Diskussions-Forum Zahnimplantate und Zahnersatz

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Karl-Josef Mathes
Karl-Josef Mathes

Hallo,

wenn Markt, dann richtig Markt. Dann will ich das Recht haben zu entscheiden, bei welcher Versicherung ich meine Mitarbeiter versichere, ggf. auch im Ausland. Dann will ich auch entscheiden können, wie hoch mein eigener Bürokratieaufwand ist. Dann will ich auch meinen Preis selbst bestimmen können. All das darf ich aber, im Gegensatz zu meinem billigeren Konkurrenten im Ausland nicht. Warum dürfen wir dann nicht z.B. Arbeitskräfte aus diesen Ländern zu dortigen Löhnen hier arbeiten lassen. Ich weiß, soweit geht die Liebe zum Markt sicher auch bei Ihnen nicht, bei mir ohnehin nicht.

Unser Staat sorgt dafür, dass wir nicht mit Polen konkurrieren können, niemand sonst! Ich würde ja gerne wirklich unternehmerisch tätig werden, ich darf aber nicht. Jeden Tag, den Gott werden läßt, überschwemmen die Witzbolde aus Berlin mich neu mit teuren und völlig unsinnigen Aufgaben. Allein im letzten Jahr durfte ich ca 20.000 EUR für formalistischen Quark ausgeben. Wenn dieser ganze Quatsch entweder abgeschafft wird - oder für alle in Europa gilt - dann haben wir Markt. Was wir jetzt haben ist eigentlich ein Schutzzaun für die Billiglohnländer. Aber machen wir munter so weiter. Die dortigen Arbeitnehmer werden dann sicher die Renten all derer bezahlen, die jetzt deren Arbeitsplätze finanzieren.

Sie haben mit einem völlig Recht: Wettbewerb ist die einzige Regulierungsmöglichkeit. Das sehe ich auch so. Aber, wenn wir schon einen Wettlauf machen, dann für alle unter gleichen äußeren Bedingungen und nicht der eine mit und der andere ohne Klotz am Bein. Und wer für reinen Marktwettbewerb ist, der muß auch für Lohnwettbewerb (nicht im Inland, sondern auch mit Polen und Estland) und Sozial(dumping)wettbewerb mit diesen Ländern sein. Das gehört dann dazu.

Und zu den Autos: Soweit ich weiß, schützt z.B. Japan seinen Automarkt in ganz beträchtlichem Umfang.

Und nochmal zurück zu meinem ersten Posting. Daß die Krankenkassen zwangweise meinen Mitarbeitern Geld wegnehmen, um damit Arbeitsplätze in z.B. Estland zu finanzieren und damit direkt zur Abschaffung der Arbeitsplätze bei mir beitragen, was bitte hat das mit Markt zu tun?

Viele Grüße

K.-J. Mathes



mario
mario

Hallo Herr Mathes,
es ist wirklich den Aufwand nicht wert,sich bei Leuten zu rechtfertigen,welche das ges.Gesundheitssystem nicht verstehen bzw. nicht verstehen wollen.Desweiteren können nur wenige Bürger die Disharmonie des Staates zum Unternehmertum nachvollziehen. Da wir an der bevorstehenden Entwicklung sowieso nichts ändern können ,sollten wir uns darauf beschränken ,diese unter unternehmerischen Gesichtspunkten zu überwachen und bei Bedarf ebenfalls eine Betriebsstättenverlagerung zu kalkulieren.
Als zufriedener "Deutschland-Patient" wünsche ich Ihnen auf jeden Fall ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2007 und danke Ihnen auch für die interessanten Beiträge in diesem Forum im Jahr 2006



