteht eine Fläche. Eine kleine, zentrumsnahe Fläche spricht für ein niedriges Risiko, eine große Fläche für ein hohes. Kein einzelner Wert entscheidet: Die Spinne zeigt, wie die Befunde zusammenwirken.

Schematische Berner Spinne mit sechs Achsen: Blutung beim Sondieren, Resttaschen, verlorene Zähne, Knochenabbau im Verhältnis zum Alter, Allgemeinerkrankungen und Rauchen; eingezeichnet sind ein kleines Profil mit niedrigem und ein großes Profil mit hohem Risiko

Berner Spinne mit zwei Beispielprofilen: Je größer die Fläche, desto höher das Risiko, dass die Parodontitis wieder fortschreitet.

Risikoprofile dieser Art unterscheiden in behandelten Patientengruppen meist gut zwischen höherem und niedrigerem Risiko: Wer höher eingestuft wird, bei dem schreitet die Parodontitis häufiger wieder fort, und er verliert im Verlauf häufiger Zähne. Nach dem Profil lassen sich Abstände und Inhalt der Nachsorge ausrichten. Drei Achsen hängen an Befunden, die sich durch Behandlung und eigenes Verhalten verändern lassen: die Blutung beim Sondieren, die Resttaschen und das Rauchen. Ein Diabetes zählt zu den Allgemeinerkrankungen, die in das Profil eingehen.

Wie die Berner Spinne in der Diagnostik eingesetzt wird, beschreibt die Seite Parodontitis erkennen.

Was Stadium und Grad über den Verlauf sagen

Das Stadium beschreibt, wie viel Halteapparat bereits verloren ist und wie aufwendig die Behandlung wird. Der Grad schätzt, wie schnell die Erkrankung fortschreitet. Geschätzt wird er aus dem Verlauf früherer Befunde oder, wenn keine vorliegen, aus dem Knochenabbau im Verhältnis zum Lebensalter. Ohne klare Hinweise auf ein langsames oder schnelles Fortschreiten wird zunächst Grad B angenommen. Rauchen und Diabetes können den Grad nach oben verschieben. Ein höherer Grad steht für ein höheres Risiko, das bei der Planung der Nachsorge mitzählt.

Das Stadium sinkt nach einer erfolgreichen Behandlung nicht ab. Auch wenn die tiefen Taschen verschwunden sind, bleibt ein Stadium III ein Stadium III, weil die ursprünglichen Befunde in der Nachsorge weiter berücksichtigt werden. Höhere Stadien, vor allem III und IV, können mit häufigerem späterem Zahnverlust verbunden sein. Für den einzelnen Patienten sagen Stadium und Grad den Verlauf aber nur grob voraus: Sie ordnen ein, über einzelne Zähne entscheiden sie nicht.

Im Stadium IV kommen Folgen hinzu, die über die Entzündung hinausgehen. Zähne wandern oder fächern auf, der Biss kann absinken, das Kauen wird schwieriger. Nach der Parodontitisbehandlung folgen dann weitere Schritte, etwa eine kieferorthopädische Behandlung, eine Schienung gelockerter Zähne oder Zahnersatz auf Zähnen oder Implantaten.

Die Prognose einzelner Zähne

Für jeden Zahn wird die Prognose aus dem Parodontalstatus abgeleitet. Er erfasst Taschentiefen und Blutung an mehreren Stellen je Zahn, die Lockerung, den Befall der Wurzelgabelung und den Knochenabbau im Röntgenbild.

Häufiger verloren gehen Zähne mit viel Knochenabbau, tiefen Taschen oder deutlicher Lockerung, außerdem Backenzähne, besonders bei Befall der Furkation, also der Gabelung zwischen den Wurzeln. Ein Furkationsbefall verdoppelt bei Backenzähnen in der Nachsorge über zehn bis fünfzehn Jahre in der Regel etwa das Risiko, den Zahn zu verlieren. Die meisten dieser Zähne sprechen trotzdem gut auf die Behandlung an, auch bei durchgängigem Befall. Von allen behandelten Backenzähnen in langjähriger Nachsorge bleiben im Mittel rund vier von fünf über etwa fünfzehn Jahre erhalten.

