Diskussions-Forum Zahnimplantate und Zahnersatz

Missglückter Knochenaufbau

Supa1987
Mitglied seit 19. 02. 2022
2 Beiträge

Hallo,
Ich hatte während meiner Schwangerschaft mehrfach eine Eiterfistel an meinem einzigen wurzelbehandelten Zahn (Oberkiefer, Eckzahn) Leider war aufgrund der SS kein Röntgen möglich. Beim Röntgen im August 21 wurde dann festgestellt, dass die Wurzelfüllung wohl ok sei aber eine Entzündung an der Spitze vorläge. Aufgrund der Stillzeit und weil keine Schmerzen da waren zögerte ich den Eingriff bis Nov 20 hinaus. Bei der Wurzelspitzenresektion wurde dann festgestellt, dass der Zahn längs gebrochen ist und raus muss. In Rücksprache mit meinen Zahnarzt sollte der Zahn raus und das Implantat dann direkt gesetzt werden. Das ganze passierte dann Mitte Dez. Bei der OP wurde außerplanmäßig dann zusätzlich noch Knochenersatzmaterial mit eingebaut weil sich der Knochen wohl abgebaut hatte. Es war also eine OP mit Extraktion, Knochenaufbau und Implantatsetzung mit provisorischer Krone.

Anfang Januar 21 kam dann alles raus weil das Implantat gelockert war und ich auch viele Probleme hatte inkl. Eiter.

Mein Doc meinte dann wir lassen es erstmal verheilen, dann Knochenaufbau im März 2021 und Implantatsetzung zwischen Nov 21 und Jan 22. Röntgenkontrolle sah gut aus und nun sollte das Implantat gesetzt werden.

Beim Setzen dann der 'Schock' und auch die Verwunderung des Arztes: der Knochen ist zu weich an der Stelle obwohl dieser auf der Röntgenkontrolle genau gleich aussieht wie der Knochen darum. Er stellte mich vor die Wahl ob nochmal versuchen mit Eigenknochen oder Brücke.

Nun kam also kurze Zeit später alles zu weiche Gewebe raus, es wurde Knochen aus dem Unterkiefer entnommen, mit Ersatzmaterial gemischt und eingesetzt. Heute ist Tag 2 nach der OP. Mein Gesicht ist stark geschwollen und ich hatte auch schon ein bisschen knirschen zwischen den Zähnen: offenbar ausgetretenes Material. Kontrolle ist Di.

Nun meine Frage: woran liegt es dass der Knochen nicht fest geworden ist? Ich hatte keinerlei Probleme beim ersten Aufbau. Es ist gut zugeheilt aber auch ein wenig Material rausgekommen.

Und die zweite Frage: sollte ich in den Notdienst weil nun wieder ein paar Körnchen raus sind - hab panische Angst, dass es wieder schief geht. Ich wollte aber mit Mitte 30 noch keine Brücke ( Zähne rechts und links sind gesund und ohne Füllung) .

Vielen Dank für eure Meinung.



Supa1987
Mitglied seit 19. 02. 2022
2 Beiträge

Was mich nun noch zusätzlich verunsichert: ich soll nun ein Keramik-Implantat bekommen weil vlt. eine Titan Unverträglichkeit besteht laut Aussage meines Arztes.

Ich habe eine Titanplatte in der Hand mit der ich keine Probleme habe. Ich weiß nicht woher die Vermutung kommt.

Wenn ich mir nun die aktuellen Infoseiten durchlese, komme ich aber aber zum Schluss wieder ein Titan-Implantat haben zu wollen. Hat einer schonmal einen Unverträglichkeitstest auf Titan machen lassen?



Agnes
Mitglied seit 25. 10. 2008
516 Beiträge

Der Fehler, der gemacht wurde ist das Einbringen von Knochenersatzmaterial in einem infizierten Areal. Das KEM muss sich anschließend noch in humanen Knochen umwandeln und das funktioniert nicht wenn Keime vorhanden sind. Versuche herauszufinden, welches KEM eingebracht wurde und dann kannst du den Beipackzettel googlen. Es ist kontraindiziert bei Infekten (was bei einer Fistel immer der Fall ist).

Zweitens das Sofortimplantat. Ein Implantat darf nur gesetzt werden bei völliger Infektionsfreiheit der Wunde. Das kann nach der Zahnextraktion mit Fistel und Eiter nicht vorgelegen haben - auch nicht, wenn vorher bzw. nachher Antibiotikum eingenommen wurde. Logisch, dass der bereits bei der Implantation vorgelegene Infekt keine Knochenneubildung ermöglicht.

