Diskussions-Forum Zahnimplantate und Zahnersatz

Implantate später?

Helga Ahlers
Helga Ahlers

ich habe eine schwere Parodontose und befinde mich zur Zeit in zahnärztlicher Behandlung.Ich habe im Ober kiefer nur noch 2 Pfeilerzähne, die aber wahrscheinlich auch noch gezogen werden müssen(zumindest einer).Ich bekomme einen herausnehmbaren Zahnersatz und trage zur Zeit ein Provisorium. Ich bin ziemlich verzweifelt, weil ich kein herausnehmbaren Zahnersatz haben möchte.Das Provisorium ist schon sehr störend. Meine vorsichtige Anfrage nach Implantaten wurde von meinem Zahnarzt abgeblockt, weil sowas bei mir nicht möglich sei ( das mag vielleicht so sein) und die Implantologie noch nicht so ausgereift ist.
Da eine zahnärztliche Versorgung mit Implantaten auch ein hoher Kostenfaktor ist, bin ich im Moment soweit, einen herausnehmbaren Zahnersatz zu akzeptieren und zu einem späteren Zeitpunkt über Implantate noch mal nachzudenken. Nun habe ich aber gelesen, daß der Kieferknochen durch den Zahnersatz immer weniger wird. Ohne einen ausreichenden Kieferknochen ist aber eine Implantation schlecht möglich.Meine Frage: Wie lange könnte ich den Zahnersatz tragen, ohne das der Kieferknochen angegriffen wird? Außerdem denke ich darüber nach,Implantate im Ausland machen zu lassen.Die Kosten sollen wesentlich geringer sein. (Spanien?) Wo könnte man dort sowas machen lassen? Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar.



Dr. Jörg Brachwitz
Dr. Jörg Brachwitz

Liebe Frau Ahlers,

im Gegenteil: Implantate sind die bestuntersuchte Methode in der Zahnheilkunde und in der Regel sehr zuverlässig. Eine Parodontose (Parodontitis) spricht nur dann gegen eine Implantation, wenn noch unbehandelte Entzündungserscheinungen wie Blutungen oder Infektionen an den Zähnen vorliegen. Diese müssen zunächst behandelt werden. Ihren Wunsch nach festen Zähnen kann ich sehr gut verstehen, weil es ein Stück Lebensqualität ist, sich mit den Zähnen oder dem Zahnersatz wohlzufühlen. Wie lange Sie Ihren Wunsch herausschieben können, ist vor allem von sehr individuellen Reaktionen abhängig: Wie schnell der Knochen unter einer herausnehmbaren Arbeit verloren geht, kann im Einzelfall keiner voraussagen. Da Sie schon Knochenverlust durch Parodontose erlitten haben, wird sich die Situation für eine Implantation im Laufe der Zeit nicht verbessern. Sollte zu wenig Knochen für Implantate vorhanden sein, so kann dieser aber wieder aufgebaut werden. Auch hier gilt: Je weniger aufgebaut werden muß, desto sicherer und einfacher wir die Implantation. Leider läßt sich der weitere Knochenabbau im individuellen Fall nicht vorausberechnen. Er kann innerhalb von wenigen Monaten stark schrumpfen und eine Implantation sehr schwierig machen. In einzelnen Fällen verändert sich das Knochenangebot trotz einer aufliegenden Prothese kaum.
Ob die Implantation in anderen Ländern günstiger ist, vermag ich nicht zu sagen. In Italien oder Frankreich etwa liegt der Aufwand ähnlich hoch. Fest steht, es ist in jedem Fall noch schwerer, an Informationen für eine gute Adresse heranzukommen. Was passiert, wenn sich ein Problem ergibt? Jeder Flug für eine weitere Kontrolle kostet. Für die Nachbetreuung ist die Nähe des Behandlers ein wichtiges Kriterium - er kann frühzeitig Probleme bekämpfen.
Dass Implantate eine aufwendige Leistung sind, steht außer Frage. Der anfängliche Aufwand für die Implantate ist tatsächlich hoch. Allerdings steht dem ein langer Nutzen gegenüber. Unsere Zähne brauchen wir jeden Tag, 24 Stunden lang. Sie sind ein wichtiger Teil für unser Wohlbefinden und und unser Selbstbewußtsein. Wie viel Implantate und feste Zähne Ihnen tagtäglich wert sind, das können nur Sie entscheiden.

Freundliche Grüße

Dr. Jörg Brachwitz



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