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Wundheilung nach Zahnentfernung

Die Wundheilung nach einer Zahnentfernung ist der Vorgang, mit dem der Körper das leere Zahnfach (Alveole) verschließt. Sie verläuft in mehreren Schritten, die ineinander übergehen: Zuerst füllt ein Blutgerinnsel die Wunde, daraus wird weiches, gut durchblutetes Granulationsgewebe, die Schleimhaut wächst darüber, und im Inneren entsteht über Wochen und Monate neuer Knochen. An der Oberfläche ist die Wunde nach einigen Wochen geschlossen, der Knochen darunter reift noch lange nach.

Wie schnell die einzelnen Schritte ablaufen, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Alle Zeitangaben in diesem Eintrag sind deshalb ungefähre Werte.

Ablauf der Heilung

Blutgerinnsel. Im Laufe des ersten Tages gerinnt das Blut im Zahnfach zu einem festen Pfropf, der die Alveole ausfüllt. Er besteht überwiegend aus einem Netz aus Fibrin, in dem rote Blutkörperchen eingeschlossen sind. Das Gerinnsel stillt die Blutung, deckt den Knochen ab und bildet das Gerüst, an dem sich die Zellen der nächsten Phase festsetzen. Geht es verloren, liegt der Knochen frei.

Granulationsgewebe und Wundverschluss. Schon ab dem ersten Tag wandern Abwehrzellen in das Gerinnsel ein. Sie räumen Gewebereste und Bakterien ab und bauen das Fibrinnetz nach und nach ab. Aus dem Knochenmark der Umgebung und aus Resten der Wurzelhaut rücken Zellen nach, die eine erste Bindegewebsmatrix bilden, gleichzeitig sprossen neue Blutgefäße ein. So entsteht Granulationsgewebe, das von den Wänden zur Mitte hin wächst. Es gehört zur normalen Heilung und hat mit einem entzündlichen Granulom nichts zu tun. In derselben Zeit schiebt sich die Schleimhaut vom Wundrand über das Zahnfach und verschließt es innerhalb der ersten Wochen. In den ersten zwei bis vier Wochen ist das Zahnfach beim Menschen noch überwiegend mit diesem weichen Gewebe gefüllt.

Neuer Knochen. Etwa ab der dritten Woche beginnen knochenbildende Zellen, von den Wänden des Zahnfachs aus feine Knochenbälkchen in das Bindegewebe zu bauen. Dieser erste, noch ungeordnete Knochen heißt Geflechtknochen. Zwischen der vierten und der achten Woche wird das weiche Gewebe nach und nach durch Bindegewebsmatrix und Geflechtknochen ersetzt. Wann sich daraus fester, mineralisierter Knochen bildet, schwankt dagegen stark von Mensch zu Mensch. Ab etwa dem dritten Monat wird der Geflechtknochen in schichtweise aufgebauten, belastbaren Lamellenknochen umgebaut, ein Vorgang, der sich über Monate hinzieht.

Umbau des Kieferkamms. Während das Zahnfach von innen ausheilt, baut sich außen ein Teil der Knochenwand ab, die den Zahn umgeben hat. Diese dünne Schicht, der Bündelknochen, war über die Fasern der Wurzelhaut mit dem Zahn verbunden und verliert mit ihm ihre Aufgabe. Der Kieferkamm wird dadurch schmaler, auf der Wangenseite meist stärker als auf der Zungen- oder Gaumenseite und im Backenzahnbereich stärker als vorn. Ausmaß und zeitlichen Verlauf beschreibt der Ratgeber Knochenabbau nach Zahnentfernung. Ist später ein Implantat geplant, kann das Zahnfach direkt nach der Entfernung aufgefüllt werden, um mehr vom Kieferkamm zu erhalten (Socket Preservation).

Schema der Wundheilung nach Zahnentfernung in vier Phasen: Blutgerinnsel, Granulationsgewebe und Wundverschluss, Geflechtknochen, Umbau zu Lamellenknochen, jeweils mit ungefährer Zeitangabe
Die Heilung des Zahnfachs verläuft in vier Phasen, die sich überlappen. Die Zeitangaben sind ungefähre Werte, das Tempo ist individuell verschieden.

Normaler Verlauf und Warnzeichen

In den ersten Tagen nach dem Eingriff gehören Schmerzen, eine Schwellung und eine leichte Blutung zur normalen Wundreaktion. Nach operativen Entfernungen, etwa von Weisheitszähnen, lässt sich der Mund außerdem oft vorübergehend schlechter öffnen. Aussagekräftig ist vor allem der Verlauf: Normale Beschwerden sind vorübergehend und klingen über die ersten Tage ab.

