Lexikon

Gingivoplastik

Die Gingivoplastik bezeichnet einen chirurgischen Eingriff, bei dem die äußere Form des Zahnfleischs modelliert wird, um einen harmonischen, physiologischen Zahnfleischverlauf herzustellen. Im Gegensatz zur Gingivektomie, die primär überschüssiges Gewebe entfernt, zielt die Gingivoplastik auf die ästhetische und funktionelle Konturierung der Gingiva – insbesondere auf die Wiederherstellung der interdentalen Papillen und der girlandenförmigen Zahnfleischarchitektur.

Wie wird eine Zahnfleischformung durchgeführt

Bei der Gingivoplastik wird das Zahnfleisch in Lokalanästhesie vorsichtig ausgedünnt und konturiert, bis die gewünschte physiologische Form erreicht ist. Die Technik unterscheidet sich je nach eingesetztem Instrument. Mit feinen diamantierten Schleifkörpern – meist birnen- oder flammenförmig – lässt sich das Gewebe präzise abtragen und glätten, was sich besonders für die Modellation der Interdentalpapillen eignet. Die Skalpelltechnik mit einem Gingivektomiemesser nach Kirkland erlaubt scharfe, definierte Schnitte und wird bevorzugt bei größeren Korrekturen eingesetzt. Der Diodenlaser (810–980 nm) bietet eine nahezu blutungsfreie Arbeitsweise, weil er das Gewebe gleichzeitig schneidet und koaguliert; zudem berichten Patienten über geringere postoperative Schmerzen. Der Er:YAG-Laser ist bei der Zahnfleischformung besonders gewebefreundlich, da er hauptsächlich über Wasserabsorption arbeitet und somit die thermische Belastung des umliegenden Gewebes minimiert. Die Hochfrequenzchirurgie (Elektrotom) ermöglicht ebenfalls eine blutstillende Schnittführung, erfordert aber besondere Vorsicht hinsichtlich der Tiefenwirkung der Hitze.

Gingivahyperplasie

Ästhetisch störendes Zahnfleisch: Zahnfleischkorrektur?

Wer profitiert von einer Gingivoplastik?

Die Indikation zur Gingivoplastik besteht immer dann, wenn die äußere Form des Zahnfleischs von der physiologischen Norm abweicht und dadurch ein ästhetisches oder funktionelles Problem entsteht. Zu den häufigsten Einsatzgebieten zählt die Nachkorrektur nach einer Gingivektomie, bei der die Schnittfläche noch keine ideale Kontur aufweist. Ebenso wird sie im Rahmen ästhetischer Kronenverlängerungen bei einem „Gummy Smile“ eingesetzt, um einen symmetrischen Zahnfleischverlauf zu erzielen. Nach parodontalchirurgischen Lappenoperationen dient die Gingivoplastik dazu, verdickte oder narbig veränderte Zahnfleischränder zu glätten. Im Bereich der Implantologie spielt sie eine besondere Rolle bei der Weichgewebegestaltung um Zahnimplantate, um ein natürlich wirkendes Emergenzprofil und gesunde periimplantäre Verhältnisse zu schaffen. Darüber hinaus kommt die Zahnfleischplastik bei Gingivafibromatosen, nach Abklingen medikamentös bedingter Gingivahyperplasie sowie bei ungleichmäßig geformten Zahnfleischgirlanden zum Einsatz

Wann sollte man auf eine operative Zahnfleischkonturierung verzichten?

Eine Gingivoplastik sollte nicht durchgeführt werden, wenn die Zone an befestigter, keratinisierter Gingiva bereits zu schmal ist, da ein weiteres Ausdünnen die Schutzfunktion gegenüber mechanischer Belastung und bakterieller Penetration gefährden würde. Bei gleichzeitig bestehenden tiefen Knochentaschen oder aktivem parodontalem Attachmentverlust ist eine rein formgebende Maßnahme nicht zielführend; hier muss zunächst eine systematische Parodontitistherapie erfolgen. Allgemeinmedizinisch gelten die gleichen Einschränkungen wie bei der Gingivektomie: unkontrollierte Blutgerinnungsstörungen, nicht eingestellter Diabetes mellitus, laufende Bisphosphonat- oder Antiresorptiva-Therapie sowie starkes Rauchen erhöhen das Risiko von Wundheilungskomplikationen und gelten als relative bis absolute Kontraindikationen. Ein akut entzündlicher Zustand des Zahnfleischs sollte vor dem Eingriff durch eine professionelle Zahnreinigung und gegebenenfalls eine antiinfektiöse Vorbehandlung beseitigt werden.

