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Biokompatibilität von zahnärztlichem Behandlungszubehör

Die Biokompatibilität von zahnärztlichem Behandlungszubehör betrifft Werkstoffe, die weder im Zahn noch am Zahn verbleiben: Handschuhe, Kofferdamtücher und Abformmassen berühren Haut, Schleimhaut und Zahnoberfläche für Minuten bis zur Dauer einer Sitzung und werden danach abgenommen oder verworfen. Die Verträglichkeitsfrage stellt sich hier deshalb anders: nicht als Frage nach dem Verbleib im Gewebe, sondern als Frage nach einem kurzen Kontakt, der sich vielfach wiederholt und der neben den Patientinnen und Patienten auch das Praxisteam trifft. Begriffsgrundlagen, Prüfsystematik und Normrahmen stehen im Eintrag zur Biokompatibilität in der Zahnmedizin; die Werkstoffe mit längerem Verbleib behandeln die Einträge zu Füllungsmaterialien, Zahnersatz, Zahnimplantaten, Wurzelfüll- und Befestigungsmaterialien sowie kieferorthopädischen Werkstoffen.

Kofferdam und Handschuhe

Ein Behandlungshandschuh steht in zwei Rechtsrahmen zugleich, und das beschreibt diese Gruppe genauer als jede Werkstoffbetrachtung. Als Medizinprodukt unterliegt er der Medizinprodukte-Verordnung, deren Anhang I Kapitel III Nummer 23.4 Buchstabe s in der Gebrauchsanweisung Vorsichtshinweise zu Werkstoffen verlangt, die zu einer Sensibilisierung oder einer allergischen Reaktion beim Patienten oder Anwender führen könnten — beide Seiten des Kontakts stehen dort in einem Satz. Als persönliche Schutzausrüstung unterliegt derselbe Handschuh der Verordnung über persönliche Schutzausrüstungen: Schutz gegen schädliche biologische Agenzien ist in deren Anhang I der Kategorie III zugeordnet, und Anhang II Nummer 1.2.1.1 verlangt, dass Ausgangswerkstoffe und mögliche Zersetzungsprodukte Gesundheit und Sicherheit der Nutzerin oder des Nutzers nicht beeinträchtigen.

Beim Naturkautschuklatex lohnt der genaue Blick ins Gesetz, weil Erwartung und Wortlaut auseinandergehen. Eine ausdrücklich auf Naturkautschuklatex bezogene Kennzeichnungsvorschrift enthält Anhang I Kapitel III Nummer 23 nicht: Die dortige Kennzeichnungspflicht nach Nummer 23.2 Buchstabe f verweist auf Nummer 10.4.5 und betrifft krebserzeugende, erbgutverändernde oder fortpflanzungsgefährdende Stoffe sowie Stoffe mit endokrin wirkenden Eigenschaften oberhalb von 0,1 Prozent Massenanteil, nicht die Eiweiße des Naturkautschuks. Die latexbezogenen Angaben stehen an anderer Stelle — in Anhang VI Teil B unter Nummer 20, wo „enthält Latex (j/n)“ als zentrales Datenelement der UDI-Datenbank aufgeführt ist, und in Teil C unter Nummer 3.9 Buchstabe g, der eine Änderung dieser Angabe zu den Datenelementen zählt, die eine neue UDI-DI erfordern. Ob ein Produkt Naturkautschuklatex enthält, ist damit eine erfasste Eigenschaft.

Der biologische Vorgang dahinter ist ein anderer als bei den Legierungsbestandteilen, um die es in den Einträgen zu Zahnersatz, Füllungsmaterialien und kieferorthopädischen Werkstoffen geht. Die deutschsprachige Leitlinie zur Akuttherapie und zum Management der Anaphylaxie beschreibt in ihrem Abschnitt zur Pathophysiologie, dass der Anaphylaxie ursächlich meist eine immunologische Reaktion zugrunde liegt — nach ihrer Formulierung am häufigsten als Immunglobulin-E-vermittelte Allergie; sie führt Naturlatex unter den möglichen Auslösern einer Anaphylaxie in der ärztlichen Praxis auf, neben Allergenlösungen der spezifischen Immuntherapie, Lokalanästhetika und in der Praxis gegebenen Arzneimitteln.

