Wurzelbehandlung in der Schwangerschaft, Stillzeit und bei Vorerkrankungen

Eine Wurzelbehandlung ist in jedem Abschnitt der Schwangerschaft möglich. Ein entzündeter Zahn sollte nicht bis nach der Geburt warten, denn Schmerzen, Fieber und eine sich ausbreitende Entzündung belasten Mutter und Kind mehr als die Behandlung selbst. Auch in der Stillzeit, mit Blutverdünnern, nach einem Herzklappenersatz oder unter Medikamenten gegen Knochenabbau lässt sich ein Zahn wurzelbehandeln. Am Vorgehen ändert sich dabei meist wenig: Es geht um Betäubung, Röntgen, Schmerzmittel und die Frage, ob vorher ein Antibiotikum nötig ist.

Wie die Behandlung selbst abläuft, beschreibt Die Behandlung Schritt für Schritt. Für Kinder gelten eigene Regeln, siehe unten.

Auf einen Blick

Schwangerschaft In jedem Schwangerschaftsdrittel möglich; planbare Behandlungen am besten im zweiten Drittel
Betäubung und Röntgen in der Schwangerschaft Örtliche Betäubung möglich; Röntgenaufnahmen so viele wie nötig
Schmerzmittel in der Schwangerschaft Paracetamol; Ibuprofen bis zur 27. Woche, nach Rücksprache
Stillzeit Keine Stillpause nötig
Blutverdünner Weiter einnehmen, die Praxis informieren
Künstliche Herzklappe, frühere Endokarditis Einmal ein Antibiotikum vor der Behandlung
Künstliches Hüft- oder Kniegelenk In der Regel kein Antibiotikum nötig
Medikamente gegen Knochenabbau Zahn möglichst durch Wurzelbehandlung erhalten statt ziehen

Wurzelbehandlung in der Schwangerschaft

Ein entzündetes Zahnmark oder eine Entzündung an der Wurzelspitze heilt nicht von allein ab. Deshalb wird ein schmerzender oder entzündeter Zahn auch in der Schwangerschaft dann behandelt, wenn das Problem auftritt. Eine Schwellung an Wange oder Kiefer, vor allem mit Fieber, ist ein Grund, sofort in die Praxis oder zum zahnärztlichen Notdienst zu gehen; Zahnschmerzen, eine Fistel oder ein gelockerter Zahn ohne Schwellung gehören zeitnah in Behandlung.

Ist der Zahn ruhig und die Behandlung planbar, ist das zweite Schwangerschaftsdrittel die angenehmste Zeit. Die Übelkeit der ersten Wochen hat dann meist nachgelassen, und das Liegen im Behandlungsstuhl fällt noch leicht.

Im letzten Drittel drückt die Gebärmutter in flacher Rückenlage auf die große Hohlvene, und es kann schwindelig werden. Eine leichte Seitenlage nach links oder ein Kissen unter der rechten Hüfte beugt dem vor. Kürzere Sitzungen mit Pausen machen die Behandlung leichter.

Grafik: Wurzelbehandlung in den drei Schwangerschaftsdritteln, planbare Behandlungen am besten im zweiten Drittel

Akute Beschwerden werden in jedem Schwangerschaftsdrittel behandelt, planbare Wurzelbehandlungen am besten im zweiten.

Welche Zahnbehandlungen in der Schwangerschaft sonst möglich sind und welche besser warten, steht unter Zum Zahnarzt in der Schwangerschaft.

Betäubung in der Schwangerschaft

Die örtliche Betäubung ist in der Schwangerschaft möglich. In Deutschland wird beim Zahnarzt meist Articain verwendet. Es bindet sich stark an Eiweiße im Blut, gelangt deshalb nur in geringer Menge zum Kind und wird rasch abgebaut. Eine Behandlung ohne Betäubung ist nicht schonender: Schmerz und Stress belasten mehr als das Betäubungsmittel. Wie die Betäubung am entzündeten Zahn gelingt, steht unter Schmerzausschaltung bei der Wurzelbehandlung.

