Zahnersatz ohne Abdruck - digital durch Scan und CAD/CAM
Intraoralscanner für abdruckfreien Zahnersatz
Zahnersatz ohne Abdruck heißt: Statt Löffel und Abformmasse führt die Praxis eine kleine Kamera durch den Mund und erfasst Zähne, Zahnfleisch und Kieferkamm optisch. Aus den Daten entsteht am Bildschirm ein dreidimensionales Modell des Kiefers, aus dem Krone, Brücke oder Implantatversorgung konstruiert und maschinell gefertigt werden. Für Inlays, Onlays, Einzelkronen und kurzspannige Brücken ist dieser Weg gut belegt: Randspalt und innere Passung fallen vergleichbar oder besser aus als beim klassischen Abdruck, und der Scan ist der schnellere Weg. Mit der Länge der gescannten Strecke nehmen die Abweichungen dagegen zu — beim vollständigen Kieferbogen und bei weitspannigen Brücken bleibt die konventionelle Abformung eine gleichrangige Option. Der Fachbegriff für die Aufnahme selbst ist Intraoralscan, die Weiterverarbeitung am Rechner läuft unter CAD/CAM.
Schon vor über 30 Jahren wurden die ersten Kronen und Inlays ohne Abdruck und Zahnlabor direkt in einer Sitzung mittels Scan ohne Abdruck und CAD/CAM-Fräsung (Cerec®, Siemens/Sirona) gefertigt. Bessere Optiken, Sensoren, höhere Rechenleistungen und niedrigere Kosten bei der Ausstattung lassen die digitale Fertigungskette („digital Workflow“) zur Zukunft des Zahnersatzes werden.
Die Zirkonoxidkeramik hat sich als der Werkstoff herauskristallisiert, der sich für die CAD/CAM-Fertigung besonders gut eignet: belastbar, ästhetisch gut, biologisch verträglich und sehr gut durch Fräsmaschinen zu bearbeiten. Am besten untersucht sind Einzelkronen aus vollanatomisch gefrästem Zirkonoxid.
Für Deutschland liegt seit 2025 eine eigene S2k-Leitlinie zum Intraoralscan vor, federführend getragen von der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Sie bildet den Wissensstand zu den technischen Grundlagen und den Anwendungsgebieten ab und legt Rahmenbedingungen für den Einsatz von Intraoralscannern in Zahnmedizin und Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie fest.
Scan oder Abdruck: der Vergleich auf einen Blick
Beide Verfahren führen zum selben Ziel — sie unterscheiden sich darin, wie sie dorthin kommen und wo ihre jeweiligen Stärken liegen. Der Vergleich fällt nicht durchgehend zugunsten des Scans aus, sondern je nach Kriterium unterschiedlich.
| Kriterium | Intraoralscan | Konventioneller Abdruck |
|---|---|---|
| Was im Mund passiert | Eine kleine Kamera wird über die Zahnreihen geführt | Ein Löffel mit Abformmasse bleibt einige Minuten im Mund |
| Belastung für den Patienten | Keine Masse, kein Löffel; in Untersuchungen überwiegend bevorzugt | Kann Würgereiz und Unbehagen auslösen |
| Zeitbedarf | In Untersuchungen durchweg kürzer — beim einzelnen Quadranten ebenso wie beim ganzen Kiefer | Länger, dazu kommen Abbinde- und Modellzeit |
| Passung bei Einzelkrone und kurzer Spanne | Vergleichbar oder besser | Bewährt und gut dokumentiert |
| Ganzkiefer und weitspannige Brücke | Abweichungen nehmen mit der Spanne zu | Bleibt gleichrangige Option |
| Fehler korrigieren | Fehlstelle wird am Bildschirm sichtbar und gezielt nachgescannt | Der Abdruck wird nach dem Entnehmen beurteilt, notfalls wiederholt |
| Blutung, tief liegende Präparationsgrenze | Erschwert die optische Erfassung erheblich | Braucht ebenfalls freie Sicht, ist aber weniger lichtabhängig |
| Weg ins Labor | Der Datensatz geht direkt an Labor oder Fräseinheit | Der Abdruck wird versandt, daraus entsteht ein Modell |
Wer nur die Belastung während der Sitzung im Blick hat, entscheidet sich fast immer für den Scan. Wer eine weitspannige Versorgung plant, sollte das Verfahren nicht am Komfort, sondern an der Aufgabe ausrichten.
