Diskussions-Forum Zahnimplantate und Zahnersatz

MS verschlechtert durch Implantate trotz negativem Lymphozytentransformationstest?

delia1724
Mitglied seit 03. 07. 2009
70 Beiträge

Hallo an alle Ärzte und Patienten, die hier unterwegs sind,

ich habe ein Problem:

Ich habe Multiple Sklerose (MS) und habe hier in Bielefeld vor zwei Monaten Implatate bekommen (vier OK, drei UK), die jetzt insgesamt fünf Monate einheilen müssen (wegen weicher Kieferknochen, Qualität III).

Zwei Wochen nach der Implantation habe ich nach langer Zeit wieder einen heftigen MS-Schub bekommen, der auch jetzt nach fünf Wochen nicht so recht abklingen will.
Zudem habe ich immer mal wieder von Anfang an ein schmerzloses Klopfen und Puckern an den Implantaten seit der OP. Eine Entzündung im Knochen liegt wohl nicht vor. Das Klopfen ist sehr viel besser als direkt nach der Implantation, aber eben immer noch da.

Unangenehm ist aber in erster Linie, dass ich im Knochen, dort wo die Implantate sitzen, ständige Missempfindungen habe, die ich schlecht beschreiben kann:
eine Art kaltes Brennen oder so ähnlich, als wenn ein eingeschlafener Körperteil aufwacht oder auch wie ein leicht schmerzendes Ziehen.
Ich habe auch häufig Kopfschmerzen, die ich vor der Implantation nie hatte.

Ich habe im Vorfeld - um eine Titanunverträglichkeit auszuschließen - einen Lymphozytentransformationstest und einen Titanstimulationstest machen lassen.
Ergebnis: keine allergische Reaktion, also problemlose Implantation möglich.

Wegen dieser Missempfindungen, des Puckerns, der Kopfschmerzen und des MS-Schubes habe ich jetzt aber doch Sorgen, ob das nicht vielleicht doch auf eine Unverträglichkeit der Implantate hinweist.

Weiß hier vielleicht jemand Rat?

Danke und herzliche Grüße an alle, Delia



Dr. Dr. B. Zahedi
Mitglied seit 06. 12. 2000
4036 Beiträge

Hallo,
Imho ist nach diesen Testergebissen zurzeit eine Unverträglichkeit auf das Material auszuschliessen. Allerdings kann die Ursache für das Auslösen von MS-Schüben vielfältig sein bzw. ist sie noch nicht abschließend geklärt. Auch ein chirurgischer Eingriff mit nicht optimalem Verlauf dürfte als aussergewöhnliche Stresssituation als Auslöser (neben noch ungeklärten anderen Faktoren) infrage kommen.
Gruß
B. Zahedi



delia1724
Mitglied seit 03. 07. 2009
70 Beiträge

Hallo Dr. Zahedi,

danke für Ihre Antwort.

Die OP selbst ist eigentlich gut gelaufen: es war ein sehr erfahrener, jahrzehntelang implantaterfahrener Chirurg und nach knapp zwei Stunden (unter dormicum) war der Fall erledigt. Auch die Einheilung verläuft rein äußerlich ohne Entzündung am Zahnfleisch (einphasige Implantate).

Das einzige, was ich ein bisschen doof fand, war, dass sich während er OP wohl herausgestellt hatte, dass meine Knochen so weich sind und dass für mehrere Implantate eine Knochenaufspreizung gemacht werden musste und sehr lange Implantate benutzt werden mussten und dass der Knochen an einem Implantat mit einer kleinen Schraube befestigt werden musste (die noch entfernt wird), damit der Knochen einwächst. Dieses Implantat ist noch verdeckt.

Aber ansonsten war wohl alles problemlos. Nur jetzt eben nicht mehr.

Nach einer Nebenhöhlen-OP vor drei Jahren mit Vollnarkose hatte ich keinen MS-Schub - daher bin ich jetzt ein wenig überrascht und verunsichert. Zumal sich der Schub kaum bessert. Und das ist sehr ungewöhnlich.

Ich habe heute Morgen noch einmal mit dem Labor in Berlin gesprochen, dass vor der Implantation den LTT und den Stimulationstest gemacht hat. (IMD-Labor in Berlin).

Man sagte mir, ich solle den Test wiederholen, da es manchmal falsch negative Ergebnisse gebe. Zudem solle ich eine so genannte Effektorzelltypisierung vornehmen lassen. Würde mein Blut auf diese drei Tests positiv reagieren, liege eine Unverträglichkeit vor und die sieben Implantate müssten wieder entfernt werden, damit sich die MS wieder beruhige.

