Lexikon
Teilkrone
Eine Teilkrone ist ein im zahntechnischen Labor oder per CAD/CAM-Verfahren angefertigter (indirekter) Zahnersatz, der einen stark geschädigten Seitenzahn teilweise umfasst: Er überdeckt die gesamte Kaufläche mit allen Höckern und fasst zusätzlich Teile der Zahnaußenwände ein, lässt aber – anders als die Vollkrone – gesunde Wandbereiche des Zahnes stehen. Damit ordnet sich die Teilkrone in die Reihe der höckerüberdeckenden Restaurationen ein und bildet die Stufe zwischen dem Onlay, das einzelne Höcker überdacht, und der rundum beschliffenen Vollkrone. Ihr Leitgedanke ist die maximale Schonung gesunder Zahnhartsubstanz bei gleichzeitigem Schutz geschwächter Höcker vor dem Absplittern.

Auf einen Blick
- Was es ist: indirekt gefertigte Restauration, die die gesamte Kaufläche eines Seitenzahns überdeckt und Teile der Zahnaußenwände einfasst – ohne den Zahn rundum zu beschleifen.
- Abgrenzung: direkte Füllung → Inlay (innerhalb der Höcker) → Onlay (einzelne Höcker) → Teilkrone (ganze Kaufläche, Teilwände) → Vollkrone (rundum).
- Stärke: Höckerschutz und stabile Fassung bei deutlich mehr Substanzschonung als die Vollkrone.
- Typischer Einsatz: stark zerstörte Kaufläche mit mehreren defekten Höckern, häufig am wurzelbehandelten Seitenzahn.
- Material: meist Vollkeramik (Lithiumdisilikat), seltener Gold; adhäsiv eingesetzt.
Von der Füllung bis zur Vollkrone: Wo die Teilkrone steht
Restaurationen für den Seitenzahn lassen sich nach dem Umfang ordnen, in dem sie den Zahn fassen und gesunde Substanz beanspruchen. Der entscheidende Unterschied verläuft entlang der Frage, wie viel des Zahnes überdeckt und umschlossen wird: Das Inlay bleibt innerhalb der Höcker, das Onlay überdacht einzelne Höcker, die Teilkrone übernimmt die gesamte Kaufläche samt Höckern und Teilen der Außenwände, und die Vollkrone umfasst den Zahn schließlich rundum. Die Teilkrone ist damit die substanzschonende Vorstufe zur Krone. Die folgende Übersicht ordnet die Stufen ein.
| Versorgung | Fassung des Zahnes | Substanzabtrag | Typische Situation |
|---|---|---|---|
| Direkte Füllung | innerhalb der Kaufläche, keine Höckerüberdeckung | sehr gering | kleine bis mittlere Defekte, stabile Höcker |
| Inlay | liegt innerhalb der Höcker | gering | größere Defekte, Höcker noch tragfähig |
| Onlay | überdeckt einen oder mehrere Höcker | moderat | geschwächte, unterminierte Höcker |
| Teilkrone | gesamte Kaufläche plus Teile der Außenwände | deutlich, aber ohne Rundum-Beschliff | stark zerstörte Kaufläche, mehrere defekte Höcker |
| Vollkrone | umfasst den Zahn rundum | am größten | rundum geschwächter Zahn, sehr wenig Restsubstanz |
Die Begriffe Onlay, Overlay und Teilkrone werden im Praxisalltag nicht immer trennscharf verwendet, und die Übergänge sind fließend. Vereinfacht gilt: Das Onlay überdeckt einzelne Höcker, das Overlay die gesamte Kaufläche, und die Teilkrone fasst darüber hinaus Teile der Zahnaußenwände ein. Gemeinsam ist allen das Prinzip, geschwächte Höcker zu überdachen, statt den Zahn vollständig zu beschleifen.
