Horizontale und vertikale Wurzelfraktur

Zahnfraktur nach Frontzahntrauma oder Überlastung

Ob ein gebrochener Zahn zu retten ist, entscheidet vor allem der Verlauf der Bruchlinie – eine abgebrochene Ecke oder Krone lässt sich meist versorgen, ein Längsriss der Wurzel dagegen nicht.

Gerade bei Frontzähnen kann es durch plötzliche Krafteinwirkung (Schlag, Unfall) zum Bruch eines Zahnes kommen. Wenn auch eine ausgeschlagene Zahnecke den Zahnerhalt noch nicht in Frage stellt, kann ein Schlag auf einen Frontzahn aber zu Bruchlinien bis in die Wurzelspitze führen (Wurzelfraktur) und damit das Zahnziehen unumgänglich machen. Zahnfrakturen sind aber nicht auf die Frontzahnregion beschränkt, auch Seitenzähne (meist im Oberkiefer) können durch chronische oder plötzliche Überlastung abbrechen. Hier jedoch nicht durch einen Schlag, sondern durch den Aufbiss auf einen harten Körper, meist bei geschwächter Zahnstruktur (z.B. große Füllungen). Bei bedeutsamen Brüchen ist hier meist der gaumenseitige Zahnhöcker der Backenzähne betroffen.

Frontzahntrauma nach Unfall

Frontzahntrauma: Das Ausmass der Verletzung ist meist nicht sichtbar

Bruchlinie entscheidend

In jedem Fall kommt es auf den Verlauf der Bruchlinie an, ob der Zahn zu retten ist:

  1. Längsfraktur der Wurzel: keine Rettungsmöglichkeit des Zahnes
  2. Querfraktur im Knochen: nur in Ausnahmefällen ist der Zahn zu erhalten
  3. Bruch der Zahnkrone (oberhalb oder knapp unterhalb der Knochengrenze): Zahnerhalt durch Wurzelkanalbehandlung (Endodontie) und Stiftaufbau realistisch.
  4. Längsfraktur zwischen den Wurzel (bei mehrwurzeligen Zähnen): Erhalt nur in Ausnahmefällen möglich.

Zwei Dinge entscheiden zusätzlich über den Erhalt: Bei der Kronenfraktur muss nach dem Aufbau noch genug fassbare Zahnsubstanz (Fassreif) für eine haltbare Krone stehen bleiben. Bei der Höckerfraktur am Seitenzahn ist der Zahn meist erhaltbar – die abgebrochene Kaufläche wird mit einer höckerüberdeckenden Versorgung (Teilkrone oder Krone) stabilisiert. Eine echte vertikale Wurzellängsfraktur dagegen lässt sich nicht abdichten und führt fast immer zur Entfernung.

Zahnfraktur: welche Bruchlinie ist erhaltbar, welche muss raus

Erhalt-Chance je Frakturtyp – von erhaltbar bis muss raus

Wurzelfraktur Zahn 12 oberes Drittel

Wurzelfraktur Zahn 12, oberes Drittel, Erhalt durch Schienung, Wurzelbehandlung u. Stift zwar denkbar, aber bei ungünstiger Prognose wenig sinnvoll.

Wurzelfraktur Zahn 14 mittleres Drittel

Wurzelfraktur Zahn 14 mittleres Drittel, Entfernung notwendig.

Frakturtypen und ihre Prognose im Überblick

Verletzung Zahn meist … Typische Versorgung
Abgebrochene Ecke / kleiner Schmelz-Dentin-Bruch erhaltbar Füllung / Veneer
Kronenfraktur (über/knapp unter Knochengrenze) erhaltbar, wenn Fassreif reicht Endo + Stiftaufbau + Krone
Höckerfraktur Seitenzahn meist erhaltbar Teilkrone/Krone (Höckerüberdeckung)
Wurzelquerfraktur, oberes Wurzeldrittel oft erhaltbar Schienung, ggf. Endo
Wurzelquerfraktur im Knochen / mittleres Drittel selten erhaltbar meist Entfernung
Wurzellängsfraktur (vertikal) nicht erhaltbar Entfernung + Ersatzplanung

Orientierung; die Beurteilung trifft der Zahnarzt am Einzelzahn (Röntgen/DVT).

