Lexikon
Smile Design – ästhetische Planung des Lächelns
Smile Design ist in der Zahnmedizin die systematische ästhetische Planung des Lächelns, bevor die sichtbaren Zähne behandelt werden. Gesicht, Lippen, Zähne und Zahnfleisch werden anhand von Fotos, Videos und Modellen gemeinsam betrachtet. Daraus entsteht ein Entwurf der künftigen Zahnform, über den Patientin oder Patient, Zahnarztpraxis und zahntechnisches Labor entscheiden, bevor ein Zahn verändert wird. Smile Design ist damit keine eigene Behandlung, sondern der planerische Rahmen: Wax-up und Mock-up sind seine Werkzeuge, umgesetzt wird der Entwurf je nach Befund zum Beispiel mit Bleaching, Füllungen, Veneers, Kronen, Kieferorthopädie oder einer Korrektur des Zahnfleischs.
Wozu die Planung dient
Viele ästhetische Behandlungen an den Frontzähnen lassen sich nicht rückgängig machen. Wer vorher sieht, wie die neuen Zähne zum eigenen Gesicht passen, kann seine Wünsche genauer äußern und seine Erwartungen an das Machbare anpassen. Die Planung übersetzt diese Wünsche in eine sichtbare Zahnform und gibt Praxis, Labor und Patient eine gemeinsame Vorlage. Arbeiten mehrere Fachrichtungen an einem Fall, etwa Kieferorthopädie, Parodontologie und Prothetik, kann derselbe Entwurf allen als Bezugspunkt dienen.
Befund, Modelle und einzelne Fotos zeigen die Zähne im Ruhezustand. Wie viel Zahn und Zahnfleisch beim Sprechen und Lachen zu sehen ist, ändert sich aber mit der Bewegung der Lippen. Deshalb können auch kurze Videoaufnahmen in die Planung einfließen, die das Lächeln in Bewegung festhalten.
Im selben Zusammenhang fällt oft der Name Digital Smile Design, kurz DSD. Er bezeichnet ein von Christian Coachman entwickeltes Konzept, das unter anderem mit Videos des Lächelns und einem zweidimensionalen Entwurf auf dem Foto arbeitet, der in eine dreidimensionale Planung übergeht. Smile Design als Oberbegriff ist an kein bestimmtes Konzept und keine bestimmte Software gebunden.
Was analysiert wird
Die Analyse beginnt beim Gesicht und endet bei den einzelnen Zähnen. Zuerst wird festgelegt, woran sich die neue Zahnform ausrichtet, danach, wie sie aussehen soll.
Gesicht: Als Orientierung dienen waagerechte Bezugslinien wie die Verbindungslinie der Pupillen und die der Mundwinkel, dazu die senkrechte Gesichtsmitte. Verläuft die Schneidekantenlinie schräg zu diesen Linien, kann das Lächeln schief wirken, auch wenn die Zähne für sich genommen gleichmäßig sind.
Lippen: Sie bestimmen, wie viel von Zähnen und Zahnfleisch beim Lachen sichtbar wird. Die Lachlinie gilt dafür als verlässlicher Maßstab, den Fachleute und Laien meist ähnlich beurteilen. Zeigt sie den Zahnfleischrand, fallen Unregelmäßigkeiten im Zahnfleischverlauf stärker ins Gewicht als bei einer niedrigen Lachlinie.
Zähne: Hier geht es um die Zahnmittellinie zwischen den mittleren Schneidezähnen, um Länge und Breite der Frontzähne, ihre Form und ihre Farbe. Eine leicht verschobene Zahnmittellinie kann Laien unbemerkt bleiben; ab welcher Abweichung sie stört, empfindet jeder anders. Auch die dunklen Räume zwischen den seitlichen Zähnen und den Mundwinkeln, die bukkalen Korridore, können beeinflussen, wie ein Lächeln wirkt. Die Zahnfarbe wird mit einer Farbnahme bestimmt, damit Praxis und Labor mit derselben Vorgabe arbeiten.
Zahnfleisch: Gefragt sind sein Verlauf über den Zähnen, die Symmetrie zwischen rechter und linker Seite und die Menge, die beim Lachen sichtbar ist. Laien empfinden einen schmalen sichtbaren Zahnfleischsaum meist als am schönsten. Ist auffällig viel Zahnfleisch zu sehen, spricht man von einem Gummy Smile.
| Bereich | Worauf geachtet wird | Wozu es dient |
|---|---|---|
| Gesicht | Pupillenlinie, Mundwinkellinie, Gesichtsmitte | Ausrichtung der Zahnreihe im Gesicht |
| Lippen | Lachlinie, Lippenbewegung beim Sprechen und Lachen | Einschätzen, wie viel Zahn und Zahnfleisch sichtbar wird |
| Zähne | Zahnmittellinie, Länge und Breite, Form, Farbe, bukkale Korridore | Gestaltung der neuen Zahnform |
| Zahnfleisch | Verlauf, Symmetrie, sichtbare Menge | Entscheidung, ob auch das Zahnfleisch korrigiert werden soll |


Goldener Schnitt und andere Proportionsregeln
Für die Breite der Frontzähne im Verhältnis zueinander wurden mehrere mathematische Regeln vorgeschlagen, am bekanntesten der goldene Schnitt. In natürlichen Gebissen findet er sich meist nicht, und keine dieser Formeln führt zuverlässig zu einem Ergebnis, das als schön empfunden wird. Als grober Ausgangspunkt kann allenfalls eine Prozentregel dienen, die die Breiten der Frontzähne als Anteile angibt, wenn ihre Werte an den einzelnen Menschen angepasst werden.
