Wurzelentzündungen toter Zähne

Wenn aus Gründen einer Wurzelentzündung zur Debatte steht, einen Zahn zu ziehen, wird ein Wurzelkanalspezialist (Endodontologe) in den meisten Fällen anders entscheiden als ein Zahnarzt, der einen Patienten mit Zahnschmerzen im Notdienst behandelt. Man kann davon ausgehen, dass mit genügend Aufwand die meisten Zähne mit einer Entzündung zu erhalten sind, deren Ziel es sein muss, die Entzündung zu eliminieren, dazu gehören:

  • Die primäre Wurzelbehandlung, evtl.
  • Die Revision (Wiederholung) einer Wurzelbehandlung
  • Wurzelspitzenresektion (mit oder ohne retrograde (von der Wurzelspitze her durchgeführte) Wurzelfüllung)


Eine Antibiotikatherapie dagegen ist nur in Ausnahmefällen in der Lage, einen Entzündungsprozess an der Wurzelspitze zur Ausheilung zu bringen.

Es gibt Befunde im Zusammenhang mit wurzeltoten Zähnen, die aber gegen einen Zahnerhalt sprechen:

  • Entzündung bei nicht aufzubereitenden Kanälen (Wurzelbehandlung nicht möglich)
  • Wurzelentzündung trotz Wurzelbehandlung und Wurzelspitzenresektion (WSR): Wenn bereits eine Wurzelspitzenresektion (WSR) wegen einer Wurzelentzündung (apikale Ostitis) durchgeführt wurde und diese nicht zur Ausheilung der Entzündung geführt hat, ist eine wiederholte Wurzespitzenreaktion nicht mehr erfolgversprechend.
  • sehr ausgedehnte Entzündungsprozesse: Geringe Erfolgswahrscheinlichkeit bei unwägbarer Behandlungszeit.
  • Herdsanierung (Entzündungsprozess soll/muss aus allgemeinmedzinischen Gründen entfernt werden)
  • Ausgeprägte Parodontitis (Paro-Endo-Läsion) oder andere zusätzliche negative Faktoren (Kummulationseffekt)
Große Zyste an der Zahnwurzel 22, Knochenabbau (Parodontitis), Zahnerhalt durch Wurzelbehandlung zwar theoretisch möglich, aber keine hohen Erfolgschancen Deutliche Entzündung an der Zahnwurzel 34, Zahnerhalt durch nochmalige Wurzelbehandlung oder Wurzelspitzenresektion möglich

Große Zyste an der Zahnwurzel 22, Knochenabbau (Parodontitis), Zahnerhalt durch Wurzelbehandlung zwar theoretisch möglich, aber keine hohen Erfolgschancen

Deutliche Entzündung (Zyste?) an der Zahnwurzel 34, Zahnerhalt durch nochmalige Wurzelbehandlung oder Wurzelspitzenresektion möglich

Nahezu maximale Entzündung des umgebenden Knochens nach nicht erfolgreicher Wurzelbehandlung (Wurzelfüllung). Zahn muss raus.  
 

Apikale Entzündungen der Zähne 36 und 35. 36(2 Wurzeln) durch erneute Wurzelbehandlung zu erhalten. 35 hat einen Stift eingeklebt. WSR kann versucht werden. Prognose fraglich.

 
 
 

Nahezu maximale Entzündung des umgebenden Knochens nach nicht erfolgreicher Wurzelbehandlung (Wurzelfüllung). Zahn ist kaum rettbar.

 
 

Entzündungen an den Wurzelspitzen der Zähne 35 und 36 (2 Wurzeln). 36 durch erneute Wurzelbehandlung evtl. zu retten. 35 hat einen Stift eingeklebt. WSR kann versucht werden. Prognose fraglich.

 


Bedeutung für eine evtl. Implantatversorgung:

Implantate sind bei dieser Situation grundsätzlich möglich, aber die Entzündung muss vor Einbringen des Implantats ausgeheilt sein, da sonst ein Misserfolg (Implantateinheilung wird durch verbliebene Bakterien verhindert, Restostitis) droht.

Siehe auch der beste Zeitpunkt für eine Implantation.

 

Literatur:
Cho GC., Evidence-based approach for treatment planning options for the extensively damaged dentition, J Calif Dent Assoc. 2004
Dec;32(12):983-90 Zitzmann NU, Krastl G, Hecker H, Walter C, Waltimo T, Weiger R., Strategic considerations in treatment planning: deciding when to treat, extract, or replace a questionable tooth. J Periodontol. 2008 Jun;79(6):971-7.
Zitzmann NU, Krastl G, Hecker H, Walter C, Weiger R., Endodontics or implants? A review of decisive criteria and guidelines for single tooth restorations and full arch reconstructions. Int Endod J. 2009 Sep;42(9):757-74. Epub 2009 Jun 22.

Letzte Aktualisierung am Dienstag, 23. Januar 2018



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