Lexikon

Zungenbelag

Zungenbelag ist eine weißliche bis grauweiße Auflage auf dem Zungenrücken. Er besteht vor allem aus abgeschilferten Schleimhautzellen, Bakterien und Speiseresten, die sich zwischen den feinen Erhebungen der Zungenoberfläche festsetzen und dort einen Biofilm bilden, ähnlich wie Plaque auf den Zähnen. Ein dünner, weißlicher Belag nach dem Aufwachen ist normal. Zugleich gehört Zungenbelag zu den Hauptquellen von Mundgeruch, der im Mund selbst entsteht.

Aufbau und Entstehung

Der Zungenrücken ist keine glatte Fläche. Er ist mit Papillen besetzt, kleinen Erhebungen der Schleimhaut. Vor allem die fadenförmigen Papillen bilden Nischen, in denen Zellen, Speichelbestandteile, Nahrungsreste und Mikroorganismen hängen bleiben. Mit ihren Furchen und Papillen bietet die Zunge Mikroorganismen viel Fläche zum Anhaften.

Normalerweise halten sich Ablagerung und Abschilferung die Waage: Oberflächliche Zellen lösen sich laufend, Speichel und Kauen tragen sie ab. Ein dicker und dauerhafter Belag zeigt, dass dieses Gleichgewicht verschoben ist. Nachts fließt von Natur aus weniger Speichel. Auch deshalb haben die meisten Menschen morgens einen dünnen, weißlichen Film auf der Zunge, der als normal gilt.

Farben und Erscheinungsformen

Wie ein Belag aussieht, hängt unter anderem von Ernährung, Mundhygiene und Speichelfluss ab. Die Spanne reicht von einem klaren, wässrigen Film bis zu einer dicken, gefärbten Schicht. Einige Veränderungen der Zunge sehen aus wie Belag, sind aber eigenständige Befunde. Die Übersicht ordnet Erscheinungsbilder ein, die als Belag wahrgenommen werden; eine Untersuchung ersetzt sie nicht.

ErscheinungsbildMögliche GründeEinordnung
dünner, weißlicher Film, vor allem nach dem Aufwachennachts geringerer Speichelflussnormal
dicker, grauweißer Belaglückenhafte Mundhygiene, Rauchen, Zahnprothese, Erkrankungen von Zahnfleisch und Zahnbett, wenig Speichel, weiche Kostlässt sich mit Mund- und Zungenpflege verringern; bleibt er trotz Pflege bestehen, in der Praxis ansehen lassen; eine Hauptquelle von Mundgeruch
grau bis schwarz, pelzig wirkendHaarzunge: verlängerte fadenförmige Papillen; begünstigt unter anderem durch Rauchen, viel Kaffee oder Schwarztee, lückenhafte Mundhygiene, Mundtrockenheit und manche Medikamente, darunter bestimmte Antibiotikagutartig; Meiden der Auslöser und sanfte Zungenreinigung kommen infrage
weiße, quarkartige Beläge, die sich abstreifen lassen; darunter gerötete SchleimhautPilzbefall (Mundsoor), begünstigt unter anderem durch Antibiotika, inhalierte Kortisonsprays, Zahnprothesen, Rauchen oder ein geschwächtes Immunsystemzahnärztlich oder ärztlich abklären lassen
glatte, gerötete Stellen, die Größe und Farbe rasch wechselnLandkartenzunge: Papillen gehen stellenweise verlorenkein Belag; gutartig, meist ohne Beschwerden
weiße oder rote Flecken, die sich nicht abwischen lassen, oder eine wunde Stelle, länger als zwei Wochennur durch Untersuchung zu klären; dahinter kann auch eine Krebsvorstufe oder ein Tumor stehenin einer Praxis abklären lassen
Erscheinungsbilder auf dem Zungenrücken und ihre Einordnung
Schema zur Einordnung von Zungenbelag: dünner weißlicher Belag am Morgen ist normal, dicker oder dunkler Belag lässt sich mit Mund- und Zungenpflege und dem Meiden von Auslösern verringern und gehört bei Fortbestehen in die Praxis, abstreifbare weiße Beläge auf geröteter Schleimhaut sowie nicht abwischbare oder länger als zwei Wochen bestehende Stellen gehören in die Praxis
Grobe Einordnung von Zungenbelag nach Aussehen und Dauer

