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Knochensklerose im Kiefer

Eine Knochensklerose im Kiefer ist eine umschriebene Verdichtung des Kieferknochens, die im Röntgenbild als dichte Verschattung erscheint. Meist handelt es sich um eine idiopathische Osteosklerose: eine harmlose Spielart des normalen Knochens ohne erkennbare Ursache, die keine Beschwerden macht, sich über Jahre kaum verändert und nicht behandelt werden muss. Gebräuchliche deutsche Bezeichnungen sind auch fokale Osteosklerose und Enostose; der Ausdruck Kompaktainsel beschreibt nur das Aussehen im Röntgenbild und ist keine Diagnose.

Von dieser Normvariante zu unterscheiden ist die kondensierende Ostitis. Auch sie verdichtet den Knochen, entsteht aber als Reaktion auf eine Entzündung, die von einem erkrankten Zahnnerv ausgeht. Ob eine Verdichtung harmlos ist oder auf einen behandlungsbedürftigen Zahn hinweist, lässt sich meist aus dem Röntgenbild und einer Vitalitätsprüfung des Zahnes ablesen.

Röntgenbild mit dichter Verschattung unterhalb einer Zahnwurzel (Knochensklerose)
Knochensklerose: die dichte Verschattung unterhalb der Wurzelspitze. Ein harmloser Zufallsbefund, der keine Behandlung braucht.

Entstehung und Verlauf

Warum sich an einer Stelle des Kiefers dichterer Knochen bildet, ist nicht abschließend geklärt. Vermutlich handelt es sich um eine Entwicklungsvariante des Knochens, ähnlich wie bei einem Knochenwulst im Mund. In einzelnen Fällen kann ein örtlicher Reiz, etwa ein im Kiefer verbliebener Wurzelrest, eine gleich aussehende Verdichtung hervorrufen.

Im Kindes- und Jugendalter kann eine solche Insel noch wachsen. Bei Erwachsenen bleibt sie in der Regel bestehen und behält ihre Größe; nur selten wird sie kleiner oder größer, gelegentlich verschwindet sie. Auch über Jahrzehnte bleibt sie meist unauffällig und erfordert keine Behandlung.

Häufigkeit und Lage

Die Knochensklerose ist kein seltener Befund. Sie findet sich ganz überwiegend im Unterkiefer, vor allem im Bereich der Backenzähne und der vorderen Backenzähne, häufig in der Nähe der Wurzelspitzen, zwischen den Wurzeln oder in zahnlosen Kieferabschnitten. Im Oberkiefer kommt sie nur ausnahmsweise vor. Frauen und Männer sind etwa gleich oft betroffen. Bei Menschen ostasiatischer oder afrikanischer Herkunft wird die Verdichtung möglicherweise häufiger gesehen als in europäischen Bevölkerungen.

Erscheinungsbild im Röntgenbild

Typisch ist ein gleichmäßig dichter, rundlicher, ovaler oder unregelmäßig geformter Bereich, der scharf oder unscharf in den umgebenden Knochen übergeht. Der Kiefer ist an dieser Stelle nicht aufgetrieben. Oft berührt die Insel die Knochenwand des Zahnfachs oder liegt unterhalb einer Wurzelspitze, seltener weiter entfernt nahe dem Unterkieferrand. Der Parodontalspalt, der schmale Raum zwischen Wurzel und Knochen, bleibt meist erkennbar erhalten, und der betroffene Zahn ist in der Regel lebendig und kariesfrei. Meist handelt es sich um eine einzelne Insel, seltener um mehrere.

Abgrenzung zur kondensierenden Ostitis

Die kondensierende, auch sklerosierende Ostitis ist eine reaktive Verdichtung. Ein lang anhaltender, schwacher Entzündungsreiz aus dem Wurzelkanal regt den Knochen an der Wurzelspitze zur Verdichtung an. Ausgangspunkt ist eine Entzündung des Zahnnervs (Pulpitis) oder ein abgestorbener Nerv, also ein toter Zahn. Betroffen sind meist Zähne mit tiefer Karies oder großen Füllungen, besonders häufig der erste Backenzahn im Unterkiefer.

Drei Merkmale helfen bei der Unterscheidung. Erstens die Lage: Die kondensierende Ostitis schließt unmittelbar an die Wurzelspitze an, der Parodontalspalt ist dort oft erweitert und die Knochenwand des Zahnfachs, die Lamina dura, nicht mehr abgrenzbar. Bei der Knochensklerose bleiben beide erhalten. Zweitens die Vitalität: Bei der Ostitis ist der Zahnnerv entzündet oder meist bereits abgestorben, was sich mit einer Vitalitätsprüfung wie der Kälteprobe eingrenzen lässt. Bei der Normvariante reagiert der Zahn normal. Drittens der Verlauf: Wird der erkrankte Zahn mit einer Wurzelkanalbehandlung versorgt, kann sich die Verdichtung ganz oder teilweise zurückbilden, und der Parodontalspalt kann sich normalisieren; ein Fortschreiten nach der Behandlung ist nicht beschrieben. Behandelt wird also der Zahn, nicht der Knochen.

Umgekehrt ist eine Verdichtung an einem wurzelbehandelten Zahn nicht automatisch eine Folge der Behandlung oder ein Zeichen ihres Misserfolgs. Ältere Röntgenaufnahmen zeigen, ob sie schon vorher bestand.

