Diskussions-Forum Zahnimplantate und Zahnersatz

Psychische Probleme durch Frontzahnimplantat

zahnfleischluecke
Mitglied seit 16. 09. 2018
7 Beiträge

Hallo,

ich wende mich an dieses Forum, in der Hoffnung, eine ehrliche Meinung zu erhalten. Es war eine große Überwindung, diesen Beitrag zu schreiben. Ich schiebe es mehr oder weniger schon über 2 Jahre vor mir her und bin in dieser Zeit extrem depressiv geworden.

Vor etwa 3 Jahren hat man mir ein Frontzahnimplantat gesetzt (11, im Bild links). Der Nachbarzahn (21) wurde nicht gezogen und durch ein Implantat ersetzt, sondern nur überkront. Bevor ich der Behandlung zugestimmt habe, wurde mir von Seiten des Kieferchirurgen und des Zahnarzts versichert, dass man danach keinen Unterschied zu natürlichen Zähnen mehr sehen wird. Das Resultat ist in den angehängten Bildern zu sehen.

Kurz gesagt: Ich bin mehr als enttäuscht vom Ergebnis. Der Zahn mit dem Implantat erscheint viel kleiner als der mit der Krone und außerdem ist die Form unnatürlich. Um die Längen der Kronen anzupassen, wurde am oberen Rand des 21er ein "künstliches Zahnfleisch" auf der Krone aufgeklebt. Dieses ist nun nach 2 Jahren abgefallen und jetzt ist der Längenunterschied wieder deutlich sichtbar. Dort wo der gelbliche Rand oben zu sehen ist, war das künstliche Zahnfleisch ursprünglich, aber ehrlich gesagt sieht es ohne das künstliche Zahnfleisch zwar asymmetrischer, aber nicht ganz so hässlich aus. Die Farbe des künstlichen Zahnfleisch war nämlich heller als mein echtes.

Was mich Außerdem extrem stört, ist das zu kurze Zahnfleisch oben am 11er und zw. 11 und 12. Dort ist eine richtige Lücke, in der sich auch des Öfteren mal Essensreste einnisten und ich diese dann nur schwer raus bekomme, was sehr unangenehm ist, wenn ich mit Leuten unterwegs bin.

Da ich mit meinen Frontzähnen leider sehr unzufrieden bin, habe ich es mir in den letzten 3 Jahren unfreiwillig antrainiert, nicht mehr zu lachen, sondern nur noch zu grinsen. Auf Außenstehende macht dies einen ziemlich verklemmten und komischen Eindruck und in der Tat ist mein Sozialleben seit dem Implantat ziemlich verkommen.

Was noch dazu kommt, ist dass das Implantat viel zu dick ist (dies laut meinem Kieferchirurgen aber so sein muss), so dass ich das "s" nicht mehr scharf aussprechen kann. Zusätzlich zur Optik habe ich jetzt also auch noch einen Sprachfehler. Dies führt dazu, dass ich unter Leuten nur das nötigste Sage und Wörter mit "s" vermeide, was mir einen noch komischeren Eindruck verleiht, da meine Sätze sich einfach nicht mehr natürlich anhören. In Lauten Umgebungen ist mein "s" so unscharf und schwach, dass man es gar nicht mehr hört und ich mich tausend Mal wiederholen muss, bevor man mich versteht.

Was mir außerdem auffällt und extrem nervt, ist, dass Leute meine Sprechweise annehmen, wenn ich mich länger mit ihnen unterhalte. Wahrscheinlich nicht bewusst, aber ich merke, dass sie das "s" irgendwann auch so unscharf wie ich ausspreche. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mir das nicht einbilde, weil es nur bei etwa 50% der Leute passiert.

Achja, ich bin männlich und 27. Mein Hauptproblem derzeit, das mich auch von einer depressiven Phase in die andere treibt, ist dass ich absolut kein Selbstbewusstsein mehr habe. Ich hatte meine letzte Freundin vor 6 Jahren und es ist wirklich extrem schwer, in meiner jetzigen Situation neue Frauen kennenzulernen, da ich mein Lächeln einfach nicht mehr zeigen kann. Allein dieser Beitrag hier war ein riesen Schritt für mich, da ich vor meiner Zukunft Angst habe und sich meine Gedanken jeden Tag eigentlich nur noch um das Implantat drehen. Ich habe mich noch mit niemandem im echten Leben darüber unterhalten, außer mit den (teils verständnislosen, teils ratlosen) Ärzten.