Was halten Sie von dieser Aussage?
Zu welchem Vorgehen würden Sie mir raten?

Ach ja, und ich habe seit zwei Tagen einen seltsamen, noch nie da gewesenen juckenden Hautausschlag in der Halsgrube und im Nacken. Im Labor sagte man, das weise auf eine Unverträglichkeit hin.

Was meinen Sie dazu?
Ich weiß nicht, was ich von alledem halten soll ...

Danke für Ihren Rat und unbekannterweise herzliche Grüße. Delia



Dr. Dr. B. Zahedi
Mitglied seit 06. 12. 2000
4036 Beiträge

Hallo,
ein erneuter Test hat ja primär keine Nachteile (außer den Kosten), wirft letztendlich aber die Frage nach dem verlässlichen Wert eines solchen Tests auf. Hier sollten vielleicht Ihr Neurologe und der Labormediziner diskutieren, was die geeigneten Maßnahmen seien könnten.
Wir werden uns um aber uch um eine direkte Stellungnahme von Dr. Baehr vom IMD-Berlin bemühen.
Gruß
B. Zahedi



delia1724
Mitglied seit 03. 07. 2009
70 Beiträge

Hallo Dr. Zahedi,

danke, dass Sie sich bemühen wollen, mit Dr. von Baehr Kontakt aufzunehmen.

Ich habe eigentlich einen sehr guten Eindruck von diesem Labor und fühl(t)e mich dort auch gut betreut. Die Mitarbeiter erklären per Telefon alles sehr freundlich, geduldig und kompetent - sofern ich das als Laie beurteilen kann.

Die Veröffentlichungen zu der Problematik, die von Dr. von Baehr veröffentlicht wurden, erscheinen mir auch sehr fundiert. Wie gesagt - sofern ich das als Nicht-Mediziner beurteilen kann und sofern ich es über das Internet gefunden habe.

Das Labor selbst wurde mir von einem Freund (Internist) empfohlen.

Die Tests sollen schon sehr aussagekräftig sein, nur manchmal gibt es eben auch falsche Testergebnisse. Wie bei anderen Tests auch.
Manchmal sei ein LTT falsch negativ, wenn der Patient vorher noch nie mit Titan in Berührung gekommen sei, dann zeige sich eine eventuelle Unverträglichkeit erst nach der Implantation im Blut, bzw. durch den Vergleich "vorher-nachher".

Die jetzt in Rede stehende Effektorzelltypisierung kann wohl ohnehin nur nach der Implantation und nicht vorher gemacht werden, bzw. hat nur nach Implantation Zweck und Aussagekraft.

Die Kosten finde ich fair (LTT und Titanstimulationstest zusammen unter 100 Euro) und natürlich würde ich lieber erneute 100 Euro sparen - es ist es mir meine Gesundheit aber deutlich wert, die Tests noch einmal zu bezahlen und hoffentlich als Ergebnis zu bekommen, dass die Implantate bleiben können und sich nicht auf die MS auswirken.
Denn falls sie tatsächlich entfernt werden müssten - dann würde es echt teuer (weil: einmal umsonst Titan bezahlt und Alternative Zirkon ist ja noch kostspielig).

Mein Neurologe verfolgt den Prozeß mit großem Interese und Anteilnahme und sagte kürzlich dazu, dass "die Welt nach einer Studie schreie", weil es zu dem Thema, ob Titan bei immunologisch bedingten entzündlichen Krankheiten unbedenklich sei, eben keine wissenschaftlich bewiesenen, fundierten Erfahrungen/Studien gebe.

Mich interssiert nun noch, zu welcher Frage Sie Herrn Dr. von Baehr Stellung beziehen lassen wollen?

Vielen Dank für Ihre Bemühungen!
Herzliche Grüße, Delia



Dr. Dr. B. Zahedi
Mitglied seit 06. 12. 2000
4036 Beiträge

Hallo Delia,
wie ich sehe, sind Sie mittlerweile selber zu einer Spezialistin geworden. Da es hier doch um eine sehr seltene Konstellation geht, kommt man hier mit den einfachen implantologischen Überlegungen nicht weit. Um diese Diskussion auf fachlich hohem Niveau zu halten, könnte eine Stellungnahme durch die Spezialisten hilfreich sein. Aber Sie haben recht: es ist eigentlich schon alles dargelegt.
Halten Sie uns auf dem Laufenden!
p.s.: welches Implantatsystem wurde verwendet?
Gruß
B. Zahedi



delia1724
Mitglied seit 03. 07. 2009
70 Beiträge

Hallo Dr. Zahedi,

nein, Sie haben mich falsch verstanden, bzw. ich habe mich möglicherweise falsch ausgedrückt.
Ich glaube durchaus, dass Dr. von Baehr als Spezialist vielleicht noch etwas Erhellendes beitragen könnte und ich würde es sehr begrüßen, wenn Sie ihn zu einer Stellungnahme bewegen könnten.
Das klappt unter Kollegen sicher viel besser, als wenn ich das versuche.