Auch die mittleren Schneidezähne folgen keinem einheitlichen Maß. Ihre Breite und Länge unterscheiden sich zwischen Männern und Frauen, das Verhältnis von Breite zu Länge zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft. Rechter und linker mittlerer Schneidezahn sind dagegen in der Regel annähernd gleich groß. Wird nur einer der beiden neu gestaltet, kann deshalb der Zahn der Gegenseite als Vorlage dienen. Maßstab bleibt das einzelne Gesicht, keine Schablone; was als stimmig gilt, legen Patientin oder Patient und Behandlungsteam gemeinsam fest.
Ablauf der Planung
Wie viele Schritte nötig sind, hängt vom Umfang der geplanten Behandlung ab. Ein vollständiger Ablauf umfasst:
- Gespräch über die Wünsche und zahnärztliche Untersuchung, bei Bedarf mit Röntgenbildern.
- Fotos und Videos von Gesicht, Lippen und Zähnen, dazu eine Abformung oder ein Intraoralscan der Zahnreihen.
- Analyse von Gesicht, Lachlinie, Zähnen und Zahnfleisch.
- Entwurf der neuen Zahnform, als Skizze auf dem Foto oder dreidimensional am Bildschirm.
- Wax-up: Das Labor setzt den Entwurf in ein Modell der geplanten Zähne um, in Wachs oder digital.
- Mock-up: Über einen Silikonschlüssel wird die geplante Form mit Composite auf die eigenen Zähne übertragen, ohne dass Zahnsubstanz abgetragen wird.
- Abstimmung: Die Vorschau wird im Spiegel, auf Fotos und im Gespräch beurteilt und bei Bedarf geändert.
- Umsetzung mit der gewählten Behandlung.
Ob der Entwurf am Bildschirm oder in Wachs entsteht, ist eine Frage des Arbeitswegs. Digital werden Fotos und Scan am Computer zusammengeführt, und der Datensatz lässt sich später für die Fertigung der Versorgung weiterverwenden. Analog modelliert das Labor die neue Form in Wachs auf einem Gipsmodell und orientiert sich dabei an Fotos und Gesichtsproportionen. Beide Wege führen zum Mock-up im Mund. Digitale Planung erfordert Geräte, Software und Einarbeitung.
Wofür Smile Design genutzt wird
Eine ästhetische Planung kommt infrage, wenn sich das Aussehen der Frontzähne verändern soll. Typische Einsatzbereiche sind:
- Bleaching zur Aufhellung der eigenen Zähne
- Füllungen aus Composite, etwa um kleine Formfehler auszugleichen
- Veneers, dünne Keramikschalen auf der Vorderseite der Zähne
- Kronen, wenn ein Zahn wegen seines Aussehens versorgt werden soll (ästhetische Indikation zur Überkronung)
- Kieferorthopädie, wenn Zähne verschoben statt umgeformt werden sollen
- Korrekturen des Zahnfleischverlaufs, zum Beispiel bei einem Gummy Smile
- Implantate im Frontzahnbereich, deren Krone sich in das übrige Lächeln einfügen soll
Kommen mehrere dieser Verfahren zusammen, kann der gemeinsame Entwurf helfen, sie aufeinander abzustimmen.
Grenzen und Risiken
Ein Entwurf am Bildschirm oder ein Mock-up im Mund ist eine Vorschau, kein Versprechen. Unterschiede im Material, in der Anatomie des einzelnen Menschen und Grenzen der Software führen dazu, dass das Ergebnis nicht in jedem Detail der Simulation entspricht. Farbe, Lichtdurchlässigkeit und Oberfläche von Keramik lassen sich mit einem Mock-up aus Composite nur annähern.
Eine gelungene Simulation kann dazu verleiten, mehr zu verändern als nötig. Werden gesunde Zähne für Veneers oder Kronen beschliffen, lässt sich das nicht rückgängig machen. Hinzu kommt, dass Werbung und Vorbilder aus sozialen Medien die Erwartungen an ein Lächeln prägen und Behandlungen begünstigen können, die medizinisch nicht nötig sind. Ein Entwurf kann umgekehrt auch zeigen, dass ein substanzschonenderes Vorgehen genügt, etwa eine kieferorthopädische Behandlung statt beschliffener Zähne.
Smile Design kann die Verständigung zwischen Patient, Praxis und Labor erleichtern, und Patientinnen und Patienten sind mit einer so geplanten Behandlung möglicherweise zufriedener. Wie sich das über viele Jahre auswirkt, ist bislang wenig untersucht.
Kosten und Kassenleistung
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt Behandlungen, die notwendig sind, um eine Krankheit zu erkennen, zu heilen oder Beschwerden zu lindern. Eine Planung oder Behandlung, die allein aus ästhetischen Gründen gewünscht wird, ist deshalb in der Regel keine Kassenleistung. Ob die gesetzliche Krankenkasse eine Behandlung übernimmt, hängt vom Befund ab. Das klärt die Praxis vor Beginn.
Ist nicht gesichert, dass die Krankenkasse die Kosten vollständig übernimmt, muss die Praxis vor Beginn der Behandlung in Textform über die voraussichtlichen Kosten informieren.
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Literatur
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