Diskussions-Forum Zahnimplantate und Zahnersatz

Schulterbeschwerden nach Implantation

wolfgang olias
wolfgang olias

Hallo, ich habe am 6.11.06 ein Titan-Implantat
im UK rechts bekommen, das sehr gut eingeheilt ist. Am 12.3.07 soll der Zahnersatz vorbereitet werden für neue Brücke (mir fehlen links und rechts alle Backenzähne) - Hybridkonstrucktion.
Im Mundraum bin ich beschwerdefrei, jedoch meine rechte Schulter schmerzt seit 6.11.06-OP.
Ich vermute, dass Metall im Körper Störfelder produziert oder vorhandene aktiviert. Manchmal kann ich den rechten Arm nur eingeschränkt bewegen, manchmal aber merke ich nur wenig. Es ist jedoch ein Dauerschmerz. Habe früher dort nie die geringsten Beschwerden gehabt. Bin 56 Jahre alt. Gibt es für mich eine Alternative (Zirkon, Keramik etc)? Oder habe ich Chancen, dass sich die Beschwerden verlieren. Ich schrecke vor der Entfernung des jetzigen Titanimplantates zurück, würde mich aber gern von euren Erfahrungen leiten lassen. Meine Gedanken zu Metall im Körper: Stromleiter, Magnetisierung, odpositive Aufladung, Allergie ... Es fällt mir schwer das Puzzle zusammenzusetzen, zumal der Mundbereich weder Spannung noch Schmerz zeigt. Im voraus herzlichen Dank!



L. Jensen, ZA
L. Jensen, ZA

Hallo,
wenn alle Backenzähne Fehlen, so fehlt dem Kiefergelenk auch die gesamte Abstützung. Dies kann über lange Zeiträume vom Kausystem kompensiert werden und ohne jegliche Beschwerden funktionieren. Durch ein traumatisches Ereignis, und dazu kann durchaus ein langes Mund-Offenhalten bei einer Operation zählen, kann das aus dem Gleichgewicht geraten und eine Muskuläre Störung mit Verspannungen und Beschwerden bis in die Schulter verursachen. Zur Therapie sollte Ihre Kaufunktion unter funktionellen Aspekten wiederhergestellt werden (ev. mit vorausgehender Schienenbehandlung, physiotherapeutischer Begleitbehandlung und festsitzend-implantatgetragen ist da auch geeigneter als herausnehmbar-schleimhautgetragen).
Dies ist als Ursache um Welten wahrscheinlicher als jede Störfeldtheorie, falls die beiden Sachen überhaupt etwas miteinander zu tun haben.
Gruß, L. Jensen



wolfgang olias
wolfgang olias

Danke Herr Jensen für Ihre spontane und interessante Antwort!
Ich muß ergänzend sagen, dass mir die Backenzähne nur im Unterkiefer fehlen und ich bis dato durch herausnehmbaren Zahnersatz im Backenbereich beidseitig kaue. Allerdings hatte sich unter den Ankerzähnen (verkront) jeweils kurzfristig Karies gebildet (z.T. mit Zahnverlust), sodass ich mich für mein erstes Implantat entschied (6.11.06). Jetzt soll nur der Implantatzahn einen Anker bekommen, auf der anderen Seite ist ein Teleskopaufsatz geplant. Haben Sie mit Ankern ähnlich schlechte Erfahrung gesammelt? Was ich nicht verstehe, ist mein Topfeeling im Kiefer
bei schmerzender Schulter. Ich weiss jedoch über die Akkupunktur, dass auch voneinander entfernte Körperbereiche/-organe miteinander "telefonieren". Mein Akkupunkturarzt (HNO-Chirurg, Dr. med.) hat ein Zusammenhang von Titanimplantat und Schulterschmerz spontan eingeleuchtet. Jedoch kann die beste Akkupunktur "gegen" ein bestehendes Implantat nichts ausrichten.
In einem anderen Forum bezeichnet eine Zahnärztin Titan kritisch als das "Amamlgam der Zukunft" (mit ähnlich pragmatisch-guten Eigenschaften ...). Ich bin nur Laie und freue mich über jede(!) Hilfestellung. Mit dankbaren Grüßen W.Olias



L. Jensen, ZA
L. Jensen, ZA

Solche Äußerungen sind wissenschaftlich nicht haltbar.
Ihr Topfeeling im Kiefer wiederum spricht sehr für eine problemlose Verträglichkeit des Materials und die Beschwerden in der Schulter für eine muskuläre Beteiligung.
Ob die Backenzähne dabei nur in einem oder in beiden Kiefern fehlen ist unerheblich, auf jeden Fall fehlt die Abstützung beim Zusammenbiß, eine herausnehmbare Prothese sinkt zum einen etwas in die Schleimhaut ein, zum anderen sind die darin üblicherweise verwendeten Kunststoffzähne recht starker Abrasion unterworfen, so daß eine korrekte Abstützung nicht gegeben ist. Das plötzliche Fehlen eines der Haltezähne verstärkt den erstgenannten Effekt. Haben Sie vielleicht nach der Implantation Ihre Prothese erst einmal nicht getragen? Das würde es nochmal verstärken.
Fazit: Dies sind alles handfeste Gründe und keine durch nicht belegbare Energiebahnen. Die Therapie würde sich als erstes auf Physiotherapie beschränken, bei Besserung dann Rekonstruktion der Bißlage. Das Implantat muß nicht entfernt und durch ein anderes (oder finden Sie dann jemanden, der eine schädliche Energie der Keramik gefunden hat??) ersetzt werden.
Gruß, L. Jensen