Und vielleicht ist das ja gar keine so seltene Konstellation, denn die Zahl der MS-Patienten, die Implantate benötigen, wird in Zukunft sicher deutlich zunehmen, da die seit einigen Jahren eingesetzten MS-Medikamente ja auch die immunologische Situation verändern und damit auch (ungünstige) Auswirkungen auf Zähne/Zahnfleisch haben (können).

Und angeblich nehmen doch auch andere immunologisch bedingte entzündliche Krankenheiten zu. Oder vielleicht werden sie auch nur mehr entdeckt, weil die Diagnosemöglichkeiten so gut geworden sind.

Also, vielleicht kann mein aktuelles Problem oder die Lösung doch hoffentlich auch für andere Patienten hilfreich sein?
Das würd\' mich freuen.

Mein ZA (Dr.Dr., Zahnarzt und Gesichts- und Kieferchirurg hat mir sieben Straumann-Implantate eingesetzt, Legierung 4, so rein wie möglich, bzw. ganz rein, sagte man mir).

Die OP selber war so super, wie es sein konnte und ich brauchte nicht eine einzige Schmerztablette hinterher.
Allerdigs habe ich seitdem eine chronische Sinusitis links. Ich hoffe sehr, das gibt sich noch. Aber das ist ein anderes Thema.

Noch einmal danke für Ihre Bemühungen, das ist sehr hilfreich!
Herzliche Grüße, Delia



delia1724
Mitglied seit 03. 07. 2009
70 Beiträge

Guten Morgen,

ich berichte mal, wie es weitergegangen ist.

Also: zweiter LTT-Test und Effektorzelltypisierung sind beide negativ, d.h. keine Unverträglichkeit auf Titan.
Das Ergebnis des zweiten Titan-Stimulatonstestes steht noch aus.

Das bedeutet, dass der MS-Schub also wohl nur durch den OP-Stress ausgelöst wurde und nicht in einer eventuellen Unverträglichkeit begründet liegt.

Darüber bin ich jetzt sehr glücklich.

Merke: Auch ein überreagierendes MS-Immunsystem mus nicht gleich auf alles "allergisch" reagieren. :-))
Vielleicht macht das auch anderen MS-Patienten, die das hier lesen, Mut!

Herzliche Grüße, Delia



Chrissie09
Mitglied seit 29. 07. 2009
3 Beiträge

Hallo Delia,

kannst du mir bitte erklären was die Effektorzelltypisierung ist, bzw. wie sie sich vom LTT unterscheidet?
Mein LTT war negativ, habe aber mit dem Einsetzen der Implantate ziemliche Probleme bekommen. Der Stimulationstest steht noch aus.
Herzliche Grüße
Chrissie09



delia1724
Mitglied seit 03. 07. 2009
70 Beiträge

Hi,

die Effektorzelltypisierung (Blutuntersuchung) kann, im Gegensatz zu LTT und Titanstimulationstest, erst NACH der Implantation durchgeführt werden und zeigt eine mögliche allergische, bzw. unverträgliche Reaktion auf Titanimplatate.

Der LTT ist auch ok, aber insgesamt aussagekräftiger ist der Titanstimulationstest.

Mir ging es nach der Implantation auch sehr schlecht. Neuer MS-Schub, so heftig wie nie.
Nachdem die Tests zweimal wiederholt wurden und das Ergebnis in beiden Fällen gleich ausfiel (keine Unverträglichkeit), habe ich mich selbst überzeugt und überzeugen lassen, dass ich nicht unverträglich auf Titan reagiere und der Schub wohl durch OP-Stress - obwohl ich es gar nicht als so großen Stress empfand, da hab\' ich im Beruf manchmal mehr Belastung - ausgelöst wurde.

Welche Probleme hast Du denn??
Vielleicht kann ich Dir helfen?!

Herzlich, Delia