Zahnimplantation – Einsetzen des Zahnimplantats

Einbringen eines Implantats: Ablauf, Schmerzen, Kosten

Das Einsetzen eines Implantats ist ein chirurgischer Eingriff. Für die kleine Operation reicht eine lokale Betäubung fast immer aus. Der Knochen ist keine besonders empfindsame Struktur und die modernen Lokalanästhetika erreichen eine verlässliche Wirkung. Es ist eher die psychische Belastung der Operation, die uns zu schaffen macht. Aber auch da gibt es Abhilfe: sowohl die orale Sedierung (z.B. Dormikum®), als auch die Lachgas-Sedierung stellen hervorragende Verfahren dar, einen solchen Eingriff entspannt hinter sich zu bringen. Wenn man überhaupt nichts von dem Eingriff mitbekommen möchte, bleibt die Vollnarkose als Option.

Zahnimplantation: Implantatbohrung ist schmerzlos

Zahnimplantation: Bohren ohne Schmerzen möglich

Zahnimplantation: so läuft sie ab

Hier sehen Sie die Animation einer Implantation im Unterkiefer in der Region des 5 Zahns der rechten Seite (45). Gezeigt wird in dem Video die Schnittführung und Freilegung des Unterkiefers (Aleveolarkamm), die Aufbereitung des Implantatbetts mit aufsteigenden Bohrergrößen, das Eindrehen des Implantats, das Einfügen der Verschlussschraube und Wundverschluss.

 

Die Implantations-OP - Einschrauben in den Kieferknochen

Spätimplantation: Zahnfleisch und Knochen sind verheilt

Das Zahnfleischs wird bei der Spätimplantation an der gewählten Implantatstelle mittels eines Schnitts oder einer Stanze eröffnet. Dann wird mit speziellen, wassergekühlten Bohrern der Knochen für die geplante Implantatlänge und Implantatdurchmesser aufbereitet. 

Sofortimplantation: Zahn wird gleichzeitig entfernt

Unter günstigen Voraussetzungen (z.B. einfache Zahnwurzel ohne Entzündung) ist die Implantation direkt nach Zahnentfernung eine bewährte Option. Die Bohrung muss dabei an das vorhandene Zahnfach angepasst werden: die Sofortimplantation.

Mess-Schablone zur Überprüfung der korrekten Implantatlänge

Durch eine Röntgenkontrolle mit Hilfe eines Stiftes mit sichtbaren Längeneinteilungen kann überprüft werden,  ob die Insertion mit geplanter Länge und Positionierung korrekt umsetzbar ist. Ansonsten sind Bohrkorrekturen möglich. Im Unterkiefer ist das ein besonders zu empfehlendes Vorgehen, um nach einer Vorbohrung eine Nervverletzung sicher zu vermeiden. Im Oberkiefer kann man dadurch den Raum unterhalb der Kieferhöhle bestmöglich auszunutzen, um die optimale Implantatlänge einzubringen.

Eine Option, den Knochen vorab noch besser beurteilen zu können, ist das DVT, eine Schichtaufnahme die das exakte Vermessen des Knochens ermöglicht. Aber auch hier würde man mit dem Schablonen-Zwischenröntgen eine sicherere Positionierung erzielen.

Messschablone Implantat

Messschablone zur Überprüfung der Bohrtiefe in Verbindung…

Dentalröntgenaufnahme, die zwei Implantatpfosten im Kieferknochen zeigt, umgeben von Knochen und Gewebe, und fortschrittliche Zahnersatzlösungen veranschaulicht.

…mit einem Röntgenbild über sichtbare Längen-Markierungen

Bohrung frei Hand, mit Bohrhilfen oder digital gesteuert?

Viele erfahrene Implantologen bevorzugen weiterhin eine Implantation ohne Positionierungshilfen. Eine vorab hergestellte Bohrschablone kann die Positionierung des Implantats aber durchaus erleichtern. Alternativ wurden sogenannte Navigationssysteme zur präzisen Bohrung für planbare Implantatpositionierungen (z.B. für All-on4® Implantatbrücken) entwickelt, die aufgrund des hohen technischen Aufwands und  fehlender Ergebnisvorteile kaum Verwendung finden.

Das Bohren ist bei korrekter Betäubung völlig schmerzfrei. Das Vibrieren des Bohrers ist jedoch spürbar. Laser zur Knochenbettaufbereitung sind in der Erprobungsphase.

Die Dauer der Operation hängt von der Anzahl der Implantate und der Schwierigkeit des Eingriffs ab und liegt zwischen 15 Minuten und mehreren Stunden.

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Implantate werden meist eingeschraubt

Nachdem der Knochen für das Implantat in passender Form aufgebohrt wurde, wird das Implantat aus seiner sterilen Verpackung herausgenommen. Ein Schlüssel fasst in die Einbringhilfe, mit der das Implantat steril in den Knochen eingedreht werden kann.