Wie häufig eine Latexallergie im zahnmedizinischen Arbeitsumfeld ist, hat eine systematische Übersicht mit Metaanalyse untersucht — für das Personal, nicht für Patientinnen und Patienten. Sie schloss aus 435 gesichteten Quellen 14 Beobachtungsstudien mit 6.302 Teilnehmenden ein und beziffert die Prävalenz bei zahnmedizinischen Berufsangehörigen auf rund ein Zehntel, weist die Heterogenität zwischen den Studien jedoch als hoch, das Verzerrungsrisiko als moderat und die Evidenz nach GRADE als unsicher und von niedriger Qualität aus.

An dieser Wiederholung setzt die Maßnahme an, zu der die Recherche eine Wirkungsaussage aus einer systematischen Übersicht ergeben hat. Eine Übersicht zur Primärprävention latexbezogener Sensibilisierung und berufsbedingten Asthmas wertete acht Interventionsstudien aus und formuliert daraus, dass der Ersatz gepuderter Latexhandschuhe durch puderfreie, proteinarme Naturlatexhandschuhe oder durch latexfreie Handschuhe die Latex-Aeroallergene, die Latexsensibilisierung und das Latex-Asthma bei Beschäftigten im Gesundheitswesen stark verringert; sie stuft das nach dem SIGN-Schema als Stufe 2+ ein — gut durchgeführte Fall-Kontroll- oder Kohortenstudien mit mäßiger Wahrscheinlichkeit eines ursächlichen Zusammenhangs — und nennt ihre Evidenzbasis selbst klein und überwiegend beobachtend. Der Puder ist dabei kein Nebenaspekt: Die Übersicht bezieht ihre Wirkungsaussage ausdrücklich auf den Ersatz gepuderter Handschuhe. Welcher Werkstoff an die Stelle des Naturkautschuks tritt, lässt dieselbe Übersicht offen; sie nennt beide Alternativen als Gruppen, ohne einzelne Ersatzwerkstoffe wie Nitril gegeneinander auszuwerten.

Mit dem Werkstoffwechsel ist weder die Haut abschließend versorgt noch eine bestehende Allergie behandelt. Eine Cochrane-Übersicht zur Vorbeugung des berufsbedingten irritativen Handekzems schloss in ihrer jüngsten Fassung neun randomisierte Studien mit 2.888 Teilnehmenden ein; alle hatten zu Studienbeginn kein berufsbedingtes Handekzem und stammten aus hautbelastenden Berufen außerhalb der Zahnmedizin. Sechs dieser Studien mit 1.533 Teilnehmenden untersuchten Barrierecremes und Pflegeprodukte, drei mit 1.355 Teilnehmenden eine Hautschutzschulung; Studien zur Wirkung von Schutzhandschuhen erfüllten ihre Einschlusskriterien nicht. Pflegeprodukte allein oder zusammen mit Barrierecremes könnten einen klinisch bedeutsamen Schutzeffekt haben, Barrierecremes allein dagegen nur einen geringen, der nicht als klinisch bedeutsam erscheint. Zurückhaltend bleibt das Ergebnis dennoch: Die Schätzungen sind unpräzise, die Evidenz von niedriger und bei der Schulung von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit, und die Übersicht hält die Datenlage für eine belastbare Bewertung für nicht ausreichend. Zur Behandlung einer bestehenden Latexallergie identifizierte eine systematische Übersicht mit Metaanalyse randomisierter Studien zur sublingualen Immuntherapie 152 Datensätze und schloss vier Studien ein; ein statistisch bedeutsamer Unterschied zeigte sich bei der Hautreaktion nach Handschuh-Provokation, gepoolt aus zwei dieser vier Studien, während Symptomscores, spezifisches Immunglobulin E, Hautpricktest und Medikationsscores keine bedeutsamen Unterschiede ergaben; größere randomisierte Studien halten die Autoren für erforderlich.

