Kreidezähne bei Kindern: erkennen, behandeln und was die Kasse zahlt
Kreidezähne sind bleibende Zähne, deren Schmelz schon beim Durchbruch zu wenig Mineral enthält. Betroffen sind die ersten bleibenden Backenzähne, die mit etwa sechs Jahren kommen, und oft auch die bleibenden Schneidezähne. Die Fachsprache nennt das Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation, kurz MIH. Der Zahnschmelz ist dabei normal dick, aber weich und porös: Er zeigt kreidig-weiße bis gelb-braune Flecken, kann unter dem Kaudruck abbrechen und ist bei vielen Kindern empfindlich gegen Kälte und Zähneputzen.
Leichte Kreidezähne brauchen oft nur Kontrolle, Fluorid und eine Versiegelung. Bricht Schmelz ein, wird gefüllt oder der Zahn mit einer vorgefertigten Krone geschützt. Ist ein Backenzahn nicht zu halten, kann er zu einem gut gewählten Zeitpunkt gezogen werden, damit der Nachbarzahn die Lücke schließt. Wie der Schmelz entsteht und warum er bei Kreidezähnen weich bleibt, erklärt der Lexikon-Eintrag Kreidezähne.
Auf einen Blick
| Was es ist | Zu wenig mineralisierter Schmelz an bleibenden Backen- und Schneidezähnen, angelegt schon vor dem Durchbruch |
|---|---|
| Wie häufig | Etwa jedes siebte zwölfjährige Kind in Deutschland, meist in leichter Form |
| Erste Zeichen | Scharf begrenzte weiße, gelbe oder braune Flecken; Empfindlichkeit beim Putzen oder bei Kälte |
| Ursache | Nicht abschließend geklärt; mehrere Einflüsse rund um die Geburt und in den ersten Lebensjahren |
| Behandlung | Je nach Schwere Fluorid, Versiegelung, Füllung, vorgefertigte Krone oder geplantes Ziehen |
| Kasse | Fluoridierung, Versiegelung, Behandlung empfindlicher Zähne, Füllungen und Metallkronen sind Kassenleistung |
Welche Behandlung zu welcher Ausprägung von Kreidezähnen passt: schützen, füllen oder überkronen und, wenn nötig, geplant ziehen.
Woran man Kreidezähne erkennt
Kreidezähne fallen meist bald nach dem Durchbruch der ersten bleibenden Backenzähne auf, also zwischen sechs und sieben Jahren (siehe Durchbruchstabelle). Typisch sind scharf begrenzte Flecken, die weiß-cremig, gelb oder braun aussehen. Die gelb-braunen Flecken sind poröser und brechen leichter ein als die weißen. Manche Zähne verlieren schon kurz nach dem Durchbruch Schmelz, weil der weiche Schmelz dem Kauen nicht standhält. An den Schneidezähnen bleibt es meist bei Flecken.
Viele Eltern bemerken die Kreidezähne zuerst am Verhalten: Das Kind zuckt beim Zähneputzen zurück, lässt die Backenzähne aus oder klagt bei kalten Getränken und kalter Luft. Gerade das ausgelassene Putzen macht die Zähne zusätzlich anfällig für Karies.
Von Karies unterscheiden sich Kreidezähne durch die Lage: Karies beginnt dort, wo Belag liegen bleibt, in den Grübchen der Kaufläche und am Zahnfleischrand. Die Flecken der Kreidezähne liegen auch an Höckern und glatten Flächen, und Füllungen reichen oft weiter als bei Karies üblich. Zu viel Fluorid erzeugt dagegen verwaschene, gleichmäßige Trübungen auf vielen Zähnen beider Kieferhälften; das ist die Fluorose.
Auch an den Milchzähnen gibt es solche Schmelzflecken, vor allem an den zweiten Milchbackenzähnen. Kinder mit diesen Flecken haben später häufiger Kreidezähne. Für die Zahnärztin oder den Zahnarzt ist das ein Grund, die bleibenden Backenzähne ab dem Durchbruch besonders aufmerksam zu kontrollieren.
