Diskussions-Forum Zahnimplantate und Zahnersatz

Beckenkammimplantation im OK

Nanny
Mitglied seit 30. 03. 2011
83 Beiträge

Hallo guten Morgen Fleur
ja, es ist wohl so, dass es wenig Sinn macht einen Knochenaufbau machen zu lassen, wenn man nicht vorhat, sich Implantate setzen zu lassen. Nach einer Zeit durch das Tragen einer Prothese schwindet der Knochen wieder und man steht dann wieder vor dem gleichen Problem und alles war umsonst, so hat man es mir auch erklärt.
Leider alles nicht so einfach. Was für eine Alternative hat dein ZA Dir jetzt vorgeschlagen?
LG



fleur
fleur

hallo nanny,
meine alternative ist immer noch eine gutsitzende OK-teilprothese mit richtigen biss. inzwischen gehöre ich ja schon zu den CMDlern:-((..
nun wird eines meiner prothesensets auf einer uni-klinik bearbeitet- interdisziplinär mit geschulten physiotherapeuten-. es besteht auch noch die möglichkeit einer teleskopprothese auf 3 zähnen.
das vollprothesenkunsthandwerk beherrscht aus meiner erfahrung kaum einer mehr so richtig, es verlangt viel können, zeit und viel geduld. dabei könnte ich recht gut mit einer schönen prothese leben. in einem anderen forum las ich, dass eine vollprothesenträgerin ihre prothesen zu einem mode-accessoire gemacht hat. sie hat mehrere prothesen, verschiedene zahnfarben und sogar brillis drauf. das fand ich cool:-)))
lg



Nanny
Mitglied seit 30. 03. 2011
83 Beiträge

Hallo ossiani,
das ist ja wirklich die schrecklichste Vorstellung. War die OP jetzt erst kürzlich und kann nach einer Zeit wiederholt werden? Es tut mir sehr leid für Dich und ich hoffe, dass die KK wenigstens die Kosten übernimmt und zu den seelischen Sorgen wenigstens die finziellen Sorgen etwas gemildert werden.
Wünsche gute Besserung
LG
Nanny



lenavandijk
Mitglied seit 05. 04. 2011
155 Beiträge

Ja, ossiani, dem kann ich mich nur anschließen! Die psychische Belastung muss grausam sein! Hast Du Hilfe?
Und hat man Dir denn Gründe nennen können, weshalb sich der Knochen nicht mehr regeneriert hat? Und nun? Hast Du noch eigene Zähne in dem Kiefer? Wie geht\'s jetzt weiter?

Nanny, was hat denn Dein Gespräch gestern ergeben???

Und fleur, einfach mal so in den Raum stellen, dass sich der Knochen wieder abbaut, halte ich für ungut. Dazu gehören weitere Informationen! Der Knochen baut sich wieder ab, wenn keine Zahnwurzel bzw. kein Implantat drin ist - wäre so eine Info. Oder dass der Knochen sich zu einem gewissen Prozentsatz wieder abbaut - was der Spezialist aber vorher weiß und berücksichtigt.
So eine Pauschal-Aussage, "der Knochen baut sich wieder ab", würde ja gleichzeitig bedeuten, dass bei NIEMANDEM Implantate nach Knochenaufbau halten! *kopfschüttel*
Fazit: Den mit der Drittmeinung würde ich mal gleich von der Liste streichen!

Ich kriege übrigens nächste Woche (wenn endlich alles klappt) mein Langzeitprovisorium: Eine Teleskopprothese auf drei Zähnen! Werde berichten, wie es ist.

Bei mir hat sich (bei der DVT) gezeigt, dass wirklich extrem viel Knochen aufgebaut werden müsste. Es gibt Stellen im Oberkiefer, da ist schlichtweg gar kein Knochen mehr, oder nur noch 1, 2 mm *heul*. Mein Implantologe meinte, auch hier sei noch ein Aufbau möglich, er mache das auch relativ oft, traue es mir aber nicht zu. Und ich muss sagen: Ich stimme ihm VOLL zu!
Mehr als 1 cm Knochen aufbauen? Was muss das für ein massiver Eingriff sein! Und dass man eine solche Menge "neuer Knochen" erstmal nicht (mit einer Prothese) belasten darf (und kann), leuchtet mir auch ein.