Ein Furkationsbefall allein ist deshalb meist kein Grund, einen Backenzahn aufzugeben. Wann ein stark gelockerter Zahn nicht mehr zu halten ist, beschreibt die Seite Zahnverlust durch Parodontitis.

Was die Prognose verbessert

Eine Parodontitis lässt sich in den meisten Fällen erfolgreich behandeln. Grundlage jeder Therapie ist die gründliche Reinigung der Zahnfleischtaschen und der Wurzeloberflächen unter dem Zahnfleisch. Ihr Ziel ist eine geschlossene Tasche: höchstens 4 mm tief und ohne Blutung beim Sondieren. Bei schwerer Parodontitis gelingt das nicht an jedem Zahn.

Bleiben im Stadium III nach den ersten beiden Behandlungsschritten Taschen ab 6 mm, sollte operativ weiterbehandelt werden, mit einer Lappenoperation. Zähne mit tiefen Resttaschen an Knochentaschen ab 3 mm Tiefe sollen regenerativ behandelt werden. Die regenerative Chirurgie kann zusätzlich einen Teil des verlorenen Halts und Knochens zurückgewinnen; wie sie ablaufen, beschreibt die Seite Wiederaufbau des Zahnbetts.

Danach entscheidet die Nachsorge. Wer die unterstützende Parodontitistherapie regelmäßig wahrnimmt, verliert in der Regel deutlich seltener Zähne als Patienten, die nur unregelmäßig kommen. Wie oft die Nachsorge sinnvoll ist, legt die Praxis nach dem Risikoprofil fest; die Abstände können zwischen drei Monaten und einem Jahr liegen. Welcher Abstand passt, ergibt sich aus Ihrem eigenen Befund, ein Schema für alle gibt es nicht. Was ein Rauchstopp für Risiko und Behandlungsergebnis bedeutet, steht auf der Seite Rauchen und Parodontitis.

Parodontitis in der Vorgeschichte: was das für Implantate bedeutet

Eine Parodontitis in der Vorgeschichte wirkt auch auf Implantate. Wer eine Parodontitis hatte, erkrankt häufiger an einer Periimplantitis, der Entzündung um ein Implantat. Unzureichende Mundhygiene und eine fehlende Nachsorge nach der Implantation sind weitere Risikofaktoren. Auch Implantatverluste sind bei Patienten mit Parodontitis in der Vorgeschichte meist häufiger.

Zwei Punkte lassen sich beeinflussen. Tiefe Resttaschen, die nach der Parodontitisbehandlung an den eigenen Zähnen bleiben, können das Risiko für eine Periimplantitis erhöhen. Und eine regelmäßige Nachsorge senkt bei Implantatträgern meist das Risiko für Entzündungen am Implantat und für Implantatverluste. Wie Implantate bei Parodontitis die verbliebenen Zähne entlasten können, beschreibt die Seite Parodontitis und Implantate.

Sind Zähne nicht mehr zu halten, stellt sich die Frage nach dem passenden Ersatz. Welche Versorgung bei Parodontitis am besten trägt, vergleicht die Seite Zahnersatz bei Parodontose.

Was die Krankenkasse in der Nachsorge übernimmt

Die Kassenrichtlinie für die Parodontitisbehandlung, die PAR-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), knüpft die Kassenleistung an die Diagnose: Stadium und Grad werden festgestellt und dokumentiert. Nach der aktiven Behandlung übernimmt die Krankenkasse die unterstützende Parodontitistherapie (UPT) für zwei Jahre. Wie oft, richtet sich nach dem Grad. Seit dem 1. Juli 2025 gilt: bei Grad A bis zu zweimal, bei Grad B bis zu viermal und bei Grad C bis zu sechsmal in diesen zwei Jahren, mit Mindestabständen von zehn, fünf beziehungsweise drei Monaten.