 

Vertikale Wurzelfraktur: Der Riss verläuft in Wurzellängsrichtung – der Zahn muss entfernt werden.

Frontzahntrauma mit Verletzung des Zahnfachs

Der ausgeschlagen Zahn

In vielen Fällen kommt es im Zuge von Gewalteinwirkung auf Zähne und Kiefer auch zu einer Lockerung dieser Zähne, in einigen Fällen sogar zu einem Bruch des umgebenden Knochens und / oder des teilweise oder vollständigen Herauslösen des Zahnes aus dem Zahnfach (Teil- bzw. vollständige Luxation). Der bekannte „ausgeschlagene Zahn“. Je nach Ausmass der Verletzung des umgebenden Gewebes kann der Zahnerhalt durch Replantation (Wiedereinpflanzen) und Schienung mit den Nachbarzähnen möglich sein. Meist muss auch eine Wurzelbehandlung durchgeführt werden. Voraussetzung ist immer eine intakte Wurzelhaut (der Zahn darf nicht austrocknen: Zahnrettungsbox, Lagerung in der Mundhöhle) und ein nicht zu stark geschädigtes Knochenfach.  Selbst bei korrekter Behandlung ist der Zahnerhalt allerdings nicht sicher.

Sollten günstige Verhältnisse gar nicht vorliegen, ist ein dauerhafter Zahnerhalt so unwahrscheinlich, dass man schnell therapeutische Alternativen (z.B. ein Sofortimplantat) in Betracht ziehen sollte.

Bei Milchzähnen ist eine Replantation grundsätzlich abzulehnen, da es hier unter anderem zu Problemen mit dem Durchbruch der bleibenden Zähne kommen kann.

implantate.com-Empfehlung – Erste Hilfe beim ausgeschlagenen Zahn: Den Zahn nur an der Krone anfassen, nicht an der Wurzel, nicht säubern oder schrubben. So schnell wie möglich (am besten in Minuten) wieder einsetzen lassen. Geht das nicht, feucht lagern – am besten in einer Zahnrettungsbox (hält die Wurzelhautzellen 24–48 Stunden), ersatzweise in kalter H-Milch, notfalls im Mundspeichel. Leitungswasser ist ungeeignet und schädigt die Zellen. Je kürzer der Zahn trocken liegt, desto besser die Prognose.

Selbst optimal replantierte Zähne überleben langfristig nur etwa zur Hälfte – die feuchte, schnelle Lagerung verbessert die Chance aber deutlich.

Unfallfolgen und Kostenübernahme

Wer war Schuld? Wo ist es passiert?

Ein Zahnverlust durch ein Trauma muss kein selbst zu verantwortendes Gesundheitsmanko, wie z.B. eine Karies oder Parodontitis, sein. Bei einem privaten Unfall könnte eine private Unfallversicherung greifen. Noch anders sieht es bei einem Arbeitsunfall,  Schulunfall  oder Unfall im Sportverein aus. Hier greift die Unfallversicherung der Berufsverbände, Länder oder Sportbehörden als Kostenträger für alle Massnahmen die geeignet sind, um die vollständige Wiederherstellung zu erzielen. Das klingt gut und ist es tatsächlich auch. Die Berufsgenossenschaften sind nicht auf Kostensparen aus. Der Unfallschaden mit all seinen Folgen bleibt ein Leben lang versichert.

Wenn es einen Unfallverursacher gibt, kommt natürlich auch die gegnerische Haftpflichtversicherung oder gegebenenfalls die persönliche Haftung des Schuldigen für einen Regress in Betracht.

Bedeutung der Zahnfachverletzung für eine evtl. Implantatversorgung:

Implantate gelten nach Trauma als Idealversorgung.