Das Kofferdamtuch teilt die Werkstofffrage mit dem Handschuh, ist daneben aber auch als Barriere zwischen Behandlungsfeld und Raumluft untersucht worden. Eine systematische Übersicht zu Maßnahmen gegen die Aerosolbelastung in zahnärztlichen Behandlungsräumen sichtete 3.491 Arbeiten und schloss 42 kontrollierte klinische oder randomisierte Studien am Menschen ein; sie führt den Kofferdam neben großvolumiger Absaugung, Mundspüllösungen, Luftreinigern und Schwebstofffiltern als eine der untersuchten Maßnahmen auf. Für den Kofferdam fällt ihr Ergebnis dabei nicht günstig aus: Nach ihrer zusammenfassenden Darstellung scheint seine Anwendung mit einer höheren Zahl bakterieller koloniebildender Einheiten einherzugehen. Gemessen wurde das an verschiedenen Stellen des Kopfes; die Übersicht, die den Kofferdam als Standard der zahnärztlichen Versorgung führt, leitet daraus nicht ab, auf das Tuch zu verzichten, sondern die Notwendigkeit einer geeigneten Schutzkleidung zur Bedeckung des Kopfes der behandelnden Zahnärztinnen und Zahnärzte. Wie viele der eingeschlossenen Studien insgesamt auf den Kofferdam entfielen, weist sie nicht aus. Die meisten Arbeiten erfassten die bakterielle Belastung, virale und Pilzbelastung wurden in drei Studien untersucht, und sie hält weitere klinische Studien für nötig, um die Messung abzusichern und das Übertragungsrisiko zu bewerten. Aufbau, Anlegen, Anwendungsgebiete, Grenzen und Abrechnung behandelt der Eintrag zum Kofferdam; für Eingriffe mit trockenem Feld die Einträge zur Wurzelkanalbehandlung, zur Kompositfüllung, zum adhäsiven Zementieren und zur Fissurenversiegelung; ob sich eine Latexallergie auf Guttapercha erstreckt, behandelt der dortige Eintrag.

Zubehör oder SituationKontaktsituationWas die Quellenlage trägtBekannte Einschränkung
Gepuderte LatexhandschuheHaut des Teams über den Arbeitstag, Schleimhaut der behandelten Person für MinutenDie Übersicht zur Primärprävention misst den Effekt eines Ersatzes an Aeroallergenen, Sensibilisierung und Latex-AsthmaSie nennt ihre Basis aus acht Studien selbst klein und überwiegend beobachtend, SIGN-Stufe 2+
Puderfreie, proteinarme Latexhandschuhegleiche Situation, über den Arbeitstag wiederholtIn derselben Übersicht eine der beiden ErsatzoptionenDer Werkstoff bleibt Naturkautschuklatex, den die Leitlinie zur Anaphylaxie unter den möglichen Auslösern in der Praxis führt
Latexfreie Handschuhwerkstoffe, darunter Nitrilgleiche Situation, über den Arbeitstag wiederholtIn derselben Übersicht die zweite Ersatzoption; abgrenzbar über das Datenelement „enthält Latex“Die Übersicht wertet sie als Gruppe und stellt einzelne Werkstoffe nicht gegeneinander
Kofferdamtuch aus NaturkautschuklatexLippen, Wange und Schleimhaut für die Dauer der SitzungDie Angabepflicht nach Anhang VI Teil B Nummer 20 gilt für jedes ProduktZu Reaktionen auf das Tuch selbst hat die Recherche keine Übersichtsarbeit ergeben
Kofferdamtuch aus latexfreiem Materialgleiche Situation wie beim LatextuchÜber dasselbe Datenelement abgrenzbarEin Vergleich beider Varianten ist in den geprüften Arbeiten nicht ausgewertet
Kofferdam als Barriere im Raumzwischen Behandlungsfeld und Raumluft, für die Dauer der SitzungIn der Übersicht zur Aerosolminderung eine Maßnahme neben Absaugung, Mundspüllösungen, Luftreinigern und FilternNach ihrer zusammenfassenden Darstellung scheint die Anwendung mit einer höheren Zahl bakterieller koloniebildender Einheiten einherzugehen; virale und Pilzbelastung in drei Studien; gemessen am Kopf der behandelnden Person, woraus die Übersicht eine geeignete Kopfbedeckung ableitet
Gruppen von zahnärztlichem Behandlungszubehör mit ihrer jeweiligen Kontaktsituation
Wie lange und wen das Behandlungszubehör berührt, ist von Gruppe zu Gruppe verschieden — und daran hängt, welche Frage sich stellt.