Wie häufig Kreidezähne sind und woher sie kommen
Etwa jedes siebte zwölfjährige Kind in Deutschland hat Kreidezähne. Bei knapp zwei Dritteln der betroffenen Kinder sind sie leicht ausgeprägt, mit Flecken, aber ohne Schmelzeinbruch. Weltweit liegt der Anteil bei rund 13 Prozent.
Der Schmelz der ersten bleibenden Backen- und Schneidezähne bildet sich in der Zeit um die Geburt und in den ersten Lebensjahren. Was ihn in dieser Zeit stört, ist nicht abschließend geklärt. Mit Kreidezähnen in Verbindung gebracht werden Frühgeburt, Kaiserschnitt und Sauerstoffmangel bei der Geburt sowie Erkrankungen in den ersten Lebensjahren wie Mittelohrentzündung, Bronchitis, Lungenentzündung, Asthma oder Masern. Fieber und Antibiotika gehören zu diesen Erkrankungen dazu und lassen sich als eigene Ursache kaum davon trennen. Dazu kommt eine erbliche Veranlagung. Vermutlich wirken mehrere dieser Einflüsse zusammen.
Eine Möglichkeit, Kreidezähne zu verhindern, ist deshalb nicht bekannt. Die Fluoridanwendung zur Kariesvorbeugung gehört nicht zu den Einflüssen, die mit Kreidezähnen in Verbindung gebracht werden; Zähneputzen mit fluoridhaltiger Kinderzahnpasta bleibt richtig.
Warum Kreidezähne empfindlich sind
Der poröse Schmelz schützt das darunterliegende Zahnbein schlecht. Reize wie Kälte, Luft oder Süßes gelangen leichter zum Zahnnerv, und Bakterien können durch den Schmelz eindringen. Im Nerv betroffener Backenzähne finden sich mehr Nervenfasern und Entzündungszellen als in gesunden Zähnen. Das erklärt, warum diese Zähne überempfindlich sind und sich oft schwerer betäuben lassen.
Am empfindlichsten sind Backenzähne, deren Schmelz bereits eingebrochen ist. Zähne mit Flecken ohne Einbruch reagieren meist schwächer, und bei älteren Kindern kann die Empfindlichkeit nachlassen.
Kinder mit stark ausgeprägten Kreidezähnen brauchen an diesen Zähnen oft viele Behandlungen, manchmal mehrere kurz hintereinander. Schmerzhafte Behandlungen können eine Zahnarztangst auslösen. Eine sicher wirkende Betäubung ist deshalb bei diesen Zähnen besonders wichtig. Mit Articain kann sie besser gelingen als mit Lidocain; auch ein Schmerzmittel vor der Behandlung kann helfen. Bei sehr ängstlichen Kindern kommen Lachgas, Sedierung oder eine Narkose infrage.
Sind Kreidezähne heilbar?
Der Schmelz eines Kreidezahns wird nicht mehr fest; er wird nach dem Durchbruch nicht nachgebildet. Die Zähne lassen sich aber schützen und erhalten. Leichte Kreidezähne bleiben oft über viele Jahre unverändert. Ist der Schmelz einmal eingebrochen, braucht der Zahn dagegen meist eine Füllung oder Krone.
Daraus folgt die wichtigste Regel für Eltern: Kreidezähne früh erkennen lassen und regelmäßig kontrollieren. Solange der Schmelz geschlossen ist, lässt er sich mit Fluorid und Versiegelung schützen. Ist er bereits eingebrochen, lässt sich der Zahn mit einer rechtzeitigen Füllung oder Krone meist erhalten.