Konrad
Konrad

Hallo auch Herr Mathes,
sie haben schon recht. Der deutsche Staat ist in dieser beziehung nicht sonderlich unternehmerfreundlich, zuminmdest nicht kleinunternehmerfreundlich. Und natürlich ist es nicht möglich, ihre Mitarbeiter im Ausland zu versichern. Aber z.B. durch eine Kooperation mit ausländischen Zahnärzten wäre ihnen durchaius möglich eine Marktlücke für sich zu nutzen und die Möglichkeiten der europäischen Gesetzgebung auszuschöpfen. Ziel soll auch keinesfalls sein, Zahnärzte in Deutschland an den Bettelstab zu bringen. Es ist vielleicht einfach nur Zeit ein wenig umzudenken. Mit der Politik die Qualität von ausländischem Zahnersatz grundelegend zu verdammen wird jedenfalls nicht mehr lange Staat zu machen sein. Das stimmt nämlich ebensowenig, wie die durchgehend gute Qualität in Deutschland. In Skandinavien ( z.B. Schweden) ist man schon länger dazu übergegangen mit ausländischen Zahnkliniken zusammenzuarbeiten. Und dort gewinnt jeder, Arzt wie auch Patient.
Und das Märchen mit den bettelarmen Akademikern mag vielleicht für Polen stimmen. In Estland ist der Stellenwert und Verdienst eines Zahnarztes absolut mit dem deutschen Standard vergleichbar, natürlich immer am Lebenshaltungsindex des jeweiligen Landes gemessen.
Lassen sies doch einfach mal auf einen Versuch ankommen.
Gruss
Konrad



Karl-Josef Mathes
Karl-Josef Mathes

Hallo,

dass der Akademiker in Estland in etwa mein Einkommen hat, das glaube ich gern. Aber seine Helferin verdient ein Bruchteil dessen, was meine kostet und seine Praxis kostet ein Bruchteil dessen, was meine kostet. Da liegt der Hund begraben. Dort herrscht finsterster Ausbeutungskapitalismus, nicht nur im Gesundheitwesen. Schauen Sie sich mal das dortige Lohnniveau und demgegenüber den Lebensstandard der Oberschicht an. Von sozialen Standards will ich gar nicht reden.

Und eine Zusammenarbeit mit ausländischen Kliniken ist mir leider verboten, zumindest wenn ich daraus einen wirtschaftlichen Vorteil ziehe. In Skandinavien ist das etwas anders geregelt. Im Übrigen haben die dort zunehmend das Problem, mit eigenen Ärzten die Bevölkerung nicht mehr versorgen zu können. Deshalb versuchen sie dauernd, Ärzte aus Deutschland abzuwerben. Ich kann mir z.Z. fast in ganz Europa das Land aussuchen, in dem ich arbeiten will. Und glauben Sie mir, wenn ich keine schulpflichtigen Kinder hätte, wäre ich auch nicht mehr da.

Zur Qualität ausländischer Ärzte habe ich hier im Forum mich noch nie geäußert. Ich kenne sie nicht und kann entsprechend nichts dazu sagen. Es ist halt nur hier einfacher, wenn es mal wirklich zu einem GAU kommt, seine Ansprüche durchzusetzen. Im Übrigen bin ich in meiner Praxis mit diesem Thema noch nie konfrontiert worden. Ich bin also in der guten Lage, mich mit dieser Frage nicht befassen zu müssen. Es ist vielleicht auch eine Frage, welchen Anspruch ich an meine Arbeit stelle. Ich würde auch nie eine technische Arbeit an einem Ort herstellen lassen, der soweit entfernt ist, dass der Techniker sich den Patienten nicht selbst ansehen kann und ich mit ihm von Angesicht zu Angesicht den Fall besprechen kann. Einen Zahnersatzimport aus z.B. China ist für mich unvostellbar, aus kommunikativen Gründen. Aber, wie gesagt, dass ist eine Frage des Anspruchs.

Aber alle meine Aussagen zur sozialen Verantwortung des Einzelnen bleiben so, wie ich sie gemacht habe. Jeder hat die Zukunft auch ein Stück in der eigenen Hand, und jeder kann in seinem Bereich entweder für das Gemeinwohl oder eben für ausschließlich seine Interessen entscheiden. Dies hier ist, zumindest was das angeht, ein freies Land.