Im Januar raus und im März bereits neuer Versuch mit Knochenaufbau? Wieder mit Ersatzmaterial? Das konnte nicht gut gehen. Das KEM muss sich in stabilen humanen Knochen verwandelen und das gelingt nicht, wenn noch Restkeime vorhanden sind. "Knochenmatsch" ist die logische Folge. Röntgenaufnahmen zeigen nur die vordere äußere Knochensubstanz, die innere und die rückwärtige kann nicht dargestellt werden. "weicher Knochen" ist eine Verniedlichung, es ist "kranker Knochen".

Dritter Versuch wieder mit Knochenersatzmaterial? Wenn das Knochengewebe schon weich war, dann liegt es daran, dass noch Restkeime vorhanden waren. Die Keime verstecken sich im Knochenersatmaterial , sie können vom Antibiotikum nicht erreicht werden, weil nicht durchblutet.

Was ist zu tun? Beipackzettel studieren, auf die Kontraindikation hinweisen, Keime bestimmen lassen bevor weiter behandelt wird und mit der ZÄ reden.

Die Idee mit dem Keramikimplantat ist ihr nur gekommen weil sie eine Allergie als mögliche Ursache in Betracht zieht. Aber da du bereits Titanerfahrung hast, wird das nichts bringen...

Ich verweise auf den Beitrag von Walburga: "Mit einer Wurzelspitzenresektion fing alles an"!

Alles Gute!



Walburga
Mitglied seit 15. 11. 2018
17 Beiträge

Liebe Supa!
Unfassbar!!!

Ich gebe Agnes völlig recht. Auch ich sehe hier einen Schaden durch falsche Anwendung von Knochenersatzmaterial. Ein Ausräumen von Schadstellen allein hilft nicht. Der Zustand bleibt infiziert. Knochenersatzmaterial hat hier wirklich nichts zu suchen, auch Eigenknochen geht nicht! Es ich sehe klare Parallelen zu meinem Fall.

Ein OPG bringt nichts, auch ein CT ist nicht aussagekräftig genug. Es muss, wenn zeitlich möglich, ein Knochenszintigramm her (Wartezeit nach einer OP ca. 8 Monate) um die Ausdehnung der Infektion zu ermitteln, evtl. auch weitere Untersuchungen (z. B. ein MRT). Die Bakterien sind ja schon lange drin und können sich ausgebreitet haben. Bei der Sanierung müssen alle Stellen erfasst werden, sonst ist das ganze sinnlos.

Auch der rechtzeitige Keimbefund ist enorm wichtig zur gezielten Antibiose. Es könnte auch, wie bei mir, ein Anaerobier vorhanden sein, der besondere Vorsicht erfordert. Nicht zu vergessen histologische Befunde!

Es muss alles bestmöglich abgeklärt werden, vor allem auch eine Osteomyelitis, die sich in der langen Zeit entwickelt haben könnte. Dazu würde ich zum Kieferchirurgen oder in eine Kieferklinik gehen mit deutlichem Hinweis, dass Knochenersatzmaterial in einen infizierten Bereich kam. Der Fehler darf nicht auch noch mehrfach wiederholt werden.

Sichere vorsichtshalber deine Befunde. Ich persönlich würde mir für alle Fälle ein Gutachten erstellen lassen. Kein Arzt darf die Kontraindikationen missachten und jeder Arzt muss wissen, was Bakterien anrichten.

Ich würde mir eine langfristige Antibiotika-Einlage geben lassen. Das Ganze muss in Ruhe ausheilen. Eine lange antibiotikafreie und beschwerdefreie Zeit muss abgewartet werden, bevor man irgendetwas angeht. Lieber ein Jahr lang mit Zahnlücke herumlaufen, als ein Ausbreiten der Infektion mit lebenslangen Folgen! Auch eine Brücke ist logischerweise völlig sinnlos. Da werden gesunde Zähne angeschliffen und darunter verfault der Kiefer.

Ich meine, dass das Material jetzt erst einmal schnellstmöglich heraus muss. Und dann eine Antibiotikaeinlage hinein und keinesfalls neues KEM. Die Schäden durch falsch eingebrachtes Knochenersatzmaterial, also die Gefahren durch Bakterien, werden in diesem Land meiner Meinung nach immer wieder völlig unterschätzt!

Keine Panik, wenn die Schadensursache erst einmal erkannt ist, dann ist dir schon sehr geholfen!

Ich drücke die Daumen, dass alles gut wird! Melde dich ruhig, wenn du Fragen hast!

Walburga



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