Lexikon
Postbiotika in der Parodontologie
Postbiotika sind Zubereitungen aus abgetöteten Mikroorganismen oder deren Bestandteilen, die dem Menschen einen gesundheitlichen Nutzen verschaffen. Stoffwechselprodukte der Mikroorganismen können enthalten sein, allein genügen sie nach der internationalen Konsensdefinition aber nicht. Im Unterschied zu Probiotika enthalten Postbiotika keine lebenden Keime. In der Parodontologie werden sie als Ergänzung zur Parodontitisbehandlung, als örtlich angewendetes Mittel und als Zusatz in Mundpflegeprodukten erprobt; ihr Nutzen ist nicht belegt. Zur Parodontitis selbst enthalten die Leitlinien keine Aussage zu Postbiotika.
Ein uneinheitlich verwendeter Begriff
Der Ausdruck „Postbiotika“ taucht in Fachliteratur und im Handel zunehmend auf, wurde aber lange ohne klare Bedeutung benutzt. Erst seit einer internationalen Konsensdefinition ist festgelegt, dass ein Postbiotikum unbelebte Zellen oder Zellbestandteile enthalten und einen nachgewiesenen gesundheitlichen Nutzen haben muss. Die zahnmedizinische Literatur hält sich nicht durchgehend daran: Die europäische Leitlinie zu periimplantären Erkrankungen beschreibt Postbiotika etwa als Stoffwechselprodukte von Mikroorganismen mit antioxidativer Wirkung. Was unter diesem Namen untersucht oder verkauft wird, kann sich deshalb erheblich unterscheiden – ein Grund, Aussagen zu „Postbiotika“ nicht zu verallgemeinern.
| Merkmal | Probiotika | Postbiotika |
|---|---|---|
| Inhalt | lebende Mikroorganismen | abgetötete Mikroorganismen oder deren Bestandteile, ggf. mit Stoffwechselprodukten |
| Parodontitistherapie | Leitlinie: sollte nicht zusätzlich zur subgingivalen Reinigung eingesetzt werden | keine Leitlinienaussage |
| Periimplantäre Mukositis | europäische Leitlinie: Einnahme kann erwogen werden; deutsche Leitlinie: sollte nicht | europäische Leitlinie: örtliche Anwendung in der Praxis sollte unterbleiben |
| Datenlage | zahlreiche, uneinheitliche Prüfungen | sehr wenige klinische Prüfungen |
Leitlinienlage
Die einzige Leitlinienaussage betrifft Implantate. Bei der periimplantären Mukositis sollten nach der europäischen S3-Leitlinie örtlich angewendete Mittel – dazu zählt sie neben Antiseptika und austrocknenden Gelen auch Postbiotika – nicht zusätzlich zur professionellen Reinigung eingesetzt werden (Empfehlungsgrad B, starker Konsens). Die Qualität der zugrunde liegenden Evidenz stuft die Leitlinie als niedrig ein. Zur Parodontitis, zur Nachsorge und zur Gingivitis äußern sich die Leitlinien zu Postbiotika nicht.
Forschungsstand
Klinische Prüfungen mit Postbiotika in der Zahnmedizin sind bislang selten. Als Zusatz zur subgingivalen Reinigung bei Parodontitis könnten postbiotische Produkte das Behandlungsergebnis möglicherweise verbessern; gesichert ist das nicht. Ein denkbarer Vorteil: Präparate ohne lebende Keime lassen sich als Zusatz in Mundpflegeprodukten verwenden. Ob daraus ein messbarer Nutzen für Zahnfleisch oder Implantate entsteht, ist nicht abschließend geklärt.
Klinische Bedeutung
Für die Behandlung von Zahnfleisch- und Implantaterkrankungen gibt es derzeit keine belastbare Grundlage, Postbiotika einzusetzen; bei der Mukositis am Implantat rät die europäische Leitlinie von ihrer örtlichen Anwendung ab. Maßgeblich bleiben die gründliche Reinigung in der Praxis und die häusliche Mundhygiene. Der Ansatz mit lebenden Keimen ist unter Probiotika in der Parodontologie beschrieben, der mit Nährstoffen für die körpereigene Keimflora unter Präbiotika in der Parodontologie.
IMPLANTAT-SPEZIALISTEN IN IHRER NÄHE
Literatur
Literatur und Quellenangaben
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