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Biokompatibilität von zahnärztlichem Behandlungszubehör

Die Biokompatibilität von zahnärztlichem Behandlungszubehör betrifft Werkstoffe, die weder im Zahn noch am Zahn verbleiben: Handschuhe, Kofferdamtücher und Abformmassen berühren Haut, Schleimhaut und Zahnoberfläche für Minuten bis zur Dauer einer Sitzung und werden danach abgenommen oder verworfen. Die Verträglichkeitsfrage stellt sich hier deshalb anders: nicht als Frage nach dem Verbleib im Gewebe, sondern als Frage nach einem kurzen Kontakt, der sich vielfach wiederholt und der neben den Patientinnen und Patienten auch das Praxisteam trifft. Begriffsgrundlagen, Prüfsystematik und Normrahmen stehen im Eintrag zur Biokompatibilität in der Zahnmedizin; die Werkstoffe mit längerem Verbleib behandeln die Einträge zu Füllungsmaterialien, Zahnersatz, Zahnimplantaten, Wurzelfüll- und Befestigungsmaterialien sowie kieferorthopädischen Werkstoffen.

Gruppen von zahnärztlichem Behandlungszubehör mit ihrer jeweiligen Kontaktsituation
Wie lange und wen das Behandlungszubehör berührt, ist von Gruppe zu Gruppe verschieden — und daran hängt, welche Frage sich stellt.

Kofferdam und Handschuhe

Ein Behandlungshandschuh kann zugleich Medizinprodukt und persönliche Schutzausrüstung sein. Als Medizinprodukt unterliegt er der europäischen Medizinprodukte-Verordnung: Seine Gebrauchsanweisung muss auf Werkstoffe hinweisen, die bei Patienten oder Anwendern eine Sensibilisierung oder eine allergische Reaktion auslösen können. Ist er auch als Schutzausrüstung in Verkehr gebracht, unterliegt er zusätzlich der Verordnung über persönliche Schutzausrüstungen, nach der seine Werkstoffe die Gesundheit der Trägerin oder des Trägers nicht beeinträchtigen dürfen.

Ob ein Medizinprodukt Naturkautschuklatex enthält, wird in der europäischen Datenbank für Medizinprodukte (UDI-Datenbank) als eigene Angabe erfasst. Das gilt für Handschuhe ebenso wie für Kofferdamtücher; Handschuhe gibt es in latexhaltiger und in latexfreier Ausführung.

Bei einer Latexallergie reagiert das Immunsystem auf Eiweiße des Naturkautschuks. Eine solche Reaktion kann bis zur Anaphylaxie reichen: Naturlatex gehört wie Lokalanästhetika und andere Arzneimittel zu den möglichen Auslösern einer Anaphylaxie in der ärztlichen Praxis. Eine bekannte Latexallergie gehört deshalb vor der Behandlung zur Sprache; die Praxis kann dann latexfreies Zubehör verwenden.

Puderfreie, proteinarme Latexhandschuhe oder latexfreie Handschuhe, etwa aus Nitril, tragen möglicherweise dazu bei, die Latexbelastung der Raumluft zu senken.

Das Kofferdamtuch liegt für die Dauer der Sitzung an Lippen, Wange und Schleimhaut und wirft deshalb dieselbe Werkstofffrage auf wie der Handschuh. Aufbau, Anlegen, Anwendungsgebiete und Abrechnung behandelt der Eintrag zum Kofferdam; für Eingriffe mit trockenem Arbeitsfeld die Einträge zur Wurzelkanalbehandlung, zur Kompositfüllung, zum adhäsiven Zementieren und zur Fissurenversiegelung. Ob sich eine Latexallergie auf Guttapercha erstreckt, behandelt der Eintrag zur Guttapercha.