Nee. Ich hatte mich eh schon von der Hoffnung verabschiedet, noch mal festsitzender Ersatz zu bekommen. Jetzt krieg ich also erst mal mein Langzeitprovisorium (ich wollte unbedingt etwas gaumenfreies). Und dann, vermutlich im Spätsommer, gucken wir mal, was mein Kiefer so sagt, wie gut er ausgeheilt ist. Und dann versuchen wir, im Oberkiefer zusätzlich zu meinen 3 Zähnen noch ein paar Implantate rein zu kriegen. Halt da, wo noch genügend Knochen ist, bzw. künstlich aufgefüllt werden kann. So, damit eine (dann neue) Teleskop-Prothese noch mehr Halt wieder bekommt.

Nur im Unterkiefer möchte ich noch wieder festsitzenden Ersatz haben. Aber das geht\'s um 3 fehlende Zähne, und der Kieferknochen hat offenbar noch 8,2 mm, sowie Chancen, noch wieder mehr zu werden.

Übrigens diese "Idee", Zahnersatz fast wie Mode oder Schmuck zu tragen, ist mir auch schon gekommen! Ich selber wäre zwar nie und nimmer der Typ dafür. Aber ich bin 100% sicher, dass die Hollywood-Zahnärzte längst von sowas leben! Wetten?!

In welchem Forum liest man denn sowas, fleur? *neugierigbin*

LG lena



fleur
fleur

@ossiani,
auch mir tut es sehr leid, dass du die OP so lange ohne zähne und vor allem ohne erfolg durchstehen musstest. und danke, dass du uns davon berichtest. ich hoffe, du hast nun trotzdem eine gute prothese, die dich nicht stört. wie gehts dir jetzt?
@nanny,
ich hörte in meinem umfeld von einem jungen mann, der nach einem schweren autounfall seinen kieferknochen total zertrümmert hatte. ein berühmter chirurg- bei dem ich auch schon war- hat ihm den knochen erfolgreich mit beckenkamm restauriert und implantate mit festsitzendem zahnersatz gesetzt. ein anderer fall: von einem ZT erfuhr ich, dass sein kollege extra in eine renommierte klinik nach D zur beckenkamm op fuhr. diese verlief gut. er starb aber an den folgen einer bakterie im krankenhaus. wirklich tragisch das ganze. eine op birgt halt immer ein risiko. ich habe gelesen, dass man schon eigenknochen im reagenzglas züchten kann. so weit ist man aber noch lange nicht für den patienten. schade.
lg



fleur
fleur

hallo lena,
..dann ist deine situation im OK meiner sehr ähnlich. ich habe auch nur noch 3 zähne. wir sollten einen klub gründen:-)))

das mit dem prothesenschmuck war mal im zahnonline forum. ist aber schon länger her. und dieses so beliebte patienten forum ist nicht wiederzuerkennen.:-(
lg



fleur
fleur

fleur schrieb:

Zitiert von:
hallo lena,
..dann ist deine situation im OK meiner sehr ähnlich. ich habe auch nur noch 3 zähne. wir sollten einen klub gründen:-)))

das mit dem prothesenschmuck war mal im zahnonline forum. dieses so beliebte patienten forum wurde leider in seiner form geändert. man findet die beiträge kaum noch, oder nur sehr schwer. wirklich schade.
lg



Dr. Frank Maier
Mitglied seit 29. 06. 2010
30 Beiträge

Guten Tag,

ich möchte versuchen Ihnen mit meinen Erfahrungen aus Sicht des Arztes etwas weiter zu helfen. Bei großen Kammdefekten sind Knochenaufbauten leider notwendig und sicherlich keine angenehmen Eingriffe. Deshalb darf auch nicht leichtfertig damit umgegangen werden. Zunächst müssen Arzt und Patient zusammen entscheiden, welches Behandlungsergebnis gewünscht ist.

Ist der Patient mit einem herausnehmbaren aber gaumenfreien Zahnersatz zufrieden, sind der Aufwand des Knochenaufbaus und das Risiko recht gering. Eine implantatgetragene Teleskopversorgung beispielsweise bietet den Halt und Komfort von festsitzendem Zahnersatz und wird nur zum Reinigen zwei Mal am Tag herausgenommen. Ich mache seit 9 Jahren sehr gute Erfahrungen mit SynCone Teleskopen. Meist reicht für den Knochenaufbau Knochenersatzmaterial und Knochen den man aus dem Mundbereich gewinnt aus.

