Lexikon

Abutment

Ein Abutment (Implantataufbau, Aufbauteil) ist ein Verbindungsteil, das in ein Zahnimplantat eingesetzt und dort meist verschraubt wird, um das Implantat in Funktion zu bringen. Es sitzt zwischen dem im Knochen verankerten Implantatkörper und dem sichtbaren Zahnersatz, durchtritt die Mundschleimhaut und trägt die Suprakonstruktion. Bei zweiteiligen Implantaten ist ein Abutment zwingend notwendig, um Zahnersatz wie eine Implantatkrone oder konfektionierte Halteelemente überhaupt befestigen zu können. Einteilige Implantate haben diesen Aufbauanteil bereits als festen Bestandteil des Implantatkörpers integriert; dort lässt sich das Aufbauteil nicht wechseln.

Sitz und Aufgabe

Das Aufbauteil greift mit einem Zapfen oder Konus in die Innengeometrie des Implantats und wird über eine zentrale Schraube gegen das Implantat verspannt. Sein unterer Abschnitt liegt damit im Implantat, der mittlere Abschnitt durchquert die periimplantäre Schleimhaut, der obere Abschnitt ragt in den Mundraum und bildet die Auflagefläche für den Zahnersatz. Die Form dieses mittleren Abschnitts bestimmt das Emergenzprofil, also den Verlauf, mit dem die spätere Krone aus der Schleimhaut austritt.

Drei Aufgaben laufen dabei zusammen: Das Abutment stellt die mechanische Verbindung zum Zahnersatz her, es überträgt die Kaukräfte auf das osseointegrierte Implantat, und es gibt dem Weichgewebe eine Kontur, an der es anliegen kann. Wird der Zahnersatz später erneuert, bleibt das Implantat im Knochen unberührt — gearbeitet wird am Abutment.

Fünf Zahnimplantate mit unterschiedlichen aufgesetzten Abutments nebeneinander
Verschiedene Implantat-Abutments von links nach rechts: Locator, konfektioniertes Kronenabutment, provisorisches Abutment aus Titan, Kugelkopfanker, provisorisches Abutment aus Kunststoff

Bauformen

Aufbauteile werden nach mehreren Merkmalen unterschieden. Nach der Herstellung trennt man konfektionierte, industriell vorgefertigte Teile von individuellen Aufbauten, die im Labor auf die Situation des einzelnen Patienten gefräst oder gegossen werden. Nach der Achse gibt es gerade Abutments für achsgerecht gesetzte Implantate und gewinkelte Abutments, mit denen eine abweichende Implantatachse in Richtung der geplanten Krone ausgeglichen wird. Nach dem Aufbau selbst unterscheidet man einteilige Aufbauten aus einem Werkstoff von zweiteiligen Konstruktionen, bei denen ein Keramikanteil auf eine industriell gefertigte Titanbasis geklebt wird.

Eine eigene Gruppe bilden die Halteelemente für herausnehmbaren Zahnersatz. Sie sind ebenfalls Aufbauteile, tragen aber keine festsitzende Krone, sondern die Matrize einer Prothese. Zu den typischen Abutments zählen:

MerkmalKonfektioniertes AbutmentIndividuelles AbutmentTitanbasis mit Keramikaufbau
Herstellungindustriell vorgefertigt, in abgestuften Größen und Winkeln lieferbarim Labor nach der Situation des Patienten gefräst oder gegossenindustriell gefertigte Titanbasis, darauf ein individuell hergestellter Keramikanteil
Ausgleich der Implantatachseauf die angebotenen Winkelstufen begrenztfrei gestaltbarim Keramikanteil frei gestaltbar
Emergenzprofilstandardisiert, meist runddem Verlauf des Weichgewebes nachgeformtdem Verlauf des Weichgewebes nachgeformt
Schnittstelle zum ImplantatMetall auf MetallMetall auf Metall, bei Vollkeramik-Aufbauten Keramik auf MetallMetall auf Metall über die Titanbasis
Fügung mit dem Zahnersatzverschraubt oder zementiertverschraubt oder zementiertKeramikanteil im Labor auf die Basis geklebt, Einheit dann verschraubt oder zementiert
Typischer Einsatzbereichachsgerechte Implantate, Seitenzahnbereich, Halteelemente für Prothesenabweichende Implantatachse, individuell geformter Schleimhautdurchtrittvollkeramische Versorgungen mit metallischer Implantatschnittstelle