Abformmaterialien

Eine Abformmasse wird angemischt, in einen Löffel gefüllt, in den Mund eingebracht, härtet dort aus und wird nach wenigen Minuten entnommen. Sie verbleibt nicht und wird nicht getragen — trotzdem berührt sie Schleimhaut, Zunge, Zahnfleischsaum und Zahnoberflächen flächig, und das bei jeder neuen Planung erneut. Die geprüften Übersichtsarbeiten unterscheiden Alginat, Polyether sowie additions- und kondensationsvernetzende Silikone als Auswertungsgruppen; ein reversibles Hydrokolloid auf Agarbasis führt keine von ihnen als eigene Gruppe. Wie die Abformung weiterverarbeitet wird, behandeln die Einträge zum Gegenbissmodell, zum Abformpfosten und zum digitalen Workflow.

Weil die Masse im Mund aushärtet und dabei Gaumen und Rachenraum ausfüllt, ist die Belastung während dieser Minuten selbst zu einer Zielgröße geworden. Eine systematische Übersicht mit Metaanalyse verglich bei Kindern digitale Abformungen mit Alginatabformungen des ganzen Kiefers: Sieben Studien mit 337 Kindern gingen ein, das Verzerrungsrisiko wurde mit dem Cochrane-Werkzeug in seiner ersten Fassung bewertet, und Schmerz, Komfort, Atembehinderung und Würgereiz fielen zugunsten des Scans aus, den die Kinder auch bevorzugten; die Heterogenität weisen die Autorinnen und Autoren als hoch aus, die Richtung der Effekte als einheitlich. Das gilt für Kinder und für die Ganzkieferabformung, nicht für jede Abformsituation und jedes Lebensalter — zeigt aber, dass die wenigen Minuten im Mund eine messbare Größe sind.

Der zweite Punkt beginnt, wenn die Abformung den Mund verlässt. Eine systematische Übersicht mit Metaanalyse zur Desinfektion von Abformmaterialien geht davon aus, dass Abformungen durch den Kontakt mit Blut, Speichel und Belag mit potenziell krankmachenden Mikroorganismen belastet sind; sie schloss sieben In-vitro-Studien ein und untersuchte Chlorhexidingluconat, Alkohol, Natriumhypochlorit, Glutaraldehyd und Wasserstoffperoxid an Alginat, Polyvinylsiloxan und Polyether. Für Alginat senkten Chlorhexidin, Alkohol, Glutaraldehyd und Natriumhypochlorit die Zahl der koloniebildenden Einheiten, für Polyvinylsiloxan Glutaraldehyd, Natriumhypochlorit und Alkohol, für Polyether Alkohol und Glutaraldehyd. Zwei Einschränkungen hält sie selbst fest: Kein einzelnes Desinfektionsmittel lässt sich als für sämtliche Abformwerkstoffe geeignet ausweisen, und die Heterogenität war bei Alginat und Polyvinylsiloxan hoch. Ihre Befunde stammen aus Laborversuchen.