Wird dagegen festsitzender Zahnersatz gewünscht, ist häufig in der Frontzahnregion ein sehr großer Knochenaufbau notwendig (s. Röntgenbild nach Beckenkammtransplantation in unserer Praxis). Damit werden der Aufwand, die Kosten, die Unannehmlichkeiten und auch das Risiko deutlich größer. Für den Knochenersatz gibt es zwei Möglichkeiten: Beckenkammtransplantation oder das Einsetzen von menschlichem Spenderknochen. Beckenkamm heilt schneller ein (3 - 4 Monate), eine Vollnarkose ist notwendig. Der Spenderknochen braucht länger (6 Monate), es ist aber kein zusätzlicher Eingriff zur Knochengewinnung notwendig und die Behandlung ist unter Lokalanästhesie möglich. In der Folge sind meist mehrere Eingriffe zur Anpassung der Weichgewebe notwendig. Diese Eingriffe sind unangenehm, da über längere Zeit ein Wundheitsgefühl bestehen bleibt. Bei jedem Knochenaufbau findet während der Einheilungsphase auch eine Resorption statt. Daher muss der Aufbau überdimensioniert werden. Nach Einheilen der Implantate baut sich der Knochen je nach Beanspruchung um und bleibt weitgehend bestehen. Sonst würde der Knochenaufbau keinen Sinn machen. Ein gewisser Knochenabbau findet in der Folge beispielsweise durch Zahnfleischentzündungen statt, wie auch um die natürlichen Zähne.

Der Knochenaufbau darf anfangs nicht überlastet werden. Eine Belastung würde zu einer Lockerung und Abstoßung führen. Deshalb ist es dem Behandler am liebsten die Patienten tragen keinen Zahnersatz oder falls noch Zähne vorhanden sind ein festsitzendes Provisorium. Trotzdem kann auch ohne Zähne eine Prothese getragen werden, nur sollte diese weich unterfüttert und für zwei Monate nicht damit gekaut werden. Das bedeutet zwei Monate weiche Kost! Eine Alternative bieten provisorische Implantate, an denen die Prothese befestigt wird. Das bedeutet aber zusätzliche Kosten, die auch von Privatversicherungen öfters abgelehnt werden.

Ein Knochenaufbau zum Ersatz von fehlenden Kieferbereichen ist generell sinnvoll und funktioniert i. d. R. gut. Wichtig für eine verlässliche Planung ist eine dreidimensionale Darstellung der Kieferknochen mit einem CT oder besser DVT (CBCT). Dadurch kann der Eingriff exakt vorbereitet werden und es gibt keine Überraschungen. Auf keinen Fall sollten Sie auf Implantate ausweichen, die suggerieren, dass kein Knochenaufbau notwendig ist, wie beispielsweise Subperiostale Implantate oder Disk-Implantate. Meist sind bei diesen Implantattypen Infektionen und extremer Knochenverlust die Folge.

Ich hoffe ich konnte ein paar Fragen beantworten, weitere Informationen finden Sie unter http://www.zgil.de.
Viele Grüße und gutes Gelingen,

Dr. Frank Maier



lenavandijk
Mitglied seit 05. 04. 2011
155 Beiträge

Hallo Herr Dr. Maier,

DANKE! Das war weitaus mehr, als ich mir an Infos in diversen Arztgesprächen (und mit verschiedenen Ärzten) zusammentragen konnte! Frage mich natürlich, warum es für viele Ärzte offenbar SO schwer ist, diesen Gesamtüberblick zu vermitteln?!

In meinem Fall ist es tatsächlich so, dass ich persönlich mir den aufwändigen Knochenaufbau für einen festsitzenden Ersatz einfach nicht zutraue. Ich hoffe darauf, dass ich mit der abnehmbaren Teleskopprothese zurecht komme. Einen Vorgeschmack wird mir ja sicherlich schon das Langzeitprovisorium (zunächst nur auf drei noch vorhandenen Zähnen) vermitteln.

Mir wurde beim letzten Termin gesagt, es sei durchaus noch möglich, dass sich mein Unterkieferknochen von selbst noch ein wenig wieder aufbaut (Zahntaschen wurden bei der Extraktion erhalten). Für den Oberkiefer wurde mir dagegen keine Hoffnung gemacht. Können Sie vielleicht noch sagen, über welchen Zeitraum sich ein Knochen nach dem Zähneziehen noch wieder regenerieren kann (also OHNE Aufbau)?

Und zu welchem Zeitpunkt soll man eigentlich eine Fehlstellung behandeln? Ich bin etwas verwundert, dass in der Hinsicht bei mir noch nichts in Angriff genommen wurde...

Und danke nochmals für Ihre tolle Auskunft!
Lena



lenavandijk
Mitglied seit 05. 04. 2011
155 Beiträge

Dr. Frank Maier schrieb:

Zitiert von:

Wird dagegen festsitzender Zahnersatz gewünscht, ist häufig in der Frontzahnregion ein sehr großer Knochenaufbau notwendig (s. Röntgenbild nach Beckenkammtransplantation in unserer Praxis).

Kann ich leider nicht finden Haben Sie mal einen Link?