Diskussions-Forum Zahnimplantate und Zahnersatz

Schmerzen beim Kauen auf neuer Implantatkrone

Ralle66
Mitglied seit 26. 10. 2017
6 Beiträge

Hallo,
habe vor 6 Wochen ein Implantat bekommen..Zahn 14
Vor 2 Tagen wurde mir dann die Zahnkrone eingeschraubt.
Nachdem sich der erste Druckschmerz gelegt hatte habe ich
natürlich auch versucht den neuen Zahnersatz zum Kauen zu
benutzen. Leider habe ich beim aufbeissen, speziell bei etwas
härteren Speisen, starke Schmerzen.
Wenn ich von der Innen- als auch von der Aussenseite an die
Zahnkrone klopfe tut es ebenfalls weh.
Mein Zahnarzt kann leider keinen Fehler feststellen(Röntgenbild,
Aufbiss etc.).
Meine Frage: Ist das denn normal bzw. wird sich das noch legen?
Mache mir echt ernsthafte Sorgen, zumal zuvor bereits eine normale
Überkronung beim 14er nicht funktioniert hatte. Da waren die Symptome
ähnlich und der Zahn wurde letztendlich gezogen und es wurde mit der
Implantatbehandlung begonnen.
Wäre dankbar für jede Info...LG

War gerade beim ZA...der hat die Implantatkrone jetzt nochmal wieder abgeschraubt.
Er ist der Meinung, das die Krone etwas zu stark auf das Zahnfleisch drückt und das dadurch die Schmerzen zustande kommen. Der Zahntechniker soll das jetzt nochmal nachbearbeiten und in 2 Wochen bekomme ich die Krone wieder eingesetzt...dauert so lange da mein ZA jetzt in Urlaub geht...kann die Diagnose stimmen?LG



docwolf
docwolf

Guten Tag,
wurde ein Festigkeitstest des Implantats gemacht? Bei Belastungen der Implantatkrone entsteht eigentlich kein höherer Druck auf das Zahnfleisch, was so die Schmerzen erklären würde.
mfg
Wolff



Ralle66
Mitglied seit 26. 10. 2017
6 Beiträge

Guten Morgen,
ein Festigkeitstest wurde nicht vorgenommen. Mein ZA meinte, das auf dem Röntgenbild alles gut aussieht und das das Klopfgeräusch auch darauf schliessen lässt, das das Implantat komplett und korrekt eingewachsen ist.
Wie würde denn so ein Test aussehen?
Jetzt, wo die Implantatkrone weg ist, sind die Beschwerden wieder komplett weg.
Ich kann auch Druck auf das Implantat geben (z.B. mit dem Finger draufdrücken oder mit etwas hartem aufbeissen)
Was passiert denn in dem Fall das das Implantat noch nicht fest verankert ist?
Werde ich das Implantat dann verlieren, oder besteht noch die Möglichkeit das das
Implantat im Laufe der Zeit doch noch stabil einwächst?
Danke schon einmal für die bisherige Antwort und hoffentlich auch noch für die Folgenden..LG



Agnes
Mitglied seit 25. 10. 2008
358 Beiträge

@ Ralle,

ein Röntgenbild ist grundsätzlich nicht geeignet um die Implantatposition zu beurteilen. Knochenanteile vor und hinter dem Implantat können damit nicht dargestellt werden, sie werden vom Implantat selbst verdeckt. Deshalb sollte ein Festigkeitstest unbedingt durchgeführt werden. Auch eine Sondierung könnte Aufschluss bringen.

Der Kausalzusammenhang von Schmerzen beim Kauen mit der Implantatpositionierung ist exakt durch die Hebelwirkung erklärbar. Kraft mal Kraftarm = Last mal Lastarm.

Bei einem nicht vollständig im Knochen osseointegrierten Implantat, übt die Prothetik (Krone + Abutment) beim Kauen eine Hebelwirkung auf das Implantat aus. Wird die Implantatkrone entfernt, fällt die Hebelwirkung weg und Druck auf dem Implantat wird als schmerzfrei empfunden.

Je länger der Hebelarm (=Kraftarm), desto größer ist die Kraft, die beim Abbeißen bzw. Kauen auf den Lastarm ausgeübt wird. Unter Belastung (Kauen Abbeißen) entstehen Risse im Knochen bzw. reißt der restliche Verbund Implantat/Knochen an der Implantatoberfläche ab.

Hier kannst du dir eine Datei (mit Foto + Erklärung eines Implantats bei hochgeklapptem Zahnfleisch und daneben Röntgenaufnahme des gleichen Implantats mit Abutment und Krone) downloaden
[url=http://filehorst.de/d/cEfiwCqk]Datei von filehorst.de laden[/url]

Zwecks besseren Verständnisses!



