Diskussions-Forum Zahnimplantate und Zahnersatz

Kieferknochenentzündung?

SabineM
Mitglied seit 06. 01. 2016
20 Beiträge

Sehr geehrte Ärzte und Chirurgen,

bin seit 3 Jahren nach einem Knochenaufbau, Sinuslift mit Bio Oss und Setzen von 2 Implantaten im Oberkiefer schwer erkrankt und keiner kennt die Ursache.

Bin inzwischen bestimmt schon 7 mal operiert worden, Implanatate raus, versucht das Bio Oss zu entfernen. 2x MAV verschlossen, ev durch die vielen OPs oder vll schon von Anfang an vorhanden.

Habe ein extremes Krankheitsgefühl, Nachtschweiss, plötzlich Bluthochdruck und mittlerweile extreme Schmerzen im Oberkiefer.

Man hat schon etliche DVTs, MRT, Röntgenaufnahmen gemacht ohne Befund...sogar eine Knochenszintigraphie letzte Woche war ohne Befund...

Kann das sein? Merk wie mir Sekret aus dem Oberkiefer in den Mundraum fließt und merk wie mir Sekret den Rachen runterläuft....Die sagen alle es wär psychosomatisch, aber ich spür da stimmt was nicht. Ist wie in einem schlechten Film....

Ich weiß bin keine Traumpatientin, aber vielleicht will irgendeiner mir helfen.

Gibt es einen engagierten Chirurgen der mir helfen kann? Unterschreib alles will nur noch gesund werden



Walburga
Mitglied seit 15. 11. 2018
9 Beiträge

Hallo Sabine,

grundsätzlich sind alle Diagnosemethoden zur Entdeckung von chronischen Knochenentzündungen leider nur im positiven Falle verwendbar. Nach Entfernung der Implantate wurden bei mir zur Auffindung von Rezidiven mehrmals Knochenszintigramme durchgeführt. Laut einem Uni-Prof. der Kieferchirurgie ist ein Szintigramm zur Entdeckung von Entzündungen dringend erforderlich. Trotzdem wurde bei mir in einem Fall bei einer OP eine Osteomyelitis gefunden, und zwar relativ kurz NACH einem negativen Knochenszintigramm-Befund. Ein Nuklearmediziner erklärte mir damals, das Knochenszintigramm könne schon nach einer Woche anders ausfallen, aber man könne es ja wegen der Strahlenbelastung nicht ständig durchführen.

Das Sekret kann durchaus real und trotzdem „unsichtbar“ sein. Bei mir lag ein Escherichia Coli vor, ein Bakterium, das keinen gelben Eiter produziert, sondern ein farbloses Sekret. Dieses Bakterium macht auch keine „dicke Backe“. E-Coli ist laut Literatur nur zu ca. 20 % bei Entzündungen im Kieferknochen beteiligt. Vielleicht wissen es dadurch manche nicht oder denken nicht daran. Der E-Coli ist bei mir mehrfach massenhaft festgestellt worden, ohne dass zunächst ein Fistelgang gefunden wurde – er zeigte sich oftmals sehr viel später. Ein Arzt sagte mir, es könne unter Umständen auch über normale Sekretausführungsgänge nach außen gelangen. Dieser Keim kann als Anaerobier ohne Sauerstoff lange Zeit im Knochen verweilen und Beschwerden verursachen. Ein Bakteriologe erklärte mir, er sei sehr schwer zu finden und sehr schwer zu behandeln.

Sind denn bei dir Keimbefunde durchgeführt worden? Sie sind das A und O bei Knochenentzündungen, weil nur so gezielt therapiert werden kann. So hilft das häufig verschriebene, weil „knochengängige“ Clindamycin offenbar wenig bei einem Kolikeim. Da das Sekret in der Regel nicht ständig ausfließt, muss man ggf. mehrere Keimabstriche durchführen, bevor sich irgendetwas ergibt. Die Zunge ist ein feines Organ und merkt je nach Lage sehr schnell einen anormalen Sekretauslauf – längst bevor die Untersuchungsmethoden anschlagen. Einzelne negative Untersuchungsbefunde sagen nichts aus, lediglich ein massiv positiver. Leider muss man feststellen, dass die Angaben des Patienten immer wieder missachtet werden. Der Patient hat 24 Stunden Zeit, den Sekretauslauf festzustellen, der Arzt meistens nur ein paar Minuten wenn man auf dem Zahnarztstuhl sitzt – er ist also auf die Angaben des Patienten angewiesen. Das Gefühl des Sekretauslaufs haben im Übrigen viele Patienten mit einer schweren Knochenentzündung. Ich kenne mittlerweile eine ganze Reihe davon. Die meisten erklärten, es schmecke immer wieder nach Blut oder Eiter, genau wie bei mir.