Röntgen in der Schwangerschaft

Ohne Röntgenbilder geht eine Wurzelbehandlung kaum: vorher zur Diagnose, währenddessen zur Messung der Kanallänge und am Ende zur Kontrolle der Wurzelfüllung. Die Strahlung einer Zahnaufnahme ist sehr gering, beim Kind kommt davon nur ein winziger Bruchteil an. In der Schwangerschaft wird trotzdem nur geröntgt, was für die Behandlung nötig ist. Eine Bleischürze bringt bei Zahnaufnahmen kaum zusätzlichen Schutz; legt die Praxis sie trotzdem an, schadet sie nicht. Einen Teil der Längenmessung kann ein elektrisches Messgerät übernehmen; dann reichen weniger Aufnahmen.

Schmerzmittel und Antibiotika in der Schwangerschaft

Gegen Schmerzen nach der Behandlung ist Paracetamol in der ganzen Schwangerschaft das Mittel der Wahl. Ibuprofen kommt bis zur 27. Woche nach Rücksprache mit der Praxis oder der Frauenärztin infrage, ab etwa der 20. Woche nur für wenige Tage, ab der 28. Woche nicht mehr.

Ein Antibiotikum braucht es auch in der Schwangerschaft nur, wenn sich die Entzündung ausbreitet, etwa mit Schwellung und Fieber. Dann kommen Penicilline wie Amoxicillin infrage. Gegen den Zahnschmerz selbst hilft die Wurzelbehandlung, nicht das Antibiotikum, siehe Antibiotika bei Wurzelentzündung.

Wurzelbehandlung in der Stillzeit

Stillende können sich ohne Einschränkung wurzelbehandeln lassen. Articain wird sehr rasch abgebaut; beim Kind kommt über die Muttermilch kaum etwas an. Eine Stillpause oder Abpumpen ist nicht nötig. Paracetamol und Ibuprofen vertragen sich mit dem Stillen, ebenso Amoxicillin, falls doch ein Antibiotikum nötig wird. Röntgenstrahlen bleiben nicht im Körper und gelangen nicht in die Milch.

Praktisch ist es, kurz vor dem Termin zu stillen. Dann muss das Kind während einer längeren Sitzung nicht warten.

Wurzelbehandlung mit Blutverdünnern

Blutverdünnende Medikamente wie Phenprocoumon (Marcumar), Apixaban, Rivaroxaban oder ASS werden für eine Wurzelbehandlung in aller Regel nicht abgesetzt. Die Behandlung findet im Inneren des Zahns statt und blutet kaum. Wichtig ist, dass die Praxis von den Medikamenten weiß; ein aktueller Medikamentenplan hilft.

Anders liegt es bei der Wurzelspitzenresektion oder beim Zahnziehen. Beides sind chirurgische Eingriffe. Auch dann bleibt das Medikament meist, und die Wunde wird örtlich gegen Nachblutungen versorgt. Bei Bedarf stimmt die Praxis das Vorgehen mit der Hausärztin oder dem Kardiologen ab. Wer Marcumar nimmt, bringt einen aktuellen INR-Wert mit.

Blutverdünner nie auf eigene Faust absetzen. Ein Schlaganfall oder eine Thrombose wiegt schwerer als eine Nachblutung, die sich örtlich stillen lässt. Mehr dazu unter Gerinnungshemmer und Zahnbehandlungen.

Herzerkrankungen und künstliche Gelenke

Wer eine künstliche Herzklappe trägt, auch eine per Katheter eingesetzte, eine Herzklappe mit Fremdmaterial reparieren ließ oder schon einmal eine Herzinnenhautentzündung (Endokarditis) hatte, bekommt vor der Wurzelbehandlung einmal ein Antibiotikum, 30 bis 60 Minuten vorher. Dazu kommen bestimmte angeborene Herzfehler. Bei diesen Menschen zählt die Wurzelbehandlung zu den Eingriffen, bei denen Bakterien ins Blut gelangen und sich an der Herzklappe festsetzen können.

