Diskussions-Forum Zahnimplantate und Zahnersatz

Frontzahnimplantat

Dr. Dr. B. Zahedi
Mitglied seit 06. 12. 2000
4035 Beiträge

Hallo,
wenn der Zahn (und nicht nur eine gelockerte Krone) wackelt, ist der Zahnverlust in naher Zukunft wahrscheinlich. Dann wäre eher die Frage Brücke oder Implantat gegeben. Sind die Nachbarzähne gesund? Wenn Sie lächeln, sieht man das Zahnfleisch im Frontzahnbereich?
Gruß
B. Zahedi



Frank
Frank

Hallo Katja

Grundsätzlich wird dieser Zahn wahrscheinlich nicht mehr sehr lange halten. Die Problematik ist also tatsächlich eher, wie Dr. Zahedi schon sagte, wie ersetze ich den Zahn.

Implantate sind sicherlich von der Technik gesehen die beste Lösung. Allerdings (und das verschweigen die Implantatseuphoriker gerne) sind gerade im Frontzahnbereich Implantate ästhetisch gesehen oftmals problematisch...

Wenn Du sehr hohe Ansprüche hast, solltest Du Dir gegebenfalls überlegen, ob Du nicht lieber auf ein implantat verzichten willst und anstelle dessen eine Vollkeramikbrücke einsetzen lassen willst. Hiermit kann man im Normalfall bessere Ästhetische Resultate erzielen, um mit Implantaten ein aussergewöhnlich gutes Resultat zu erzielen braucht es einen Spezialisten, der seit Jahrzehnten in dem Bereich tätig ist, sowie spezielle (und somit speziell teure) Implantate (InCeram o.Ä) mit Keramikaufbauten, ansonsten riskierst Du, dass Du am Schluss zwar mit einem guten, festsitzenden Schneidezahn dastehst, der dir ein Leben lang erhalten bleibt, dafür aber einen hässlichen schwarzen Rand am Zahnfleisch (oder eine dunkle Verfärbung des Zahnfleisches), oder ein unnatürliches Aussehen der Kronen aufweist, und du dann zwar einen Super-Zahn hast, aber dafür nur noch hinter vorgehaltener Hand lächeln kannst... Hinzu kommt noch, dass sich die Nachbarzähne mit der Zeit ändern, während das Implantat gleich bleibt. Ästhetisch gesehen ist eine Krone (ond besonders ein Implantat) auf einem einzelnen Vorderzahn bei einem jungen Patienten so ziemlich das schwierigste, was es gibt, es ist fast unmöglich, eine korrekte Harmonie im Lächeln zu erreichen.

Mit der Vollkeramikbrücke kann man eine super-Optik zu nicht allzu massiven Preisen erzielen. Leider müssen dabei Nachbarzähne geopfert werden... Wenn diese allerdings durch den Unfall beschädigt sind, dann würde ich sagen: definitiv.
Wenn sie noch intakt sind, ist es schwieriger. Allerdings: Wenn Ästhetik das non-plus-ultra ist, wäre eine Überkronung vielleicht sowieso angebracht, nur um wieder eine optische Harmonie mit dem überkronten Zahn (der sonst sicher anders aussieht oder in Zukunft aussehen wird) wieder herzustellen. Es gibt Zahnärzte die sagen, wenn man nach einem Unfall einen vorderen Schneidezahn überkronen muss, sollte auch immer der andere überkront werden, sonst sieht das Ganze einfach unnatürlich aus (fehlende Harmonie). Und in diesem Fall ist dann die Vollkeramikbrücke gleich von Anfang eine gute Lösung, anstelle vom Implantat um "Nachbarzähne zu schonen", wenn Du dann nach ein paar Jahren trotzdem wiederkommst, weil sich die ästhetischen Verhältnisse verändert haben, und dann die ganze Front überkront oder verblendet haben willst. Dann mach gleich jetzt eine Brücke über die ganze Front, so hast Du eine gute Restauration, die über Jahre hinweg harmonisch aussieht.

Gruss

Frank



Dr.Metelski
Mitglied seit 27. 02. 2002
969 Beiträge

Guten Abend Katja,
vergessen Sie schleunigst die Ratschläge die Ihnen Frank erteilt hat. Diese sind an fachlichem Unverstand nicht zu überbieten.
Jeder verantwortungsvolle Behandler wird Ihnen nicht dazu raten, gesunde Zähne, nur wegen der Optik bzw. Kosmetik, zu beschleifen
und mit einer Brücke egal ob aus Metallkeramik
oder reiner Keramik zu versorgen. Werden gesunde Zähne beschliffen, grenzt dies schon
an Körperverletzung.
Man kann auch mit Einzelzahnimplantetn im
Frontzahnbereich sehr gute ästhetische Ergebnis
se erzielen.