Digitale Abformung ohne Abdruck
Dieser Vorteil gefällt besonders den Patienten: keine übel schmeckende Abdruckmasse für gefühlte Ewigkeiten mehr im Mund. Die Panik vor dem Abdrucklöffel mit der sich im Mund bis in den Rachen verteilenden Masse ist Vergangenheit. Kein Würgereiz und Herauspulen der Reste des Abdruckmaterials aus den Zahnzwischenräumen mehr.
Auch dem Behandler gefällt es viel besser, zu fotografieren, als einen Abdruck zu halten. Mittlerweile sind die Scanner der neuesten Generation mit noch besseren Optiken und Chips so viel schneller und präziser, dass ein Scan von Oberkiefer und Unterkiefer nur noch wenige Minuten dauert. Auch die Köpfe der Scanner mit der Optik werden immer kleiner und machen den Scanvorgang komfortabler.
Dass der Scan als angenehmer empfunden wird, ist keine reine Praxisbeobachtung: In Untersuchungen zur Patientenwahrnehmung wurde die digitale Aufnahme gegenüber der konventionellen Abformung überwiegend bevorzugt, und sie war zugleich das zeitsparendere Verfahren. Wer schon einmal einen Abdruck als quälend erlebt hat, empfindet den Unterschied am deutlichsten — der Kamerakopf gleitet über die Zähne, die Aufnahme lässt sich jederzeit unterbrechen und an derselben Stelle fortsetzen.
Moderne Intraoral-Scanner nutzen das Stitching-Verfahren, um ein 3D-Bild zu erzeugen: dazu muss der Rechner jedes neu gemachte Bild beim „Abfilmen“ der Zahnreihe mit der Anschlussstelle des vorigen Bildes zusammensetzen. Nach und nach entsteht das komplette 3-dimensionale Bild. Meist wird ein Vorscan erstellt und die gescannten Ober- und Unterkiefer werden über eine digitale Bissnahme zusammengesetzt.
Der Behandlungsablauf Schritt für Schritt
Der Ablauf ist in jeder Praxis derselbe und lässt sich an jeder Stelle unterbrechen und fortsetzen. Für Sie als Patient besteht der ganze Vorgang aus wenig mehr als Stillhalten und einmal Zubeißen.
| Schritt | Was in der Praxis geschieht | Was Sie dabei merken |
|---|---|---|
| 1. Vorbereiten | Zähne werden trockengelegt, Wange und Zunge abgehalten; bei Implantaten wird ein Scanbody aufgeschraubt | Watterollen oder Wangenhalter, sonst nichts |
| 2. Scannen | Die Kamera wird in einem festgelegten Pfad über Kauflächen sowie Innen- und Außenseiten geführt | Ein kleiner Kamerakopf gleitet über die Zähne; Pausen sind jederzeit möglich |
| 3. Bissnahme | Ober- und Unterkiefer werden im Schlussbiss einander zugeordnet | Kurz zusammenbeißen |
| 4. Kontrolle | Fehlstellen werden am Bildschirm sichtbar und gezielt nachgescannt | Nur die Lücke wird wiederholt, nicht die ganze Aufnahme |
| 5. Übergabe | Der Datensatz geht an das Labor oder an eine Fräseinheit in der Praxis | Nichts mehr — ab hier läuft alles digital |
Wie Ober- und Unterkiefer zusammenpassen, nimmt der Scanner gleich mit auf. Ein zusätzlicher Arbeitsschritt mit Bissregistrat ist dafür im Regelfall nicht nötig. Steht eine Krone oder ein Inlay an, wird der beschliffene Zahn nach der Präparation noch einmal erfasst — erst dann ist die Aufnahme vollständig.