Zusammenhang mit Mundgeruch

Mundgeruch hat seinen Ursprung in der großen Mehrzahl der Fälle in der Mundhöhle selbst. Zu den Hauptquellen gehören der Zungenbelag und Entzündungen von Zahnfleisch und Zahnbett, einzeln oder gemeinsam. Bakterien im Belag bilden flüchtige Schwefelverbindungen, die den Geruch im Wesentlichen ausmachen. Ursachen, Untersuchung und Behandlung von Mundgeruch beschreibt ausführlich der Ratgeber Mundgeruch: Woher kommt er, wie werde ich ihn los?

Einflussfaktoren

Wie viel Belag sich bildet, kann unter anderem mit der Mundhygiene, mit Rauchen, einer Zahnprothese, dem Zustand von Zahnfleisch und Zahnbett und den Ernährungsgewohnheiten zusammenhängen.

Speichel reinigt die Zunge fortlaufend. Fließt weniger davon, etwa bei Mundatmung, bei zu wenig Flüssigkeit oder als Nebenwirkung von Medikamenten, kann sich mehr Belag bilden; mehr dazu im Eintrag Mundtrockenheit. Weiche, stark verarbeitete Kost reibt die Zunge beim Kauen weniger ab als faserreiche Nahrung. Im höheren Alter kann der Belag dicker werden, unter anderem weil der Speichelfluss nachlässt.

Belag entfernen

Ein sichtbarer Belag lässt sich mit einem Zungenschaber oder einer Zungenbürste zusätzlich zum Zähneputzen verringern; damit kann auch Mundgeruch abnehmen. Wie die Zungenreinigung abläuft und welche Hilfsmittel sich eignen, beschreibt der Eintrag Zungenreinigung. Auch bei einer Haarzunge kann sanftes Reinigen des Zungenrückens helfen, ebenso das Meiden der Auslöser.

Wann eine Abklärung sinnvoll ist

Ein dünner Belag am Morgen braucht keine Behandlung. Anders ist es bei Veränderungen, die auf eine Erkrankung der Mundschleimhaut hinweisen können:

  • weiße Beläge, die sich abstreifen lassen und eine gerötete Schleimhaut hinterlassen: Das spricht für einen Pilzbefall, mehr dazu im Ratgeber Mundsoor.
  • schmerzhafte Rötungen im Mund nach einer Behandlung mit Antibiotika: Auch so kann sich ein Pilzbefall zeigen, ohne weißen Belag.
  • weiße oder rote Flecken, die sich nicht abwischen lassen, wunde Stellen oder Schwellungen, die länger als zwei Wochen bestehen: Sie gelten als abklärungsbedürftig, siehe Mundhöhlenkrebs-Früherkennung und den Ratgeber Leukoplakie.
  • eine dunkle bis schwarze, pelzige Zunge nach Beginn eines neuen Medikaments: Ob das Medikament der Auslöser ist, klärt die verordnende Ärztin oder der verordnende Arzt.
  • Mundgeruch, der trotz gründlicher Mund- und Zungenpflege bleibt: Die Zahnarztpraxis kann die Quelle eingrenzen.

Wer kortisonhaltige Sprays inhaliert, etwa bei der chronischen Lungenerkrankung COPD, hat ein erhöhtes Risiko für einen Pilzbefall in Mund und Rachen. Ein neuer weißer Belag ist dann ein Anlass, die Zunge in der Praxis ansehen zu lassen.

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Literatur

Literatur und Quellenangaben
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