Lexikon
Attachmentverlust
Als Attachmentverlust bezeichnet man den Verlust der bindegewebige Verankerung eines Zahnes im Knochen. Die Sharpey-Fasern, die den Zahn über die Wurzeloberfläche im Alveolarknochen halten (das Attachment), werden abgebaut, der umgebende Knochen geht verloren. Dieser Schaden ist nur unter bestimmten Bedingungen durch regenerative Verfahren und dann auch nicht vollständig wieder rückgängig zu machen.

Attachmentverlust ist das zentrale Merkmal einer Parodontitis. Nicht die Zahnfleischtasche allein macht die Erkrankung aus — eine vertiefte Tasche kann auch durch eine Zahnfleischwucherung entstehen, ganz ohne Schaden an der Verankerung (Pseudotasche). Erst wenn Attachment verloren geht, liegt eine echte Parodontitis vor. Der Verlust bleibt bei ausgeheilter Parodontitis.

Wie Attachmentverlust gemessen wird
Gemessen wird der Attachmentverlust als → CAL (Clinical Attachment Level): der Abstand von der Schmelz-Zement-Grenze bis zum Taschenboden, erhoben mit einer Parodontalsonde. Der CAL bildet den kumulativen, lebenslangen Schaden ab — er kann gleich bleiben oder zunehmen, bildet sich unter konventioneller Therapie aber nicht zurück. Die Sondierungstiefe (ST) dagegen kann sich nach erfolgreicher Behandlung verringern, auch wenn der Attachmentverlust bestehen bleibt. Beide Kennwerte werden im Parodontalstatus dokumentiert. Erst regenerative Verfahren können den CAL in geeigneten Fällen teilweise verbessern.
Seit der Parodontitis-Klassifikation von 2018 bestimmt der interdentale CAL — also der Attachmentverlust zwischen den Zähnen — das Staging der Erkrankung: Stage I bei 1–2 mm, Stage II bei 3–4 mm, Stage III und IV ab 5 mm, jeweils mit zusätzlichen Kriterien wie röntgenologischem Knochenabbau und parodontitisbedingtem Zahnverlust.
Lässt sich Attachmentverlust rückgängig machen?
Nicht von selbst — und unter konventioneller Therapie nur sehr begrenzt. Bei einer Parodontitis wandert das Saumepithel entlang der Wurzeloberfläche nach apikal. Dort, wo vorher Fasern im Wurzelzement verankert waren, liegt nun Epithel auf der Wurzel — eine dünne Zellschicht ohne mechanische Verankerung. Konventionelle Parodontaltherapie (geschlossene Kürettage im Rahmen der antiinfektiösen Therapie, offene Lappenoperation) kann diesen Prozess stoppen: Die Entzündung wird beseitigt, die Taschentiefen gehen zurück, das Gewebe liegt wieder enger an. Aber der Körper repariert dabei mit einem sogenannten langen Saumepithel — nicht mit einer echten Faserverankerung. Klinisch sieht das Ergebnis besser aus, biologisch ist es eine Reparatur, keine Regeneration.
Echte Regeneration — neuer Wurzelzement, neue Sharpey-Fasern, neuer Knochen — ist dagegen unter bestimmten Bedingungen möglich: durch regenerative Verfahren wie Schmelzmatrixproteine (Emdogain®), Hyaluronsäure oder gesteuerte Geweberegeneration (GTR). Histologisch wurde die Neubildung von Attachment erstmals in den 1980er-Jahren nachgewiesen. Allerdings gelingt das nicht in jedem Defekt und nicht in vollem Umfang: Gegenüber einer reinen Lappenoperation bringen regenerative Verfahren in vertikalen Knochendefekten im Mittel gut einen Millimeter zusätzlichen Attachmentgewinn. Mehr dazu unter → Attachmentgewinn.
Die klinische Bedeutung des Attachmentverlusts
Attachmentverlust ist nicht unmittelbar spürbar. Er verursacht keine Schmerzen, und selbst bei erheblichem Verlust kann ein Zahn noch fest sitzen — solange genügend Restverankerung vorhanden ist. Deshalb bleibt eine Parodontitis oft lange unbemerkt. Sichtbar wird der Schaden erst, wenn das Zahnfleisch zurückgeht (Rezession), Zähne sich lockern oder beim Kauen wandern.

Entscheidend ist: Je mehr Attachment verloren geht, desto weniger Reserve hat der Zahn. Ab einem bestimmten Punkt — wenn nur noch ein kleiner Teil der Wurzel im Knochen verankert ist — wird die Prognose kritisch, und die Frage nach Zahnerhalt oder Extraktion stellt sich konkret.
Literatur
Literatur und Quellenangaben
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- Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO) / Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK): S3-Leitlinie „Die Behandlung von Parodontitis Stadium I bis III“ – Deutsche Implementierung der EFP-S3-Leitlinie. AWMF-Registernummer 083-043, Version 1.2, Stand 01.12.2020 (Gültigkeit bis 30.11.2025 abgelaufen, Leitlinie befindet sich in Überarbeitung).