Fast alle Implantatsysteme haben ein Schraubengewinde, mit dem ein sicherer Halt durch Eindrehen in den geschaffenen Knochenkanal erzielt wird. Der gerne genutzte Begriff „Dübel“ für ein Implantat ist daher im Grunde irreführend. Einige Implantatsysteme (Zylinder) werden allerdings durch Einklopfen im Sinne einer Presspassung verankert.
Ein fester Halt (Primärstabilität) ist übrigens ein wichtiger Faktor für eine schnelle und sichere Einheilung. Es ist mittlerweile durchaus üblich, das Drehmoment bei der Implantateinbringung als Maß für die erreichte Festigkeit zu dokumentieren und hiern
ach auch über eine etwaige Sofortbelastung zu urteilen.

Brauche ich Antibiotika für das Einsetzen eines Implantats?

Die prophylaktische Einnahme eines Antibiotikums ist nicht vorgeschrieben. Die Erfolgsraten liegen je nach Studie auch ohne perioperative AB-Gabe bei ca. 97%.  Allerdings zeigen große Untersuchungen, dass sich durch die Antibiotikaprohylaxe bei Implantaten das Verlustrisiko noch einmal um ca. 1% senken lässt. Empfohlen wir Amoxicillin 2g vor dem Eingriff.

Einschrauben des Implantats

Implantation: Einschrauben des Implantats

Eindrehilfe mit Schlüssel zum Einschrauben des Implantats

Offene oder geschlossene Einheilung?

Nach dem Einbringen des Implantats wird die Implantatstelle entweder wieder dicht vernäht, um das Implantat in Ruhe einheilen zu lassen (geschlossene Methode mit einer Verschlussschraube), oder es wird bereits ein kleiner Pfosten zur direkten Zahnfleischformung (Gingivaformer) aufgesetzt (offene Methode). Mehr Informationen hierzu gibt es im Abschnitt offene oder geschlossene Einheilung der Implantate.

Bei einteiligen Implantatsystemen schaut der Implantataufbau in jedem Fall heraus und wird dann meist für eine Sofortbelastung (Pfosten für Kronen, Kugelkopf zur Fixierung von Prothesen) verwendet.

Zahnfleischformer (offene Einheilung)

Ist das Implantat platziert, kann ein Zahnfleischformer das Implantat verschließen (offene Einheilung).

Kann es doch Schmerzen bei der Implantation geben?

Der postoperative Verlauf nach Implantat-OP

Es gibt immer mal wieder Fälle, bei denen Patienten Schmerzen trotz einer im Normalfall ausreichender Menge Spritzen spüren. Solche „Anästhesieversager“ sind zwar selten, aber können letztendlich für einen dramatischen OP-Verlauf sorgen. Behandler und Patient müssen rechtzeitig gemeinsam entscheiden, ob die Behandlung besser abgebrochen werden sollte, um das Trauma gering zu halten. Eine Wiederholung sollte dann alle Möglichkeiten der schmerzfreien Implantatbehandlung ausschöpfen.

Hier geht es zum Kapitel:  Wie verhalte ich mich nach der Implantat-OP?

Was kostet eine Zahnimplantations-OP?

Zahnarzthonorar und Materialkosten für das Einbringen eines Implantats

Das operative Einsetzen des Implantats wird nach GOZ 9010 abgerechnet: „Implantatinsertion je Implantat“. Sie ist die zentrale Gebührenposition des Eingriffs.

Davor steht in der Regel GOZ 9000 – die implantatbezogene Analyse des Alveolarfortsatzes. Diese Leistung umfasst die klinische und röntgenologische Untersuchung zur Beurteilung des Knochenlagers und ist bei nahezu jeder Implantation ansetzbar. Bei geplantem geführtem Eingriff kann ergänzend GOZ 9003 für die Orientierungs- oder Positionierungsschablone berechnet werden.

Hinzu kommt der Zuschlag für den ambulanten operativen Eingriff nach GOZ 0530 – ein fester Betrag ohne Steigerungsmöglichkeit. Die Lokalanästhesie wird je nach Technik als Infiltrationsanästhesie (0090) oder Leitungsanästhesie (0100) abgerechnet. Direkt nach dem Eingriff dokumentiert eine Kontrollaufnahme die korrekte Implantatlage.

