Diskussions-Forum Zahnimplantate und Zahnersatz

Alles Pfusch oder mache ich mir umsonst Sorgen?

datobi
Mitglied seit 14. 05. 2020
3 Beiträge

Hallo,
zu mir, ich bin 36 und hatte nur noch Zahnstumpfe welche nicht mehr aufbaufähig waren im Mund, worauf im OK und UK eine Kronenbrücke montiert war. Aus Kostengründen hatte ich diese damals im Ausland anfertigen und einsetzen lassen. Was ich nicht wusste, die Zahnstumpfe wurden nicht wie allgemein üblich "überzogen" sondern es wurde direkt "drauf geklebt", so dass diese nach und nach "wegfaulten" bis die Krone schließlich irgendwann runter kam.

Also musste eine neue Lösung her, nach langer Recherche und Preisvergleichen hatte ich einen Zahnarzt in Deutschland (150km entfernt) gefunden, der mir nach dem ersten Gespräch auch einen attraktiven Pauschalpreis für All-On-6 im OK und UK angeboten hatte.

Besprochen war, die restlichen Zähne zu ziehen, die Implantate in der gleichen Sitzung zu setzen und eine Woche später das Provisorium fest auf diesen Implantaten. Leider hielt sich der Zahnarzt nicht daran und pochte darauf diese einheilen zu lassen und bekam dann nur eine herausnehmbare Prothese, welche nicht richtig saß, da der Abdruck mit dem geschwollenem Kiefer gemacht wurde, aber das steht auf einem anderem Blatt. Optisch passten diese recht gut aber mussten halt direkt mehrmals unterfüttert werden...
Nachdem ich mich nun an die Prothese mehr oder weniger gewöhnt hatte, das ich damit nichts abbeißen kann, weil die sich sonst raushebelt im OK, war die Einheilzeit vorbei und ich machte einen neuen Termin für die Implantat-Freileigung (welche Extra berechnet wurde). Hierbei hat er mir mehr als 20 Spritzen gesetzt und einfach fröhlich den kompletten Kieferkamm aufgeschnitten und da wo keine Implantate waren wieder zugenäht... macht man das so? Ich denke mal eher nicht... Als ich dann nach 3 Tagen auf Ibuprofen nachschaute kam der Schock, er hat anstatt 6 Implantaten, einfach 7 gesetzt pro Kiefer (allerdings nur 6 berechnet) ABER die Positionen sind einfach reiner Zufall. Die im Implantatpass angegebenen Positionen stimmen in keinstem damit überein. Ich kann mir gut vorstellen, das dies zu späteren Problemen führen könnte. Soweit so gut, letzte Woche wurde mir kurz gezeigt (1 Minute maximal) welche Zähne ich mir aussuchen könnte, ob es eine Vollkeramik oder mit Titangestell sein durfte. Er fragte mich lediglich nach der Zahnfarbe, ich wollte wieder A2 welche ich davor schon hatte. Bei der Frage ob die Zahnfleischfarbe angepasst werden könnte (da meine ziemlich dunkel ist) meinte er dass es hier sehr wenig Auswahl gäbe, 2 Farben. Ich behaarte aber darauf die günstigste Lösung, wie abgemacht zu nehmen. Er nur lachend, kein Problem nehmen wir Keramik, er macht die Preise, alles im Rahmen. Als er dann mit dem runterschrauben der Implantatköpfe begann, für den Abdruck, hatte er eins zu fest gedreht dass es nicht mehr aufging... es fühlte sich an als hätte er mir das halbe Kiefer versucht rauszureißen. Genervt von diesen Schmerzen hat er dann den Abdruck gemacht und den Rest mit der Prothese für sich entschieden. Heute hatte ich einen Termin für die Einprobe und war erst einmal erstaunt wie Scheiße die aussahen. Er meinte das wird noch, das muss erst noch "glasiert" werden oder was auch immer. Aber auch die Form war absolut grauenhaft... Die Mitte war 8mm verschoben von meinem Gesicht UND jetzt kommt das eigentliche warum ich nun echt bedenken habe, er hat die All-ON-6 Lösung einfach mal dreigeteilt. Sprich drei Prothesenteile auf jeweils 2 Implantaten... sowas hatte ich bisher weder gesehen noch gehört. Dann hatte er kurzerhand das eine Implantat, welches er nicht mehr aufbekommen hat abgeschliffen, ohne Worte. Ich hab da also ein Implantat ohne jeglichen Sinn im Kiefer. Nach der Einprobe mit der Prothese im UK, war er auch schon wieder weg. Anschließend, hat er bzw. seine Helferin zum ersten mal einen digitalen 3D Abdruck der Gesamtsituation gemacht, davor nur diese "Gummi" Abdrücke. Als wir quasi fertig waren heute, hat mir die nette Helferin einen Heil- und Kostenplan hingelegt wo ich fast vom Stuhl gefallen bin. Er wollte einfach mal 7k mehr als (schriftlich!) vereinbart. Auf die Frage warum, meinte er nur dass er es vergessen hatte und annahm ich wolle Keramikzähne, welche teurer sind. Ich solle das schriftliche Angebot nächstes mal mitbringen, er passt den Betrag an, er hält an sein Wort (hat auch keine andere Wahl, der Investitionsplan ist bindend). Ich bin gespannt wie die Prothese dann in 3 Teilen aussieht, kann mir aber jetzt schon vorstellen das dies zu Problemen führt, nicht nur ästhetischen (da man den Übergang wohl sieht) sondern sich auch auf meine Sprache auswirkt...