Intraoralscan von Ober- und Unterkiefer in Okklusion: Der Schlussbiss wird dabei gleich mit aufgenommen.
Zahnersatz geht günstiger. Mehr dazu: Material- und Laborkosten im Vergleich.
Wie viele Termine sind nötig?
Die Zahl der Termine hängt nicht am Scan, sondern an der Versorgung. Der Scan ersetzt genau einen Arbeitsschritt — die Abformung — und macht aus einer dreiterminigen Kronenbehandlung keine einterminige, wenn das Labor eingebunden ist.
Bei einer Einzelkrone oder einem Inlay mit Fräseinheit in der Praxis ist die Versorgung in einer Sitzung möglich: beschleifen, scannen, konstruieren, fräsen, einsetzen. Wird im Labor gefertigt, bleibt es beim gewohnten Ablauf aus Präparationstermin und Eingliederungstermin — nur ohne Abdruck und ohne Wartezeit auf den Versand, weil der Datensatz noch am selben Tag im Labor liegt. Bei umfangreicheren Arbeiten kommen Anproben dazu, genau wie bei der konventionellen Herstellung.
Was sich in jedem Fall spart, ist der Wiederholungstermin nach einem misslungenen Abdruck. Eine Fehlstelle fällt am Bildschirm sofort auf und wird in derselben Sitzung nachgescannt. Welche Versorgungsform überhaupt in Frage kommt, ist im Überblick zum Zahnersatz und in der Entscheidungshilfe zur Zahnersatzberatung dargestellt.
Fehlerkorrektur mit dem Scan einfach
Kein neuer Abdruck nötig
Wenn früher ein Abdruck nicht gelungen war, und ein Zahn nicht perfekt abgeformt wurde, musste eine neue Abformung gemacht werden.
Mit einem Intraoralscanner können nicht perfekt fotografierte Abschnitte des Scans einfach digital ausgeschnitten werden, und durch einen Nachscan optimiert werden.
Der Unterschied liegt im Zeitpunkt der Kontrolle: Beim Abdruck zeigt sich erst nach dem Entnehmen, ob alles erfasst ist — beim Scan sieht man die Lücke, während der Patient noch im Stuhl sitzt.
Der für den Zahnersatz relevante Bereich (z.B. Zahnstumpf für eine Zahnkrone) muss nach Abschleifen der Zähne noch einmal nachgescannt werden, bis die Präparation perfekt fotografiert ist. Für einen kompletten Scan setzt die Software mehrere hundert bis mehrere tausend Einzelbilder zusammen.
Alle Daten werden am Ende als sogenannte STL-Dateien zur Zahnersatz-Fertigung hochgeladen, das spart auch noch Transportkosten.
Welche Versorgungen ohne Abdruck möglich sind
Für die meisten festsitzenden Arbeiten reicht die Genauigkeit des Scans aus: Inlay, Onlay, Krone, kurze Brücke — auf dem eigenen Zahn ebenso wie auf einem Implantat. Auch bei Stiftaufbauten, bei herausnehmbarem Teilzahnersatz, bei Defektprothesen und bei der Planung ästhetischer Korrekturen kommt er zum Einsatz.
Für die Praxis heißt das: Kronen und kurzspannige Brücken sind die klassische Domäne des abdruckfreien Wegs, ebenso Inlays, Onlays und Teilkronen. Beim herausnehmbaren Zahnersatz ist der Scan für Teilprothesen etabliert; die vollständig zahnlose Kiefersituation ist dagegen die schwierigste Aufgabe für ein optisches Verfahren, weil dort die eindeutigen Bezugspunkte fehlen.
Über die Prothetik hinaus wird der Oberflächenscan mit einer dreidimensionalen Röntgenaufnahme überlagert und dient dann als Grundlage für die navigierte Implantation und die daraus abgeleitete Bohrschablone; die 3D-Implantatplanung setzt genau hier an. In der Kieferorthopädie liefert er die Basis für Aligner und für Verlaufskontrollen ohne wiederholte Abformung.