Gruß Dr. G. Metelski



Dr. Claudio Cacaci
Mitglied seit 16. 12. 2001
93 Beiträge

Hallo Frau Knoblauch,

Einzelzahnimplantate im sichtbaren Bereich gehören sicher zum schwierigeren Teil der Implantologie, weil hier ein ästhetischer Mißerfolg von wenigen Millimetern Gewebe abhängt. Sie brauchen einen Spezialisten, vielleich jemanden der sowohl chirurgisch wie auch prothetisch Tätig ist. Oder was genauso gut ist ein entsprechend eng zusammenarbeitendes Team.
Lassen Sie sich icht verunsichern, auch wenn im Frontzahnbereich knochenverbreiternde Maßnahmen erforderlich wären sollten Sie zu dieser Versorgung tendieren. Wie Kollege Osswald richtig sagt bedarf es bei Vollkeramischen Brücken einen enorm hohen Substanzabtrag und das bei gesunden Zähnen. Ihre gesunden Nachbarzähne kann also bald das gleiche Schicksal ereilen. Zudem, was noch nicht gesagt wurde: unter einem Brückenglied schwindet das Knochen- und Weichgewebe ganz deutlich, weil der Knochen dort nicht mehr gebraucht wird (Atrophie). In einigen Jahren wird dies dann zu weiteren Problemen aus ästhetischer Sicht führen.

Viel Erfolg

Dr. Cacaci
Oralchirurg

Viel Erfolg



Dr. Dr. B. Zahedi
Mitglied seit 06. 12. 2000
4035 Beiträge

Perfekte Frontzahnästhetik mit Implantaten gehört wirklich in die Hand des Erfahrenen. Vielleicht ist die Aufgabe jedoch bei Ihnen nicht so schwer zu lösen, da man das Zahnfleisch bei Ihnen ja nicht sieht und damit der ästhetisch schwierigste Teil (Übergang Krone-Zahnfleisch) im Verborgenen liegt.
Viel Erfolg
B. Zahedi



Katja Knoblauch
Katja Knoblauch

Hallo an alle,

vielen Dank für die ausführlichen Beschreibungen. Kennt jemand einen erfahrenen Implantologen in Berlin? Ich würde ggf. auch vor der Implantation oder vor dem Kroneneinsatz meine Zähne noch bleachen lassen, gibt es darüber eigentlich schon Erfahrungswerte.

Liebe Grüße
K.Knoblauch



Katja Knoblauch
Katja Knoblauch

Hallo,

ich bin 27 Jahre und habe vor 4 Jahren durch einen Unfall meinen oberen rechten Schneidezahn verloren. Derzeit habe ich einen Stiftzahn mit einer Krone. Da meine Wurzel sehr kurz ist (durch Wurzelbehandlung) und die Krone nicht richtig angepasst ist, stehe ich nun vor dr Entscheidung, da der Zahn etwas wackelt, aufgrund der kurzen Wurzel, ob ich mir eine neue Krone oder gleich ein Implantat einsetzen lassen sollte. Da die Ästhetik für mich sehr wichtig ist, bitte ich um Rat, was ich machen soll? Eine Krone, die vielleicht nur 5 Jahre hält und sich ggf. irgendwann die Wurzel spaltet, sodass ein Implantat nur noch mit sehr viel Mühe einepflanzt werden kann oder gleich ein Implantat?

Für eine schnelle Antwort wäre ich sehr dankbar, da meine Krone derzeit nur provisorisch befestigt ist.

Katja Knoblauch



Katja Knoblauch
Katja Knoblauch

Hallo,

danke für die schnelle Antwort. Alle Nachbarzähne sind gesund und man sieht kein Zahnfleisch. Die Krone sieht eigentlich ganz gut aus, wie ein eigener Zahn. Der Zahn wackelt aufgrund der kurzen Wurzel, und jetzt weiss ich eben nicht, was von der Optik besser wäre.

Viele Grüße
K.Knoblauch



Dr. Dr. Ruediger Osswald
Dr. Dr. Ruediger Osswald

Ich kann Herr Dr. Metelski nur zustimmen, auch wenn ich in keinem Fall so weit gehen würde, das Beschleifen von gesunden Zähnen zur Eingliederung einer Brücke als Körperverletzung zu bezeichnen, insbesondere dann nicht, wenn zur Implantation augmentative Maßnahmen erforderlich sind.

Was Herr Frank in seiner bekannten Vollkeramik-Euphorie hier schreibt, ist ziemlicher Blödsinn.

1. Muss für Vollkeramik viel stärker beschliffen werden, so dass die Gefahr der Schädigung des Zahnes sehr viel größer ist. Wenn Sie Pech haben, stehen Sie nach erforderlichen Wurzelbehandlungen und deren Mißglücken ohne 3 Frontzähne dar. Einmal scheint es ja bereits schief gegangen zu sein.