Ästhetischer Erfolg planbar?

Die Erfolgsaussichten der Gingivoplastik hängen wesentlich von der zugrunde liegenden Indikation ab. Innerhalb von zwei bis drei Wochen epithelisiert die Wundfläche vollständig, und nach etwa sechs bis acht Wochen hat das Zahnfleisch seine endgültige Form und Festigkeit erreicht. Bei rein formgebenden Indikationen – etwa der Nachkorrektur nach einer Gingivektomie, der Konturierung nach parodontalchirurgischen Lappenoperationen oder der ästhetischen Kronenverlängerung – sind die Ergebnisse in der Regel dauerhaft stabil, da mit dem Eingriff auch die Ursache der Formabweichung beseitigt ist. In Kombination mit einer Kronenverlängerung zeigen Langzeitstudien stabile Zahnfleischverhältnisse über Beobachtungszeiträume von fünf Jahren und mehr. Um Implantate herum führt eine sorgfältige Gingivoplastik zu einer deutlich verbesserten Rot-Weiß-Ästhetik und erleichtert zugleich die häusliche Reinigung der periimplantären Region. Anders verhält es sich, wenn die Ursache der Gewebevermehrung fortbesteht: Bei medikamentös bedingter Gingivahyperplasie ist ein Rezidiv wahrscheinlich, solange das auslösende Medikament nicht abgesetzt oder gewechselt werden kann. Auch bei hereditärer Gingivafibromatose muss mit erneuter Gewebezunahme gerechnet werden, da die genetische Ursache nicht beseitigt werden kann. In beiden Fällen sind regelmäßige Nachkontrollen und gegebenenfalls wiederholte Eingriffe erforderlich. Konsequente Mundhygiene verbessert die Langzeitprognose in allen Fällen.sorgfältige Gingivoplastik zu einer deutlich verbesserten Rot-Weiß-Ästhetik und erleichtert zugleich die häusliche Reinigung der periimplantären Region.

Risiken und Komplikationen

Da die Gingivoplastik eine offene Wundfläche erzeugt, die durch sekundäre Epithelisierung heilt, gehören leichte bis mäßige Schmerzen in den ersten Tagen zu den erwartbaren postoperativen Beschwerden. Eine vorübergehende Überempfindlichkeit der Zahnhälse gegenüber thermischen Reizen ist häufig und klingt in der Regel innerhalb weniger Wochen ab. Nachblutungen lassen sich durch sachgemäße Kompression und einen parodontalen Wundverband gut kontrollieren. Bei übermäßiger Gewebeabtragung kann ein kosmetisch ungünstiges Ergebnis mit zu langen klinischen Kronen oder fehlenden Interdentalpapillen entstehen – sogenannte „schwarze Dreiecke“, die sich nur schwer korrigieren lassen. Infektionen der Wundfläche treten selten auf, das Risiko ist bei immunsupprimierten Patienten oder unzureichender Mundhygiene jedoch erhöht. Beim Einsatz thermischer Instrumente wie Elektrotom oder Diodenlaser besteht bei unsachgemäßer Anwendung die Gefahr einer Hitzeschädigung des darunter liegenden Knochens oder Zements.