Wie genau ist der Scan?
Die Frage lässt sich nicht mit einer Zahl beantworten, sondern über den Umfang der Arbeit. Für Einzelkronen, Inlays und kurze Brücken ist der Scan mindestens so verlässlich wie der klassische Abdruck — bei diesen Versorgungen ist er heute der Normalfall. Je länger die zu erfassende Strecke wird, desto anspruchsvoller wird die Aufnahme; für einen ganzen Kiefer oder eine weitspannige Brücke bleibt der klassische Abdruck deshalb eine gleichwertige Möglichkeit.
| Versorgung | Kommt ein Scan infrage? | Worauf es dabei ankommt |
|---|---|---|
| Inlay, Onlay, Einzelkrone | Ja, das ist der Standardfall | Die Präparationsgrenze muss trocken und einsehbar sein |
| Kurze Brücke, ein Quadrant | Ja | Je kürzer die gescannte Strecke, desto genauer das Ergebnis |
| Einzelnes Implantat, kurze Spanne | Ja, über einen aufgeschraubten Scanbody | Die Praxis sollte mit ihrem System eingearbeitet sein |
| Ganzer Kiefer oder weitspannige Brücke auf eigenen Zähnen | Eingeschränkt | Der klassische Abdruck bleibt hier gleichrangig |
| Mehrere Implantate über eine große Spanne oder stark geneigt | Entscheidung im Einzelfall | Das Verfahren wird nach der konkreten Situation gewählt |
Ob Scan oder Abdruck, entscheidet also die Aufgabe — nicht das Verfahren an sich.
Wann ein Scan nicht geht
Sichtbar muss es sein und trocken: Was die Kamera nicht frei vor sich hat, landet nicht im Datensatz. Ob ein Scan infrage kommt, entscheidet deshalb weniger Ihre Person als die Lage am Zahn und der Umfang der geplanten Arbeit. Lässt sich das nicht herstellen, ist der klassische Abdruck die bessere Wahl — kein Rückschritt, sondern schlicht die passendere Methode für diesen Fall.
| Was den Scan stört | Auswirkung auf die Aufnahme | Wie die Praxis damit umgeht |
|---|---|---|
| Blutung und Speichel | Erschweren das Erkennen der Präparationsgrenze | Trockenlegen und Blutungskontrolle vor der Aufnahme |
| Tief liegende Präparationsgrenze | Der Rand ist optisch nicht erreichbar | Darstellung schaffen oder konventionell abformen |
| Große Scanstrecke | Abweichungen nehmen mit der Länge zu | Spanne begrenzen, Verfahren abwägen |
| Unregelmäßige Oberflächen | Mindern die erreichbare Genauigkeit | Oberflächen vor dem Scan säubern und beurteilen |
| Bauform und Position des Scanbodys | Beeinflussen die Übertragung der Implantatlage | Systemgerechten Scanbody wählen und korrekt verschrauben |
| Einarbeitung und Gerätekosten | Lernkurve sowie Anschaffungs- und Betriebskosten | Systemwahl und Schulung als Teil der Entscheidung |
Für Patienten heißt das ganz praktisch: Wenn die Praxis in einer bestimmten Situation zum Abdruck rät, obwohl ein Scanner vorhanden ist, spricht das nicht gegen die Praxis, sondern für ein sauberes Abwägen.
Weitgehend zahnloser Oberkiefer mit Scanbodies und Implantataufbauten: Mit jedem weiteren Implantat und jedem Zentimeter Spanne steigen die Anforderungen.
Ein Scan funktioniert auch bei Implantaten
Scanpfosten für Zahnimplantate für jeden Hersteller
Auch bei Implantaten ist der digitale Abdruck mittlerweile Routine. Hierfür werden Scanpfosten (Scan-Abutments) in die Implantate eingesetzt, die exakt für diesen Implantattyp entwickelt wurden. Die Formen der Scan-Abutments sind in einer Datenbank für Implantatpfosten hinterlegt und werden beim Scanvorgang erkannt. So können die exakten Informationen über die Positionierung der Implantate eines jeden Herstellers und Implantattyps im Kiefer übertragen werden.