Die Ärzte stehen der Krankheit oft hilflos gegenüber. Ständige Antibiosen sind auch nicht hilfreich, man muss das genau abwägen (Nebenwirkungen, Bildung multiresistenter Keime). Vielleicht warst du auch schon in einer Kieferklinik/Uniklinik - bei dieser komplexen Krankheit kann man das nur empfehlen, auch wenn man bei mir in einer solchen Klinik der Sache nicht auf den Grund ging. Übrigens würde ich an deiner Stelle einen HNO-Arzt/Ärztin hinzuziehen, falls nicht schon geschehen. Der kann mit dem Endoskop von der Kiefernhöhle aus auf die Stellen im Oberkiefer schauen, gerade wenn die Kiefernhöhle (wie auch bei mir) schon eröffnet werden musste. Mir erklärte man, dass das Öffnen der Kiefernhöhle ein schwerer Eingriff sei und auch Folgeschmerzen verursachen könne. Man weiß also über die wahre Schmerzursache wenig bescheid, es kann alles sein. Das heißt aber nicht, dass man Entzündungen, Infektionen nicht mehr suchen muss!

Ganz wichtig für die Diagnostik und Therapie: Unter welchen Bedingungen wurde das BioOss eingebracht? Darüber hast du nichts geschrieben, sodass man keine fundierte Vermutung anstellen kann. Wurde in der Vorgeschichte vor mehr als drei Jahren schon einmal KEM eingebracht und gab es in der Folgezeit eventuell Beschwerden? Eigentlich sollten die Fragebögen der Ärzte so etwas enthalten (war bei mir nicht der Fall). Was war unmittelbar vor dem aktuellen Knochenaufbau vor drei Jahren: lag eine Entzündung oder Infektion vor, mussten Zähne deswegen gezogen werden oder ging es darum, längere Zeit bestehende Zahnlücken zu schließen? Wenn eine Entzündung /Infektion irgendeiner Art vorlag: wurde gewartet, bis sie vollständig abgeklungen war und noch einige Zeit darüber hinaus oder wurde nach dem Entfernen des Defekts sofort das Bio-Oss eingebracht? Hattest du Schmerzen, als das KEM eingebracht wurde? Dann würde mich der Befund nicht wundern. Bei Entzündungen oder Infektionen jeglicher Art darf das Knochenersatzmaterial laut Gebrauchsanweisung nicht eingebracht werden.

Das gleiche gilt für die Implantate: Wann wurden die Implantate eingebracht: mit dem Knochenersatzmaterial gleichzeitig oder später, nach einer längeren Einheilzeit für das KEM? War der Kiefer zum Zeitpunkt der Einbringung der Implantate längere Zeit entzündungsfrei und schmerzfrei? Wenn nicht, war es auf jeden Fall zu früh.

Prüfe, ob wirklich alles gemacht wurde. Versuche zu klären/klären zu lassen, ob das Knochenersatzmaterial wirklich vollständig entfernt wurde. Selbst kleine Reste können den Bakterien ein Versteck bieten und sie überleben lassen, trotz Antibiosen. Wurde vielleicht sogar nach dem Entfernen des alten KEM gleich neues eingebracht, um die Lücken zu schließen? Das wäre möglicherweise fatal.

Es wäre wichtig, das alles erst einmal zu klären. Lasse dir alle Unterlagen, die Patientenkartei, Rechnungen usw. geben und lasse das Ganze dann von einem unabhängigen Kieferchirurgen abklären. Scheue dich nicht, die Ärzte gründlich zu befragen! Du könntest dich in diesem Zusammenhang vielleicht auch an den Hersteller von Bio-Oss wenden, die Firma Geistlich Biomaterials und deinen Fall schildern (Schneidweg 5, 76534 Baden-Baden, Tel.: 072 23 96 24 0, Mail info@geistlich.de, Internet https://www.geistlich.de).

Zu den bildgebenden Verfahren: Ein DVT hat bei mir in der Rezidivphase (also nach dem Ausräumen von KEM und Implantaten) nichts gezeigt. Die OP sofort danach brachte einen Osteomyelitisbefund. Ich werde mich auf DVTs nicht mehr verlassen. Was die CTs und MRTs betrifft, so gibt es übrigens auch die Varianten SCEPT-CT oder PET-CT, sowie das PET-MRT-Fusionsgerät (gibt es z. B. in der Tübinger Uni-Klinik), speziell zur Detektion der Kieferosteomyelitis. Bitte „googeln“! Ob das in deinem Fall sinnvoll ist, kann ich nicht sagen, lass dich hierzu ärztlich beraten, vielleicht in einer Klinik, vielleicht kann auch der Hersteller des Bio-Oss etwas dazu sagen.