Eine weitere systematische Übersicht hat die beiden nach ihrer eigenen Formulierung am häufigsten eingesetzten Mittel an vier Abformwerkstoffen betrachtet: Sie schloss 50 Arbeiten ein, davon 13 zur Desinfektionswirkung und 39 zu den Oberflächeneigenschaften. Eine zehnminütige Desinfektion mit 0,5 bis 1 Prozent Natriumhypochlorit oder 2 Prozent Glutaraldehyd war danach geeignet, Mundflora und verbreitete orale Krankheitserreger zu inaktivieren; binnen 30 Minuten blieben Dimensionsstabilität, Detailwiedergabe und Benetzbarkeit von Alginat und Polyether unverändert, während die Benetzbarkeit additionsvernetzender und die Dimensionsstabilität kondensationsvernetzender Silikone ungünstig beeinflusst wurden und deren übrige geprüfte Oberflächeneigenschaften ohne bedeutsame Beeinflussung blieben. Ein einheitliches Bild ergibt sich daraus nicht: Eine systematische Übersicht mit Metaanalyse, die auch Mikrowelle, Autoklav, ultraviolettes Licht, Ozon und elektrolysiertes Wasser einbezog, wertete 70 Arbeiten aus, von denen ein Teil bedeutsame Veränderungen der Werkstoffeigenschaften beschreibt und ein anderer geringe oder keine; sie nennt ihre Befunde selbst widersprüchlich, mahnt zur Sorgfalt, um Verzug und den Verlust der Oberflächendetails zu vermeiden — beides kann die Passgenauigkeit der späteren Restauration beeinträchtigen —, und hält standardisierte Untersuchungen sowie klare Herstellerangaben für erforderlich.

Ebenso wichtig ist, was die Recherche nicht ergeben hat. Zur biologischen Wirkung der Abformwerkstoffe auf das Gewebe — Zellverträglichkeit, Freisetzung von Bestandteilen aus der abbindenden Masse, Wärmeentwicklung während der Abbindereaktion, Reaktionen vom Soforttyp auf einen Abformwerkstoff — hat die Suche nach Leitlinien, Cochrane-Übersichten und systematischen Übersichtsarbeiten keine auswertbare Quelle ergeben; dasselbe gilt für das Verschlucken oder Einatmen von Abformmaterial. Aussagen dazu wären nicht belegt und unterbleiben hier. Regulatorisch gilt für die Abformmasse derselbe Rahmen wie für das übrige Zubehör: Die Vorsichtshinweispflicht nach Anhang I Kapitel III Nummer 23.4 Buchstabe s unterscheidet nicht nach Verweildauer und greift auch für ein Produkt, das nach Minuten wieder entfernt wird. Für Kunststoffe mit längerer Tragedauer verschiebt sich die Frage — dazu der Eintrag zur Aufbissschiene; für eine indirekte Restauration, deren Passung von der Abformung abhängt, der Eintrag zur Teilkrone.

Werkstoff oder SituationKontaktsituationWas die Quellenlage trägtBekannte Einschränkung
Alginat (Hydrokolloid)Schleimhaut, Zunge und Zähne für wenige Minuten, bei jeder Planung erneutIn der Metaanalyse zur Keimbesiedlung senkten Chlorhexidin, Alkohol, Glutaraldehyd und Natriumhypochlorit die Koloniezahl; Dimensionsstabilität, Detailwiedergabe und Benetzbarkeit blieben binnen 30 Minuten unverändertLaborbefunde, Heterogenität hoch; in der Metaanalyse bei Kindern fielen Würgereiz und Atembehinderung zuungunsten der Alginatabformung aus
Reversibles Hydrokolloid auf Agarbasisvergleichbare Situation wie beim AlginatIn den geprüften Übersichtsarbeiten keine eigene AuswertungsgruppeEine eigenständige Aussage lässt sich daraus nicht ableiten
Additionsvernetzende Silikone (A-Silikone)Schleimhaut und Zähne für wenige MinutenIn derselben Metaanalyse senkten Glutaraldehyd, Natriumhypochlorit und Alkohol die Koloniezahl am PolyvinylsiloxanDie Übersicht zu beiden Mitteln beschreibt eine ungünstige Beeinflussung der Benetzbarkeit nach Desinfektion; Heterogenität hoch
Kondensationsvernetzende Silikone (C-Silikone)Schleimhaut und Zähne für wenige MinutenVon der Übersicht zu beiden Mitteln als eine der vier betrachteten Werkstoffgruppen geführtDieselbe Übersicht beschreibt eine ungünstige Beeinflussung der Dimensionsstabilität nach Desinfektion
PolyetherSchleimhaut und Zähne für wenige MinutenIn derselben Metaanalyse senkten Alkohol und Glutaraldehyd die Koloniezahl; Dimensionsstabilität, Detailwiedergabe und Benetzbarkeit blieben binnen 30 Minuten unverändertDie Übersicht zu beiden Mitteln nennt für Polyether Glutaraldehyd und grenzt ihn von den übrigen Elastomeren ab
Abformung nach der Entnahmekein Gewebekontakt mehr, Weg ins LaborDie Übersicht über 70 Arbeiten führt chemische Verfahren ebenso auf wie Mikrowelle, Autoklav, ultraviolettes Licht, Ozon und elektrolysiertes WasserSie nennt ihre Befunde widersprüchlich, mahnt, Verzug und Verlust der Oberflächendetails zu vermeiden, weil beides die Passung der Restauration beeinträchtigen kann, und hält standardisierte Untersuchungen für erforderlich