Das Scanabutment übernimmt damit die Aufgabe, die in der konventionellen Technik der Übertragungspfosten hat: Das Implantat selbst liegt unter dem Zahnfleisch und ist optisch nicht erreichbar, erfasst wird das aufgeschraubte Übertragungsteil. Aus dessen eindeutiger Geometrie berechnet die Software Lage und Achsrichtung des Implantats im Kiefer.
Wie gut diese Übertragung gelingt, hängt an mehreren Stellschrauben zugleich: an Höhe, Durchmesser, Form, Werkstoff und Farbe des Scanbodys, an seiner Position im Zahnbogen, am verwendeten Scanner und an der Scantechnik. Auch die Länge der Scanstrecke und die Zahl der erfassten Implantate spielen hinein. Für einzelne und kurzspannige Implantatpositionen erreicht der Scan eine mit der konventionellen Abformung vergleichbare Genauigkeit — Wie der Ablauf bei einer Implantatkrone konkret aussieht, ist unter Abdruck bzw. Scan für den Zahnersatz auf Implantaten beschrieben.
Vom Datensatz zum fertigen Zahnersatz
Mit der Übergabe des Datensatzes endet der Scan und beginnt der zweite Teil der digitalen Kette. Am Rechner wird die Restauration konstruiert — Außenform, Kaufläche, Randverlauf und Kontaktpunkte werden auf dem virtuellen Kiefer festgelegt. Anschließend wird sie aus einem Rohling gefräst oder geschliffen, bei Gerüsten auch gedruckt und gesintert.
Für diesen Schritt kennt das Gebührenverzeichnis für Zahnärzte keine eigene Position. Konstruktion und maschinelle Fertigung schlagen sich in den Material- und Laborkosten nieder — das gilt für den digitalen Weg genauso wie für die konventionelle Herstellung. Der Unterschied liegt nicht in der Abrechnungslogik, sondern darin, welche Arbeitsschritte im Labor tatsächlich anfallen.
Braucht das Labor ein physisches Modell, wird es gedruckt oder gefräst. Und wenn ein solches Modell später noch einmal digital erfasst wird — etwa mit Gingivamaske zur Kontrolle des Emergenzprofils —, ist das ein Modellscan im Labor, also eine extraorale Aufnahme, und kein Intraoralscan. Beide Verfahren erzeugen ähnlich aussehende Datensätze, unterscheiden sich aber grundlegend darin, wo und woran gescannt wird.
Zahnersatz komplett ohne Modelle fertigen?
Die Kiefer sind nun im Zahnersatzprogramm eingelesen und können dort weiterverarbeitet werden. Es bestehen 3 Optionen
- Modell drucken und den Zahnersatz anhand der Modelle fertigen, also analoge Fertigungskette
- Kronen und Brücken virtuell konstruieren, per CAD/CAM fräsen und auf dem Modell überprüfen und noch anpassen (digitale Fertigung, analoge Anpassung)
- Komplett ohne Kiefermodelle fertigen
Welcher der drei Wege gewählt wird, hängt vom Umfang der Arbeit und von der Ausstattung des Labors ab. Für Einzelkronen ist der modellfreie Weg gängig. Bei mehrgliedrigen Arbeiten wird häufig doch ein Modell gedruckt, weil sich Kontaktpunkte und Gerüstpassung daran noch einmal kontrollieren lassen — im Zweifel ist das der sicherere Weg, auch wenn er einen Arbeitsschritt kostet.
