Lexikon

Mundtrockenheit (Xerostomie, Dry Mouth)

Mundtrockenheit (Xerostomie, engl. Dry Mouth) bezeichnet das subjektive Gefühl einer unzureichenden Befeuchtung der Mundhöhle, häufig begleitet von einer objektivierbaren Hyposalivation (Speichelflussrate < 0,1 ml/min unstimuliert). Betroffen sind rund 20–30 % der Erwachsenen, wobei die Prävalenz mit dem Alter und der Anzahl eingenommener Medikamente deutlich ansteigt. Die Folgen reichen von Schluck- und Sprechbeschwerden über erhöhte Karies– und Candidose-Raten bis hin zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität.

Mundtrockenheit Xerostomie – vier Hauptursachen im Überblick
Xerostomie: Die vier häufigsten Ursachen im Überblick

Steckbrief

MerkmalDetails
FachbegriffXerostomie (Hyposalivation, Dry Mouth)
ICD-10K11.7 – Störungen der Speichelsekretion
FormenMedikamenteninduziert (häufigste Ursache), Sjögren-Syndrom, strahleninduziert (nach Kopf-Hals-Radiatio), altersassoziiert
Prävalenz20–30 % der Erwachsenen; bis 40 % der über 65-Jährigen
HauptursachenÜber 500 Medikamente (Antidepressiva, Antihypertensiva, Antihistaminika), Sjögren-Syndrom, Radiotherapie, Diabetes mellitus
DiagnostikSialometrie (Saxon-Test, Spitting-Test), Sialographie, Speicheldrüsen-Sonographie, Lip Biopsy bei V. a. Sjögren

Ätiologie und Pathophysiologie

Die mit Abstand häufigste Ursache der Xerostomie ist die Einnahme xerogener Medikamente – über 500 Wirkstoffe, darunter trizyklische Antidepressiva, Anticholinergika, Antihypertensiva und Antihistaminika, hemmen die cholinerge Stimulation der Speicheldrüsen. Bei Polymedikation potenziert sich der Effekt. Das Sjögren-Syndrom als zweithäufigste Ursache führt durch autoimmune Zerstörung der Azinuszellen zu einer irreversiblen Hyposalivation. Nach Radiotherapie im Kopf-Hals-Bereich mit Drüsen-Dosen über 25–30 Gy tritt regelhaft eine persistierende Mundtrockenheit auf.

Therapie und Management

Das therapeutische Management richtet sich nach der Grundursache. Bei medikamenteninduzierter Xerostomie steht die Rücksprache mit dem verordnenden Arzt zur Dosisanpassung oder Präparatewechsel im Vordergrund. Speichelersatzmittel auf Muzin- oder Carboxymethylcellulose-Basis bieten symptomatische Linderung, während Sialologa wie Pilocarpin (5 mg 3× täglich) bei noch vorhandener Restfunktion die Speichelsekretion pharmakologisch stimulieren können. Zahnmedizinisch essenziell sind engmaschige Prophylaxe-Intervalle, hochkonzentrierte Fluoridlacke und die Kontrolle oraler Candidosen.

Das Wichtigste auf einen Blick: Mundtrockenheit ist häufig medikamenteninduziert und bei Dosisanpassung reversibel. Bei Sjögren-Syndrom oder strahlentherapeutischer Ursache ist sie meist dauerhaft — hier stehen Speichelersatzmittel, Sialologa und engmaschige Fluoridprophylaxe im Vordergrund. Unbehandelt steigt das Karies- und Candidose-Risiko erheblich. ➡ Ausführlicher Ratgeber zu Mundtrockenheit

Literatur

Quellenverzeichnis anzeigen

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Rughwani V, Jonasson JM, Marklund B, et al. Xerostomia in primary care: a register-based study of prevalence, medication categories, and associated risk factors. Front Oral Health. 2025. DOI: 10.3389/froh.2025.1684568

Khamdi S, Matangkasombut O, Lam-Ubol A. Non-pharmacologic interventions for management of radiation-induced dry mouth: A systematic review. Oral Dis. 2024;30. DOI: 10.1111/odi.14804

Hosseini MS, Sanaie S, et al. Cancer treatment-related xerostomia: basics, therapeutics, and future perspectives. Eur J Med Res. 2024;29:571. DOI: 10.1186/s40001-024-02167-x

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