Für andere Herzerkrankungen wie Bluthochdruck oder Herzschwäche ist keine Vorbeugung nötig. Ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk ist in der Regel kein Grund für ein Antibiotikum vor der Wurzelbehandlung. Wer welche Vorbeugung braucht, steht unter Antibiotikaprophylaxe vor Zahnbehandlungen.

Medikamente gegen Knochenabbau

Bisphosphonate und Denosumab werden gegen Osteoporose und bei Knochenmetastasen gegeben. Sie erhöhen das Risiko, dass eine Wunde im Kiefer nicht verheilt und der Knochen freiliegt (Kiefernekrose durch Medikamente gegen Knochenabbau). Am größten ist dieses Risiko nach dem Zahnziehen und bei der hohen Dosis, die in der Krebsbehandlung üblich ist.

Bei der Wurzelbehandlung bleibt der Kieferknochen in aller Regel unberührt. Für diese Patienten ist sie deshalb oft der bessere Weg, einen Zahn zu erhalten. Selbst ein Zahn, der sich nicht mehr mit einer Krone versorgen lässt, muss nicht immer gezogen werden: Die Krone kann abgetragen und die wurzelbehandelte Wurzel im Kiefer belassen werden. Wer solche Medikamente nimmt oder bekommen soll, sagt das der Praxis vor jeder Behandlung.

Kinder

Auch Milchzähne lassen sich wurzelbehandeln, wenn Karies das Zahnmark erreicht hat. Das Vorgehen unterscheidet sich vom bleibenden Zahn und steht unter Milchzahn-Nervbehandlung. Ist ein Milchzahn nach einem Sturz dunkel geworden, ist das allein noch kein Grund für eine Behandlung, siehe Milchzahn dunkel oder grau.

implantate.com-Fazit

In der Schwangerschaft, in der Stillzeit und bei den meisten Vorerkrankungen gilt dasselbe: Ein entzündeter Zahn wird behandelt, nicht vertagt. Örtliche Betäubung, Röntgenaufnahmen im nötigen Umfang und Paracetamol sind in der ganzen Schwangerschaft möglich, Ibuprofen bis zur 27. Woche nach Rücksprache. Planbares passt am besten ins zweite Drittel. Blutverdünner bleiben. Ein Antibiotikum vorab brauchen nur Menschen mit hohem Endokarditisrisiko. Wer Medikamente gegen Knochenabbau nimmt, hat einen guten Grund, Zähne durch Wurzelbehandlung zu erhalten.

Darf man in der Schwangerschaft eine Wurzelbehandlung machen?

Ja, in jedem Schwangerschaftsdrittel. Planbare Behandlungen liegen am besten im zweiten Drittel; Schmerzen, Schwellung oder Fieber werden behandelt, wenn sie auftreten.

Schadet die Betäubungsspritze dem Baby?

Die örtliche Betäubung ist in der Schwangerschaft möglich. Das übliche Mittel Articain gelangt nur in geringer Menge zum Kind und wird rasch abgebaut.

Muss ich nach der Wurzelbehandlung mit dem Stillen pausieren?

Nein. Betäubung, Paracetamol, Ibuprofen und Amoxicillin vertragen sich mit dem Stillen. Abpumpen ist nicht nötig.

Muss ich Blutverdünner vor der Wurzelbehandlung absetzen?

In aller Regel nicht. Wichtig ist, dass die Praxis davon weiß. Absetzen nur nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt, der das Medikament verordnet hat.

Brauche ich mit künstlicher Herzklappe ein Antibiotikum vor der Wurzelbehandlung?

Ja, einmal 30 bis 60 Minuten vor der Behandlung. Das gilt auch nach einer früheren Endokarditis und bei bestimmten angeborenen Herzfehlern, bei einem künstlichen Hüft- oder Kniegelenk in der Regel nicht.

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Letzte Aktualisierung am Sonntag, 08. November 2026