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Indikation
Eine Teilkrone kommt dann in Betracht, wenn ein Defekt zu ausgedehnt für ein Onlay geworden ist, der Zahn aber noch genug gesunde Wandsubstanz besitzt, um eine Vollkrone zu vermeiden. Im Zentrum steht die Frage, wie viele Höcker und Wandbereiche noch stabil sind:
- Stark zerstörte Kaufläche mit mehreren defekten Höckern: Sind mehrere Höcker untergraben oder bereits eingebrochen, überdacht die Teilkrone die gesamte Kaufläche und fasst die Restwände stützend ein.
- Nach einer Höckerfraktur: Ist ein tragender Höcker abgebrochen, erhält die Teilkrone den Zahn, ohne ihn rundum beschleifen zu müssen.
- Wurzelbehandelter Seitenzahn: Nach einer Wurzelkanalbehandlung ist der Zahn spröder und frakturgefährdeter. Eine höckerüberdeckende Versorgung schützt hier die Höcker; die Teilkrone ist dabei die substanzschonendere Alternative zur Vollkrone.
- Ästhetisch sichtbarer Seitenzahn: Eine zahnfarbene Vollkeramik-Teilkrone lässt sichtbare gesunde Zahnwände erhalten, was besonders im Prämolarenbereich vorteilhaft sein kann.
Grenzen hat die Teilkrone dort, wo zu wenig tragfähige Restsubstanz für eine sichere adhäsive Verklebung verbleibt, wo der Defekt tief unter das Zahnfleisch reicht oder wo mehrere Zahnwände rundum geschwächt sind. In solchen Fällen bietet die Vollkrone die robustere Fassung. Die Abwägung trifft die Zahnärztin oder der Zahnarzt fallbezogen nach Restsubstanz, Statik und Kaubelastung.
Teilkrone oder Vollkrone?
Die Entscheidung zwischen Teilkrone und Vollkrone stellt sich besonders am stark geschädigten, oft wurzelbehandelten Backenzahn. Beide Versorgungen überdecken die Höcker und schützen den Zahn vor Fraktur; der Unterschied liegt im Preis an Zahnsubstanz. Für eine Vollkrone wird der Zahn ringsum beschliffen, für eine Teilkrone bleiben stabile Außenwände erhalten. Weniger Substanzabtrag bedeutet mehr eigene Zahnhartsubstanz und eine größere Klebefläche – ein Vorteil, der vor allem bei jüngeren Zähnen ins Gewicht fällt.
Die wissenschaftliche Datenlage stützt das substanzschonende Vorgehen: Systematische Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen beschreiben für höckerüberdeckende Teilkronen und Onlays im kurz- bis mittelfristigen Verlauf Überlebensraten, die mit denen von Vollkronen vergleichbar sind; ein statistisch bedeutsamer Unterschied im Überleben ließ sich in diesen Zeiträumen nicht belegen. Für den wurzelbehandelten Seitenzahn gilt die höckerüberdeckende Versorgung gegenüber einer reinen Füllung als prognostisch günstiger, weil sie die Höcker vor dem Absprengen schützt. Ein pauschales „besser“ gibt es dennoch nicht: Wo sehr wenig Restsubstanz vorliegt oder die Klebefläche ungünstig ist, kann die rundum fassende Vollkrone mechanisch im Vorteil sein.
Material
Teilkronen werden aus verschiedenen Werkstoffen gefertigt, die sich in Optik, Festigkeit und Verarbeitung unterscheiden:
- Vollkeramik: heute der häufigste Werkstoff. Zahnfarbene Glaskeramiken wie Lithiumdisilikat verbinden ein natürliches Aussehen mit guter Festigkeit und lassen sich adhäsiv stabil mit dem Zahn verkleben. Für besonders hohe Belastungen kommt teilweise Zirkonoxid infrage.
- Gold: gegossene Goldteilkronen sind sehr langlebig und schonen den Gegenzahn, fallen aber farblich auf und werden heute seltener gewünscht. Die Prinzipien der Gusstechnik ähneln denen beim Goldinlay.