Wie Kreidezähne behandelt werden
Die Behandlung richtet sich danach, wie stark der Zahn betroffen ist, wie empfindlich er ist und wie alt das Kind ist. Sie soll Schmerzen nehmen, den Zahn vor Karies schützen und möglichst viel Zahnsubstanz erhalten.
| Befund | Behandlung | Ziel |
|---|---|---|
| Flecken, Schmelz geschlossen | Kontrolle, Fluoridlack, Versiegelung | Schmelz schützen, Karies vorbeugen |
| Empfindlich, Schmelz geschlossen | Fluoridlack, Versiegelung, desensibilisierende Pasten | Schmerzen beim Putzen und Essen nehmen |
| Schmelz eingebrochen | Kunststofffüllung, als Übergang Glasionomerzement | Defekt schließen, Zahn stabilisieren |
| Zahn stark zerstört | vorgefertigte Krone, später Laborkrone | Zahn erhalten, Kaufunktion sichern |
| Zahn nicht zu halten | geplantes Ziehen | Lücke durch Nachbarzahn schließen lassen |
Flecken und Empfindlichkeit: Fluoridlack festigt die Oberfläche. Eine Versiegelung mit Kunststoff deckt die Kaufläche ab, schützt den porösen Schmelz vor Karies und kann die Empfindlichkeit senken. Pasten mit Calcium und Phosphat (CPP-ACP) können zusätzlich helfen.
Schmelzeinbruch: Eingebrochene Stellen werden mit Kunststoff (Komposit) gefüllt. Weil der veränderte Schmelz schlechter haftet als gesunder, entscheidet die Zahnärztin oder der Zahnarzt am Zahn, wie viel des weichen Schmelzes vorher entfernt wird. Bei gerade durchgebrochenen oder sehr empfindlichen Zähnen dient Glasionomerzement als Übergangsfüllung, bis eine haltbare Kunststofffüllung möglich ist.
Stark zerstörte Backenzähne: Eine vorgefertigte Krone aus Stahl umfasst den ganzen Zahn, schützt die Reste, nimmt die Empfindlichkeit und hält zuverlässig. Sie entspricht der Kinderkrone an Milchzähnen. Ist das Gebiss ausgewachsen, kann sie durch eine im Labor gefertigte Krone oder Teilkrone ersetzt werden.
Geplantes Ziehen: Ist ein erster Backenzahn auf Dauer nicht zu erhalten, kann es besser sein, ihn rechtzeitig zu ziehen. Wird der Zeitpunkt gut gewählt, meist zwischen acht und zehn Jahren, kann der zweite bleibende Backenzahn beim Durchbruch nach vorn rücken und die Lücke schließen. Entscheidend sind der Entwicklungsstand dieses Zahns und die Stellung der übrigen Zähne; deshalb wird meist eine kieferorthopädische Einschätzung einbezogen. Schließt sich die Lücke nicht, kommt ein Implantat erst infrage, wenn das Kieferwachstum abgeschlossen ist, weil ein Implantat im wachsenden Kiefer nicht mitwandert. Wie sich die Zähne im Wechselgebiss bewegen, erklärt die Seite Zahnwechsel.
Schneidezähne: Hier geht es meist um das Aussehen. Je nach Fleck kommen eine Kunststoff-Infiltration, ein oberflächliches Abtragen, ein Aufhellen oder eine Kunststoffschicht infrage. Welches Verfahren passt, hängt von Farbe und Tiefe des Flecks ab.
Zahnpasta und Zähneputzen bei Kreidezähnen
Für Kinder mit Kreidezähnen gilt dieselbe Fluoridempfehlung wie für alle Kinder: ab sechs Jahren zweimal täglich eine Zahnpasta mit 1.450 ppm Fluorid. Gegen die Empfindlichkeit kann eine Zahnpasta mit Arginin und Calciumcarbonat helfen, die für empfindliche Zähne angeboten wird. Auch Cremes mit CPP-ACP, nach dem Putzen aufgetragen, können den Schmelz unterstützen.
Wichtiger als das Produkt ist, dass die betroffenen Zähne überhaupt geputzt werden. Tut das Putzen weh, hilft die Zahnarztpraxis zuerst gegen die Empfindlichkeit, damit das Kind die Backenzähne nicht mehr auslässt. Wenig Zucker und wenige süße oder saure Getränke entlasten den ohnehin anfälligen Schmelz.
Was die Krankenkasse bei Kreidezähnen zahlt
Für gesetzlich versicherte Kinder und Jugendliche sind die meisten Behandlungen von Kreidezähnen Kassenleistung:
- Fluoridlack: als Individualprophylaxe von 6 bis 18 Jahren einmal je Kalenderhalbjahr, bei hohem Kariesrisiko zweimal.