Ralle66
Mitglied seit 26. 10. 2017
6 Beiträge

Hallo Agnes,

erstmal ganz herzlichen Dank für die ausführliche Erklärung des Problems.
Was wäre denn die Folge dieser Diagnose? Kann man nicht einfach noch
ein bisschen länger warten, bis der Knochen komplett um das Implantat
gewachsen ist? Oder muss das Implantat dann wieder raus und der ganze
Spass beginnt von vorne? Hätte dann allerdings ziemlich Angst davor das
das Ergebnis beim nächsten Mal wieder das gleiche ist..LG



Agnes
Mitglied seit 25. 10. 2008
358 Beiträge

@ Ralle,

Nun kenne ich die Situation nicht, auch nicht den Implantattyp, aber 6 Wochen Einheilzeit für ein Implantat im Oberkiefer (14) kommt mir doch recht kurz vor. Der Organismus ist schlecht programmierbar, unabhängig vom Implantatmaterial; er nimmt sich einfach die Zeit zum Ausheilen. Wird der Knochen schon vor Ausheilung einer Belastung ausgesetzt, ist das nicht optimal für den Heilungsprozess, u. U. verlängert sie sich um die vergangene Zeit.

Wurde denn Knochenaufbau vorgenommen? In dem Fall ist 6 Wochen definitiv nicht ausreichend. Auf Festigkeitstest und Sondierung sollte nicht verzichtet werden. Fehlt allerdings, wie auf dem Foto, der Knochen von einer Seite ganz, dann ist Hopfen und Malz verloren: der Knochen wird nicht mehr um das Implantat herum wachsen. Das Implantat muss explantiert werden.

Wie gesagt: Röntgenbilder haben nur eine sehr begrenzte Aussagekraft, jedenfalls wenn eine Zahnwurzel oder ein Implantat Teile des Knochens verdecken. Nicht mal das DVT, direkt vor der Explantation (siehe Foto), war in der Lage den fehlenden Knochen von der Frontseite abzubilden. Wenn allerdings das Implantat wegen Fehlposition raus muss, ist das Implantatbett leer . In dem Fall ist ein Rö-Bild, was die Knochensubstanz angeht, wesentlich brauchbarer um die Gesamtsituation zu beurteilen. Nach fehlgeschlagener Implantation immer Planung mit Bohrschablone - und Implantologen mit Erfahrung für komplizierte Fälle!

https://www.implantate.com/wie-laeuft-eine-implantat-behandlung-ab.html



Ralle66
Mitglied seit 26. 10. 2017
6 Beiträge

Ja, mir kamen die 6 Wochen Einheilzeit auch recht kurz vor.
Habe vor einigen Jahren im Unterkiefer bereits einmal ein
Implantat bekommen. Da war die Einheilzeit um einiges länger.
Es handelt sich um ein iSy Implantat P1410.5011 (so steht es im Behandlungsplan)
Vielleicht ist es ja ganz gut das die Implantatkrone jetzt nochmal 2 Wochen
raus ist. Da hat der Knochen nochmal ein bisschen Zeit zum einheilen.
Habe echt bammel vor dem Termin nächste Woche und hoffe, das man das
Implantat dann doch noch retten bzw. benutzen kann.LG



Agnes
Mitglied seit 25. 10. 2008
358 Beiträge

Zwei Wochen werden vermutlich nichts bringen, eher zwei Monate.
Hat der ZA womöglich die Werbebroschüre zu wörtlich genommen? ;-)



Ralle66
Mitglied seit 26. 10. 2017
6 Beiträge

Kann ich nicht sagen. Steht das denn so da drin?
Würde es denn was bringen, wenn ich einfach
noch 2 Monate nicht auf der Seite kaue?



Agnes
Mitglied seit 25. 10. 2008
358 Beiträge

Also, ich habe im UK zwei Implantate, kein Knochenaufbau. Trotzdem haben meine Behandler auf eine Einheilzeit von 5 - 6 Monaten bestanden. Im OK, beim 11er, sind die erste zwei implantationen voll deneben gangen. Beim dritten Implantat, nach vorangegangener Explantation, wurde 8 Monate abgewartet. Nun ist es fest und belastbar.

Nach meinen Erfahrungen funktioniert die Absicht eine Krone nicht belasten zu wollen nicht. Das hatte ich auch vorgehabt mit dem zweiten Implantat am 11. Ging nicht. Es kommt trotzdem zu einer Belastung, obwohl ich es aktiv nicht benutzt habe. Das verhindert , dass ein stabiler Verbund zwischen Implantat und Knochen erreicht wird. Und der ist letztendlich für die Stabilität und die Lebensdauer eines Implantats ausschlaggebend.

Google mal mit dem Implantattyp, dann findest du es selbst heraus. ich will hier ja keine Negativwerbung betreiben. Es ist eine gute Marke und gegen die Firma ist auch nichts einzuwenden - sehr kulant Patienten mit Implantatverlust in der Frühphase gegenüber (davon habe ich sogar profitiert). Aber wie es so ist in der Wirtschaft: ein neues Produkt muss erst einmal an den Mann gebracht werden, d. h. zuerst muss der ZA überzeugt werden.

Alles Gute, ich drücke die Daumen, dass es bald fest wird.