Kostenübersicht Implantation

GOZ Leistung 1-fach 2,3-fach 3,5-fach
9000 Analyse Alveolarfortsatz ~50 € ~114 € ~174 €
9010 Implantatinsertion ~87 € ~200 € ~304 €
9003 Orientierungsschablone (ggf.) ~6 € ~13 € ~20 €
0530 Zuschlag ambulante Operation ~124 € (kein Faktor) (kein Faktor)
0090 Infiltrationsanästhesie ~5 € ~12 € ~18 €
0100 Leitungsanästhesie (alternativ) ~7 € ~17 € ~26 €
Röntgen Kontrollaufnahme – ~15–25 € –

Materialkosten – was zusätzlich berechnet wird

Die GOZ-Gebühren decken ausschließlich das zahnärztliche Honorar ab. Folgende Materialien werden separat in Rechnung gestellt:

  • Implantat (inkl. Deckschraube): je nach System ca. 200–500 €
  • Anästhesiematerial : ca. 8–12 €
  • Nahtmaterial: ca. 10–20 €
  • Operationsmaterial (Abdeckung, Spüllösung, Instrumentenaufbereitung): ca. 20–50 €
  • Knochenersatzmaterial (falls erforderlich): ca. 80–300 € – nicht bei jedem Eingriff nötig, aber häufig

Gesamtkosten realistisch einschätzen

GOZ 9000, 9010 und der Zuschlag 0530 summieren sich bei einem üblichen Steigerungsfaktor von 3,0 auf rund 420–440 € Honorar. Mit Anästhesie, Röntgen und Verbrauchsmaterial liegt der reine Honorar- und Materialanteil des Eingriffs bei etwa 450–660 €. Rechnet man das Implantat selbst hinzu, ergibt sich für den operativen Teil realistisch ein Gesamtrahmen von 900–1.500 € – noch ohne Freilegung und Zahnersatz, die in separaten Behandlungsabschnitten abgerechnet werden.

Mehr über die Kosten von Implantatversorgungen.

Häufige Fragen zur Implantation

Muss ich Marcumar, Eliquis oder ASS vor der Implantation absetzen?

In aller Regel nicht. Eine unkomplizierte Einzelimplantation ohne Knochenaufbau entspricht vom Blutungsrisiko etwa einer Zahnentfernung – eine überschaubare, gut zugängliche Wunde, die sich mit Naht, Kollagenvlies und Kompression zuverlässig versorgen lässt. Vitamin-K-Antagonisten wie Marcumar werden bei einem INR im therapeutischen Bereich durchbehandelt, direkte orale Antikoagulanzien wie Eliquis oder Xarelto weitergeführt, ASS und Clopidogrel nicht abgesetzt – auch nicht bei doppelter Blutplättchenhemmung nach einem Stent. Anders liegt der Fall bei mehreren Implantaten mit begleitendem Knochenaufbau: Dann wird individuell abgewogen, und zwar zwischen Zahnarzt und behandelndem Arzt, nie vom Patienten allein. Ausführlich unter Gerinnungshemmer und Zahnbehandlungen.

Muss ich das Antibiotikum nach der Implantation weiternehmen?

Für eine Fortführung nach der Operation gibt es keinen gesicherten Wirksamkeitsnachweis. Der belegte Nutzen liegt in der Einmalgabe von 2 g Amoxicillin vor dem Eingriff; wer erst danach anfängt, holt diesen Vorteil nicht mehr nach. Etwas anderes ist die gezielte Behandlung einer bereits aufgetretenen Entzündung – das ist keine Prophylaxe mehr. Einzelheiten unter Antibiotika-Gabe für die Implantation.

Ich habe eine künstliche Herzklappe – brauche ich etwas Zusätzliches?

Ja, und es ist nicht dasselbe wie die implantologische Prophylaxe. Bei künstlicher Herzklappe, überstandener Endokarditis, bestimmten angeborenen Herzfehlern oder einem Kunstherz-Unterstützungssystem gilt die Endokarditisprophylaxe, weil bei der Implantation die Mundschleimhaut eröffnet wird. Bringen Sie Ihren Herzpass mit und sprechen Sie das aktiv an – mehr unter Antibiotikaprophylaxe vor Zahnbehandlungen.

Muss ich zwei Mal operiert werden?

Nur bei der geschlossenen Einheilung. Wird das Implantat unter dem Zahnfleisch versenkt, folgt nach der Einheilzeit die Implantatfreilegung – ein kleiner Eingriff am Zahnfleisch. Bekommt das Implantat schon bei der Operation einen Zahnfleischformer (offene Einheilung), entfällt dieser zweite Termin.

implantate.com-Fazit:

Die Implantation ist ein gut beherrschbarer Eingriff – bei korrekter Betäubung schmerzfrei, in der Regel in in 20-40 Minuten erledigt und mit Erfolgsraten von über 97 % eine der verlässlichsten Methoden der modernen Zahnmedizin. Kosten sind mit ca.1200€ ein Faktor.

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Lindhe,J., Lang, N.P. und Karring, T.; Clinical Periodontology and Implant Dentistry, John Wiley & Sons 2008
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Letzte Aktualisierung am Montag, 24. August 2026