Kosten für die gingivale Korrektur

Wie bei der Gingivektomie richtet sich die Abrechnung danach, ob der Eingriff im Rahmen einer systematischen Parodontitistherapie oder als eigenständige Maßnahme erfolgt. Im BEMA-Katalog ist die Gingivoplastik – ebenso wie die Gingivektomie – mit der antiinfektiösen Therapie (Nr. AIT) abgegolten und wird innerhalb der kassenzahnärztlichen PAR-Strecke nicht gesondert honoriert. Bei isolierter Durchführung außerhalb einer PAR-Therapie kann sie über die BEMA-Nr. 49 (Exz1) abgerechnet werden. Wird die Gingivoplastik im Anschluss an eine chirurgische Parodontitistherapie mit Lappenoperation durchgeführt – was in der Praxis häufig der Fall ist, um nach dem offenen Debridement verdickte oder narbige Zahnfleischränder zu konturieren –, erfolgt die Abrechnung des chirurgischen Anteils über die BEMA-Nr. CPT. Rein ästhetische Korrekturen sind keine Kassenleistung und werden nach der privaten Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) abgerechnet. Die Gingivoplastik wird dort unter derselben Position wie die Gingivektomie geführt (GOZ 4080). Wird sie im Rahmen einer Lappenoperation mit offener Kürettage und Osteoplastik kombiniert, kommen zusätzlich die GOZ-Nrn. 4090 (Frontzahn) bzw. 4100 (Seitenzahn) zum Ansatz – allerdings ist die GOZ 4080 in derselben Sitzung nicht neben den Nrn. 4090/4100 berechnungsfähig. Wird die Gingivoplastik also im Rahmen einer Lappenoperation durchgeführt, ist sie durch die GOZ 4090 bzw. 4100 abgegolten; die GOZ 4080 kommt nur dann eigenständig zum Ansatz, wenn keine Lappenoperation in derselben Sitzung stattfindet:

Position Leistung 2,3-fach 3,5-fach
GOZ 4080 Gingivektomie/
Gingivoplastik,
je Parodontium
5,82 € 8,86 €
GOZ 4090 Lappenoperation,
Frontzahn,
je Parodontium
23,28 € 35,43 €
GOZ 4100 Lappenoperation,
Seitenzahn,
je Parodontium
35,57 € 54,13 €
GOZ 0120 Laserzuschlag
(u. a. für GOZ 4080),
je Behandlungstag
max.
68 €
–
Position Leistung Punkte
BEMA
AIT a/b
Antiinfektiöse Therapie
(Gingivoplastik abgegolten),
einwurzelig / mehrwurzelig
14 / 26
BEMA
CPT a/b
Chirurgische Therapie
(Lappenoperation),
einwurzelig / mehrwurzelig
22 / 34
BEMA
Nr. 49 (Exz1)
Exzision Mundschleimhaut/
Granulationsgewebe,
je Zahn
10

Die GOZ 4080 wird je Parodontium berechnet; die Gesamtkosten ergeben sich aus der Anzahl der behandelten Zähne, dem gewählten Steigerungsfaktor und Nebenleistungen wie Anästhesie (GOZ 0090/0100), Nachbehandlung und Wundverband. Bei Lasereinsatz kommt der Zuschlag nach GOZ 0120 je Behandlungstag hinzu. Wird der Eingriff im Rahmen einer Lappenoperation abgerechnet (GOZ 4090/4100), liegen die Einzelsätze je Parodontium deutlich über der GOZ 4080 – die genauen Beträge sind der Tabelle zu entnehmen. Ein individueller Heil- und Kostenplan vor dem Eingriff gibt Klarheit über die zu erwartende Eigenbelastung. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Übersichtsseite zu den Kosten der Parodontosebehandlung.

Literatur

[1] Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV): Einheitlicher Bewertungsmaßstab für zahnärztliche Leistungen (BEMA), Teil 4: Systematische Behandlung von Parodontitis, Stand 01.07.2023.

[2] Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Richtlinie zur systematischen Behandlung von Parodontitis und anderer Parodontalerkrankungen (PAR-Richtlinie), 2021.

[3] Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ), Abschnitt E: Parodontologische Leistungen, in der Fassung vom 05.12.2011.

[4] Jorgensen MG, Nowzari H: Aesthetic crown lengthening. Periodontol 2000 2001; 27(1): 45–58. https://doi.org/10.1034/j.1600-0757.2001.027001045.x

[5] Hempton TJ, Dominici JT: Contemporary crown-lengthening therapy: A review. J Am Dent Assoc 2010; 141(6): 647–655. https://doi.org/10.14219/jada.archive.2010.0252

[7] Agrawal AA: Gingival enlargements: Differential diagnosis and review of literature. World J Clin Cases 2015; 3(9): 779–788. https://doi.org/10.12998/wjcc.v3.i9.779

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