Lexikon

Navigierte Implantation (3D-Implantatplanung)

Die navigierte Implantation – auch computergestützte Implantatchirurgie genannt – bezeichnet Verfahren, bei denen ein Zahnimplantat auf Basis einer dreidimensionalen Planung millimetergenau in den Kieferknochen eingesetzt wird. Grundlage ist ein DVT (Digitale Volumentomographie), das mit einem Intraoralscan überlagert wird. Eine zweidimensionale Übersichtsaufnahme wie das OPG (Orthopantomogramm) liefert diese dreidimensionalen Daten nicht. Am Computer plant der Behandler die optimale Implantatposition unter Berücksichtigung von Knochenangebot, Nervverläufen und der geplanten prothetischen Versorgung. Dabei werden zwei grundsätzlich unterschiedliche Vorgehensweisen unterschieden: die statisch schablonengeführte Chirurgie, bei der aus den Planungsdaten eine physische Bohrschablone gefertigt wird, sowie die dynamische Navigation, bei der ein optisches Trackingsystem Bohrer und Kiefer während der Operation in Echtzeit verfolgt und dem Behandler die Bohrposition ohne physische Schablone am Monitor anzeigt.

Infografik: Statisch schablonengeführte Implantation in vier Schritten — DVT-Scan, 3D-Planung, Bohrschablone, minimalinvasive Implantation
Statisch schablonengeführte Implantation: Vom DVT-Scan über die 3D-Planung und 3D-gedruckte Bohrschablone zur präzisen, minimalinvasiven Implantation.

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Ablauf der statisch schablonengeführten Implantation

  1. DVT-Aufnahme: Dreidimensionales Röntgenbild des Kiefers zur Beurteilung von Knochen, Nerven und Kieferhöhle.
  2. Intraoralscan: Digitaler Abdruck der Zahnreihen und des Zahnfleischs.
  3. Virtuelle Planung: Überlagerung von DVT und Scan in einer Planungssoftware (z. B. coDiagnostiX, Implant Studio, NobelClinician). Der Behandler positioniert das Implantat virtuell und wählt Durchmesser, Länge und Angulation.
  4. Bohrsschablone: Auf Basis der Planung wird eine individuelle Schablone gefertigt – entweder im 3D-Druck oder gefräst.
  5. Chirurgie: Die Schablone wird im Mund des Patienten fixiert. Die Bohrungen erfolgen durch die Hülsen der Schablone – das Implantat wird exakt in der geplanten Position eingesetzt.

Dynamische Navigation als Alternative

Bei der dynamischen Navigation entfällt die physische Bohrschablone. Ein optisches Trackingsystem (Kamera) verfolgt während der Operation über Referenzmarker in Echtzeit die Position von Bohrer und Kiefer und überträgt sie auf einen Monitor, auf dem der Behandler die aktuelle Bohrposition fortlaufend mit der geplanten Position abgleicht. Dadurch bleibt die Implantatposition während des Eingriffs noch anpassbar, was bei einer starren Schablone nicht möglich ist. In Vergleichsuntersuchungen zur Genauigkeit erreichen statisch schablonengeführte und dynamisch navigierte Implantatchirurgie eine grundsätzlich ähnliche Präzision.

Freihand vs. schablonengeführt: Vergleich

MerkmalFreihand-ImplantationStatisch schablonengeführt
Planung2D-Röntgen (OPG) + klinische Beurteilung3D-DVT + Intraoralscan + Software
GenauigkeitErfahrungsabhängig, Abweichung 1–2 mmMittlere Abweichung ca. 1,2 mm am Eintritt und ca. 1,4 mm an der Implantatspitze
EingriffOffener Lappen, freie SichtOft minimalinvasiv (flapless, ohne Schnitt)
OP-Dauer20–45 Min. pro Implantat10–20 Min. pro Implantat
Schwellung/SchmerzMäßigOft deutlich geringer
Mehrkosten–Variiert je nach Umfang und Region (siehe 3D-Bohrschablone für GOZ-Beträge)
SofortversorgungMöglich, aber schwieriger planbarProvisorium kann vorab gefertigt werden

Hinweis: Alle Kostenangaben sind unverbindliche Richtwerte. Die tatsächlichen Kosten hängen vom individuellen Befund, der Region und dem gewählten Verfahren ab.

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Vorteile für Patienten

Durch die navigierte Implantation profitieren Patienten von einem minimalinvasiven Eingriff mit weniger Schmerzen und Schwellung, kürzeren OP-Zeiten, höherer Sicherheit (Nervvermeidung, optimale Ausnutzung des vorhandenen Knochens), der Möglichkeit einer Sofortversorgung mit vorgefertigtem Provisorium, und besserer Planbarkeit des ästhetischen Ergebnisses.

Kosten

Die Mehrkosten für die computergestützte Implantation variieren je nach Umfang, Region und gewähltem Verfahren und umfassen die 3D-Planung sowie – bei der statisch schablonengeführten Variante – die Herstellung der Bohrschablone (GOZ-Beträge dazu im Eintrag 3D-Bohrschablone); bei der dynamischen Navigation entfällt die Schablonenherstellung, stattdessen fällt die Nutzung des Navigationssystems an. Diese Kosten sind eine Privatleistung. Im Vergleich zur Freihand-Implantation können die Mehrkosten durch kürzere OP-Zeiten und weniger Nachbehandlung teilweise kompensiert werden.

Das Wichtigste in Kürze
Die navigierte Implantation ermöglicht eine millimetergenaue Positionierung von Zahnimplantaten auf Basis einer 3D-Planung. Sie ist sicherer, oft minimalinvasiver und erlaubt eine Sofortversorgung. Die Mehrkosten (sie variieren je nach Umfang und Region) lohnen sich besonders bei komplexen Fällen, eingeschränktem Knochenangebot oder wenn mehrere Implantate gleichzeitig gesetzt werden.

Literatur

Literatur und Quellenangaben
  1. D’haese J, Ackhurst J, Wismeijer D, De Bruyn H, Tahmaseb A. Current state of the art of computer-guided implant surgery. Periodontol 2000. 2017;73(1):121-133. DOI: 10.1111/prd.12175
  2. Tahmaseb A, Wu V, Wismeijer D, Coucke W, Evans C. The accuracy of static computer-aided implant surgery: A systematic review and meta-analysis. Clin Oral Implants Res. 2018;29 Suppl 16:416-435. DOI: 10.1111/clr.13346
  3. Khaohoen A, Powcharoen W, Sornsuwan T, Chaijareenont P, Rungsiyakull C, Rungsiyakull P. Accuracy of implant placement with computer-aided static, dynamic, and robot-assisted surgery: a systematic review and meta-analysis of clinical trials. BMC Oral Health. 2024;24(1):359. DOI: 10.1186/s12903-024-04033-y

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