Weitere röntgendichte Befunde im Kiefer

Neben den beiden häufigsten Formen gibt es eine Reihe weiterer Veränderungen, die im Röntgenbild als Verschattung erscheinen. Einige davon sind gutartige Neubildungen, die entfernt werden, andere bedürfen lediglich der Beobachtung. Die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale zeigt die folgende Übersicht.

BefundTypisches RöntgenbildBezug zum Zahn
KnochenskleroseGleichmäßig dichte, rundliche oder unregelmäßige Insel, Kiefer nicht aufgetriebenParodontalspalt erhalten, Zahn lebendig
Kondensierende OstitisDichte Zone direkt an der Wurzelspitze, oft unscharf begrenztParodontalspalt oft erweitert, Lamina dura aufgehoben, Zahn mit entzündetem oder abgestorbenem Nerv
HyperzementoseKolbenförmige Verdickung der WurzelspitzeZuwachs an der Wurzel selbst, Parodontalspalt erkennbar
ZementoblastomRunde, scharf begrenzte Verschattung mit schmalem dunklem Saum, wächst und schmerzt oftMit der Wurzel verwachsen, Zahn meist lebendig
Zemento-ossäre DysplasieRundlich, dicht oder gemischt mit dunklem Saum; im Frühstadium aufgehelltNicht mit der Wurzel verschmolzen, oft mehrere lebendige Unterkieferfrontzähne
OsteomRunde, scharf begrenzte Verschattung ohne dunklen SaumNicht zwingend auf einen Zahn bezogen; an der Oberfläche als Vorwölbung sichtbar
OdontomZahnähnliche oder ungeordnet dichte Strukturen mit dunklem RandsaumEigenständige Bildung aus Zahnhartsubstanz
Exostose oder TorusKnochenwulst an der KieferoberflächeIm Mund sichtbar oder tastbar, kein Zahnbezug
Diffus sklerosierende OsteomyelitisAusgedehnte, unscharfe Verdichtung eines größeren Kieferabschnitts, meist im UnterkieferKein einzelner Zahn als Ursache; wiederkehrende Schwellung und Schmerzen

Bei der zemento-ossären Dysplasie sind die Zähne gesund. Gerade im frühen, aufgehellten Stadium kann sie eine Entzündung an der Wurzelspitze vortäuschen, eine Wurzelbehandlung ist dann nicht angezeigt. Die diffus sklerosierende Osteomyelitis ist eine seltene, chronisch verlaufende Entzündung des Kieferknochens, deren Ursache nicht geklärt ist. Sie verläuft in Schüben mit Schwellung, Schmerzen und eingeschränkter Mundöffnung und wird kieferchirurgisch abgeklärt und behandelt.

Diagnostik

Eine Knochensklerose wird fast immer zufällig entdeckt, auf einem Zahnfilm, einer Panoramaschichtaufnahme oder einer digitalen Volumentomographie (DVT). Für die Einordnung genügen in der Regel das Röntgenbild und die Prüfung, ob der benachbarte Zahn lebendig ist. Eine dreidimensionale Aufnahme kann sinnvoll sein, wenn die genaue Lage, etwa die Nähe zum Nervkanal des Unterkiefers, für eine geplante Behandlung wichtig ist.

Eine Gewebeprobe ist bei typischem Befund nicht erforderlich. Weitere Abklärung braucht es, wenn Schmerzen, eine Schwellung, eine Fistel oder ein Taubheitsgefühl hinzukommen, oder wenn die Verdichtung bei einem Erwachsenen erkennbar wächst. Bei der Knochensklerose genügt es, den Befund zu dokumentieren. Ist die Einordnung unsicher, kann eine spätere Vergleichsaufnahme sie bestätigen.

Bedeutung für Kieferorthopädie und Implantate

Ob dichter Knochen die kieferorthopädische Zahnbewegung bremst, wird diskutiert. Theoretisch könnten Kräfte, die auf einen Zahn im dichten Knochen wirken, stärker auf die Wurzelhaut übertragen werden und eine Wurzelresorption begünstigen. Eine Behinderung der Zahnbewegung oder eine Wurzelresorption im Bereich solcher Inseln ist bislang nicht beschrieben; ganz ausschließen lässt sich das mit zweidimensionalen Röntgenbildern nicht.

Für Implantate ist die Frage nicht abschließend geklärt. Sehr dichter Knochen kann die Primärstabilität beeinflussen, also den festen Halt des Implantats unmittelbar nach dem Einsetzen. Wie sich ein Implantat in einer solchen Insel auf Dauer verhält, ist offen; beschrieben sind bislang nur Einzelfälle mit unterschiedlichem Verlauf. Die Planung erfolgt deshalb im Einzelfall anhand der Röntgendiagnostik. Nichts mit diesem Befund zu tun hat die Knochenverdichtung in der Implantologie, eine chirurgische Technik zur Aufbereitung des Implantatbetts.

Wie Entzündungen aus dem Wurzelkanal den Knochen an der Wurzelspitze verändern, beschreibt der Eintrag zur apikalen Parodontitis.

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Literatur

Literatur und Quellenangaben
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