Meine Fragen sind jetzt:

1) Eure ehrliche (!) Meinung zum Implantat und zur Krone. Wie schlimm/gut sieht es aus, steigere ich mich hinein?
2) Welche Optionen bestehen, um das beste daraus zu machen? Logopäde für das "s"-Problem könnte ich versuchen, aber die Überwindung ist groß. Bezügl. des Zahnfleischs hat mir mein Kieferchirurg eine Zahnfleischtransplantation angeboten. Die Frage nach der Erfolgschance hat er aber nicht besonders zufriedenstellend beantwortet. Meine Angst ist, dass es hinterher noch schlimmer aussieht als jetzt.

Was würdet ihr tun?



zahnfleischluecke
Mitglied seit 16. 09. 2018
7 Beiträge

Hier die Bilder

PS.: Ich würde gerne ein paar Schreibfehler im Originalbeitrag korrigieren, kann den aber nicht mehr bearbeiten. Woran liegt das?

Anhänge ( 2 )


felixxx
Mitglied seit 25. 09. 2018
1 Beiträge

Ich finde das vom ästhetischen Standpunkt aus durchaus in Ordnung, beim Implantat hast du halt keinen freiliegenden Zahnhals. Im täglichen Leben fällt das niemanden auf.

Bezüglich Essensresten pack dir so Dental-Sticks aus Kunststoff ein, die gibts im 100er Pack um ein paar Euro und die passen in jede Hosentasche.

Die Aussprache ist halt jetzt schwer zu beurteilen. Hab momentan eine Vollprothese im OK (bekomme in 3 Wochen Keramikkronen auf 6 Implantate) und konnte nach ca. 5 Tagen wieder normal sprechen. Eventuell steigerst du dich da wirklich rein - Das nun 50% der Leute wegen dir das S nicht mehr scharf aussprechen ist meiner Meinung nach ein Indiz dafür.

Meiner Meinung nach musst du an deinem Selbstbewusstsein arbeiten, dann klappts auch wieder besser mit dem Umfeld und deiner Außenwirkung.



zahnfleischluecke
Mitglied seit 16. 09. 2018
7 Beiträge

> Ich finde das vom ästhetischen Standpunkt aus durchaus in Ordnung, beim Implantat hast du halt keinen freiliegenden Zahnhals. Im täglichen Leben fällt das niemanden auf.

Es ist bereits jemandem aufgefallen, der mich darauf angesprochen hat, ob ich Drogen nehme. Er kannte Leute, die Drogen nasal konsumieren und bei denen es so aussieht wie bei mir. Nur dass es bei mir am Implantat und an keinen Drogen liegt... Seitdem versuche ich, den oberen Rand des Implantats so gut wie möglich zu verstecken. Es schränkt mich wirklich sehr ein. Ich bereue es, das Implantat gemacht haben zu lassen. So viel Geld investiert und so ein schlechtes Resultat.

> Bezüglich Essensresten pack dir so Dental-Sticks aus Kunststoff ein, die gibts im 100er Pack um ein paar Euro und die passen in jede Hosentasche.

Ok und die hole ich dann beim Essen mal eben raus :-)

> Die Aussprache ist halt jetzt schwer zu beurteilen. Hab momentan eine Vollprothese im OK (bekomme in 3 Wochen Keramikkronen auf 6 Implantate) und konnte nach ca. 5 Tagen wieder normal sprechen. Eventuell steigerst du dich da wirklich rein - Das nun 50% der Leute wegen dir das S nicht mehr scharf aussprechen ist meiner Meinung nach ein Indiz dafür.

Ich war deswegen inzwischen bei einer Logopädin. Wir haben ein paar Sprachübungen gemacht, aber ich kriege einfach kein normal klingendes "s" hin. Und wenn es sich mal halbwegs ok anhört, dann ist es viel zu leise. Ich kann das "s" nicht laut aussprechen. Auf Parties versteht man mich nicht.

Des Weiteren hat die Logopädin festgestellt, dass mein gesamtes Gesicht total asymmetrisch ist, wenn ich spreche (und zwar nicht nur beim "s", sondern auch f,z,t, usw. eigentlich bei fast allen Lauten und sogar wenn ich lächle. Es sieht so aus, als sei meine rechte Gesichtshälfte gelähmt..)
Das heißt, die Lippen versuchen, die eigentliche Funktion der Zunge auszugleichen. Meiner Meinung nach ist das Problem, dass die Krone des Implantats deutlich dicker ist als die des Nachbarzahns. Dadurch kann die Zunge beim "s" nicht so glatt anliegen wie sie eigentlich sollte. Somit ist der Luftstrom viel zu stark (da zw. Zunge und Zahn zu viel Platz ist) und dadurch klingt es unscharf. Ich weiß nicht, ob mir noch mehr Logopädiestunden da helfen würden...

