Örtliche Betäubung (Lokalanästhesie) mit Spritze


Für die Schmerzauschaltung bei zahnärztlichen Behandlungen stellt die Lokalanästhesie ein absolut verlässliches Verfahren da. Das gilt im vollen Umfang auch für chirurgische, implantologische Eingriffe. Die Spritzen selbst können zwar auch unangenehm sein, aber so ein Piks ist auch schnell vorbei.

 
Kein schöner Anblick:
Die Spritze für eine Betäubung
 

Lokale Betäubungen können allerdings nicht die Angst vor der Behandlung selbst nehmen. Wenn diese übergroß ist, stehen mit der Sedierung (z.b: Dormicum®), Lachgas oder einer Vollnarkose weitere Optionen zur Verfügung.

Wie funktioniert eine lokale Betäubung?

Lokalanästhetika verhindern die Fortleitung von Reizen in Nervenbahnen und unterbinden so, dass ein Schmerz (oder auch Temperatur- oder Berührungsreiz) unser Gehirn erreicht.
In der Zahnarztpraxis wird heutzutage meist Articain eingesetzt, ein Lokalanästhetikum vom Amidtyp, das an die sogenannten Natriumkanäle der Nerven andockt und diese blockiert. Articain wirkt schnell und hat eine sehr gute Knochengängigkeit, was es für Anästhesie bei Implantbehandlung prädestiniert. Adrenalin wird als weiterer Inhaltsstoff hinzugefügt. Es wirkt stark gefäßverengend, was einerseits blutstillend wirkt und andrerseits durch den verlangsamten Abtransport die Wirkdauer von ca. 20 Minuten auf bis zu mehrere Stunden erhöht.

Empfindliche Regionen im Mund

Zwar kann man eine Spritze sicher nicht als angenehm bezeichnen, aber wie unerfreulich eine Injektion wird, hängt auch vom Ort der Injektion ab. Die Umschlagfalte (die typische Injektionsstelle zwischen Wange und Kieferkamm) kann die Betäubung leicht aufnehmen und ist im Seitenzahnbereich wenig empfindlich. Wenn der Implantologe die Spritze hier langsam, mit wenig Druck setzt, ist alles halb so schlimm.
In der Frontzahnregion ist die Empfindsamkeit dagegen sehr hoch. Aber auch hier kann man mit kurzzeitiger Eiskühlung oder einer Oberflächenanästhesie vor der Spritze für Erleichterung sorgen.
Der Gaumen ist aufgrund seiner derben Struktur kaum in der Lage, die Anästhesieflüssigkeit aufzunehmen. Auch hier ist die Spritze deutlich unangenehmer.

Infiltationsanästhesie und Leitungsanästhesie

Die linke und die rechte Kieferhälfte sowie die wangenseitigen und zungen-/gaumenseitigen Kieferabschnitte werden von jeweils unterschiedlichen Nervenbahnen versorgt. Anders als im Oberkiefer, bei der relativ kleine Nervenverästelungen die sensible Versorgung übernehmen, werden im Unterkiefer die Empfindungen über größere Nerven übertragen. Dadurch ergeben sich unterschiedliche Techniken der Schmerzsausschaltung durch eine Lokalanästhesie.
Bei der Infiltrationsanästhesie wird ein Depot im Bereich der Umschlagfalte gesetzt, das einen Bereich von bis zu 3 Zähnen betäubt. Für chirurgische (implantologische) Behandlungen ist in jedem Fall auch eine Injektion zungen-gaumenseitig erforderlich, um diesen Bereich mit zu betäuben.

Im Unterkiefer besteht die Möglichkeit, durch eine Spritze in die Kieferwinkelinnenseite den Unterkiefernervast (Nervus alveolaris inferior) und den Zungennerven (N. lingualis) zu anästhesieren, so dass die gesamte Kieferhälfte betäubt ist. Bei Implantatbehandlungen im Unterkiefer wählen viele Implantologen trotzdem die Infiltration, da der Knochen sich so gut betäuben lässt und der Hauptnerv, falls man zu nah ihn herankommt, noch Rückmeldung geben kann.

Intraossäre Anästhesie

Es besteht technisch auch die Möglichkeit, das Anästhesiematerial direkt in den Knochen zu leiten. Dafür wird eine Kanüle durch das Zahnfleisch in den Knochen gebohrt, über die dann die Flüssigkeit mit Druck direkt in den Knochen eingeleitet werden kann. Das hört sich zwar etwas grob an, ist aber tatsächlich nicht so unangenehm. Der Vorteil besteht in der sehr guten Steuerbarkeit bei geringen Mengen, was das Risiko für Nebenwirkungen (s.u.) herabsetzt. Das Verfahren ist gegenüber der Infiltration aber deutlich aufwendiger und erfährt daher keine große Verbreitung.

Risiken und Nebenwirkungen der Lokalanästhesie

Auch bei Betäubungsspritzen kann es zu unerwünschten Reaktionen kommen.

Versehentliche Injektion in die Blutbahn (relative Überdosierung)

Durch die obligate Aspiration (Zurückziehen des Spritzenkolbens) kann man während der Injektion leicht überprüfen, ob man mit der Nadel in einem Blutgefäß gelandet ist. Trotzdem kann es durchaus vorkommen, dass man bei der Injektion ein kleines Blutgefäß erwischt und z.B. Articain versehentlich in die Blutbahn kommt.
Es können sich daraufhin zentralnervöse Symptome mit Erregung ergeben. Auch Sedierung wurde beobachtet. Wenn sehr viel Material in die Blutbahn gelangt, kann es in seltenen Fällen zu Krampfanfällen kommen.
Das enthaltene Adrenalin wirkt auf Herz und Kreislauf. Blutdrucksteigerung und Herzjagen sind mögliche Nebenwirkungen einer relativen Überdosierung.

Absolute Überdosierung

Zu einer Überdosierung von Lokalanästhetika kann es durch zu viele Spritzen in zu kurzer Zeit kommen. Durch den Adrenalinzusatz verbleibt das Anästhetikum über einen längeren Zeitraum im Gewebe, so dass der Abtransport über die Blutbahn nur langsam erfolgt. Ohne Adrenalin oder bei ungewöhnlich hoher Durchblutungsaktivität kann es aber schon bei 3-4 Spritzen zu einer relevanten Konzentration in der Blutbahn mit den o.g. Symptomen kommen.

Nervverletzung bei der Leitungsanästhesie

Bei der Leitungsanästhesie versucht man ein Wirkstoffdepot möglichst nah an die Nerväste zu setzen, um eine gute und anhaltende Betäubung zu erzielen. Wenn man versehentlich den Zungen- oder Unterkiefernerv exakt trifft, kann -abhängig von der Injektionsmenge- eine Schädigung des Nerven eintreten, die sogar irreversibel (bleibendes Taubheitsgefühl) sein kann. Bei der ersten Injektion wird man als Patient schnell signalisieren, dass ein Volltreffer stattgefunden hat. Eine Nachinjektion (bereits betäubt) hat ein höheres Risiko.

implantate.com-Fazit

Die Lokalanästhesie ist einfach unverzichtbar für chirurgische Zahnbehandlungen. Die Infiltrationsanästhesie steht in der Aufwand-Risiko-Nutzen-Abwägung besonders gut da.


Literatur:
Evers, H.
Lokalanästhesie in der Zahnheilkunde: Ein Manual,
Taschenbuch, Springer; (2013)

Bildquelle: Fotolia bigguns

Letzte Aktualisierung am Montag, 16. Oktober 2017



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