Viele Grüße

K.-J. Mathes



ein Arzt
ein Arzt

"Und wenn ich zu ihm gehe weil ich Schmerzen habe bekommt er die Arbeiten ebenso wie seinen Notdienst auch gut bezahlt."

an Konrad:
Ich lache mich schlapp. Notdienst ist das absolute Grauen. Die Bezahlung ein Witz.
Implantate im Ausland, schön die Schmerzen beim ZA nebenan.....das lieben wir.

Bete, daß falls eines Deiner Kinder vom Auto angefahren wird und auf dem Intensiv-OP liegt noch genügend Ärzte im Land sein werden, um Hilfe zu leisten.
Es sei denn, sie sind auch ins Ausland: Schweiz etc. gegangen...

Viel Spaß den Schnäppchenjägern!



Konrad
Konrad

Hallo "ein Arzt",
so schlimm deine Zukunftsprognose auch klingen mag.
Sorgen mache ich mir keine:
1. weil ich persönlich jetzt gar keine Arzt kenne, der aus Deutschland auswandern will.
( Meinem Zahnarzt, zu dem ich ein gutes Verhältnis pflege, geht es jedenfalls nicht so schlecht, dass er demnächst umsiedeln will.)

und

2. ich meine Kinder, sollten sie mal vom Auto angefahren werden eigentlich nicht zum Zahnarzt bringen wollte.

und

3. ich meinen Kindern auch eine eventuelle Zahnspange in Estland anfertigen lassen werde, denn bei 99 Euro für Hin- und Rückflug kann man sich schon intensiver betreuen lassen.
(Ich pflege ausserdem auch zu meinem estnischen Zahnarzt ein gutes Verhältnis.)

Gruss

Konrad



Karl-Josef Mathes
Karl-Josef Mathes

Hallo Konrad,

bei Ihrem guten Verhältnis zu den Esten werden die sicher später auch die Rente von Ihnen bezahlen.

Punkt drei ist übrigens selbst bei den Flugpreisen albern.

Gruß

K.-J. Mathes



Konrad
Konrad

Hallo Herr Mathes,
eine Frage: Ich bin 34. Denken sie denn wirklich ich rechne in Deutschland ernsthaft noch mit Rente?

Und ausserdem:
Für mich rechnet es sich schon, weil ich mich vor einiger Zeit mit diesem Thema selbstständig gemacht habe und da ich so sowieso monatlich in Estland bin um meine Kunden zu betreuen fällt das nicht ins Gewicht.
Und auf die Art werden die Esten in der Tat für me4ine Rente sorgen.
Wie bereits gesagt:
Jeder ist seines Gkückes Schmied.
Gruss
Konrad



Heike D
Heike D

Irgendwie schon sehr erhellend, daß die Leute die sich hier so vehement für freie Märkte, Manchesterkapitalismus und ausländischen Zahnersatz einsetzen oft selber daran verdienen. Moralisch gesehen, auch wenn das bei Gewinnmaximierung natürlich nicht interessiert, ist das ein Verhalten das mich sehr an die Kolonialherren des 19. Jahrhunderts erinnert, womit auch die Sozialreformer aus der Zeit wieder ihre Berechtigung haben :-).
lg Heike



Konrad
Konrad

Hallo Heike,
ist doch auch nur verständlich, dass jeder seinen Standpunkt vertidigt oder?
Und meine Philosophie ist eigentlich nicht die Gewinnmaximierung. Das habe ich lange genug erleben müssen, als ich noch in Brot und Dienst als Projektingenieur stand.
Ich kann von meiner Arbeit leben und das ist auch ok so.
Als Kolonialherr habe ich mich eigentlich noch nie gesehen... Aber Geld ist keineswegs alles-
Ich meine eben, dass bei meiner Arbeit jeder Beteiligte gewinnt.
Der Patient, der ne Menge weniger bezahlt, der ausführende Zahnarzt, der seinen Lebensunterhalt verdient und natürlich auch ich, bei dem es funktioniert mit seiner Freundin in estland zusamenzuleben und trotzdem 2 Wochen im Monat seine Kinder in Deutschland zu sehen.
Gruss
Konrad