Lexikon
Präbiotika in der Parodontologie
Präbiotika sind Stoffe, die von den bereits im Körper lebenden Mikroorganismen gezielt verwertet werden und dadurch einen gesundheitlichen Nutzen vermitteln. Anders als Probiotika enthalten sie selbst keine Bakterien; sie sollen die erwünschten Mitglieder der vorhandenen Keimgemeinschaft fördern. Der Begriff stammt aus der Ernährungsforschung zum Darm, schließt nach der internationalen Konsensdefinition aber ausdrücklich auch andere Körperregionen wie die Mundhöhle ein. In der Parodontologie – bei der Behandlung der Parodontitis, in der Nachsorge und bei der Gingivitis – ist ihr Nutzen bislang nicht geklärt; die S3-Leitlinie zur Parodontitis erwähnt Präbiotika nur für die unterstützende Nachsorge und spricht dort keine Empfehlung aus.
Begriff und Voraussetzungen
Ein Stoff gilt nur dann als Präbiotikum, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind: Er muss gezielt über Mikroorganismen wirken, und sein gesundheitlicher Nutzen muss dokumentiert sein. Die aktuelle Definition ist bewusst weit gefasst und nicht auf Kohlenhydrate wie Ballaststoffe beschränkt; auch andere Substanzen und andere Anwendungsformen als Lebensmittel kommen grundsätzlich in Betracht. Daraus folgt eine wichtige Unterscheidung: Eine Substanz, die im Labor bestimmte Mundbakterien begünstigt, ist damit noch kein Präbiotikum – solange ein gesundheitlicher Vorteil am Menschen fehlt, bleibt sie ein Kandidat.
| Begriff | Was er bezeichnet | Stand in der Parodontologie |
|---|---|---|
| Präbiotika | Substrate, die von körpereigenen Mikroorganismen gezielt verwertet werden und so nützen | Leitlinie: Nutzen in der Nachsorge nicht geklärt; klinische Daten fehlen weitgehend |
| Probiotika | lebende Mikroorganismen mit gesundheitlichem Nutzen | am besten untersucht; zur Parodontitistherapie rät die Leitlinie ab |
| Synbiotika | Mischungen aus lebenden Mikroorganismen und gezielt verwertbaren Substraten | nur vereinzelte klinische Prüfungen, keine Leitlinienaussage |
| Postbiotika | abgetötete Mikroorganismen oder deren Bestandteile | kaum untersucht; bei periimplantärer Mukositis rät die europäische Leitlinie von örtlicher Anwendung ab |
Leitlinienlage
Die S3-Leitlinie zur Behandlung der Parodontitis nennt Präbiotika an einer Stelle: bei der Frage, ob zusätzliche Mittel die Zahnfleischentzündung in der unterstützenden Parodontitistherapie beherrschen helfen. Die Antwort der Leitlinie ist eine offene Feststellung: Ob Präbiotika – ebenso wie Probiotika, entzündungshemmende Mittel oder antioxidative Mikronährstoffe – dafür wirksam sind, ist nicht bekannt; weitere Forschung ist nötig. Die deutsche Fassung von DG PARO und DGZMK hat diese Feststellung übernommen. Zur Parodontitistherapie selbst, zur Gingivitis und zu periimplantären Erkrankungen enthalten die Leitlinien keine Aussage zu Präbiotika.
Forschungsstand
Belastbare klinische Ergebnisse zu Präbiotika bei Parodontitis gibt es derzeit nicht. Im Tiermodell könnte die Zufuhr bestimmter Ballaststoffe den Knochenabbau und Entzündungsmarker bei experimentell ausgelöster Parodontitis verringern; die Datenbasis ist jedoch klein, und ob sich das auf den Menschen übertragen lässt, ist offen. Auch Kombinationspräparate aus Probiotika und Präbiotika könnten die Ergebnisse der Parodontitisbehandlung möglicherweise verbessern; bei der Gingivitis sind die Befunde weniger einheitlich. Beides ist nicht abschließend geklärt.
Klinische Bedeutung
Für die Behandlung und Vorbeugung von Zahnfleischerkrankungen spielen Präbiotika derzeit keine Rolle, die sich auf Leitlinien oder gesicherte Studienergebnisse stützen könnte. Die Grundlage bleibt die mechanische Entfernung von Plaque zu Hause und in der Praxis. Wer auf Produkte mit dem Hinweis „präbiotisch“ stößt, sollte wissen, dass der Begriff einen dokumentierten Nutzen voraussetzt – und dass ein solcher Nachweis für Zahnfleisch und Zahnhalteapparat bislang aussteht. Der verwandte Ansatz mit lebenden Bakterien ist unter Probiotika in der Parodontologie beschrieben, der mit abgetöteten Keimen unter Postbiotika in der Parodontologie.
IMPLANTAT-SPEZIALISTEN IN IHRER NÄHE
Literatur
Literatur und Quellenangaben
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