- Versiegelung: für kariesfreie Grübchen und Fissuren der bleibenden Backenzähne 6 und 7.
- Behandlung überempfindlicher Zähne: je Sitzung, etwa mit desensibilisierendem Lack.
- Füllungen: im Seitenzahnbereich mit selbsthaftenden Materialien, im Ausnahmefall auch mit Bulkfill-Komposit, im Frontzahnbereich auch mit Komposit in Klebetechnik. Eine darüber hinausgehende Kompositfüllung im Seitenzahnbereich, etwa in Mehrschichttechnik, ist Mehrleistung; die Mehrkosten trägt die Familie nach schriftlicher Vereinbarung.
- Vorgefertigte Kronen: Metallkronen sind bei Kindern und Jugendlichen Kassenleistung, Material eingeschlossen. Bei Frontzähnen gilt das auch für vorgefertigte Kunststoffkronen. Zahnfarbene vorgefertigte Kronen für Backenzähne, etwa aus Zirkonoxid oder verblendetem Stahl, sind reine Privatleistung.
- Ziehen eines Zahns und örtliche Betäubung.
Eine im Labor gefertigte Krone ist Zahnersatz. Dafür zahlt die Krankenkasse einen Festzuschuss, den Rest trägt die Familie; vorher erstellt die Praxis einen Heil- und Kostenplan. Kunststoff-Infiltration und Aufhellen der Schneidezähne stehen nicht im Leistungskatalog der Kassen und werden privat vereinbart.
implantate.com-Fazit
Kreidezähne lassen sich nicht verhindern, aber gut beherrschen, wenn sie früh erkannt werden. Bei Flecken ohne Einbruch reichen meist Kontrolle, Fluorid und Versiegelung. Wichtig ist, die Empfindlichkeit ernst zu nehmen: Ein Kind, das schmerzfrei putzen kann, schützt seine Zähne selbst, und ein Kind, das schmerzfrei behandelt wird, kommt ohne Angst wieder. Stark zerstörte Backenzähne werden mit einer vorgefertigten Krone erhalten oder, wenn das nicht sinnvoll ist, zum richtigen Zeitpunkt gezogen.
Was ist die Ursache für Kreidezähne?
Sie ist nicht abschließend geklärt. Mit Kreidezähnen in Verbindung gebracht werden Frühgeburt, Komplikationen bei der Geburt und Erkrankungen in den ersten Lebensjahren, dazu eine erbliche Veranlagung. Vermutlich wirken mehrere Einflüsse zusammen.
Was kann man gegen Kreidezähne machen?
Früh kontrollieren lassen, gründlich mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzen und wenig Zucker. In der Praxis schützen Fluoridlack und Versiegelung den Schmelz; eingebrochene Stellen werden gefüllt, stark zerstörte Backenzähne mit einer Krone versorgt.
Welche Zahnpasta bei Kreidezähnen?
Eine altersgerechte fluoridhaltige Zahnpasta, ab sechs Jahren mit 1.450 ppm Fluorid. Gegen Empfindlichkeit kann eine Zahnpasta mit Arginin und Calciumcarbonat helfen.
Gibt es Kreidezähne auch an Milchzähnen?
Ja, vor allem an den zweiten Milchbackenzähnen. Kinder mit solchen Flecken haben später häufiger auch Kreidezähne an den bleibenden Backenzähnen.
Haben Erwachsene auch Kreidezähne?
Kreidezähne bleiben ein Leben lang bestehen, denn der Schmelz wird nicht ersetzt. Bei Erwachsenen sind die betroffenen Zähne oft bereits gefüllt oder überkront; die Empfindlichkeit kann mit dem Alter nachlassen.
Lassen sich Kreidezähne an den Schneidezähnen optisch verbessern?
Ja. Je nach Fleck kommen eine Kunststoff-Infiltration, ein oberflächliches Abtragen, ein Aufhellen oder eine dünne Kunststoffschicht infrage. Kunststoff-Infiltration und Aufhellen sind keine Kassenleistung.
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