Lexikon
Gummy Smile – Zahnfleisch beim Lachen sichtbar
Von einem Gummy Smile, auf Deutsch Zahnfleischlächeln, spricht man, wenn beim Lächeln oberhalb der oberen Frontzähne auffällig viel Zahnfleisch zu sehen ist. Im Vordergrund steht meist die Ästhetik, nicht eine Erkrankung. Selten steckt nur eine Ursache dahinter: Zahnfleisch, Zähne, Oberlippe und Oberkieferknochen können jeweils beteiligt sein, und nach diesem Zusammenspiel richtet sich die Behandlung.
Ab wann man von einem Gummy Smile spricht
Eine feste Grenze gibt es nicht. Als harmonisch gilt meist ein Lächeln, bei dem nicht mehr als etwa 2 Millimeter Zahnfleisch zu sehen sind. Ab etwa 3 bis 4 Millimetern wird sichtbares Zahnfleisch häufig als übermäßig eingestuft.
Wie störend das wirkt, empfindet jeder anders. Zahnmedizinische Laien finden einen nur schmalen Zahnfleischsaum meist am schönsten, nehmen bis etwa 3 Millimeter sichtbares Zahnfleisch in der Regel aber noch als akzeptabel wahr. Ob eine Behandlung sinnvoll ist, hängt deshalb weniger von einem Millimeterwert ab als davon, wie sehr das eigene Lächeln stört.
Der Begriff Lachlinie beschreibt allgemeiner, wie weit die Oberlippe beim Lächeln Zähne und Zahnfleisch freigibt. Eine hohe Lachlinie zeigt den Zahnfleischrand. Ein Gummy Smile liegt erst vor, wenn darüber hinaus auffällig viel Zahnfleisch sichtbar wird. Gleichbedeutend sind beide Begriffe also nicht, sie beschreiben aber dasselbe Problem: Zahnfleisch, das beim Lächeln oder Lachen zu sehen ist. Bei einer sehr kurzen Oberlippe und einem ausgeprägten Kieferkamm im Oberkiefer kann es sich sogar zeigen, ohne dass stark gelächelt wird.
Ursachen
Beteiligt sein können das Zahnfleisch, die Zähne, die Oberlippe oder der Oberkieferknochen, oft mehrere davon zugleich. Welcher Anteil im Einzelfall überwiegt, entscheidet über die Behandlung.
- Verzögerter passiver Zahndurchbruch: Nach dem Durchbruch der Zähne zieht sich das Zahnfleisch normalerweise bis kurz vor die Grenze zwischen Zahnschmelz und Zahnwurzel zurück. Bleibt es weiter unten stehen, bedeckt es einen Teil des Zahnschmelzes, und die Frontzähne wirken kurz. In der Fachsprache heißt dieser Befund altered passive eruption.
- Sehr bewegliche Oberlippe: Die Muskeln, die die Oberlippe anheben, ziehen sie beim Lachen besonders weit nach oben und geben dadurch mehr Zahnfleisch frei.
- Kurze Oberlippe: Eine kurze Oberlippe deckt weniger Zahnfleisch ab.
- Vertikaler Überschuss des Oberkiefers: Der Oberkieferknochen ist in der Höhe stärker ausgebildet. Zähne und Zahnfleisch sitzen dadurch insgesamt tiefer, die Ursache liegt im Skelett.
- Weit herausgewachsene Frontzähne: Sind die oberen Frontzähne samt Zahnfleisch und Knochen weiter aus dem Kiefer herausgewachsen (dentoalveoläre Extrusion), liegt auch der Zahnfleischrand tiefer.
- Zahnfleischwucherung: Vergrößertes Zahnfleisch überdeckt die Zahnkronen. Eine bekannte Ursache sind Nebenwirkungen bestimmter Medikamente; mehr dazu im Eintrag Zahnfleischwucherung.
Untersuchung
Weil sich die Ursachen überlagern können, steht vor jeder Behandlung eine genaue Befundaufnahme. Sie geht vom Gesicht aus und führt über die Lippen zu den Zähnen und zum Zahnfleisch.