ZubehörKontaktsituationEigenschaftHinweis
Gepuderte LatexhandschuheHaut des Teams über den Arbeitstag, Schleimhaut der behandelten Person für MinutenGeben Latexeiweiße auch an die Raumluft abDer Ersatz durch puderfreie oder latexfreie Handschuhe senkt möglicherweise die Latexbelastung
Puderfreie, proteinarme Latexhandschuhegleiche Situation, über den Arbeitstag wiederholtMöglicherweise geringere Latexbelastung als gepuderte HandschuheWerkstoff bleibt Naturkautschuklatex; bei bekannter Latexallergie kommen latexfreie Handschuhe infrage
Latexfreie Handschuhwerkstoffe, darunter Nitrilgleiche Situation, über den Arbeitstag wiederholtEnthalten keinen Naturkautschuklatex; in der UDI-Datenbank als latexfrei erfasst–
KofferdamtuchLippen, Wange und Schleimhaut für die Dauer der SitzungOb es Naturkautschuklatex enthält, ist in der UDI-Datenbank erfasstEine bekannte Latexallergie vor der Behandlung ansprechen

Abformmaterialien

Eine Abformmasse wird angemischt, in einen Löffel gefüllt, in den Mund eingebracht, härtet dort aus und wird nach wenigen Minuten entnommen. Sie verbleibt nicht und wird nicht getragen, berührt aber Schleimhaut, Zunge, Zahnfleischsaum und Zahnoberflächen flächig, und das bei jeder neuen Abformung erneut. Gebräuchlich sind Alginat, Polyether sowie additions- und kondensationsvernetzende Silikone. Wie die Abformung weiterverarbeitet wird, behandeln die Einträge zum Gegenbissmodell, zum Abformpfosten und zum digitalen Workflow.

Weil die Masse im Mund aushärtet und dabei Gaumen und Rachenraum ausfüllt, zählt auch der Komfort während dieser Minuten. Bei Kindern ist ein digitaler Scan des ganzen Kiefers meist angenehmer als eine Abformung mit Alginat: Schmerz, Würgereiz und Atembehinderung fallen geringer aus, und die Kinder bevorzugen den Scan. Welches Verfahren im Einzelfall passt, entscheidet die Zahnärztin oder der Zahnarzt.

Im Mund hatte die Abformung Kontakt mit Speichel, Blut und Belag; vor der Weitergabe ins Labor lässt sie sich desinfizieren. Mehrere Mittel, darunter Natriumhypochlorit, Glutaraldehyd, Alkohol und Chlorhexidin, senken im Laborversuch die Keimzahl, aber nicht jedes an jedem Werkstoff gleich gut. Nach einer zehnminütigen Desinfektion behalten Alginat mit Natriumhypochlorit und Polyether mit Glutaraldehyd im Laborversuch möglicherweise ihre Maßhaltigkeit, Detailwiedergabe und Benetzbarkeit; bei additionsvernetzenden Silikonen verringert die Desinfektion möglicherweise die Benetzbarkeit. Welches Mittel sich eignet, hängt deshalb vom Abformwerkstoff ab.

Für die Abformmasse gilt derselbe regulatorische Rahmen wie für das übrige Zubehör: Die Pflicht, in der Gebrauchsanweisung auf allergieauslösende Werkstoffe hinzuweisen, gilt unabhängig davon, wie lange ein Produkt im Mund bleibt. Für Kunststoffe mit längerer Tragedauer verschiebt sich die Frage, dazu der Eintrag zur Aufbissschiene; für eine indirekte Restauration, deren Passung von der Abformung abhängt, der Eintrag zur Teilkrone.

Werkstoff oder SituationKontaktsituationEigenschaftHinweis
Alginat (Hydrokolloid)Schleimhaut, Zunge und Zähne für wenige Minuten, bei jeder Abformung erneutMehrere Mittel senken im Laborversuch die Keimzahl; nach Desinfektion mit Natriumhypochlorit bleiben Maßhaltigkeit und Detailwiedergabe möglicherweise erhaltenBei Kindern ist ein digitaler Scan meist angenehmer
Additionsvernetzende Silikone (A-Silikone)Schleimhaut und Zähne für wenige MinutenGlutaraldehyd, Natriumhypochlorit und Alkohol senken im Laborversuch die KeimzahlDie Desinfektion verringert möglicherweise die Benetzbarkeit
Kondensationsvernetzende Silikone (C-Silikone)Schleimhaut und Zähne für wenige MinutenDetailwiedergabe und Benetzbarkeit bleiben nach der Desinfektion möglicherweise erhaltenWelches Mittel sich eignet, hängt vom Werkstoff ab
PolyetherSchleimhaut und Zähne für wenige MinutenMehrere Mittel senken im Laborversuch die Keimzahl; nach Desinfektion mit Glutaraldehyd bleiben Maßhaltigkeit und Detailwiedergabe möglicherweise erhalten–
Abformung nach der Entnahmekein Gewebekontakt mehr, Weg ins LaborLässt sich vor der Weitergabe desinfizierenWelches Mittel sich eignet, hängt vom Abformwerkstoff ab