Gerade im sichtbaren Frontzahnbereich ist die ästhetische Planung entscheidend – mehr dazu beim Frontzahnimplantat und beim richtigen Zeitpunkt: Sofort- oder Spätimplantation.

implantate.com-Fazit

Nach einem Unfall entscheidet die Bruchlinie: abgebrochene Ecken und Kronen sind meist zu versorgen, eine Wurzellängsfraktur bedeutet fast immer das Aus für den Zahn. Beim ausgeschlagenen Zahn zählt jede Minute und die richtige, feuchte Lagerung. Ist der Zahn nicht zu halten, gilt das Implantat nach Trauma als ideale Lösung – wie schnell, hängt vom Zustand des Knochenfachs ab. Und: Bei Unfällen lohnt der Blick auf den Versicherungsschutz.

IMPLANTAT-SPEZIALISTEN IN IHRER NÄHE

Implantologen mit Preisgarantie
Erweiterte Suche

Leitlinien

AWMF / DGZMK / DGMKG / DGET. S2k-Leitlinie „Therapie des dentalen Traumas bleibender Zähne“, AWMF-Register-Nr. 083-004. register.awmf.org/de/leitlinien/detail/083-004

Bourguignon C, et al. International Association of Dental Traumatology guidelines for the management of traumatic dental injuries: 2. Fractures and luxations. Dent Traumatol. 2020;36(4):314–330. doi: 10.1111/edt.12578

Fouad AF, et al. International Association of Dental Traumatology guidelines for the management of traumatic dental injuries: 3. Avulsion of permanent teeth. Dent Traumatol. 2020;36(4):331–342. doi: 10.1111/edt.12573

Weitere Quellen

Flores, MT, Andersson, L et. al., Guidelines for the management of traumatic dental injuries. I. Fractures and luxations of permanent teeth, Dental Traumatology, Volume 23, Issue 2, pages 66–71, April 2007
Flores, MT, Andersson, L et. al., Guidelines for the management of traumatic dental injuries. II. Avulsion of permanent teeth, Dental Traumatology Volume 23, Issue 3, pages 130–136, June 2007

Häufige Fragen zu Zahnfraktur und Frontzahntrauma

Mein Zahn ist abgebrochen – ist er noch zu retten?

Meist ja, wenn nur die Krone betroffen ist: Eine abgebrochene Ecke wird gefüllt oder mit einem Veneer versorgt, eine größere Kronenfraktur über eine Wurzelbehandlung mit Stiftaufbau und Krone. Entscheidend ist, dass genug gesunde Zahnsubstanz für den Halt bleibt.

Ab wann muss ein gebrochener Zahn gezogen werden?

Bei einer Längsfraktur der Wurzel (vertikal) lässt sich der Zahn nicht abdichten und muss fast immer raus. Auch eine Querfraktur tief im Knochen ist nur selten zu erhalten.

Was tun mit einem ausgeschlagenen Zahn?

Nur an der Krone anfassen, nicht säubern, so schnell wie möglich wieder einsetzen (lassen). Sonst feucht lagern – am besten in einer Zahnrettungsbox, ersatzweise in kalter H-Milch, notfalls im Speichel. Kein Leitungswasser. Dann sofort zum Zahnarzt.

Wie lange darf ein ausgeschlagener Zahn außerhalb des Mundes sein?

Je kürzer, desto besser – ideal innerhalb von Minuten. In einer Zahnrettungsbox bleiben die Wurzelhautzellen 24–48 Stunden vital, trocken sterben sie schon nach etwa 30 Minuten ab.

Wer zahlt nach einem Unfall?

Je nach Hergang die private Unfallversicherung, bei Arbeits-, Schul- oder Vereinsunfall die gesetzliche Unfallversicherung (Berufsgenossenschaft) und bei Fremdverschulden die Haftpflicht des Verursachers.

Verantwortlicher Autor


Letzte Aktualisierung am Mittwoch, 19. August 2026