Ich habe mich mal bewusst darauf konzentriert, die Lippen beim Sprechen symmetrisch zu formen und hatte danach richtige Verspannungen und Muskelkater im rechten Kiefer. Ich bin mir relativ sicher, dass es vor dem Implantat noch nicht so war.

Die Logopädin meinte auch, dass sie so einen Fall noch nie hatte. Und ich finde im Netz auch nur sehr wenige Fälle, wo die Leute hinterher auch noch nach Jahren so starke Ausspracheprobleme hatten. Das beeinträchtigt mich im Alltag leider wirklich extrem.

Ich war auch nochmal beim Kieferchirurgen. Dieser hat mir vorgeschlagen, das Zahnfleisch mit Mucoderm aufzubauen. Hat da jemand Erfahrungen? Ein anderer Zahnarzt meint, man sollte lieber Eigengewebe aus dem Gaumen entnehmen.

Mich würden weitere Meinungen zu den Bildern interessieren und was sie von der Ästhetik halten



zahnfleischluecke
Mitglied seit 16. 09. 2018
7 Beiträge

Da die Bilder nicht mehr abrufbar sind, hier nochmal neu.

Ich freue mich über viele verschiedene Antworten und ehrliche Meinungen!

Anhänge ( 2 )


Agnes
Mitglied seit 25. 10. 2008
277 Beiträge

also, wenn du eine hohe Lachlinie hast, bei der die Zähne in voller Länge zu sehen sind, kann ich nachempfinden, dass du vom Resultat enttäuscht bist. Der 11 ist oben und unten bedeutend kürzer als der 21 und in der Form auch unnatürlich anders. Was für ein Material ist es? Lässt sich schwer beurteilen.

Ich habe auch ein Implantat am 11 und habe diesen Sprachfehler ebenfalls, wenn auch nicht so ausgeprägt. Grund bei mir ist die Okklusion, d. h. der 11 steht leicht vor der Zahnreihe, so dass es beim Sprechen eines "S", bei dem sich die Zähne vom Oberkiefer und Unterkiefer schließen, eine Lücke gibt. Beim "S"-Laut wird Luft durch die Zähne gepustet und dann pfeifft es richtig durch die Lücke, manchmal sogar mit Spuke. Wegen der fehlenden Okklusion verschiebe ich den Unterkiefer nach links, damit der 11 Kontakt zum 42 im Unterkiefer hat. Dann sieht mein Gesicht ein wenig schief aus (nach Schlaganfall!).

Morgen wird deshalb der 41 erhöht, um zu versuchen den Kontakt herzustellen. Wenn es nicht gelingt, überlege ich eine neue Krone, die dann weiter nach hinten zur Zunge hin gesetzt werden soll.

Was du tun kannst? Das kann ein Patient wohl kaum beurteilen. Ich würde einen anderen Chirurgen zur Rate ziehen wegen des Zahnfleisches. Eventuell könnte auch eine neue Krone in Erwägung gezogen werden, vielleicht sogar beide. In der Herstellung können Kronen so gespiegelt werden, dass sie vollkommen symmetrisch aussehen.



Rattenzahn
Mitglied seit 22. 10. 2019
1 Beiträge

Hallo Zahnfleischlücke,
bist du noch aktiv hier?

Du hast gefragt, ob noch jemand ähnliche Probleme hat wie du.
Dies kann ich bejahen.

Meine Geschichte: vor ~3 Jahren wurden mir im rechten Unterkiefer Backenzähne gezogen und leider hat sich zeitgleich der rechte Schneidezahn (alte Traumaverletzung) verabschiedet.
Da hier leider über die Jahre ein Knochenabbau stattgefunden hat, musste also erstmal ein Knochenaufbau stattfinden im Oberkiefer.
Bis ich endlich Implantate letztes Jahr und Kronen Nov2018 bekommen habe, sind ~2 Jahre vergangen.

Ich habe die ganze Zeit unbewusst nur die linke Seite gebraucht (Essen usw) und beim Reden versucht, möglichst wenig Zähne zu zeigen.
und immer einen Schal halb vorm Mund getragen.
Auch wenn die ganzen wechselnden Provisorien für den Schneidezahn nervig waren, konnte ich dennoch sprechen.

Kaum hatte ich jedoch die richtigen Kronen, wars vorbei mit dem Reden.
Anfangs dachte man noch, es läge an der kleinen Lücke zw. den 2 Schneidezähnen, dass ich deswegen Sprachprobleme habe (Zischen, Spucken).
Man könne jedoch diese Lücke rein technisch so ohne Weiteres nicht verschließen und eigentlich sollte es hier auch keine großen Probleme beim Reden geben und man gewöhne sich schnell daran.

