Zahn ziehen und Implantat: wenn der wurzelbehandelte Zahn nicht zu halten ist

Lässt sich ein wurzelbehandelter Zahn weder durch eine Revision noch durch eine Wurzelspitzenresektion erhalten, wird er gezogen. Die Lücke lässt sich mit einem Implantat schließen, mit einer Brücke oder mit herausnehmbarem Zahnersatz.

Solange sich ein Zahn mit vertretbarem Aufwand erhalten lässt, ist der Erhalt in der Regel die bessere Wahl: Ein gezogener Zahn ist endgültig verloren, ein Implantat lässt sich auch später noch setzen. Wann ein Zahn mit Entzündung an der Wurzelspitze nicht mehr zu retten ist, beschreibt die Seite Wurzelentzündung und Zahnverlust; alle Gründe für eine Zahnentfernung stehen unter Wann Zähne ziehen?.

Frage Kurz beantwortet
Wann muss der Zahn raus? wenn Revision und Wurzelspitzenresektion nicht helfen, die Wurzel längs gebrochen ist, der Knochen durch Parodontitis zu weit abgebaut ist oder zu wenig Zahn für eine dichte Versorgung bleibt
Zahn oder Implantat? ein gut versorgter Zahn hält meist ähnlich lange wie ein Implantat; ein erhaltungsfähiger Zahn wird in der Regel erhalten
Wann kommt das Implantat? gleich bei der Entfernung, nach einigen Wochen oder nach einigen Monaten, je nach Knochen, Zahnfleisch und Entzündung
Kasse? Implantat in der Regel keine Kassenleistung, Festzuschuss für die Krone

Wann der wurzelbehandelte Zahn nicht zu halten ist

Wurzelbehandelte Zähne gehen vor allem aus diesen Gründen verloren:

  • Parodontitis: Der Knochen um den Zahn ist so weit abgebaut, dass er keinen Halt mehr bietet.
  • Anhaltende Entzündung: Die Entzündung an der Wurzelspitze heilt nicht aus, auch nicht nach Revision oder Wurzelspitzenresektion.
  • Längsbruch: Die Wurzel ist längs gebrochen; mehr dazu unter Wenn der wurzelbehandelte Zahn bricht.
  • Zerstörter Zahn: Bruch oder Karies haben so viel Zahn zerstört, dass er sich nicht mehr dicht versorgen lässt.
  • Perforation: In der Wurzel ist ein künstliches Loch entstanden, das sich nicht verschließen lässt.

Ob ein Zahn noch zu halten ist, wird am einzelnen Zahn entschieden: nach seinen Aussichten, dem Aufwand für den Erhalt und der Frage, ob er für den Zahnersatz gebraucht wird.

Wurzelbehandlung oder Implantat?

Über viele Jahre betrachtet halten ein wurzelbehandelter, gut versorgter Zahn und ein Einzelzahnimplantat meist ähnlich lange. Auch Zähne, die schon geschwächt sind, aber gut behandelt und gepflegt werden, gehen über 15 Jahre und mehr in der Regel nicht häufiger verloren als Implantate. Ein Implantat braucht dagegen einen chirurgischen Eingriff, manchmal zusätzlich einen Knochenaufbau.

Für die Entscheidung zählen deshalb vor allem die Aussichten des einzelnen Zahns, der Aufwand für seinen Erhalt und der Wunsch der Patientin oder des Patienten. Wie lange wurzelbehandelte Zähne halten, steht unter Wie lange hält ein wurzelbehandelter Zahn?, wie lange Implantate halten, unter Wie lange halten Implantate?. Wie andere den Nutzen im Einzelfall abgewogen haben, zeigt der Forumsbeitrag Macht Wurzelspitzenresektion hier einen Sinn?.

implantate.com-Empfehlung: Einen Zahn, der sich mit vertretbarem Aufwand erhalten lässt, nicht vorschnell gegen ein Implantat tauschen. Ist er nicht zu halten, vor dem Ziehen klären, wann und wie die Lücke versorgt wird.

Die Entfernung und der Kieferknochen

Gezogen wird meist in örtlicher Betäubung. Wie die Entfernung abläuft und wie die Wunde heilt, steht im Lexikon unter Zahnextraktion und Wundheilung nach Zahnentfernung.

Nach dem Ziehen baut sich der Kieferknochen an dieser Stelle ab, vor allem in der Breite. Wird das leere Zahnfach mit Knochenersatzmaterial gefüllt (Socket Preservation), kann etwas weniger Knochen verloren gehen. Ob das sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, wann das Implantat gesetzt werden soll und wie viel Knochen vorhanden ist. Reicht der Knochen nicht, ist vor oder bei der Implantation ein Knochenaufbau möglich.

Sofortimplantat nach Entfernung

Implantat direkt nach der Entfernung eines Zahns (Sofortimplantation).

Wann das Implantat gesetzt wird

Für den Zeitpunkt gibt es vier Möglichkeiten:

  • Sofortimplantation (Typ 1): in derselben Sitzung wie die Zahnentfernung.
  • Frühimplantation (Typ 2, auch verzögerte Sofortimplantation genannt): nach etwa 4 bis 8 Wochen, wenn das Zahnfleisch verheilt ist.
  • Frühimplantation (Typ 3): nach etwa 12 bis 16 Wochen, wenn sich im Zahnfach schon Knochen gebildet hat.
  • Spätimplantation (Typ 4): nach mehr als etwa 4 Monaten, wenn das Zahnfach ausgeheilt ist.