wolfgang olias
wolfgang olias

Danke für die Antwort! Ich werde Ihre Anregungen beim nä. ZA-Termin einbringen.
Auch verstehe ich Ihre Vorbehalte gegenüber meinen Argumenten nur zu gut. Zu bedenken wäre jedoch, dass der Schulterschmerz sich seit der OP vor über 4 Monaten tatsächlich verschlimmert hat, je besser das Implantat einwuchs
obwohl ich die Schulter weniger belaste denn je.
Auch hat sich meine Zahnprothetik seit über 3 Jahren nicht verändert (es wurde nur der gezogene Zahn in der Prothese "ersetzt", künstlich ausgefüllt). Ich konnte sie nach der OP am 6.11.06 (nach ein paar Tagen Unterbrechung) voll weiterverwenden. Problematisch war noch die wochenlang andauernde, starke Schwellung im Bereich zwischen Implantat und Zunge (Speicheldrüse?). Sie ist erst seit kuzem ganz verschwunden, nicht aber die Schulterproblematik. Freundliche Grüße W.Olias



wolfgang olias
wolfgang olias

Danke, das war jetzt sehr wertvoll für mich!

Kann es sein, das durch die Einblutung nach Perforation ein dauerhafter Schaden/Belastung entstanden ist?
An eine unmittelbare Materialunverträglichkeit glaube ich, ehrlich gesagt, auch nicht. Ich weiss nur zu wenig über das grob-/feinstoffliche Verhalten von Metallen im Körper. Vielleicht ist auch hier -wie so oft- die Zeit unser bester Lehrmeister (wenn man sie denn hat). Wie lange hat man hochdosiert geröntgt, Amalgam weltweit millionenfach eingesetzt und vieles andere mehr, bis der Schaden dem Verstand zugänglich wurde. Einen Vorwurf kann man selbstverständlich deshalb niemandem machen. Jeder gab/gibt sein Bestes. Der Rest ist das berühmte Lehrgeld...
Einmal mehr danke und schöne Grüße W.Olias



wolfgang olias
wolfgang olias

Ach, ergänzen muß ich noch, dass ich in den ca. 6 Wochen zwischen Extraktion des durchgefaulten Ankerzahnes (29.9.06) und dem Setzen des Implantates an selbiger Stelle (6.11.06) keinerlei Schulterprobleme hatte. Die Prothese konnte ich auch in der Zeit voll einsetzen. Gruß W. Olias



Ellen
Ellen

Hi Wolfgang,

der Faktor Z.ufall ist ja auch nicht zu unterschätzen, wobei ich die Ausführungen von Dr. Jensen auch nicht uninteressant finde.
Aber zu dem Feinstoff-Zeugs ;-) Ich habe eine Homöopathin, die bei all solchen Dingen mehr als skeptisch bis ablehnend ist. Bei meinen 12 Implantaten hat sie sich aber niemals auch nur ansatzweise negativ geäußert.

Gute Besserung,
Ellen

P.S. das Wort Z.ufall darf man hier nicht schreiben *grübel*



Univ.med.Dr. D. Sonnleitner
Univ.med.Dr. D. Sonnleitner

Titan oxidiert an der Luft während der Verarbeitung innerhalb von Nanosekunden zu Titanoxid (TiO, TiO2, Ti2O4). Dieses Oxid hat keramisch Eigenschaften isliert und maskiert das innere Metallgitter. Mit dieser keramischen Schicht reagiert das Knochengewebe. Die Wahrscheinlichkeit einer isolierten funktionellen Problematik des Bewegungsapparates ist eher wahrscheinlich. Oft fallen fremde Symtome mit einer Operation zusammen und natürlich hat jeder Mensch das Bedürfnis Zusammenhänge herzustellen. Bei Akkupunkturmessungen würden mich mal Studien interessieren, die die Messgenauigkeit dieser Methode klarlegen. Jeder weiss, dass Tachos beim Auto unterschiedlich genau messen. Wir wissen nicht ob die Genauigkeit der Elektroakkupunkturmessung 50%, 40% 90% oder 99% ist. Deshalb würde ich mich nicht beirren lassen und einen Facharzt für physikalische Medizin oder einen Orthopäden aufsuchen.
Das Implantat, soferne es knöchern eingeheilt ist, auf jeden Fall belassen.



wolfgang olias
wolfgang olias

Danke, Herr Dr. Sonnleitner, für die guten Hinweise, auch bezüglich der Eigenschaften von Titan. Ich werde mit dem Implantat solange weitermachen, solange es Arm und Schulter zulassen und ich keine konkreten Anhaltspunkte für eine Kurskorrektur bekomme. Ihr Kollege, ZA Jensen (s.o.) hatte aus meiner starken, wochenlangen Schwellung zw. Zunge und Implantat eine Perforation des Knochens mit starker Einblutung erkannt. Kann so etwas Dauerfolgen haben, evtl. mit meinem Schultersyndrom in Verbindung stehen (z.B. durch ein Hämatom o.a.)? Unabhängig von diesen Überlegungen werde ich wohl, wie angeraten, einen Orthopäden aufsuchen müssen. Eine physikalische Therapie könnte Linderung bringen, wohl aber kaum die Ursache beheben, die zur chronischen Belastung führte. Es könnte sein, dass die OP nur der Auslöser war für etwas, das schon länger verdeckt war und jetzt "ausreguliert", so will ich es gern positiv denken. Hoffen wir das Beste! Viele Grüße W. Olias