- Komposit: indirekt gefertigte Kunststoff-Teilkronen sind einfacher zu reparieren, gelten aber als weniger verschleißfest als Keramik.
Die Materialwahl richtet sich nach Kaubelastung, ästhetischem Anspruch und Lage des Zahnes. Ausführliche Materialprofile finden sich in den verlinkten Einträgen zu Lithiumdisilikat und Zirkonoxid sowie – für die vergleichbaren Einlagefüllungen – im Keramikinlay.
Ablauf
Weil die Teilkrone außerhalb des Mundes gefertigt wird, läuft die Behandlung in mehreren Schritten ab:
- Präparation: Karies und instabile Substanz werden entfernt, die Höcker werden reduziert und die zu fassenden Außenwände so geformt, dass die Teilkrone sie später überdecken und einfassen kann.
- Abformung oder Intraoralscan: Die präparierte Situation wird klassisch abgeformt oder digital mit einem Intraoralscan erfasst.
- Fertigung: Die Teilkrone entsteht im zahntechnischen Labor oder chairside per CAD/CAM-Verfahren.
- Provisorium: Bis zum Einsetzen schützt in der Regel ein Provisorium den beschliffenen Zahn.
- Adhäsives Einsetzen: Die fertige Teilkrone wird mit der Klebetechnik dauerhaft mit dem Zahn verbunden. Dieser Klebeverbund ist für die Stabilität entscheidend.
Haltbarkeit
Keramik-Teilkronen gehören zu den langlebigen Restaurationen. Systematische Übersichtsarbeiten beschreiben für höckerüberdeckende Teilkronen und Onlays nach zwei bis drei Jahren Überlebensraten, die überwiegend im Bereich von etwa 90 Prozent und darüber liegen; auch für monolithische, vollanatomische Restaurationen aus Lithiumdisilikat sind über mehrere Jahre überwiegend hohe Werte dokumentiert. Die genaue Zahl schwankt je nach Material, Zahn (Prämolar oder Molar), Belastung und Studie – sie ist als Größenordnung zu verstehen, nicht als Garantie.
Die häufigste Ursache für ein Versagen ist die Fraktur des Restaurationsmaterials oder des Zahnes, gefolgt von Ablösungen des Klebeverbunds und erneuter Karies am Randspalt (Sekundärkaries). Als Einflussgröße auf das Frakturrisiko gilt unter anderem eine zu geringe Materialstärke der Keramik; auch starkes Zähneknirschen (Bruxismus) wird diskutiert, wobei die Studienlage dazu nicht einheitlich ist. Weitere Faktoren sind die verbliebene Restsubstanz, die Größe der Restauration und die Sorgfalt der adhäsiven Befestigung.
Kosten und Kassenleistung
Teilkronen sind private Leistungen und werden bei gesetzlich Versicherten über die GOZ (Gebührenordnung für Zahnärzte) abgerechnet. Die maßgebliche Position ist die GOZ-Nummer 2220 (Teilkrone, Veneer). Hinzu kommen regelmäßig die Position für die adhäsive Befestigung sowie Material- und Laborkosten, die getrennt berechnet werden. Die folgende Übersicht zeigt die Honorarspanne der Position 2220 nach den üblichen Steigerungsfaktoren.
| GOZ-Position 2220 (2067 Punkte) | Faktor 2,3 | Faktor 3,5 | Faktor 5,0 |
|---|---|---|---|
| Honorar Teilkrone / Veneer | 267,38 € | 406,88 € | 581,26 € |
Grundlage der Beträge ist der seit 1988 unveränderte Punktwert von 5,62421 Cent. Der 2,3-fache Satz gilt als Regelsatz für durchschnittlichen Aufwand; jede Überschreitung ist auf der Rechnung schriftlich zu begründen (§ 10 Abs. 3 GOZ). Der Gebührenrahmen endet beim 3,5-fachen Satz (§ 5 Abs. 1 GOZ); jede darüber hinausgehende Vergütung — auch der hier ausgewiesene 5,0-fache Satz — bedarf einer schriftlichen Vereinbarung nach § 2 GOZ. Zu diesem Honorar kommen Material- und Laborkosten hinzu, sodass der tatsächliche Endbetrag höher ausfällt. Verbindlich ist stets der individuelle Heil- und Kostenplan.
