Was zahlt die Krankenkasse bei Zahnersatz und Implantaten? Der Festzuschuss 2017

Wenn Zahnersatz nötig ist, dann hat man als Patient Anspruch auf Unterstützung durch der Krankenkasse. Zahnimplantate selbst sind zwar reine Privatleistungen und nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen (AOK, BKK, DAK, TK, BEK etc.) enthalten. Aber ein Kassenzuschuss wird trotzdem gewährt, wenn die neuen Zähne abschließend eingesetzt sind.

Der Festzuschuss der Krankenkassen ist unabhängig vom Zahnersatz

Für alle gesetzlich Krankenversicherte gilt ein Zuschuss-System für Zahnersatz, das auch die Versorgung mit Implantaten berücksichtigt. Basis hierfür bietet die Zuordnung von Kiefersituationen (Befunden) zu sogenannten Regelversorgungen und damit verbundenen Festzuschüssen. Die Art der Regelversorgung richtet sich nach Kriterien, die durch eine Kommission bestimmt werden (z.B. kleine Lücke = Brücke). Bei der Höhe der Festzuschüsse werden durchschnittliche Kosten für eine einfache Ausführung der letzten Jahren berücksichtigt.
Dadurch wird nun beispielsweise für eine Zahnlücke ein fester Zuschuss gewährt. Dabei ist es unerheblich, mit welchem Zahnersatz diese Lücke versorgt wird: sowohl für eine Zahnbrücke als auch für ein Implantat gibt es von der Kasse den gleichen Betrag: den befundorientierten Festzuschuss.

Ein gut geführtes Bonusheft erhöht den Festzuschuss um 20 bis 30%

Gab es früher eine prozentuale Bezuschussung auf den gefertigten Zahnersatz (je nach Bonus zwischen 50, 60 oder 65 %), ist diese nun festen Beträgen gewichen. Je nach Bonussituation (5 oder 10 Jahre vollständiges Bonusheft) erhöht sich dieser Festzuschuss um 20% oder 30%. Bei sogenannten Härtefällen wird sogar der doppelte Festzuschuss gewährt.

Heil- und Kostenplan vor Behandlung genehmigen lassen.

Für den Festzuschuss muss vorab ein Heil- und Kostenplan (HKP) bei der Krankenkasse eingereicht und von dieser genehmigt werden. Ansonsten ist die Kostenbeteiligung der GKV verwirkt. Das weiss auch Ihr Zahnarzt, und darf mit der Behandlung gar nicht beginnen.

Gerechter aber teurer für den Patienten

Das neue System wird zwar generell als gerecht angesehen, da teurere Versorgungen nunmehr nicht mehr besser aus dem Sozialsystem bezuschusst werden als einfache Lösungen. Da die Versorgungsqualität beim Zahnersatz in Deutschland aber weiterhin hoch ist, haben sich die Eigenanteilskosten für Patienten durch das Festzuschusssystem eher erhöht.

Komplette Kostenübernahme in Ausnahmefällen

In Ausnahmefällen (Ausnahmeindikationen: z.B. Tumorerkrankungen und schwere Fehlbildungen) dürfen die Krankenkassen die Kosten sowohl für Implantate als auch den Zahnersatz auf diesen Implantaten übernehmen. Dafür muss eine spezielle Begutachtung erfolgen, ob eine der (sehr seltenen) Erkrankungen vorliegt.

Feste Beträge für Zahnimplantate und Zahnersatz (Stand 1/2017)

Vollständiges Bonusheft ist Geld wert

Je nach Bonussituation gibt es einen Festzuschuss für eine Einzelzahnlücke=Zahnbrücke zwischen 336€ und 437€. Dieser gilt sowohl für ein Einzelzahnimplantat als auch für eine Zahnbrücke.
Innerhalb der Verblendgrenzen zusätzlich 51–66€ je Zahn und Brückenglied für den keramischen (Teil-)Überzug. Bei einer Zahnlücke im Frontzahnbereich würde (Regelversorgung: Brückenkonstruktion) also der 3-malige Festzuschuss für die Verblendung ausgelöst werden, und zwar für den fehlenden Zahn (Brückenglied) und die beiden Nachbarzähne. Insgesamt kann hier bei guter Bonussituation (30% höher) der Festzuschuss bei über 600€ liegen. Im Härtefall verdoppelt sich der Festzuschussbetrag, aber ohne Bonus.

Fehlen mehr als 4 Zähne soll eine Prothese her

Bei mehr als vier fehlenden Zähnen kommt der Festzuschuss für herausnehmbaren Zahnersatz zum Tragen, der je nach Befund und Bonus zwischen 340 und 442€ liegt. Dazu können bei Kombinatiosarbeiten (Hybridprothese) noch evtl. Zuschüsse für notwendige Kronen auf vorhandenen eigenen Zähnen kommen. Im Härtefall: doppelter Festzuschussbetrag ohne Bonus.

Beim zahnlosen Kiefer liegt der Festzuschuss im Unterkiefer zwischen 334€ und 435€, je nach Bonussituation. Beim zahnlosen Oberkiefer liegt dieser zwischen 313€ und 407€. Bei schwierigen Bisssituation kommen noch einmal 59-77€ dazu. Auch hier ist irrelevant, ob tatsächlich eine Vollprothese oder implantatgetragener Zahnersatz gefertigt wird.

Erneuerung und Wiederherstellung von implantatgetragenem Zahnersatz

Neu ist die Bezuschussung der Erneuerung von Kronen, Brücken und herausnehmbarem Zahnersatz, der auf Implantaten eingesetzt wurde (sogenannte Suprakonstruktion). Die Zuschüsse für eine neue Implantatkrone (gilt nur für Einzelzahnimplantate) liegen bei 141–184€, für einen komplett herausnehmbaren Zahnersatz (z.B. Stegversorgung) immerhin gut und gerne 600€.

Mehr Infos zur Kostenbeteiligung durch die Kasse

Es ist hier nicht möglich, alle erdenklichen Festzuschuss-Kombinationen zu erwähnen, aber wer sein Wissen über die neuen Festzuschüsse vertiefen will:

Festzuschuss für eine Zahnkrone
Festzuschuss für einen Stiftaufbau
Festzuschuss für eine Zahnbrücke
Festzuschuss für eine Vollprothese/bei Zahnlosigkeit


Literatur:
Informationen der Bundeszahnärztekammer zum Festzuschussystem
Befundorientierte Festzuschüsse in der Zahnersatzversorgung, Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) 2017
Abrechnungsinformationen der Fa. DAISY

Letzte Aktualisierung am Freitag, 13. Oktober 2017



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