Lexikon

Aphthöse Mundschleimhautveränderungen

Aphthen (Aphthen), fachsprachlich aphthöse Mundschleimhautveränderungen, sind schmerzhafte, scharf begrenzte, meist runde oder ovale Erosionen beziehungsweise Ulzerationen der Mundschleimhaut mit fibrinbedecktem, gelblich-weißem Zentrum und gerötetem Entzündungssaum. Nach der S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapieoptionen von Aphthen und aphthoiden Läsionen der Mund- und Rachenschleimhaut“ der DGZMK und DGMKG zählen rezidivierende Aphthen zu den häufigsten Erkrankungen der Mundschleimhaut überhaupt; die Prävalenz wird dort, je nach untersuchter Bevölkerungsgruppe, mit 1 bis 78 Prozent angegeben. Die Erstmanifestation liegt meist im zweiten und dritten Lebensjahrzehnt, Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Unbehandelt heilen die meisten Aphthen innerhalb von sieben bis vierzehn Tagen narbenfrei spontan ab; bei häufigen Rezidiven kann die Erkrankung die Lebensqualität jedoch erheblich einschränken.

Aphthen in der Umschlagfalte der Mundschleimhaut
Aphthen: schmerzhafte, weißlich belegte Läsion in der Umschlagfalte der Mundschleimhaut

➡ Ausführlicher Ratgeber: Aphthen im Mund – Ursachen, Formen und Behandlung

Steckbrief

MerkmalDetails
FachbegriffRezidivierende orale Aphthose (Recurrent Aphthous Stomatitis, RAS)
ICD-10K12.0 – Rezidivierende orale Aphthen
FormenMinor-Aphthen (unter 1 cm, ca. 80 % der Fälle), Major-Aphthen (über 1 cm, tief, narbig), herpetiforme Aphthen (Cluster kleiner Ulzera)
Prävalenz1–78 % (je nach untersuchter Population)

Formen

Die Leitlinie unterscheidet drei klinische Varianten: Minor-Aphthen (Typus Mikulicz, unter 1 cm Durchmesser) sind mit rund 80 Prozent aller Fälle die häufigste Form und heilen narbenfrei innerhalb von ein bis zwei Wochen ab. Major-Aphthen (Typus Sutton) sind größer als 1 cm, reichen tiefer in die Submukosa, persistieren mitunter über Wochen und können vernarben. Herpetiforme Aphthen (Typus Cooke) treten als Cluster zahlreicher, stecknadelkopfgroßer Ulzera auf; sie ähneln morphologisch, aber nicht ätiologisch einer Herpes-simplex-Infektion – eine virale Genese ist bei ihnen nicht nachweisbar.

Diagnostik und Abklärung

Chronisch rezidivierende Aphthen können laut Leitlinie auch als Begleitsymptom von Systemerkrankungen wie Morbus Behçet, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Zöliakie oder HIV-Infektion auftreten; auch ein Mangel an Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure kann sie begünstigen. Eine fachzahnärztliche oder fachärztliche Abklärung ist angezeigt, wenn eine Läsion länger als zwei bis drei Wochen persistiert, ungewöhnlich groß oder verhärtet ist oder gehäuft rezidiviert.

Literatur

Literatur und Quellenangaben

Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG), Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK). S2k-Leitlinie: Diagnostik und Therapieoptionen von Aphthen und aphthoiden Läsionen der Mund- und Rachenschleimhaut. AWMF-Registernummer 007-101, Version 2.0, Stand 30.04.2023, gültig bis 29.04.2028. URL: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/007-101

Akintoye SO, Greenberg MS. Recurrent Aphthous Stomatitis. Dent Clin North Am. 2014;58(2):281–297. DOI: 10.1016/j.cden.2013.12.002

Edgar NR, Saleh D, Miller RA. Recurrent Aphthous Stomatitis: A Review. J Clin Aesthet Dermatol. 2017;10(3):26–36. PMID: 28360966

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