Ja...ich war geduldig, hab mich bemüht aber es wurde immer schlimmer...jetzt 1 Jahr her.

Leider schaut man sich selber beim Sprechen nicht ins Gesicht, sonst hätte ich schon schneller bemerkt, dass da etwas komplett schief läuft...im wahrsten Sinne des Wortes.

Im meinem Beruf muss ich viel reden.
Bei einem Gespräch merkte ich plötzlich, dass ich nicht mehr reden artikulieren konnte...hatte echt Panik und nach dem Gespräch bin ich aufs WC geflüchtet und hab gefrustet ins Spiegelbild geflucht.
Dabei habe ich dann zum 1. mal bei mir gesehen, dass da nichts beim Reden so ausgesehen hat, wie es aussehen sollte:
1. eigentlich hat sich eher nur die linke Mundhälfte bewegt, s.d. es aussah, dass rechts die Mundwinkel eher tiefer lagen.
2. war einer der Halsmuskeln komplett dominat auf der linken Seite, der beim Reden dick hervorstand und das Gesicht auch etwas verzogen hat.

Ich hab mich so erschrocken und erstmal ne Runde geheult.
Hab mich dann irgendwann aufgerafft, mal beim Hausarzt nachzufragen, was er von meinem "Problem" hält, weil Zahnarzt und Kieferchirurg immer nur gesagt haben, es wäre nix.

Ich habe kaum einige Sätze gesagt, da meinte mein Hausarzt auch schon, dass ich unbedingt erstmal zur Erstdiagnose zum Logo sollte und dann evtl. zum Neurologen.

Ich habe übrigens wie du keine "gleichenmäßigen" Zahnformen der beiden Schneidezähne...auch der linke Schneidezahn ist überkront.
Die rechte Krone (Impantat) ist dünner als die linke Krone...wie bei dir im mm-Bereich.
Zudem habe ich ein zusätzlich Problem, dass die linke Krone im Kiefer/Gaumen weiter hinten sitzt (auch ein alter Traumazahn) und das Implantat viel weiter vorne (wo eigentlich auch die Schneidezähne sitzen).
Nun haben ich ungleich dicke Zähne zum Gaumen hin und auch noch einen Versatz.

Der Logopäde meinte im Erstgespräch:
mein "Problem" würde nicht von den Zähnen direkt kommen, sondern ist langam im Laufe der Jahre entstanden. ich habe ja 2 Jahre während der ganzen Behandlungen nur die linke Seite belastet, rechts überhaupt nicht mehr und nachdem ich das Implantat hatte, habe ich weiterhin unbewusst nur die linke Seite belastet, also fast 3 Jahre lang.

Dadurch habe ich jetzt "Eine myofunktionelle Störung (MFSt) im Gesichtsbereich ist durch ein Muskelungleichgewicht vor allem der Zungen- und Lippenmuskulatur, aber auch weiterer Gesichtsmuskulatur gekennzeichnet."

Auch mein Schluckmuster hat sich verändert, aber wer achtet vorher schon darauf, wie er geschluckt hat?
Nichts läuft mehr so beim Schlucken und Sprechen ab, wie es sollte.

Ich muss also jetzt anfangen, alles neu zu lernen, zu üben...bevor es jedoch dazu kommt muss gleichzeitig dafür gesorgt werden, dass die überbelasteten Muskeln auf der linken Seite sich entspannen können, dass macht der Logopäde auch.

Es ist so frustrierend, wenn man beim Reden merkt, dass da etwas falsch im Gesicht läuft und das Sprechen im Beruf wirklich anstrengend geworden ist.

Reden tue ich nur noch, wenn es sein muss.
Was laut Logopäde momentan auch ok ist, weil ich mich dann nicht weiter unbewusst verkrampfe und es verschlimmer.

Wenn dann in ferner Zeit die Muskeln auf beiden Seiten wieder harmonisch zusammenarbeiten, ich Schlucken und richtig "Sprechen" geübt habe, dann erst wird man sehen, ob ich mit den 2 unterschiedlich dicken Kronen und dem Versatz überhaupt richtig sprechen kann und dann erst müßte der Zahnarzt wieder an, was dann jedoch ein riesiger Aufwand werden würde, auch finanziell.

Noch ein langer Weg :/

Ich wollte dir nur sagen, dass du sowas nicht alleine durchmachen musst und vetl. nochmal einen Logo aufsuchen solltest, wenn der 1. für dich kein erfolg war?

Also, evtl liest du das hier ja noch
Falls sich bei dir was verändert hat, kannst ja mal was schreiben.

Gruß rattenzahn



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