Diskussions-Forum Zahnimplantate und Zahnersatz

Zyste wächst seit 6 Jahren im Oberkiefer

Heimscheiss_er
Mitglied seit 08. 02. 2023
6 Beiträge

Hallo alle miteinander,

ich bin 28 Jahre alt und habe/hatte seit etwa sechs Jahren eine Zyste, die in meinem Oberkiefer wächst. Ich möchte gerne meine Erfahrung mit euch teilen und hoffe, dass es anderen helfen wird, die durch ähnliche Probleme gehen.

Meine Odyssee begann mit einer vermutlich missglückten Wurzelbehandlung, die ich im Alter von 16 Jahren hatte. Der betroffene Zahn (Nr. 17 im Oberkiefer) wurde behandelt und bekam später einen Längsriss von der Krone bis zur Wurzel.

Ich wechselte daraufhin zu einem anderen Zahnarzt, der weitere unnötige Behandlungen durchführte. Es dauerte weitere sieben Jahre, bis ich schließlich einen neuen Zahnarzt fand, der vor drei Jahren unzufrieden mit einer Füllung an der Wurzel war. Die Füllung wurde neu gemacht und dabei wurde starkes Bluten festgestellt. Die Röntgenaufnahme ergab keine Auffälligkeiten.

Vor drei Monaten ließ ich aus optischen Gründen eine Krone auf den Zahn setzen. Während der Behandlung trat wieder eine starke Blutung auf. Das Röntgenbild zeigte jedoch keine Auffälligkeiten. Der Eingriff kostete mich 1500 Euro.

Vor einem Monat bemerkte ich eine Blasenbildung im Gaumen und auf der gegenüberliegenden Seite direkt über dem betroffenen Zahn. Eiter trat aus und ich bekam starke Schmerzen. Mein Zahnarzt verschrieb mir Antibiotika und ordnete einen 3D-Scan an. Die Diagnose war schockierend: Eine Zyste, die 1 cm lang war und den Knochen stark verdrängt hatte.

Mir wurden vier Möglichkeiten vorgeschlagen: Entfernung des Zahns (Krankenkasse), Brücke (Eigenleistung), Wurzelspitzenresektion (Krankenkasse, aber es gab viele negative Erfahrungen im Internet, und mein Zahnarzt drängte mich davon ab, da die Erfolgschancen bei nur 20 Prozent liegen), oder ein Implantat (Eigenleistung). Ich entschied mich für das Implantat, da mir versichert wurde, dass mein Zahnarzt sich um alles sehr gewissenhaft kümmern würde und den Heilungsprozess gut beurteilen könne.

Vor fast zwei Wochen wurde der Zahn unter lokaler Betäubung entfernt. Trotz Wurzelbehandlung hatte ich starke Schmerzen. Nach der Entfernung sah mein Zahnarzt die Zyste stönte. Die Zyste war 2 cm lang und erstreckte sich bis in meine Nasennebenhöhle. Er musste 2 cm³ Knochenaufbau einsetzen und 3 Membranen anstatt einer Membran wie üblich vernähen. Eine sehr traumatische Erfahrung für mich, da der Prozess mit starken Schmerzen begleitet war.

Er sagte, dass es sehr beeindruckend sei, dass mein Kiefer an dieser Stelle nicht zusammengebrochen sei und dass durch dieses Loch eine Minikirsche oder ein Daumen passen würde. Ich fand diese Nachrichten alles andere als beeindruckend, aber ich konnte seine Ansicht als Arzt verstehen.

Da eine direkte Verbindung zu meiner Nasennebenhöhle besteht, ermahnte er mich ausdrücklich, nicht zu niesen! Mindestens einen Monat. Das ganze könne man wegatmen. Sollte ich Niesen, würde das ganze Ersatzmaterial austreten und ich müsse eine Uniklinik in Würzburg aufsuchen.

Ich bin ein leidenschaftlicher Raucher und trinke auch gerne das ein oder andere Glas Alkohol. Mein Zahnarzt hat mir dringend geraten, mindestens zwei Wochen lang damit aufzuhören, da es die Durchblutung beeinträchtigt und somit die Wundheilung stören kann. Natürlich habe ich mich daran gehalten und werde das wohl auch länger als zwei Wochen durchziehen. Wenn es mir gelingen sollte, bis Ende diesen Jahres.

Ich frage mich jetzt allerdings, ob es hier jemanden gibt, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Hat jemand von euch auch einen Knochenaufbau von 2 cm hinter sich und kann mir sagen, wie die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung sind? Ich würde mich freuen, wenn jemand seine Erfahrungen mit mir teilt. Ansonsten stehe ich auch gerne zur Verfügung, um anderen in einer ähnlichen Situation beizustehen. Schmerzen habe ich Gott sei Dank keine, lediglich ein wenig austretendes Granulat und ein leichtes Pochen bei Überanstrengung. Mein Zahnarzt hat mir jedoch versichert, dass dies völlig normal ist und mit einem Bruch vergleichbar ist.

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochende und viel Kraft! Ich weiß, es ist alles andere als schön auf dieser Seite einzukehren, dennoch bin ich sehr dankbar an die Betreiber und die Mitglieder aus dem Forum. Möge Gott über euch wachen.



Agnes
Mitglied seit 25. 10. 2008
515 Beiträge

Ohne auf die Einzelheiten eingehen zu wollen, kann ich mir nicht vorstellen dass ein Loch der Länge 2 x 1 cm mit Knochenersatzmaterial erfolgreich geschlossen werden kann, schon gar nicht wenn noch eine bakterielle Entzündung in Gange war (wegen Eiter). Eine 14tägige Antibiotikakur reicht m. E. nicht um alle Restkeime zu vernichten. Knochenersatzmaterial darf nur bei absoluter Infektionsfreiheit der Wunde eingebracht werden, weil das Material sich noch in Knochen umwandeln muss. Beipackzettel des Materials findet man im Internet! Wenn kein stabiler Knochenumbau stattfindet, hält darin auch kein Implantat - und dir stünden womöglich weitere Eingriffe bevor.