Materialien

Als Aufbaumaterial dienen überwiegend:

  • Titan und Titanlegierungen — der Standardwerkstoff für Abutments und für die Titanbasis zweiteiliger Aufbauten
  • Zirkondioxid — zahnfarbene Keramik, als Vollkeramik-Abutment oder als Keramikanteil auf einer Titanbasis
  • Aluminiumoxid — ältere Keramikvariante, heute weitgehend von Zirkondioxid abgelöst
  • Goldlegierungen — gegossene, individuell gestaltbare Aufbauten aus der klassischen Gusstechnik
  • PEEK und Kunststoffe — vor allem für provisorische Aufbauteile

In randomisierten Studien an Patientinnen und Patienten mit Zahnimplantaten und mindestens einem Jahr Beobachtungszeit unterschieden sich Aufbauteile aus Titan und aus Zirkondioxid weder im periimplantären Knochenniveau noch in der Sondierungstiefe; als technische Auffälligkeit der Keramikgruppe wurden Frakturen des Aufbauteils und Abplatzungen der Verblendung beschrieben. Eine Netzwerk-Metaanalyse über 34 klinische Vergleichsstudien mit rund 950 Patientinnen und Patienten kommt für Titan, Zirkondioxid und PEEK zu vergleichbar hohen Überlebensraten und findet bei marginalem Knochenabbau, Sondierungstiefe, Blutung auf Sondieren und Plaqueindex keine signifikanten Unterschiede.

Auf ein Modell mit Zahnfleischmaske aufgeschraubtes Abutment zwischen zwei Nachbarzähnen
Auf einem Arbeitsmodell mit Zahnfleischmaske aufgeschraubtes Abutment: Der Aufbau tritt zwischen den Nachbarzähnen durch die nachgebildete Schleimhaut und bildet die Auflage für die spätere Krone.

Verbindung zum Implantat

Die Schnittstelle zwischen Implantat und Aufbauteil ist herstellerspezifisch und nicht frei kombinierbar. Gebräuchlich sind drei Grundformen: die externe Verbindung, bei der ein Sechskant aus der Implantatschulter herausragt, die interne Flach-auf-Flach-Verbindung mit einer Rotationssicherung im Implantatinneren, und die konische Verbindung, bei der ein Konus des Abutments in einen Gegenkonus des Implantats einsinkt. Die Verdrehsicherung übernehmen dabei Innensechskant, Innenachtkant, Nocken oder Kerbverzahnungen. Zusätzlich lässt sich der Durchmesser der Schnittstelle gegenüber der Implantatschulter zurücksetzen — diese Bauweise wird als Platform Switching bezeichnet.

Gehalten wird das Aufbauteil in aller Regel durch eine Abutmentschraube, die mit einem definierten, vom Hersteller vorgegebenen Drehmoment angezogen wird; der Schraubenkanal wird anschließend verschlossen. Zwölf Monate nach prothetischer Belastung zeigten konische Implantat-Abutment-Verbindungen in der zusammengefassten Auswertung randomisierter Studien einen geringeren marginalen Knochenabbau und weniger prothetische Komplikationen als externe Sechskantverbindungen; bei der Überlebensrate und bei biologischen Komplikationen fanden sich zwischen den Verbindungsformen keine Unterschiede.