Vorteile des Intraoral-Scans statt klassischem Abdruck
- Kein/weniger Würgereiz
- Materialkosten eingespart
- Korrekturen problemlos (Korrekturscan)
- Weniger Abformmaterial und weniger Modellversand — ein gedrucktes Kunststoffmodell wird aber häufig weiterhin gebraucht
- Digitale Sicherung der Kieferinformationen
- Bei Einzelkronen und kurzen Spannen Passung vergleichbar oder besser als beim klassischen Abdruck
- Zeitvorteil gegenüber der konventionellen Abformung — beim einzelnen Quadranten wie beim ganzen Kiefer
- Von Patienten in Untersuchungen überwiegend bevorzugt
Nachteile von Intraoralscannern
- Technisches Verständnis und Innovationsbereitschaft
- hohe Anschaffungskosten für den Scanner (Patient zahlt mit)
- höhere Kosten der Kunststoffmodelle (Plotter)
- Zeitgemäße Ausstattung des Zahnlabors nötig
- Nicht für jede Situation geeignet (z.B. zahnloser Unterkiefer)
- Blutung, Speichel und tief liegende Präparationsgrenzen erschweren die Aufnahme
- Bei Ganzkiefer und weitspannigen Brücken nehmen die Abweichungen mit der Scanstrecke zu
Was ist teurer: Scan oder Abdruck?
Nach unserer Modellrechnung entstehen kaum höhere Kosten durch das Scanverfahren.
Die optisch-elektronische Abformung ist im privaten Gebührenrecht eine eigenständige Leistung mit einer eigenen Gebührennummer und keine Labor- oder Materialleistung. Erfasst sind mit ihr die vorbereitenden Maßnahmen, die einfache digitale Bissregistrierung und die Archivierung des Datensatzes, berechnet je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich. Weil die Bissregistrierung im Leistungstext bereits enthalten ist, kann sie nicht zusätzlich angesetzt werden. Und: Neben dieser Leistung sind konventionelle Abformungen für dieselbe Kieferhälfte oder denselben Frontzahnbereich nicht berechnungsfähig — die klassische Abformposition entfällt also, ebenso das Abdruckmaterial.
| Umfang der Aufnahme | 2,3-facher Satz | 3,5-facher Satz | 5,0-facher Satz |
|---|---|---|---|
| Je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich (eine Einheit) | 10,35 € | 15,75 € | 22,50 € |
| Ein Kiefer (höchstens zwei Einheiten) | 20,70 € | 31,50 € | 45,00 € |
| Ober- und Unterkiefer (höchstens vier Einheiten) | 41,40 € | 63,00 € | 90,00 € |
Grundlage der Beträge ist die Gebührennummer 0065 mit 80 Punkten und einem Punktwert von 5,62421 Cent; der einfache Gebührensatz beträgt damit 4,50 €. Der Gebührenrahmen der Gebührenordnung reicht vom Einfachen bis zum 3,5-fachen Satz. Ein darüber hinausgehender Satz — hier zusätzlich der 5,0-fache — setzt eine vor der Behandlung persönlich abgesprochene, schriftliche Vereinbarung voraus, die Nummer und Bezeichnung der Leistung, den Steigerungssatz und den sich daraus ergebenden Betrag nennt und darauf hinweist, dass eine vollständige Erstattung möglicherweise nicht gewährleistet ist.
Im Zahnlabor sind die Kosten für die Modellherstellung (so durchgeführt) deutlich höher. Man rechnet ca. 25-40€ je Modell nach Scan (Kunststoffmodell über spezielle 3D-Drucker) gegenüber unter 10€ für ein Gipsmodell nach klassischer Abdrucknahme. Dagegen entfallen Transportkosten.
Was der Zahnersatz insgesamt kostet, hängt ohnehin nicht am Abformverfahren, sondern an Befund, Versorgungsform und Material. Größenordnungen dazu stehen unter Zahnersatz Kosten und günstiger Zahnersatz.
Was zahlt die Krankenkasse?
Für gesetzlich Versicherte gilt beim Zahnersatz der befundorientierte Festzuschuss: Maßgeblich ist der zahnmedizinische Befund, nicht das gewählte Abform- oder Herstellungsverfahren. Wer sich für eine aufwendigere Versorgung entscheidet als die für den Befund vorgesehene Regelversorgung, erhält denselben Festzuschuss und trägt die Mehrkosten selbst. Ein Scan statt eines Abdrucks verändert an dieser Rechnung nichts.