Sofortimplantate heilen meist gut ein; Misserfolge und Komplikationen sind dabei möglicherweise etwas häufiger als bei später gesetzten Implantaten. Vor dem Implantat sollten Entzündungen ausgeheilt oder bei der Zahnentfernung sicher zu beseitigen sein. Bei einer Entzündung an der Wurzelspitze spricht das eher für eine spätere Implantation. Ein frühes Implantat kann trotzdem sinnvoll sein, etwa wegen des Aussehens im sichtbaren Bereich oder wenn die Behandlung in einem engen Zeitrahmen abgeschlossen sein soll; dann wird das Risiko gegen diese Vorteile abgewogen. Welcher Zeitpunkt passt, hängt von der Knochenwand, vom Zahnfleisch und von der Entzündung ab und wird am einzelnen Zahn entschieden. Mehr dazu unter Sofortimplantation oder Spätimplantation und im Lexikon unter Frühimplantation.

Zeitleiste der vier Implantationszeitpunkte nach Zahnentfernung: Sofortimplantation, Frühimplantation nach Weichgewebeheilung, Frühimplantation nach teilweiser Knochenheilung und Spätimplantation

Die vier Zeitpunkte der Implantation nach einer Zahnentfernung; die Zeitangaben sind Richtwerte.

Andere Wege, die Lücke zu schließen

Statt eines Implantats kommt eine Brücke infrage. Sie stützt sich auf die Nachbarzähne, die dafür beschliffen werden. Wann eher eine Brücke und wann eher ein Implantat passt, steht unter Brücke oder Implantat. Fehlen mehrere Zähne, ist auch herausnehmbarer Zahnersatz möglich.

Was die Krankenkasse zahlt

Ein Implantat ist in der Regel keine Kassenleistung: Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt implantologische Leistungen nur in seltenen Ausnahmefällen. Für die Krone auf dem Implantat gibt es einen Festzuschuss. Er richtet sich nach dem Befund, nicht nach der gewählten Versorgung. Das Ziehen des Zahns selbst ist eine Kassenleistung.

Dass die Kasse das Implantat nicht trägt, ist eine Regel zur Kostenübernahme und sagt nichts darüber, welche Versorgung fachlich die bessere ist. Was ein Implantat kostet, zeigen die Seiten Zahnimplantat Kosten und Festzuschuss für Zahnimplantate.

Häufige Fragen

Wurzelbehandlung oder Implantat – was ist besser?
Lässt sich der Zahn mit vertretbarem Aufwand erhalten, in der Regel die Wurzelbehandlung: Ein gut versorgter Zahn hält über viele Jahre ähnlich lange wie ein Implantat, und ein Implantat lässt sich auch später noch setzen.

Wann ist nach dem Zahnziehen ein Implantat möglich?
In derselben Sitzung, nach etwa 4 bis 8 oder 12 bis 16 Wochen oder nach mehr als etwa 4 Monaten. Welcher Zeitpunkt passt, hängt vom Knochen, vom Zahnfleisch und von der Entzündung ab.

Kann man Zahn ziehen und Implantat in einer Sitzung machen?
Ja, das ist die Sofortimplantation. Sie kommt infrage, wenn Knochen und Zahnfleisch es zulassen und keine Entzündung dagegen spricht; sie heilt meist gut ein, birgt aber möglicherweise ein etwas höheres Risiko als ein später gesetztes Implantat.

Muss die Entzündung erst ausheilen, bevor ein Implantat kommt?
In der Regel ja: Entzündungen sollten vor dem Implantat ausgeheilt oder bei der Zahnentfernung sicher zu beseitigen sein. Bei einer Entzündung an der Wurzelspitze spricht das eher für eine spätere Implantation. Ein früheres Implantat kann sinnvoll sein, wenn das Aussehen im sichtbaren Bereich oder ein enger Zeitrahmen dafür spricht; dann wird das Risiko gegen diese Vorteile abgewogen.

Zahlt die Krankenkasse das Implantat, wenn die Wurzelbehandlung nicht geholfen hat?
In der Regel nicht. Für die Krone auf dem Implantat gibt es einen Festzuschuss, der sich nach dem Befund richtet.

Wie lange hält ein Implantat?
Meist viele Jahre. Einzelheiten stehen unter Wie lange halten Implantate?.

implantate.com-Fazit

Ist ein wurzelbehandelter Zahn nicht zu halten, kommt meist ein Implantat infrage. Solange sich der Zahn mit vertretbarem Aufwand erhalten lässt, geht der Erhalt vor: Ein gut versorgter Zahn hält ähnlich lange wie ein Implantat. Wann das Implantat gesetzt wird, hängt von Knochen, Zahnfleisch und Entzündung ab; die Krankenkasse zahlt in der Regel nur einen Festzuschuss für die Krone.

Weiter helfen die Seiten Wurzelbehandlung und Zahnimplantat Kosten.

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Letzte Aktualisierung am Freitag, 06. November 2026