Handhabung in der Praxis

Nach der Einheilung des Implantats wird der Schleimhautdurchtritt zunächst mit einem Gingivaformer ausgeformt. Für die Anfertigung des Zahnersatzes wird die Implantatposition übertragen — konventionell mit einem Abformpfosten, digital mit einem Scanabutment. Erst danach wird das definitive Aufbauteil ausgewählt oder im Labor hergestellt, eingesetzt und verschraubt.

Der Zahnersatz kann anschließend auf zwei Wegen befestigt werden: verschraubt, wobei der Schraubenkanal durch die Kaufläche verläuft und die Arbeit jederzeit abnehmbar bleibt, oder zementiert, wobei Krone und Abutment verklebt werden. Weil Aufbauteile bei zweiteiligen Implantaten austauschbar sind, lassen sie sich bei Beschädigung, bei einer Änderung der prothetischen Planung oder im Rahmen der Behandlung einer Periimplantitis wechseln, ohne das Implantat selbst zu entfernen. Im Recall gehören Sitz des Aufbaus, Festigkeit der Schraubverbindung und die Reinigungsfähigkeit des Durchtrittsprofils zur Kontrolle.

Abgrenzung zu benachbarten Bauteilen

In das Innengewinde eines Implantats passen im Verlauf der Behandlung mehrere Teile, die äußerlich ähnlich aussehen, aber unterschiedliche Aufgaben haben. Die Verschlussschraube, der Abformpfosten und das Scanabutment sind Hilfsteile, die nach ihrem Zweck wieder entfernt werden. Im weiteren Sinne werden Einheilkappen und Zahnfleischformer ebenfalls zu den Abutments gezählt, weil auch sie in das Implantat eingeschraubt werden und die Schleimhaut formen. Nur das definitive Aufbauteil verbleibt dauerhaft im Mund.

BauteilAufgabeVerweildauer im Implantat
Verschlussschraubeverschließt das Innengewinde während der gedeckten Einheilungbis zur Freilegung
Gingivaformerformt den Schleimhautdurchtritt vor der prothetischen VersorgungTage bis Wochen
Abformpfostenüberträgt die Implantatposition in die konventionelle Abformungnur während der Abformung
Scanabutmentüberträgt die Implantatposition in den digitalen Datensatznur während des Scans
Abutmentträgt den Zahnersatz und formt den Schleimhautdurchtritt dauerhaftdauerhaft
Suprakonstruktionder auf dem Abutment befestigte Zahnersatzdauerhaft, auf dem Abutment

Für die Arbeit im Labor gibt es zu jedem System ein Gegenstück des Implantats, das Modellimplantat, in das die Aufbauteile außerhalb des Mundes eingesetzt und geprüft werden.

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Literatur

Literatur und Quellenangaben
  • Laleman I, Lambert F, Gahlert M, Bacevic M, Woelfler H, Roehling S. The effect of different abutment materials on peri-implant tissues — A systematic review and meta-analysis. Clinical Oral Implants Research. 2023;34(Suppl 26):125–142. doi:10.1111/clr.14159
  • Al-Mohammad YN, Kelly C, Martinekova P, Schulze Wenning A, Kiss-Dala S, Gede N, Kerémi B, Németh Z, Hermann P, Czumbel LM, Mikulás K, Hegyi P, Sculean A, Varga G. Zirconia, titanium, and polyetheretherketone implant abutments show equal long-term clinical success — A systematic review and network meta-analysis. Periodontology 2000. 2025;99(1):268–283. doi:10.1111/prd.70018
  • Camps-Font O, Rubianes-Porta L, Valmaseda-Castellón E, Jung RE, Gay-Escoda C, Figueiredo R. Comparison of external, internal flat-to-flat, and conical implant abutment connections for implant-supported prostheses: A systematic review and network meta-analysis of randomized clinical trials. The Journal of Prosthetic Dentistry. 2023;130(3):327–340. doi:10.1016/j.prosdent.2021.09.029

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