Die Einzelheiten — Bonusheft, Härtefallregelung, Eigenanteil — sind auf der Seite zum Festzuschuss beim Zahnersatz dargestellt. Die optisch-elektronische Abformung selbst ist im privaten Gebührenverzeichnis beschrieben; ob und in welchem Umfang eine private Krankenversicherung oder eine Beihilfestelle sie erstattet, richtet sich nach dem jeweiligen Vertrag beziehungsweise den Beihilfevorschriften.
Verbindlich ist in jedem Fall allein der Heil- und Kostenplan der behandelnden Praxis. Wer wissen will, was die eigene Versorgung kostet, findet die Positionen dort — und sollte den Plan durchgehen, bevor er ihn unterschreibt.
Woran Sie eine Praxis mit digitalem Workflow erkennen
Ein Scanner im Behandlungszimmer ist noch kein digitaler Workflow. Entscheidend ist, ob die Kette dahinter geschlossen ist — ob also der Datensatz tatsächlich digital weiterverarbeitet wird oder ob er nur ein Modell ersetzt, das dann doch wieder analog weiterläuft.
Brauchbare Fragen an die Praxis sind deshalb: Wird der Scan an das Labor übertragen oder in der Praxis selbst weiterverarbeitet? Gibt es eine Fräseinheit vor Ort, und für welche Versorgungen wird sie genutzt? Werden Implantatpositionen mit systemgerechten Scanbodies erfasst? Und — die wichtigste Frage — in welchen Situationen rät die Praxis trotz Scanner zur konventionellen Abformung? Eine Praxis, die darauf eine differenzierte Antwort gibt, arbeitet nach Indikation und nicht nach Ausstattung.
Ein zweiter Punkt betrifft die Übung: Die Ergebnisse hängen nicht allein am Gerät, sondern auch an Scanpfad und Erfahrung des Behandlers. Beides lässt sich nicht am Prospekt ablesen, wohl aber daran, wie souverän die Praxis die Grenzen des Verfahrens benennt.
Passende Implantologen finden Sie über die Implantologensuche.
implantate.com-Empfehlung: Für Inlay, Krone und kurze Brücke ist der abdruckfreie Weg die angenehmere und mindestens gleichwertige Lösung — hier können Sie den Scan ohne Bedenken wählen. Bei einer Versorgung über den ganzen Kiefer oder bei weitspannigen Brücken auf Implantaten ist die konventionelle Abformung weiterhin eine gleichrangige Option; lassen Sie sich die Verfahrenswahl dann begründen, statt sie an der Ausstattung festzumachen.
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Häufige Fragen zum Zahnersatz ohne Abdruck
Gibt es Zahnersatz ohne Abdrücke?
Ja. Die klassische Abformung mit Löffel und Masse lässt sich durch eine optische Aufnahme im Mund ersetzen. Aus dem dabei entstehenden Oberflächenmodell werden Inlays, Onlays, Kronen, Brücken und Versorgungen auf Implantaten konstruiert und maschinell gefertigt. Für Einzelkronen und kurzspannige Brücken ist dieser Weg gut belegt. Bei Versorgungen über den ganzen Kiefer bleibt die konventionelle Abformung eine gleichrangige Option — dort ist „ohne Abdruck“ möglich, aber nicht in jedem Fall die bessere Wahl.
Wie funktioniert der digitale Zahnabdruck?
Eine Handkamera projiziert Licht auf die Zahnoberflächen und bestimmt aus dem zurückgeworfenen Licht für jeden Bildpunkt den Abstand. Aus vielen Einzelaufnahmen setzt die Software fortlaufend ein zusammenhängendes Oberflächennetz zusammen. Voraussetzung ist, dass die zu erfassenden Flächen trocken und optisch erreichbar sind — deshalb beginnt jede Aufnahme mit dem Trockenlegen. Ober- und Unterkiefer werden am Ende über eine digitale Bissnahme einander zugeordnet, sodass der Datensatz auch die Lage der Kiefer zueinander enthält.