Behandlungsablauf in Stichpunkten:
- Diagnose per Untersuchung und einem Röntgenbild, Restzähne entfernen, Implantate setzen
- 1. Behandlung: Betäubung durch Tabletten, Entfernung der Restzähne, Willkürliches setzen der Implantate ohne Vorlage, anschließend wurde ein Röntgenbild gemacht und ein Implantatpass ausgehändigt
- 2. Behandlung: ziehen der Fäden, Abdruck für herausnehmbare Prothese
- 3. Behandlung: Einpassen und Weich-Unterfütterung der Prothese da Zahnfleisch zum Zeitpunkt des Abdrucks geschwollen war
- 4. Behandlung: Freilegen der Implantate indem der Kieferkamm einmal von links nach rechts aufgeschnitten wurde, dort wo keine Implantate waren wurde genäht
- 5. Behandlung: ziehen der Fäden und Abdruck für die Zähne, ein Implantat war zu fest und konnte nicht aufgeschraubt werden, kurze Erklärung über Möglichkeiten der neuen Zähne, entschieden hat er alleine
- 6. Behandlung: Einprobe der vorbereiteten Zähne, Prothese dreigeteilt (bei All-ON-6), passte nicht da ein Implantat welches er nicht mehr aufbekam, kurzerhand dieses eine Implantat abgefräst | Im Abschluss digitale Röntgenaufnahme

Das war meine Story bisher, eure Meinung? Pfusch oder alles Ok? Mein ganzes Problem ist, der Löwenanteil an Geld ist durch das setzen der Implantate schon weg, mehr hatte ich nicht übrig... Was soll oder kann ich tun? Ich bin verzweifelt

Gruß
Tobi



datobi
Mitglied seit 14. 05. 2020
3 Beiträge

Vielleicht hilft das auch noch etwas zu eurer Meinung, ein Bild der Implantate und des Implantatspasses.

Anhänge ( 2 )


Jutta
Mitglied seit 06. 05. 2010
31 Beiträge

Oh man, wenn ich so etwas lese bin ich immer ganz traurig. Zu meiner Zeit waren die Menschen noch wenig aufgeklärt aber heutzutage.... Ich, geb. 1951 hatte auch so schlechte Backenzähne und dadurch viel mitgemacht, aber ich habe bei meiner Tochter 100 Prozent aufgepasst und darauf geachtet auch bei meinem Enkel.
Also was Du da schreibst ist für mich nicht in Ordnung. Aber dazu muss sich ein Arzt äussern. Aber gerade bei meinen Zähnen habe ich gesagt, lieber nicht in Urlaub fahren und sparen aber billig ist da nicht unbedingt gut. Das hat ja auch mit Schmerzen usw. zu tun. Ich hoffe nur dass alles gut wird bei Dir und pass auf Deine Kinder auf, dass die nicht solche Probleme bekommen.