Verglichen wird die Lage der Oberlippe in Ruhe und beim breiten Lachen; dabei lässt sich in Millimetern messen, wie viel Zahnfleisch sichtbar wird. Länge und Form der Frontzähne geben Hinweise darauf, ob Zahnfleisch einen Teil der Zahnkrone verdeckt. Ist das der Fall, kommt es darauf an, wie Zahnfleischrand, Knochenrand und die Grenze zwischen Zahnschmelz und Zahnwurzel zueinander liegen. Davon hängt ab, ob allein Zahnfleisch oder auch Knochen korrigiert werden muss.
Röntgenaufnahmen können den Befund ergänzen. Besteht der Verdacht, dass der Oberkieferknochen beteiligt ist, kann eine seitliche Schädelaufnahme (Fernröntgenseitenbild) hinzukommen, wie sie auch in der Kieferorthopädie verwendet wird. Bei vergrößertem Zahnfleisch gehört die Frage nach regelmäßig eingenommenen Medikamenten zur Untersuchung.
Behandlung je nach Ursache
Welches Verfahren infrage kommt, ergibt sich aus der Ursache. Liegt mehr als eine vor, werden Verfahren häufig kombiniert, etwa eine Korrektur am Zahnfleisch mit einer Behandlung der Oberlippe.
| Ursache | Befund | Behandlungsmöglichkeiten |
|---|---|---|
| Verzögerter passiver Zahndurchbruch | Zahnfleisch bedeckt einen Teil des Zahnschmelzes, die Zähne wirken kurz | Ästhetische Kronenverlängerung: Gingivektomie oder Gingivoplastik, bei Bedarf mit Knochenkorrektur |
| Sehr bewegliche Oberlippe | Die Oberlippe hebt sich beim Lachen besonders weit an | Lippenrepositionierung; Botulinumtoxin (wirkt vorübergehend) |
| Kurze Oberlippe | Die Lippe deckt wenig Zahnfleisch ab | Richtet sich nach den begleitenden Ursachen |
| Vertikaler Überschuss des Oberkiefers | Der Oberkieferknochen ist in der Höhe zu stark ausgebildet | Umstellungsosteotomie nach Le Fort I; in leichteren Fällen kieferorthopädische Intrusion mit Minischrauben; Botulinumtoxin kann sichtbares Zahnfleisch vorübergehend verringern, ohne die Ursache zu beheben |
| Weit herausgewachsene Frontzähne | Frontzähne samt Zahnfleisch stehen tiefer | Kieferorthopädische Intrusion, gegebenenfalls mit Minischrauben als Verankerung |
| Zahnfleischwucherung | Vergrößertes Zahnfleisch überdeckt die Zahnkronen | Entzündungskontrolle durch gründliche Reinigung; chirurgische Entfernung (Gingivektomie) |
Kronenverlängerung am Zahnfleisch
Verdeckt Zahnfleisch einen Teil der Zahnkrone, wird es so weit zurückgenommen, dass die natürliche Zahnlänge sichtbar wird. Je nach Befund geschieht das als Gingivektomie, also durch Entfernen von überschüssigem Zahnfleisch, oder als Gingivoplastik, bei der zusätzlich der Verlauf des Zahnfleischrands modelliert wird. Als Behandlung kommt beim verzögerten passiven Zahndurchbruch in erster Linie die ästhetische Kronenverlängerung infrage.
Liegt der Knochenrand sehr nah an der Grenze zwischen Zahnschmelz und Zahnwurzel, wird bei geöffnetem Zahnfleisch zusätzlich etwas Knochen abgetragen, damit sich der neue Zahnfleischrand halten kann. So bleibt über dem Knochen Platz für das Gewebe, mit dem das Zahnfleisch am Zahn haftet; es heißt heute suprakrestales Gewebe und war früher als biologische Breite bekannt.
Auch nach einer Kronenverlängerung kann sich der Zahnfleischrand in den ersten Monaten wieder etwas in Richtung Zahnkrone verschieben. Wie stark, kann unter anderem von der Operationstechnik und von der Beschaffenheit des Zahnfleischs abhängen.