Schema der Kassenleistung UPT über zwei Jahre: Grad A bis zu 2 Termine mit mindestens 10 Monaten Abstand, Grad B bis zu 4 Termine mit mindestens 5 Monaten Abstand, Grad C bis zu 6 Termine mit mindestens 3 Monaten Abstand

Kassenleistung UPT: Wie viele Nachsorgetermine die Krankenkasse in zwei Jahren übernimmt, hängt vom Grad der Parodontitis ab (Stand 1. Juli 2025).

Ist über die zwei Jahre hinaus weitere UPT zahnmedizinisch erforderlich, kann sie verlängert werden, in der Regel um höchstens sechs Monate. Die Verlängerung muss die Krankenkasse vorher genehmigen. Diese Regeln legen fest, was die Kasse trägt. Fachlich richtet sich der Nachsorgeabstand nach dem gesamten Risikoprofil und nicht allein nach dem Grad. Wie die Kassenbehandlung von der Vorbehandlung bis zur UPT abläuft, zeigt die Seite Parodontitistherapie der Kasse von AIT bis UPT.

Wie lange kann man mit Parodontitis leben?

Mit einer behandelten Parodontitis lassen sich die eigenen Zähne meist sehr lange erhalten. In regelmäßiger Nachsorge verlieren die meisten Patienten über viele Jahre keinen Zahn; im Durchschnitt geht etwa ein Zahn in zehn Jahren verloren. Unbehandelt kann eine Parodontitis dagegen zum Verlust von Zähnen führen.

Ist schwere Parodontitis heilbar?

Auch eine schwere Parodontitis lässt sich in den meisten Fällen erfolgreich behandeln und zum Stillstand bringen. Das Stadium bleibt nach der Behandlung allerdings bestehen, und nicht an jedem Zahn lassen sich geschlossene Taschen erreichen. Deshalb gehört eine dauerhafte Nachsorge zur Behandlung.

Was passiert im Endstadium einer Parodontose?

Im Endstadium, dem Stadium IV, sind meist bereits Zähne durch die Parodontitis verloren gegangen, und es kommen Folgen für das ganze Gebiss hinzu: Zähne wandern oder fächern auf, der Biss kann absinken. Neben der Parodontitisbehandlung braucht es dann weitere Schritte wie eine kieferorthopädische Behandlung, eine Schienung oder Zahnersatz auf Zähnen oder Implantaten.

Kann sich Parodontose wieder zurückbilden?

Die Entzündung kann abklingen: Ziel der Behandlung ist eine Tasche von höchstens 4 mm ohne Blutung beim Sondieren. Bei Knochentaschen ab 3 mm Tiefe lässt sich mit regenerativer Chirurgie zusätzlich ein Teil des verlorenen Halts und Knochens zurückgewinnen.

implantate.com-Fazit

Eine behandelte Parodontitis hat gute Aussichten, wenn die Nachsorge regelmäßig stattfindet: Die meisten Patienten behalten über viele Jahre alle Zähne. Das Risikoprofil verändert sich mit der Behandlung, und einen Teil davon haben Sie selbst in der Hand, vor allem die Nachsorge und das Rauchen. Stadium und Grad ordnen die Erkrankung ein, über einzelne Zähne entscheidet der Befund am Zahn; auch Backenzähne mit Furkationsbefall lassen sich meist erhalten. Wer später Implantate bekommt, nimmt sein Risikoprofil mit, und regelmäßige Nachsorge senkt dann auch an den Implantaten das Risiko.

Leitlinien und Konsens

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Gemeinsamer Bundesausschuss. Beschluss über eine Änderung der PAR-Richtlinie: Änderung der §§ 13 und 14 vom 19.12.2024, BAnz AT 29.01.2025 B3. g-ba.de

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Letzte Aktualisierung am Freitag, 06. November 2026