2. Um eine wirklich überlegene Ästhetik allein durch Vollkeramik-Kronen zu erzielen, müssen Sie zufällig an einen Techniker geraten, der in dieser Beziehung ein Künstler ist. Gilt natürlich genau so auch für Metallkeramik, nur sind dort die Künstler wesentlich breiter gestreut. Über den Durchschnitt gesehen, stehen Ihre Chancen wesentlich besser, einen ästhetisch einwandfreien Metallkeramikersatz zu bekommen als einen Vollkeramikersatz.

3. Müssen bei Vollkeramik-Brücken die Verbindungen zwischen den einzelnen Kronen sehr viel breiter sein, um die Frakturgefahr auf ein erträgliches Maß zu senken, was diesen Brücken sehr leicht den Charme einer Kühlschrankausstellung in Warenhäusern verleiht, wenn der techniker kein ausgesprochener Künstler ist.

Wir hatten dieses Thema ja schon, und die Tatsachen werden sich auch dadurch nicht verändern, in dem Herr Frank über den Durchschnitt gesehen Falsches ständig repetiert.
Man könnte ja meinen, er sei Reisender bei Inceram.

Wenn man das Zahnfleisch beim Lachen nicht sieht, würde ich in Ihrem Fall für ein Implantat sprechen, insbesondere dann, wenn der äußere Knochen sehr gut erhalten ist, so dass kein Knochenaufbau notwendig ist, und das Implantat tief genug versenkt wird, damit man die Implantatschulter auch bei dem zu erwartenden initialem leichten Knochenverlust nicht sieht. Sie sollten sich vielleicht beispielhafte eigene Fälle des Zahnarztes zeigen lassen, von dem Sie sich operieren lassen wollen.

Vielleicht wird Ihr Zahn ja auch wieder fest, wenn Sie ihn deutlich außer Kontakt schleifen und mit einer herausnehmbaren Schiene wenigstens in der Nacht völlig ruhig stellen. Einen Versuch wäre es allemal wert. Es ist erstaunlich, wie wenig lang eine Wurzel sein muss um bombenfest zu sein, wenn keine Entzündung da ist und der zahn keinerlei Fehlbelastung (schlechte Gewohnheiten) ausgesetzt ist.

Viele Glück

Osswald



Frank
Frank

Sehr geehrte Herren Osswald und Metelski!

Anscheinend haben Sie den Zweck meiner Ausführungen nicht verstanden, wahrscheinlich habe ich mich auch schlecht ausgedrückt. Also, um mal einiges klarzustellen:

Natürlich ist mein "Rat" medizinisch gesehen "Quatsch" und mann könnte sogar in richtung Körperverletzung tendieren. Aber das macht ja nichts, medizinsch gesehener Quatsch in Richtung Körperverletzung ist heutzutage in der "ästhetischen Medizin" ja völlig normal, die wahrscheinlich am häufigsten durchgeführte OP heutzutage ist ja schliesslich die Brustvergrösserung (medizinischer Quatsch, in meinen Augen). Ja, und nachdem Frau sich die Büste versilikonen lassen hat, will sie meist auch gleich noch ein Hollywoodlächeln... Das betrifft heute nicht mehr nur Leute wie Naddel, Verona Feldbusch, Céline Dion, Tom Cruise u A. (um mal die bekanntesten Keramikstars zu nennen), sondern es wird ja inzwischen auch zum Massentrend. Oder haben Sie diese Erfahrung noch nicht gemacht?
Ich wollte Katia nur sagen, dass, falls Sie auch in diese Richtung tendiert (da sie ja sehr auf die Ästhetik pocht) es vielleicht zweckmässig wäre, eine Brücke jetzt zu machen, anstelle eines Implantates und dann später die Nachbarzähne aus "ätsthetischen Gründen" zu überkronen (und dabei wohl die Implantatskrone austauschen, weil sie sonst nicht passt)...

Ansonsten ist natürlich völlig klar, dass das Implantat vorzuziehen ist, insbesonders, wenn man das Zahnfleisch beim Lachen nicht sieht (ist bei mir nicht der Fall).

Was meine Vollkeramikeuphorie anbetrifft: Ich bin nicht Vertreter von Inceram, sondern ich spreche aus Erfahrung, ich war in einer àhnlichen Situation wie Katrin und habe mich gegen die Proteste meines Zahnarztes, der lieber ein Implantat wollte, für die Brücke entschieden und dies auch durchgesetzt (gut, bei mir war ein nachbarzahn auch beschädigt worden, allerdings nicht sehr gravierend). Das Resultat ist traumhaft, mein Zahnarzt hat inzwischen selbst zugegeben, dass er das mit einem Implantat optisch nicht so gut hingekriegt hätte... Aber vielleicht hatte ich ja einfach Glück mit dem Techniker, oder, Herr Osswald? Auf alle Fälle kann ich bei mir keine "Kühlschrankausstellung" feststellen...

So, tut mir leid, wenn mein vorheriges Posting falsch rübergekommen ist, es war ja auch leicht ironisch gemeint...

Gruss

Frank