Am besten einen MKG- bzw. Oralchirurgen drauf schauen lassen. Für solche umfangreiche Eingriffe ist ein Zahnarzt auch nicht unbedingt ausgebildet. So sagte es mir mein ZA, der meinte, große Eingriffe am Kieferknochen fielen außerhalb seines Kompetenzbereichs. Er verwies mich an einen MKG-Chirurgen, der nach Entfernung eines Implantats den dadurch entstandenen Knochendefekt mit Eigenknochen verschloss (ich hatte keine Zyste). Die Transplantate wurden mittels Titanschrauben fixiert. Knochenersatzmaterial war für ihn keine Option bei derlei großen Knochendefekten.



Heimscheiss_er
Mitglied seit 08. 02. 2023
6 Beiträge

Hallo Agnes,
danke für die schnelle Antwort. Leider passen die Maße in etwa. Für mich hat es den Eindruck gemacht, dass er auf die Größe nicht vorbereitet war.
Laut seinem Dvt sollte Sie 1 cm groß sein und tatsächlich war sie 2 cm. Er war sich sicher, alles gewissenhaft ausgeschabt zu haben. Laut seinen Angaben handelt es sich um eine besondere Zyste, da sie von der Wurzel gerade hochgewachsen ist und nicht in Richtung der benachbarten Zähne.
Ich habe 7 Tage Antibiotika genommen. 1000mg drei Mal täglich.

Ich kann Ihren Standpunkt zu meiner Angelegenheit gut nachvollziehen. Wäre mein ZA sich über die Maße im klaren gewesen, hätte er mich an eine Uniklinik verwiesen. Aber was tun, wenn die Operation bereits im vollen Gange ist. Ein leeres Loch ist wohl keine Option. Ärzte gestehen sich auch selten Fehler ein.
Ich vertraue diesem Zahnarzt, er macht für mich einen kompetenten Eindruck. Einfach ein gutes Gefühl. Außer bei diese Sache.

Wie soll ich dagegen Vorgehen ?
Ich bin einfach zu Nett und scheue die Konfrontation.
Kann ich die Meinung von einem Experten einholen ohne eine Überweisung?

Ich wünsche Ihnen einen schönen Start in die Woche. Danke für Ihre Zeit.



Agnes
Mitglied seit 25. 10. 2008
515 Beiträge

Du kannst mich ruhig duzen. Das handhaben die User in diesem Forum untereinander alle so. Nur mit den Ärzten siezen wir uns. Ein ungeschriebenes Gesetz ;-)

Es mag ja alles so gewesen sein wie du es beschreibst, auch dass er sorgfältig ausgeschabt hat. Aber es ist doch keine Schande, wenn er während der OP erst merkt, dass das Loch nach der Entfernung der Zyste viel größer ausfallen würde als anfangs vermutet. Dass er Knochenersatzmaterial (KEM) einbringen würde, hat er allerdings schon vorher gewusst. Hat er dich darüber aufgeklärt? Im Voraus, mit genügend Bedenkzeit bevor du deine Unterschrift geleistet hat? Das ist so vom Gesetzgeber vorgeschrieben (-> Patientenrechtegesetz). Wenn nicht, solltest du in Erfahrung bringen welches Material er benutzt hat. Den Beipackzettel findet man im Internet.

Vermutlich handelt es sich um Knochenersatzmaterial vom Rind, dessen organischen Bestandteile entfernt wurden (von australischen Rindern, weil auf dem Kontinent kein Rinderwahnsinn aufgetreten ist).

Als Anwendungseinschränkung bzw. Kontraindikation ist darauf angegeben: Bei akuter und chronischer Infektion im Operationsgebiet darf es nicht angewendet werden - wegen der Gefahr einer Osteomyelitis. Da die Zyste nach deiner Beschreibung schon 6 jahre bestanden hat, wäre das Risiko bei dir nicht mehr als "normal", sondern als "hoch" anzusehen.

Informiere dich gut und danach suchst du das Gespräch: Trage deine Argumentation / Bedenken / Sorgen vor. Wenn er Verständnis hat - wovon bei der Vorgeschichte auszugehen ist - wird er dir womöglich schon gleich eine Überweisung für eine "Zweitmeinung" ausstellen (Begriff googlen). Wenn nicht, kannst du deine Krankenkasse kontaktieren. Da eine Knochentransplantation bei Kenntnis der tatsächlichen Größe des Knochendefekts als Behandlungsoption zur Diskussion gestanden hätte, hast du darauf einen Rechtsanspruch. Du kannst auch "Zweitmeinung" + "Name" deiner Krankenkasse in einer Suchmaschine eingeben, da findest du bestimmt schon Info! Die Zweitmeinung soll dazu dienen, dir alle Behandlungsoptionen samt Risiken zu erläutern, damit du dich für eine entscheiden kannst. KEM kann wieder entfernt werden.

Besonders stutzig macht mich die "Blase am Gaumen" + "Eiter" + eine Rö-Aufnahme auf der "nichts Auffälliges" zu sehen war. Bei der Größe??? Vermutlich ging sie Richtung Gaumen und wurde von der Zahnwurzel verdeckt. Es könnte eine Fistel entstanden sein. Keime können sich auch in der knöchernen Gaumenplatte und dem Weichgewebe ausgebreitet haben - was auf dem DVT eher nicht zu sehen sein wird. Dem sollte zeitnah nachgegangen werden (!).

Alles Gute!



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