MerkmalNormaler VerlaufWarnzeichen
SchmerzAm Anfang spürbar, klingt in den ersten Tagen abStarke, pochende Schmerzen, die nach zwei bis drei Tagen neu einsetzen oder zunehmen
BlutungLeichtes Nachsickern in den ersten StundenBlutung, die trotz Aufbeißen auf einen Tupfer nicht zum Stehen kommt
SchwellungHäufig nach operativen Eingriffen, geht wieder zurückSchwellung, die nach einigen Tagen erneut zunimmt, Eiter aus der Wunde oder Fieber
ZahnfachMit Blutgerinnsel gefüllt, später von Gewebe und Schleimhaut bedecktLeeres Zahnfach, freiliegender Knochen, Mundgeruch
Gefühl in Lippe und ZungeTaubheit endet mit dem Abklingen der BetäubungTaubheit an Lippe, Kinn oder Zunge, die danach bestehen bleibt

Bei einem dieser Warnzeichen sollte die behandelnde Praxis die Wunde ansehen.

Störungen der Heilung

Nachblutung. Von einer Nachblutung spricht man, wenn die Wunde viele Stunden nach dem Eingriff noch weiter blutet. Sie kann aus der Schleimhaut oder aus dem Knochen kommen oder auf eine gestörte Blutgerinnung zurückgehen, etwa durch Medikamente oder eine angeborene Gerinnungsstörung. Wie sie gestillt wird, richtet sich nach Ursache und Befund.

Alveolitis sicca. Bei der Alveolitis sicca geht das Blutgerinnsel ganz oder teilweise verloren. Typisch sind starke Schmerzen, die zwei bis drei Tage nach dem Eingriff einsetzen, ein leeres oder nur teilweise gefülltes Zahnfach und Mundgeruch. Sie betrifft häufiger Backenzähne im Unterkiefer und tritt nach operativ entfernten Weisheitszähnen deutlich häufiger auf als nach einfachen Extraktionen.

Infektion. Nach operativen Entfernungen, etwa von Weisheitszähnen im Unterkiefer, kommt eine Infektion der Wunde seltener vor als Schmerz und Schwellung; ihre Anzeichen stehen in der Tabelle oben. Ob vorbeugend ein Antibiotikum sinnvoll ist, entscheidet die Zahnärztin oder der Zahnarzt im Einzelfall, abhängig vom Eingriff, vom Gesundheitszustand und vom Infektionsrisiko.

Kiefernekrose. Bei Menschen, die knochenstoffwechselwirksame Medikamente wie Bisphosphonate oder Denosumab erhalten oder erhalten haben, und nach einer Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich kann eine Zahnentfernung der Ausgangspunkt einer Kiefernekrose sein: Der Knochen im Zahnfach heilt nicht, sondern stirbt ab. Bei den Medikamenten hängt das Risiko unter anderem von Wirkstoff, Dosis und Dauer der Behandlung ab. Bei hoch dosierter Behandlung im Rahmen einer Krebstherapie können eine Entzündung am Zahn vor der Entfernung und ein Knochenabtrag beim Eingriff das Risiko zusätzlich erhöhen. Nach einer Bestrahlung ist das Risiko bei Unterkieferzähnen im Strahlenfeld nach hoher Strahlendosis am größten. Einzelheiten stehen in den Einträgen Antiresorptiva-assoziierte Kiefernekrose und Osteoradionekrose des Kiefers.

Was die Heilung beeinflusst

Rauchen. Rauchen erhöht das Risiko einer Alveolitis sicca deutlich. Welche Verhaltensregeln in den ersten Tagen nach dem Eingriff gelten, beschreibt der Eintrag Zahnextraktion.

Gerinnungshemmer. Wer gerinnungshemmende Medikamente einnimmt, blutet nach einer Zahnentfernung leichter nach. Das Medikament wird trotzdem in der Regel weiter eingenommen, weil eine Pause das Risiko für Thrombosen und Embolien erhöht. Nachblutungen lassen sich bei diesen Patienten meist mit örtlichen Maßnahmen beherrschen. Bei Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon kann zusätzlich Tranexamsäure örtlich auf die Wunde gebracht werden. Über eine Änderung der Medikation entscheiden Zahnarzt und verordnender Arzt gemeinsam, mehr dazu im Ratgeber Gerinnungshemmer und Zahnbehandlungen.

Diabetes. Bei gut eingestelltem Blutzucker kann das Zahnfach ähnlich heilen wie bei Menschen ohne Diabetes, in der ersten Woche bleibt die Wunde möglicherweise etwas größer.

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Literatur

Literatur und Quellenangaben
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