Klinische Bedeutung

Über beide Gruppen hinweg verschiebt sich die Verträglichkeitsfrage von der Menge zur Wiederholung, und sie betrifft nicht dieselbe Person wie sonst. Bei einem Werkstoff, der Jahre im Gewebe bleibt, richtet sich die Prüfung auf das, was er in dieser Zeit abgibt; hier ist der einzelne Kontakt kurz — die Übersicht zur Primärprävention beschreibt den Ersatz gepuderter Latexhandschuhe dennoch als Maßnahme gegen Sensibilisierung und Asthma, weil er sich viele Male wiederholt. Die Medizinprodukte-Verordnung bildet das nicht über eine Zeitschwelle ab: Ihre Vorsichtshinweispflicht gilt unabhängig von der Liegedauer. Und in den übrigen Einträgen dieses Clusters ist die exponierte Person die behandelte; hier ist sie es ebenfalls — und zusätzlich das Praxisteam. Die Prävalenzübersicht hat zahnmedizinische Berufsangehörige untersucht; die Übersicht zur Primärprävention Beschäftigte im Gesundheitswesen und die Cochrane-Übersicht Beschäftigte hautbelastender Berufe allgemein — auf die Zahnarztpraxis lassen sich die beiden letzteren daher nur der Richtung nach übertragen.

Für die Praxis folgen daraus drei nüchterne Punkte. Erstens gehört eine bekannte Latexallergie in die Anamnese, weil die Leitlinie zur Anaphylaxie Naturlatex unter den möglichen Auslösern in der ärztlichen Praxis führt; ob ein Produkt Naturkautschuklatex enthält, ist über das Datenelement der UDI-Datenbank erfasst. Zweitens ist die Belastung während einer Abformung eine messbare Größe, die sich in Komfort, Atembehinderung und Würgereiz abbilden lässt — in der vorliegenden Metaanalyse bei Kindern und für die Ganzkieferabformung. Drittens ist die Evidenzlage hier dünner, als die Selbstverständlichkeit des Zubehörs vermuten lässt: Zur Wirkung von Schutzhandschuhen fand die Cochrane-Übersicht keine einschlussfähige Studie — was nach ihrer eigenen Feststellung nicht notwendigerweise bedeutet, dass die üblichen Maßnahmen unwirksam wären —, zur Gewebewirkung der Abformwerkstoffe hat die Recherche keine Übersichtsarbeit ergeben, und die Desinfektionsfrage beantworten die vorliegenden Arbeiten werkstoffabhängig und in Teilen widersprüchlich.

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Literatur

Literatur und Quellenangaben
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  • Verordnung (EU) 2016/425 über persönliche Schutzausrüstungen, konsolidierte Fassung — Anhang I Kategorie III Buchstabe c, Anhang II Nummer 1.2.1.1. Beide Bestimmungen sind gegenüber der ursprünglichen Fassung unverändert.

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