Abnehmspritze und Zähne: Risiko für den Zahnschmelz, möglicher Nutzen für das Zahnfleisch

Abnehmspritzen mit Wirkstoffen wie Semaglutid (Ozempic, Wegovy) können die Zähne vor allem über ihre Nebenwirkungen im Magen-Darm-Bereich angreifen. Darauf weist eine neue Übersichtsarbeit von Zahnmedizinern des LMU Klinikums München hin. Übelkeit betrifft etwa 15 bis 50 von 100 Behandelten, erbrechen müssen sich etwa 5 bis 24 von 100. Dazu kommen saures Aufstoßen und ein trockener Mund.

Diese Mischung ist für den Zahnschmelz ungünstig. Speichel verdünnt Säuren und spült sie weg. Lässt der Speichelfluss nach, wie es bei Mundtrockenheit der Fall ist, wirkt Magensäure nach Erbrechen oder Reflux länger auf die Zähne ein. Daraus können Zahnerosionen und Karies entstehen, ähnlich wie bei häufigem Sodbrennen. Über erste Fälle starker Mundtrockenheit unter Semaglutid hatten wir bereits berichtet.

Für Zahnfleisch und Kieferknochen zeichnet sich dagegen ein möglicher Vorteil ab. In Labor- und Tierversuchen dämpften die Wirkstoffe Entzündungen und schützten den Knochen, sowohl am Zahnhalteapparat als auch um Implantate. Erste Daten von Patienten deuten in dieselbe Richtung. Ob Menschen mit Parodontitis oder Periimplantitis tatsächlich davon profitieren, muss sich erst in weiteren Studien zeigen. Zur Behandlung dieser Erkrankungen sind die Medikamente nicht gedacht.

Wer eine Abnehmspritze bekommt, etwa wegen Diabetes oder starkem Übergewicht, gibt sie in der Zahnarztpraxis am besten bei den Medikamenten mit an. Nach dem Erbrechen hilft es, den Mund mit Wasser oder einer fluoridhaltigen Mundspülung auszuspülen. Das verdünnt die Säure und verkürzt die Zeit, in der sie auf die Zähne einwirkt. Fluoride machen den Schmelz zusätzlich widerstandsfähiger. Das LMU Klinikum hat für Patienten mit Abnehmspritze eine eigene zahnärztliche Betreuung eingerichtet: eine Untersuchung zu Beginn der Therapie und eine Kontrolle nach etwa drei Monaten, weil die Nebenwirkungen vor allem in den ersten Monaten auftreten.

Quelle: Werner N, Pitchika V, Bumm CV, Heck K, Folwaczny M, Schwendicke F. GLP-1 Receptor Agonists in Dentistry: Promise, Pitfalls, and Evidence Gaps. J Dent Res 2026, online 14.10.2026, doi:10.1177/00220345261488338. LMU Klinikum München, Pressemitteilung vom 28.10.2026.


Letzte Aktualisierung am Mittwoch, 04. November 2026