Lippenrepositionierung
Bei einer sehr beweglichen Oberlippe kann die Lippe über einen Eingriff an der Schleimhaut zwischen Oberlippe und Zahnfleisch (Mundvorhof) so befestigt werden, dass sie sich beim Lachen weniger weit anhebt. Sichtbares Zahnfleisch nimmt dadurch meist um etwa 2 bis 3 Millimeter ab, und die Behandelten sind mit dem Ergebnis in der Regel zufrieden.
Ein Teil des Effekts kann sich im ersten Jahr wieder zurückbilden. Wird zusätzlich ein Lippenheber-Muskel durchtrennt oder geschwächt (Myotomie), kann das Ergebnis stabiler sein. Für ein besser vorhersagbares Resultat lässt sich die Lippenrepositionierung mit anderen Verfahren verbinden, etwa mit einer Kronenverlängerung oder mit Botulinumtoxin.
Botulinumtoxin
Botulinumtoxin schwächt die Muskeln, die die Oberlippe beim Lachen anheben, vorübergehend ab. Die Behandlung kommt vor allem infrage, wenn eine überaktive Lippenmuskulatur die Ursache ist, und wirkt meist am besten bei einem leichteren Gummy Smile von bis zu etwa 4 Millimetern. Welches Präparat in welcher Menge und an welcher Stelle injiziert wird, legt die Behandlerin oder der Behandler im Einzelfall fest.
Das Mittel erreicht meist nach etwa zwei Wochen die volle Wirkung. Sie hält in der Regel rund drei Monate an und ist nach etwa sechs Monaten weitgehend abgeklungen. Wer das Ergebnis halten möchte, braucht deshalb Wiederholungen. Nebenwirkungen sind meist leicht und klingen von selbst wieder ab. An Knochen, Zähnen und Zahnfleisch ändert Botulinumtoxin nichts: Einen verzögerten Zahndurchbruch oder einen zu hohen Oberkiefer behebt es nicht.
Kieferorthopädische Intrusion
Stehen die oberen Frontzähne samt Zahnfleisch zu tief, können sie kieferorthopädisch in den Kiefer zurückbewegt werden. Kleine Schrauben im Kieferknochen, sogenannte Minischrauben, dienen dabei als fester Ankerpunkt. Bei leichteren Ausprägungen kann sichtbares Zahnfleisch so verringert werden, ohne den Kiefer zu operieren.
Umstellungsosteotomie
Ist der Oberkiefer in der Höhe zu stark ausgebildet, lässt sich die Ursache selbst nur kieferchirurgisch beheben. Bei der Umstellungsosteotomie nach Le Fort I wird der Oberkiefer vom Mittelgesicht gelöst, nach oben verlagert und in der neuen Position befestigt. Das Ergebnis ist meist dauerhaft. Allein wegen eines Gummy Smile steht die Operation selten an erster Stelle; sie kommt vor allem infrage, wenn ohnehin eine Fehlstellung der Kiefer korrigiert werden soll. Durchgeführt wird sie in der MKG-Chirurgie, häufig im Zusammenspiel mit einer kieferorthopädischen Behandlung.
Bei Zahnfleischwucherung
Geht der Gummy Smile auf vergrößertes Zahnfleisch zurück, steht zunächst die Entzündungskontrolle im Vordergrund: gründliche Mundhygiene und professionelle Reinigung können die Wucherung begrenzen und das Risiko senken, dass sie wiederkommt. Reicht das nicht, wird das überschüssige Zahnfleisch chirurgisch entfernt, meist als Gingivektomie. Ist ein Medikament der Auslöser, kann die Wucherung später erneut auftreten. Ob ein Medikament abgesetzt oder umgestellt wird, entscheidet allein die verordnende Ärztin oder der verordnende Arzt.
Kosten und Kassenleistung
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt Behandlungen, die notwendig sind, um eine Krankheit zu erkennen, zu heilen oder Beschwerden zu lindern. Eine Korrektur, die allein aus ästhetischen Gründen gewünscht wird, ist deshalb in der Regel keine Kassenleistung. Ob die gesetzliche Krankenkasse eine Behandlung übernimmt, hängt vom Befund ab. Das klärt die Praxis vor Beginn.
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Literatur
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