Wie lange dauert ein digitaler Zahnabdruck?
Belastbare Minutenangaben lassen sich aus den vorliegenden Untersuchungen nicht ableiten — die Dauer hängt von Gerät, Umfang der Aufnahme und Übung des Behandlers ab. Gesichert ist der Vergleich: Der Scan war gegenüber der konventionellen Abformung durchweg der schnellere Weg, und zwar unabhängig davon, ob nur ein Quadrant oder ein vollständiger Kieferbogen erfasst wurde und ob die Versorgung auf natürlichen Zähnen oder auf Implantaten geplant war. Dazu kommt, dass beim Scan die Abbinde- und Modellzeit entfällt.
Was kostet ein digitaler Zahnabdruck?
Im privaten Gebührenrecht ist die optisch-elektronische Abformung eine eigene Position, berechnet je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich. Der einfache Gebührensatz beträgt 4,50 €; beim 2,3-fachen Satz sind es 10,35 € je Einheit, beim 3,5-fachen Satz 15,75 €. Für Ober- und Unterkiefer zusammen — höchstens vier Einheiten — ergeben sich daraus 41,40 € beziehungsweise 63,00 €. Dem stehen die entfallende konventionelle Abformposition und das eingesparte Abformmaterial gegenüber, weil beides neben der optisch-elektronischen Abformung für denselben Bereich nicht berechnungsfähig ist. Für gesetzlich Versicherte ändert das Verfahren nichts am befundorientierten Festzuschuss.
Welche Nachteile hat ein digitaler Zahnabdruck?
Der Scanner erfasst nur, was optisch erreichbar und trocken ist. Blutung, Speichel und eine tief unter dem Zahnfleischrand liegende Präparationsgrenze erschweren die Aufnahme erheblich. Mit der Länge der gescannten Strecke wird die Aufnahme anspruchsvoller: Für einen ganzen Kiefer, für weitspannige Brücken und für mehrere Implantate über eine große Spanne bleibt der klassische Abdruck eine gleichwertige Möglichkeit. Hinzu kommen auf Praxisseite Anschaffungs- und Betriebskosten sowie eine Lernkurve — beides wirkt sich indirekt auf die Kosten aus.
Funktioniert der Scan auch bei Implantaten?
Ja, dafür wird ein Scanbody auf das Implantat geschraubt, dessen eindeutige Geometrie die Software erkennt und daraus Position und Achsrichtung berechnet. Für einzelne Implantate und kurze Spannen ist die Genauigkeit mit der konventionellen Abformung vergleichbar. Bei mehreren Implantaten über eine große Spanne oder bei stark abweichenden Achsrichtungen ist die Entscheidung im Einzelfall zu treffen.
implantate.com-Fazit
Der Scan hat den Abdruck dort abgelöst, wo er ihm nachweislich mindestens ebenbürtig ist: bei Inlay, Krone und kurzer Brücke — und er ist für den Patienten die deutlich angenehmere Sitzung. Er ist damit nicht das grundsätzlich bessere Verfahren, sondern das für die meisten Alltagsfälle passendere. Wo die Aufgabe größer wird, bleibt die klassische Abformung eine gleichrangige Option, und eine Praxis, die das offen sagt, arbeitet richtig. Bessere Optiken, Sensoren, höhere Rechenleistungen und niedrigere Kosten bei der Ausstattung lassen die digitale Fertigungskette dennoch zur Zukunft des Zahnersatzes werden.
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Bundesministerium der Justiz. Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ), § 2 Abweichende Vereinbarung und § 5 Bemessung der Gebühren sowie Anlage 1 — Gebührenverzeichnis für zahnärztliche Leistungen, Gebührennummer 0065.
Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung. Festzuschuss und Eigenanteil beim Zahnersatz.
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