datobi
Mitglied seit 14. 05. 2020
3 Beiträge

Nachdem ja leider niemand mehr dazu etwas geschrieben hat, wollte ich eine zweite Meinung von einem Zahnarzt einholen. Ich hätte am 12.06 einen Termin bei meinem Zahnarzt gehabt. Jetzt ist es so, dass ich nachdem ich nach einer Kopie der Patientenakte gefragt habe dieser offenbar überreagiert bzw. sich angegriffen fühlt dass er den Termin abgesagt hat. Die Akte bekomme ich per Post.

Ziemlich komisches verhalten... und für mich als Patient total unglücklich während der Behandlung weggeschickt zu werden... was kann ich denn jetzt überhaupt noch tun? Ich wollte doch nur Gewissheit, das alles so ok ist wie es derzeit verläuft, ich hab schließlich nur einen Körper



Agnes
Mitglied seit 25. 10. 2008
297 Beiträge

Hallo Tobi,

es wäre wünschenswert, dass noch ein Zahnarzt etwas zu deinem Fall und zu den Fotos bzw. Implantatpass sagt. Der Text ist lang und nicht ganz einfach zu verstehen, einige schrecken dann davor zurück.

Zunächst einmal zum Verhalten des Zahnarztes: die Frage nach Herausgabe der Patientenakte löst - leider - Argwohn aus. Hattest du gesagt, dass du damit eine Zweitmeinung einholen wolltest? Dann wäre seine Reaktion darauf nicht besonders professionell.

Nach dem Lesen der Geschichte - ohne Beachtung der finanziellen Seite – ist es vielleicht von Vorteil, dass es zum Abbruch der Behandlung gekommen ist.

Wie du selbst festgestellt hast, wurden im Unterkiefer 7 Implantate gesetzt – im Implantatpass nur 6 angegeben (mit den Zehnernummern 3x und 4x), die angegebenen Positionen scheinen nicht mit den tatsächlichen überein zu stimmen. Im Oberkiefer wurden rechts 4 Implantate gesetzt, links nicht zählbar. Es darf einfach nicht mehr implantiert werden als in der Aufklärung/Einwilligung angegeben (Körperverletzung!).

Bei der Vorgeschichte ist es fraglich, ob hier Sofortimplantate hätten gesetzt werden dürfen (Extraktionen und Implantationen in einer Sitzung). Voraussetzung für Implantatsetzung ist stets die Infektionsfreiheit der Wunde, sowohl des Weich- als auch des Knochengewebes. Implantate, die in einer keimbelasteten Umgebung gesetzt werden haben keine lange Lebensdauer. Periimplantitis mit Implantatverlust droht.

Das Dreiteilen der Prothese, das Abschleifen eines Implantats und die Preisgestaltung würde ich als abenteuerlich beschreiben. Ferner wird sich die Form der Prothese durch „glasieren“ auch nicht verändern.

Alles wenig vertrauenswürdig. Wie geht es jetzt weiter? Auf jeden Fall Krankenkasse kontaktieren, eine Zweitmeinung einholen, ggf. später einen Gutachter einschalten. Mache von dem Angebot nach einem Spezialisten hier im Forum Gebrauch. Die Positionierung der Implantate prüfen lassen, ob alles ausgeheilt ist und ob eine (ungeteilte) Prothese darauf überhaupt möglich ist. Bloß jetzt nicht auf eine rasche Vollendung beharren, das könnte zu nicht enden wollenden Nachbehandlungen und zusätzlichen hohen Kosten führen. Google mal mit den Begriffen „Informationen rund um die Versorgung mit Zahnersatz“. Da findest du die Vorgehensweise.

Noch eine Frage wegen der Kosten: Bei zahnlosem Kiefer zahlt die Kasse. Hattest du dich im Vorfeld über die Möglichkeit der Regelversorgung informiert?

Alles Gute!



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