Die gesetzliche Krankenkasse beteiligt sich bei der Teilkrone über einen befundbezogenen Festzuschuss beziehungsweise in Höhe der vergleichbaren Regelversorgung; die Differenz trägt der Versicherte als Eigenanteil. Wie hoch dieser Anteil im Einzelfall ausfällt und welche Kassenleistung bei Teilkrone oder Veneer greift, ist auf den bestehenden Ratgeberseiten ausführlich dargestellt:
- Was kosten Teilkronen aus Keramik oder Gold?
- Was zahlt die Kasse bei einer Teilkrone oder einem Veneer als Festzuschuss?
- Zahnkronen-Kostenrechner
Abgrenzung
Die Teilkrone lässt sich am klarsten über den Umfang der Zahnfassung von den benachbarten Versorgungen unterscheiden. Das Inlay bleibt vollständig innerhalb der Höcker und überdeckt keinen davon. Das Onlay überdacht einen oder mehrere einzelne Höcker, lässt aber größere Wandbereiche unberührt. Die Teilkrone übernimmt die gesamte Kaufläche und fasst zusätzlich Teile der Außenwände ein – sie geht damit über das Onlay hinaus, beschleift den Zahn aber noch nicht rundum. Erst die Vollkrone umschließt den Zahn vollständig. Weil die Übergänge fließend sind und dieselbe GOZ-Position 2220 sowohl höckerüberdeckende Onlays als auch Teilkronen erfasst, werden die Begriffe im Alltag teils synonym gebraucht; fachlich entscheidend bleibt, wie weit die Restauration den Zahn umschließt.
Literatur
Literatur und Quellenangaben
- Prott LS, Pieralli S, Klein P, et al. Survival and Complications of Partial Coverage Restorations on Posterior Teeth – A Systematic Review and Meta-Analysis. J Esthet Restor Dent. 2025. DOI: 10.1111/jerd.13353
- Wang B, Fan J, Wang L, et al. Onlays/partial crowns versus full crowns in restoring posterior teeth: a systematic review and meta-analysis. Head Face Med. 2022;18(1):37. DOI: 10.1186/s13005-022-00337-y
- Rinke S, Zuck T, Hausdörfer T, et al. Prospective clinical evaluation of chairside-fabricated zirconia-reinforced lithium silicate ceramic partial crowns – 5-year results. Clin Oral Investig. 2022;26(2):1341–1350. DOI: 10.1007/s00784-021-04132-y
- Pieger S, Salman A, Bidra AS. Clinical outcomes of lithium disilicate single crowns and partial fixed dental prostheses: a systematic review. J Prosthet Dent. 2014;112(1):22–30. DOI: 10.1016/j.prosdent.2014.01.005
- Survival and Success Rates of Endodontically Treated Teeth Restored with Full Veneer Crowns or Full Cuspal Coverage Onlays: A Systematic Review. Eur J Prosthodont Restor Dent. 2023. PubMed: 37549135
- Bhuva B, Giovarruscio M, Rahim N, et al. The restoration of root filled teeth: a review of the clinical literature. Int Endod J. 2021;54(4):509–535. DOI: 10.1111/iej.13438
- Bundeszahnärztekammer (BZÄK): GOZ-Kommentar, Nr. 2220 (Teilkrone, Veneer); Abrechnungsdaten nach GOZ 2012, Punktwert 5,62421 Cent.
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