Klinische Bedeutung

Handschuhe, Kofferdamtücher und Abformmassen berühren Haut und Schleimhaut jeweils nur kurz, aber bei jeder Behandlung erneut, beim Praxisteam an jedem Arbeitstag.

Für Patientinnen und Patienten folgen daraus drei Punkte. Erstens gehört eine bekannte Latexallergie vor der Behandlung zur Sprache, denn es gibt latexfreie Handschuhe, und ob ein Medizinprodukt Naturkautschuklatex enthält, ist als eigene Angabe erfasst. Zweitens ist bei Kindern ein digitaler Scan meist angenehmer als eine Abformung mit Alginat. Drittens lässt sich eine Abformung vor der Weitergabe ins Labor mit einem Mittel desinfizieren, das zum Abformwerkstoff passt.

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Literatur

Literatur und Quellenangaben
  • Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie und weitere Fachgesellschaften. S2k-Leitlinie „Akuttherapie und Management der Anaphylaxie“. AWMF-Registernummer 061-025, Version 3.0, Stand 31.01.2021; Gültigkeit bis 30.01.2026, laut Register in Überarbeitung. Allergo J Int 2021;30:1–25.
  • LaMontagne AD, Radi S, Elder DS, Abramson MJ, Sim M. Primary prevention of latex related sensitisation and occupational asthma: a systematic review. Occup Environ Med 2006;63(5):359–364. doi:10.1136/oem.2005.025221
  • Hardan L, Bourgi R, Cuevas-Suárez CE, Lukomska-Szymanska M, Cornejo-Ríos E, Tosco V, Monterubbianesi R, Mancino S, Eid A, Mancino D, Kharouf N, Haikel Y. Disinfection procedures and their effect on the microorganism colonization of dental impression materials: a systematic review and meta-analysis of in vitro studies. Bioengineering (Basel) 2022;9(3):123. doi:10.3390/bioengineering9030123
  • Qiu Y, Xu J, Xu Y, Shi Z, Wang Y, Zhang L, Fu B. Disinfection efficacy of sodium hypochlorite and glutaraldehyde and their effects on the dimensional stability and surface properties of dental impressions: a systematic review. PeerJ 2023;11:e14868. doi:10.7717/peerj.14868
  • AlZain S. Effect of chemical, microwave irradiation, steam autoclave, ultraviolet light radiation, ozone and electrolyzed oxidizing water disinfection on properties of impression materials: a systematic review and meta-analysis study. Saudi Dent J 2020;32(4):161–170. doi:10.1016/j.sdentj.2019.12.003
  • Garcovich D, Aiuto R, Alvarado Lorenzo A, Bouserhal J, Dioguardi M, Adobes Martin M. Digital versus conventional impression techniques in children: a systematic review and meta-analysis of efficiency, comfort and patient preference. Int J Paediatr Dent 2026;36(2):254–264. doi:10.1111/ipd.70045
  • Verordnung (EU) 2017/745 über Medizinprodukte, konsolidierte Fassung — Anhang I Kapitel III Nummer 23.4 Buchstabe s, Anhang VI Teil B Nummer 20.
  • Verordnung (EU) 2016/425 über persönliche Schutzausrüstungen, konsolidierte Fassung — Anhang I Kategorie III Buchstabe c, Anhang II Nummer 1.2.1.1. Beide Bestimmungen sind gegenüber der ursprünglichen Fassung unverändert.

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