Die Osteomyelitis wird auch als „Chamäleon der Kieferchirurgie“ bezeichnet, weil die Diagnose sehr schwierig ist. Deshalb sind auch die richtige Einbringung des KEM und der Implantate besonders wichtig. Seitdem vermehrt mit Knochenersatzmaterial und Implantaten gearbeitet wird, ist nach meiner Recherche die Zahl der Knochenentzündungen gestiegen. Leider wird das offenbar im Land immer noch zu wenig ernst genommen. Da man bei dir das KEM und die Implantate entfernen musste, lag ja wohl ein Schaden vor. Wie mir immer wieder bestätigt wurde und ich auch selbst erleben musste kann es bei solchen Schäden zu vielen Rezidiven kommen. Schmerzen und Sekretauslauf wären dann verständlich. In dieser Situation von Psychosomatik zu sprechen scheint mir irgendwie unseriös. Ich selbst habe das auch erlebt. Anscheinend wird das besonders bei Frauen gern versucht. Ich würde den Arzt wechseln.

Zum Thema Blutdruck: Der erhöhte Blutdruck kann durchaus auch stressbedingt sein – für den Körper sind Schmerzen ein großer Stress. Versuche genug zu schlafen und deine Immunabwehr zu stärken. Gehe auch regelmäßig zu einem Internisten, um alle Werte kontrollieren zu lassen.

Ich wünsche dir, dass du bald Hilfe findest, vor allem auch Aufklärung und Wahrheit. Ich kenne dieses Leid genau.

Liebe Grüße
Walburga



Walburga
Mitglied seit 15. 11. 2018
9 Beiträge

Eine Ergänzung möchte ich noch hinzufügen:

Eine Möglichkeit wäre vielleicht auch die Phagentherapie. Sie wird unter anderem von Prof. Burkhard Wippermann in Hildesheim angewandt. Ich habe mich dort vor längerer Zeit schon einmal vorgestellt, da konnte man nichts machen. Es müssen Keime und ein Fistelgang vorhanden sein, dann kann er eventuell Phagen hineinbringen.

Phagen sind Viren, die Bakterien fressen und dann selbst absterben, wenn es keine Bakterien mehr gibt. Die Phagen reagieren spezifisch auf eine bestimmte Bakterienart, weshalb das Bakterium genau bestimmt werden muss. Es muss ein Fistelgang vorhanden sein, weil sonst nicht aufgemacht werden darf (aus rechtlichen Gründen).

Wie weit die aktuelle Forschung ist, ob es mittlerweile Fälle oder gar Studien für den Kieferknochen gibt oder wie es mit Risiken und Nebenwirkungen aussieht, kann ich nicht sagen. Eigentlich müssten es die Kieferchirurgen und Zahnärzte ja als erste erfahren. Ich könnte mir vorstellen, dass das für Patienten mit Infektionen im Kieferknochen in der Zukunft eine Behandlungsmethode sein könnte, vielleicht sogar die beste. Ich hoffe sehr darauf, es könnte ein Rettungsanker werden. Man sollte hier am Ball bleiben. Ich will mich auf jeden Fall in nächster Zeit noch einmal erkundigen.

Bei einer Infektion könntest du hier ja nachhaken. Trage es deinem Kieferchirurgen doch einmal vor oder melde dich direkt bei Prof. Wippermann.

Liebe Grüße
Walburga



Jasmin
Mitglied seit 31. 08. 2017
42 Beiträge

Liebe Walburga,

denke bitte nicht, dass man bei der Firma Geistlich in Baden Baden eine ehrliche Antwort bekommt ;-)

Bekanntlich verzichten immer mehr Zahnärzte auf den Einsatz dieses KEM`s
und das ist auch gut so.

LG Jasmin



SabineM
Mitglied seit 06. 01. 2016
20 Beiträge

Liebe Ärzte und Chirurgen,

mir weiterhin extrem schlecht, die Schmerzen werden auch immer schlimmer. Habe jetzt den Befund meiner Knochenbiopsie von 2016 angefordert.

Damals hatte mir gesagt: alles ok und ohne Befund...Kann mir jemand den Befund erklären? ev doch ein Hinweis auf eine Osteomyelitis?

Will niemand verurteilen...suche nur nach Hilfe...

LG

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